Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

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Elke2018
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Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Elke2018 » 05:07:2019 23:27

Hallo Zusammen,

Wow schon mein dritter Beitrag :-)

Ich wollte euch mal fragen, ob ihr das kennt. Bei mir ist es so, dass ich mich meistens ehef nicht depressiv fühle. Aber morgens, jeden verdammten morgen habe ich diesse Finsternis. Ich hadere dann sehr mit meiner Rolle als Mutter und leide wahnsinnig darunter. Ich denke jeden morgen 'auf keinen Fall noch mal ein kind'.

Aber sobald das weg ist (und dass ist es fast immer spätestens nach 30 min) habe ich einen unbeschreiblich großen Wunsch noch ein kind zu bekommen.

Das ist doch völlig irre. ... ein Kind ist doch nichts was ich stimmungsabhängig mal haben will und mal nichts.
Ich hatte das auch vor meiner Tochter schon. .. mein Leben lang... aber nie so extrem und es war halt nicht schlimm, weil ich erstmal in Ruhe wach werden konnte.

Hat irgendjemand sowas auch und vielleicht eine Idee, was ich versuchen könnte.

Vielen Dank
Elke

sternschnuppe_
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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von sternschnuppe_ » 06:07:2019 7:09

Guten Morgen,

ich hab jetzt keinen ultimativen Tipp, kann dir nur sagen, nimm es erstmal an. Also akzeptiere dein Morgentief. Du weißt ja mittlerweile, dass es eh kommt. Ich kenne das auch, dass gerad morgens die fiesen Gedanken warten. Manchmal hab ich aber das Gefühl, man wartet selbst schon darauf, dass sie kommen.
Den Kinderwunsch würde ich nicht von dem Morgentief abhängig machen. Du hast es ja zum Glück nicht so lange. Wie fühlst du dich den Rest des Tages mit dem Gedanken an ein weiteres Kind? Bist du bereit? Wenn ja, dann lass dich nicht von den dunklen Minuten morgens irritieren.

Ich glaube mal gelesen zu haben, dass morgens der Serotoninspiegel niedriger ist und dann über den Tag steigt.
Deswegen haben viele dieses Morgentief.

Elke2018
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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Elke2018 » 06:07:2019 10:07

Vielen Dank für deine Antwort. Das klingt wirklich entlastend.

Vorher ging das gut, da hab ich mir gesagt 'aufstehen, in ruhe Kaffee trinken und was schönes machen'.

Jetzt muss ich sofort funktionieren und hab dann das Gefühl 'der tag wird Horror'. Weil aus dieser Perspektive einfach alles zu viel ist. Noch beim Zähne putzen wird es besser und ich freue mich auf die kleine.
Trotzdem ist das gefühlt so unangenehm, dass ich schon abends Angst habe.

Und dann den zag über bin ich normal. Ich bin nicht pausenlos glücklich, auch Tags denke ich manchmal 'wo ist mein Leben hin und wo bin ich eigentlich'. Aber Tags bin ich doch in der Regel stabil und glücklich. Ich würde Tags nie do düstere Sachen fühlen... also das Tags würde ich für normal halten.

Vor der Geburt habe ich venlafaxin genommen. Das habe ich abgesetzt und zwei Jahre abgewartet. Da ich stabil war, wurde ich dann geplant schwanger.
Jetzt frage ich mich, ob ich noch mal was nehmen sollte. ... andererseits...nur für morgens ist es vielleicht übertrieben.

Gibt es nicht irgendeine 'lightvariante'?

Und was wäre dann mit einer weiteren Schwangerschaft. ...

Vielleicht hat ja noch jemand eine Idee :)

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Marika
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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Marika » 06:07:2019 10:18

Hallo!

Diese typische Morgentief haben viele, sei froh dass es bei dir nur 10 min sind...

Es liegt tatsächlich am niedrigen Serotonin Spiegel, da dieser Botenstoff über Nacht bei jedem Menschen verstoffwechselt wird am Morgen seinen niedrigsten Wert erreicht.

Und für mich ist es völlig klar, dass der Gedanke an ein weiteres Kind in dem Moment völlig undenkbar ist. Alle unsere Entscheidungen haben auch mit Stimmungen zu tun.

