Ängste vererbt??

Alles rund ums Kind - Freude, Sorgen, Neuigkeiten

Moderator: Moderatoren

Antworten
Pippilotta
Beiträge: 81
Registriert: 14:04:2013 20:47
Wohnort: Bei Erfurt

Ängste vererbt??

Beitrag von Pippilotta » 02:01:2016 21:32

Hallo ihr lieben!

Mich Beschäftigt die Frage schon eine Weile. Vielleicht kann es jemand beantworten.
Ich hab schon immer Ängste, wenn ich die Kontrolle über mich abgeben muss (Fahrstuhl, zuschließen von Räumen, Flugzeug ...). Die Ängste waren schon immer da und haben keine Ursache meiner Meinung nach.

Nun hab ich schon vor über einem Jahr bemerkt, als ich mit meiner Tochter (zur Zeit fast 3 Jahre alt) auf einer öffentlichen Toilette war, dass sie nicht in die Enge Kabine gehen wollte. Als wir dann ins große behindertenklo gegangen sind, war es besser. Aber als ich zugeschlossen hab (das kann ich mittlerweile meistens), fing sie richtig an zu schreien und hörte erst auf, als ich wieder aufgeschlossen hatte. Dann ging es weiter mit Situationen, in denen sie Panik bekam: beim anziehen, wenn der Pulli nicht sofort über den Kopf oder der Arm durch geht, wenn man eine Decke über sie wirft oder beim Sport beim durch den Tunnel krabbeln.

Kann man solche Ängste denn vererben? Ich habe ihr diesbezüglich eigentlich wirklich nix vorgemacht bzw sie hat mich nie in Situationen panisch erlebt.

Liebe Grüße!

Pippilotta
Tochter geboren 02/2013 --> PPD 03/2013 mit 40mg Citalopram; 8 Wochen psychiatrische Klinik
Citalopram ausgeschlichen ab 01/2014 und abgesetzt 04/2014
Beschwerdefrei und glücklich bis 10/2015
Schwangerschaftsdepression 10/2015
2. Tochter geboren 11/2015 --> PPD direkt nach Geburt mit 40mg citalopram; 5 Wochen psychiatrische Klinik
Seit April 20mg Citalopram

Glu

Re: Ängste vererbt??

Beitrag von Glu » 03:01:2016 9:40

Hallo du,

dieses Thema hatte ich bei meinem letzen Besuch bei meiner Ärztin.
Ich war auch schon immer ängstlich.
Daraufhin fragte die Ärztin, wie denn meine Mama sei? Ja, sie ist genauso.
Meine Ärztin sagt, es ist meistens unbewusst und mit guter Absicht, dass wir unsere Kinder damit schützen wollen, weil wir selber Angst davor haben und damit die Angst oft übertragen. Denn Angst ist ja auch ein gewisser Schutz und nicht immer negativ. ABER trotzdem können wir bewusst gegensteuern. Das ist halt nicht leicht.
Ich lasse meinen Sohn zB vieles ausprobieren ;)
Weis nicht, irgendwie funktioniert es gut. Meine Mama ist dann immer ganz "entsetzt" und kann kaum hinschauen.

Vg glu

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 7843
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: Ängste vererbt??

Beitrag von Marika » 03:01:2016 14:27

Hallo,

die genetische Veranlagung eher "vorsichtig" zu sein, kann auf jeden Fall vererbt werden. Es braucht aber mehrere Faktoren, ob daraus dann eine pathologische "Angst" - also eine Erkrankung wird. Meist macht man tatsächlich unbewusst gewisse Verhaltensweisen vor, die sich die Kleinen etwas abschauen. Das ist uns meist gar nicht bewusst. Und ganz wichtig: Vorsichtig zu sein ist in meinen Augen etwas POSITIVES und Angst (jeden Falls ein bisschen davon) gehört zu jedem Menschen dazu. Ohne Angst oder Vorsicht hätte sich unsere Spezies nicht so weit entwickelt und wäre nicht Überlebensfähig.

Auch bei meinem Sohn war es gerade im Alter zwischen 3 und 5 Jahren am besten zu beobachten. Er hat meine "vorsichtige Natur" ganz eindeutig geerbt und hatte dann auch Phasen, in denen er sehr zur Angst geneigt hat. Das ist ein Stück weit in dem Alter normal, aber er hat auch sicher bestimmte Verhaltensmuster bei mir gesehen. Ich konnte aber dank meiner Therapie ganz viel tun, um ihm dabei zu helfen, das zu überwinden. Er ist heute 10 Jahre alt und seine "vorsichtige Natur" macht ihn heute zu einem selbstbewussten Jungen, der vielleicht 1x mehr nachdenkt bevor er der Masse nachrennt und erst DANN entscheidet, ob das gut bzw. o.k. ist. Er ist sehr selbstbewusst geworden - und das macht mich unglaublich stolz. Weil es mir glaub ich gelungen ist, ihm mein Schicksal zu ersparen. Denn ich hatte damals als Kind mit den selben Anlagen leider absolut ungünstige Faktoren um mich herum, die bei mi den Grundstein zu meiner latenten psych. Instabilität gelegt haben.
Weiters haben unsere Kinder nicht nur einen Genpool ... :wink: sondern entwickeln mit ganz eigenen Eigenschaften bzw. neu gemischten ihre EIGENE KLEINE PERSÖNLICHKEIT.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Reginald

Re: Ängste vererbt??

Beitrag von Reginald » 03:01:2016 19:56

Meine Mutter hat das lange nicht wahrhaben wollen das etwas mit ihr nicht stimmt aber wir Kinder haben es direkt gemerkt. Mein großer Bruder hat damit reagiert das er sich in sich selbst zurück zog, ich mit starkem Zorn auf meine Mutter die, wie ich empfand, "unfähig" war sich um uns Kinder angemessen zu kümmern.
Meine Mutter war am Anfang eine taffe Person, nach der Geburt meines kleinsten Bruders veränderte sich aber alles.
Sie veränderte sich und weil wir Kinder waren mussten wir uns mit verändern. Wir mussten uns anpassen, Schutzstrategien erfinden und ansehen wie sie sich nicht bewusst ist ohne uns selber bewusst zu sein was da vor sich geht.
In meiner Jugend hatte ich dann starke Depressionen, erst als ich mich ans Jugendamt wandte und sie ihr eintrichterten das sie depressiv war fing sie langsam an das zu erkennen und etwas dagegen zu unternehmen (Selbsthilfegruppe z.b).
Mein Vater war schwer Alkohol und Drogenabhängig und auch ich hatte 3 Jahre in meinem Leben wo ich abgestellt war, nur gesoffen und Tabletten gefressen habe.

Ich denke das diese Veranlagungen alle in den Genen sind wenn man eine Familie mit derart Mustern hat. Wenn es einem dann vorgelebt wird wird es natürlich unterbewusst beschönigt und das löst sicher oft au das man gleich seinen Eltern handelt.

Hingegen meiner Mutter war ich mir jedoch schon immer "bewusst" wenn etwas nicht stimmte. Ich dachte jedoch, wie mein Vater und sie auch, das Alkohol und Drogen das verbessern würde.

Ich habe enorme Angst das meine Tochter derart Ängste bekommt wie ich, aber damit öffne ich dem die Tür!
Ich arbeite nun nicht mehr für mich an mir selbst sondern für mein Kind ganz klar!
Wenn sie sieht das ich mir Hilfe gesucht und viel gegen die Krankheit getan habe, ehrlich und aufrichtig bin wird sie davor keine Angst haben da bin ich mir fast sicher.

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast