Ein zweites Kind? (Depression mit psychotischen Symptomen)

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Schildkröte
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Ein zweites Kind? (Depression mit psychotischen Symptomen)

Beitrag von Schildkröte » 21:11:2018 14:19

Wie ich in der Vorstellungsrunde bereits geschrieben habe hatte ich noch vor der Schwangerschaft mehrere Episoden einer Depression mit psychotischen Symptomen - allerdings ging es mir immer schnell wieder bessser. Auch nach der Geburt unserer Tochter folgte eine Episode. Im Moment geht es mir sehr gut und langsam wächst in mir der Wunsch nach einem zweiten Kind, doch diesmal möchte ich besser vorbereitet sein. Was sind Eure Erfahrungen? Habt Ihr mit psychischer Vorbelastung Kinder bekommen? Wie war es bei dem zweiten Kind? Welche Vorbereitungen habt ihr getroffen damit es nicht zu einem Rückfall kommt? Mich würde auch interessieren wie Ihr mit dem Thema Stillen umgegangen seit. Grundsätzlich würde ich schon gerne stillen aber es hat für mich als Mutter natürlich auch Nachteile. Ich kann nur eingeschränkt Medikamente nehmen und in der Nacht kann mich keiner wirklich entlasten - was gerade für mich sehr wichtig wäre damit ich ausreichend Schlaf bekomme. Was war für Euch hilfreich um insbesondere die erste Zeit nach der Geburt (Hormonumschwung, Schlafmangel) zu überstehen?

Nelli
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Re: Ein zweites Kind? (Depression mit psychotischen Symptomen)

Beitrag von Nelli » 22:11:2018 0:24

Liebe Schildkröte,

ich würde Dir empfehlen, aufgrund meiner eigenen Erfahrung, die AD nicht abzusetzen.
Gerade Sertralin ist sehr verträglich für das Baby. Anders sieht es natürlich mit Neuroleptika
aus. Aber Du solltest Dir einen Grundschutz aufrechterhalten, Dich dafür dann engmaschiger
untersuchen lassen. In unserer Situation finde ich zudem das Nicht-Stillen sehr vorteilhaft:
Du kannst entlastet werden, mußt Dich nicht um Stillprobleme, die sehr kräftezehrend sein
können, kümmern, der Papa kann viel mehr einbezogen werden, was unserer Tochter
richtig gut getan hat. Und: Du kannst direkt, falls nötig, aufdosieren, kannst, wenn Du einen Infekt bekommst,
Medis nehmen... alles zur Entlastung, die das A und O bei der Prävention ist.
Denn was nutzt es dem Kind, wenn es gestillt wird, und der Mama geht es schlechter?
Außerdem, ganz wichtig: Wenn man nicht gleich am ersten oder zweiten Tag abstillt, sondern
erst nach zwei Wochen oder so, ist man auf Abstillmedikamente angewiesen, die
Depressionen fördern können. Kompromiss: Du könntest Deinem Neugeborenen
die allererste Milch, direkt nach der Geburt, geben, ich glaube, man nennt sie Kolostrum.
Ich habe das gemacht, sie enthält wichtige erste Inhaltsstoffe und du hast zumindest diesen
Moment an der Brust. Dann gleich abstillen. Da Du diese Entscheidung dann schon geplant haben
wirst, wird es Dir auch sicherlich leichter fallen als beim ersten Kind.
Außerdem: Engmaschige psychotherapeutische Betreuung in der SS, Planung von einem Hilfsnetzwerk
nach der Geburt: Eltern, Freunde, Haushaltshilfe...
Möglichst viel Schlaf, gerade, um psychotischen Symptomen vorzubeugen; Partner und Familie darauf hinweisen,
auf erste Symptome bei Dir zu reagieren (Dein Partner wird Profi darin sein).
Das wären meine Anregungen. Ansonsten zeigt mir allein Euer Wunsch nach einem zweiten Kind,
dass Ihr es schaffen werdet, denn Ihr traut es euch zu. Ich finde das ganz wunderbar.
Ich wollte immer zwei KInder und bin sehr traurig, weil ich nicht weiß, ob das angesichts meiner schweren PPD
noch realistisch ist.

LG Nelli

Astrid
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Re: Ein zweites Kind? (Depression mit psychotischen Symptomen)

Beitrag von Astrid » 25:11:2018 16:17

Liebe Schildkröte,

ich habe nochmal ein zweites Kind bekommen, nachdem ich beim ersten an einer schweren PPD erkrankt war. Ich hatte allerdings keine Psychose. Als Vorbereitung hatte ich ein ganzes Auffangnetz gesponnen. Ich hatte meine Therapeutin informiert, meine Hebamme (Familienhebamme) und meinen Frauenarzt eingeweiht. Das Gefühl nicht alleine zu sein mit meiner Erkrankung hat schon viel geholfen. Ich wusste welche Ads mir helfen würden, falls... . Mein Mann stand voll hinter mir und hat mir seine totale Unterstützung zugesagt. Ohne ihn wäre es, für mich, nicht gegangen Ich hatte festgelegt, dass ich ins Krankenhaus zur Entbindung nur gehe und bleibe, wenn wir ein Familienzimmer bekommen, d. h. mein Mann da bleiben kann. Ich wollte direkt nach der Entbindung meine Ads wieder nehmen, ohne darauf zu warten, ob die PPd kommt oder nicht. Dass hiess auch, dass ich beim zweiten Kind nicht stillen würde. Mein Mann hat die Nachtschichten übernommen (ja auch schon im Krankenhaus). Ich durfte also jede Nacht durchschlafen. Ich habe mir sogar erst einmal Schlafmittel geben lassen im Krankenhaus. Die Schwestern waren erst alle sehr irritiert, aber nach Aufklärung durch uns, sehr verständnisvoll. Meine Mama war in der Zeit kurz vor der Geburt und nach der Geburt hier, um sich um den "Großen" zu kümmern. Und ich hatte sie gebeten zu bleiben, bis ich sage, dass ich sie nicht mehr brauche. Ich hatte eine Klinik in petto, in die ich hätte gehen können, falls ich wieder erkranke, und auch eine Schreiambulanz, falls das zweite Kind wieder ein Schreikind werden sollte. Ich habe sehr viel Glück gehabt und bin nochmal richtig belohnt worden mit meiner kleinen Tochter, denn es war alles gut. Ich hatte zwei Tage "Babyblues" und große Angst, dass die PPD zurück sei, aber es hat sich nicht bewahrheitet. Dafür bin ich sehr sehr dankbar. Ich weiss nicht, wie es bei einer Psychose ist. Ob du in der Schwangerschaft schon Probleme hattest. Aber mit Embryotox und deinen Ärzten kannst du sicher auch so eine Möglichkeit finden. Ich drücke dir alle Daumen und wünsche dir das gleiche Glück, dass ich erfahren durfte.

Alles Liebe von Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
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