Mir kommt vor du erwartest viel zu viel von dir. Wenn ich morgens aufstehe, bin ich erst Mal unausstehlich.... War ich immer und bin ich auch nach der PPD geblieben. Mit Kind ist das Leben einfach oft sehr anstrengend... Und immer glücklich sein... Das ist niemand...
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Elke2018
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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Elke2018 » 11:07:2019 19:55

Hallo Marika,

ich glaube das kommt falsch rüber. es ist nicht so, dass ich 10 minuten schlechte laune habe morgens, sondern es ist eben so, dass ich jeden morgen wirklich sehr verzweifelt bin. ich schaffe auch nicht dann zu sagen 'gleich ist es besser'. <br/>
ich schrieb ja, dass normale genervt, angestrengt und ausstehlich sein, was immer wieder auch tags da ist, bewerte ich anders.

ich glaube nicht, dass ich zu viel erwarte... ich kann das denke ich schon ganz gut einschätzen und das, was ich da erlebe ist definitiv nicht normal.
Es klingt nach easy 10 Minuten... es ist aber nicht easy... und die 10 Minuten sind natürlich nicht genau 10 Minuten. Das kommt auf den Verlauf des Morgens an...Aber tatsächlich wird es relativ schnell besser, meistens.

Und das es vielen noch viel schlechter geht, weil sie das den ganzen Tag haben, das glaube ich gerne. Ich habe auch nicht den Anspruch am meisten von allen zu leiden... aber ich leide halt darunter und es fühlt sich nicht normal an.. deswegen hoffe ich, dass ich irgendwie einen Weg finde, damit besser klar zu kommen. Und gerade bei Menschen die das vielleicht nocht viel schlimmer haben, habe ich dann ja gut Chancen, dass jemand seine Erfahrung teilt.

Übrigens, als ich früher noch Medikamente hatte, war es trotzdem so. Ich hab nur irgendwann gelernt morgens die Disziplin zu haben, positiv zu denken. Aber jetzt mit Kind habe ich irgendwie nicht diese Kraft mich zum positiv denken zu zwingen...<br/>
<br/>
Das was du mit dem Seretoninspiegel schreibst ist interessant, aber das kann man vermutlich nur mit dauerhaft eingenommenen Antidepressiva ändern oder? Oder gibt es da auch 'sanfte' Wege?</t>


liebe Grüße und Danke für die Antwort :)

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Kikke
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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Kikke » 11:07:2019 21:20

Hi,
Ich kenne, was du beschreibst. Ich hatte sich ein extermes Morgentief. Ich konnte nicht aufstehen. Und damit meine ich, ich konnte meine Füße nicht auf den Boden setzen und Aufstehen.

Mir hat ein Klinikaufenthalt, Medikamente und anschließende Therapie geholfen. Dadurch sind alle depressiven Symptome abgeklungen und eben auch das Morgentief.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Marika
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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Marika » 15:07:2019 10:29

Ich glaube auch mein Beitag ist nicht richtig angekommen 😉😉😉

Mit zu viel von dir erwarten, meinte ich, dass ich es sehr normal finde, dass du morgens in diesem Zustand keinen weiteren Kinderwunsch hast... Da du immer schon am Morgen nicht gut gelaunt warst, wird das jetzt mit Kind verstärkt. Wie gesagt kommt da der niedrige Serotonin Spiegel am Morgen mit zum tragen. Das AD hat dir da damals sicher geholfen.

Das du leidest habe ich absolut auch so verstanden, ich wollte das keinesfalls verharmlosen. Das ist wohl missverständlich rüber gekommen. Was helfen kann außer einem AD ist schwierig zu sagen. Homöopathie, Bachblüten, TCM, Kinesiologie.... Aus all diesen Sparten habe ich zusätzlich Hilfe bekommen. Vielleicht magst du dein Problem Mal deinem Hausarzt schildern?
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Elke2018 » 17:07:2019 15:40

Vielen Dank, dass ihr noch mal geschrieben habt.

Kikke, kannst du fest machen, was an dem Klinikaufenthalt am meisten geholfen hat?

Marika, danke fürs richtig stellen. Hatte es tatsächlich anders gelesen.
Ich bin froh dass du es noch mal verdeutlicht hast. :)

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Kikke
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Re: Jeden Morgen 10 Minuten Finsternis

Beitrag von Kikke » 17:07:2019 17:15

Puh. In Grunde alles. Richtige medikamentöse Einstellung, Therapieprogramm, Krankheit kennenlernen und verstehen, Menschen treffen, die verstehen, was man fühlt.
Ich hatte das Gefühl, dass mir endlich geholfen wird.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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