Weinen vor dem Baby

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Jamie
Beiträge: 15
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Weinen vor dem Baby

Beitrag von Jamie »

Hallo,

ich habe mich schon vorgestellt.
Ich bin seit 8 Wochen Mama und habe irgendwie ein totales Problem mit dem Gedanken, dass mein Baby größer wird - das sich ihr Aussehen und ihre Gestik ändert und ich nicht damit umgehen kann. Ich hatte immer schon Probleme mit Veränderungen.
Ich überlege auch, ob ich sie dann überhaupt noch lieben werde, was Mutterliebe ist und ob sie ohne mich nicht vielleicht besser dran wäre.

Jedenfalls weine ich ständig, manchmal auch vor meinem Baby und ich frage mich, wie sehr es ihr schadet. Ich will nicht, dass sie durch mich später emotional gestört ist. Habt ihr da Erfahrungen gesammelt? Im Internet finde ich nichts dazu.
Vielleicht weiß jemand mehr. 🤔

Liebe Grüße
Jamie
Mel
power user
Beiträge: 550
Registriert: 25:11:2018 13:07

Re: Weinen vor dem Baby

Beitrag von Mel »

Hallo!
Also, wenn ich ehrlich bin, hat mein Sohn mich häufig weinen sehen und er hat auch mehrere richtige Zusammenbrüche mitbekommen. Einerseits fand ich es furchtbar, dass ich mich so wenig unter Kontrolle hatte, andererseits denke ich im Nachhinein, es ist ok, wenn Babys die Bandbreite von Gefühlen mitbekommen. So lernen sie als Kleinkind sicherlich besser, die eignenen Gefühle einzuordnen und zu benennen und Empathie zu entwickeln.
Mein Sohn ist jetzt vier, und er hat Mitgefühl, kann sich mal mehr mal weniger regulieren, wenn er sich aufregt bzw. wütend ist. Und ich sage ihm immer wieder, dass Weinen/ Traurigkeit ein Gefühl, genauso wie Freude ist, und gezeigt werden darf.
Und wenn ich einen schlechten Tag habe, sage ich ihm das auch, damit er weiß, dass ich manchmal einfach schlechter drauf bin, ungeduldiger oder schneller überfordert bin, dass das aber nichts mit ihm zu tun hat. Auch er hat ja gute und schlechte Tage. Das kann er gut annehmen.
Ich hoffe einfach, dass ihm meine Erkrankung nicht geschadet hat, eine Garantie gibt einem natürlich keiner, aber ich kenne durch meine Selbsthilfegruppe einige Frauen mit einer krassen Krankheitsgeschichte, deren Kinder alle völlig normal entwickelt sind.
Vielleicht beruhigt dich das etwas...
Ganz liebe Grüße
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Sertralin,
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen
Jamie
Beiträge: 15
Registriert: 18:05:2021 6:54

Re: Weinen vor dem Baby

Beitrag von Jamie »

Hallo Mel,

danke für deine Antwort.

Ich versuche auch vor dem Baby nicht zu weinen. Aber sie ist es ja leider, die mich zum Weinen bringt. Ich schaue sie an, denke daran wie vergänglich die Zeit ist und schon laufen die Tränen. Es fällt mir einfach unheimlich schwer meine Gefühle zu unterdrücken und es gelingt mir oft nicht. 😭

Ich kann dann Sätze, wie den von meinem Vater nicht verstehen "und nicht so oft weinen." Ich weiß es ist lieb gemeint aber total unbeholfen. Als könnte ich meine Gefühle einfach abstellen.

Ich kann nur hoffen das ich meinem Baby nicht zu sehr schade. Derzeit lächelt sie oft. Hat mich aber auch schon verwirrt angeschaut als ich plötzlich geweint habe. 😔
Leonie12
Beiträge: 43
Registriert: 03:03:2021 15:08

Re: Weinen vor dem Baby

Beitrag von Leonie12 »

Hallo Jamie

Erstmal möchte ich dir ganz klar eine Sache sagen: NEIN, deine Tochter wäre ohne dich NICHT besser dran! Und die Tatsache, dass du traurig bist, weil sei älter wird, sich ihr Aussehen und ihre Laute verändern hat nichts mit deiner Liebe für sie zu tun! Wie geht es dir denn inzwischen?
Ich kann deine Trauer gut verstehen, manchmal geht es mir mit meinem Sohn ganz ähnlich! Aber glaub mir, du wirst deine Tochter immer weiter lieben, egal wie sie sich verändert! Denn sie wird immer dein kleines, süsses Mädchen sein! Und in deiner Erinnerung wirst du auch immer wissen, wie sie aussah und wie sie sich angehört hat!

Ob und was für einen Einfluss dein Weinen auf sie hat, kann ich dir nicht sagen. Ich finde aber den Ansatz von Mel sehr gut und ich finde es auch wichtig, dass Kinder lernen, dass Weinen nichts "Schlimmes" ist und dass auch sie ihre Tränen nicht verstecken müssen! Darum denke ich, dass es vielleicht sogar gut sein kann, wenn unsere Kinder uns weinen sehen, weil sie dann merken, dass auch Mamas weinen.

Alles Liebe und trotz allem auch viele schöne Momente wünsche ich dir!
Ganz liebe Grüsse
Leonie

1. Kind 08.2018 Stillprobleme, ansonsten alles gut
2. Kind 11.2020 seitdem starke Stimmungsschwankungen und teilweise heftige Ausraster
Jamie
Beiträge: 15
Registriert: 18:05:2021 6:54

Re: Weinen vor dem Baby

Beitrag von Jamie »

Hallo Leonie,

danke für deine Nachricht.

Mir geht es schon etwas besser. Ich bin nicht mehr den ganzen Tag traurig, aber es kommen noch jeden Tag Momente, wo ich weine oder es zumindest sehr hart ist.
Vor allem wenn ich daran denke - wie du geschrieben hast - das mein Baby irgendwann nur noch Erinnerung ist und ich noch nicht weiß, wie ich das aushalten soll.

Die ganze Woche haben mir Eltern und Schwester gesagt, dass ich schon viel gelassener wirke. Jetzt liegt ich im Bett und bin wieder am Weinen 😭

Ich habe jetzt wieder zwei Psychiater Termine in der Woche und mein Psychiater denkt, dass die Probleme woanders liegen könnten. Das fällt mir oft schwer zu glauben, weil sich meine Trauer um das Baby so real anfühlt.

Jedenfalls wirft mich dann so ein Moment wie jetzt wieder zurück und ich bezweifle das es wirklich einmal gut wird. 😞

Liebe Grüße,
Jamie
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