Krise durch Abstillen?

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Uma

Krise durch Abstillen?

Beitrag von Uma » 27:03:2017 14:31

Hallo zusammen,

vor einigen Monaten habe ich mich hier angemeldet, damals noch auf der Suche nach einem Therapeuten. Inzwischen bin ich seit über einem halben Jahr in Therapie, mal mit Aufs mal mit Abs. Das Leben mit unserer Kleinen läuft ebenso, mal mit Aufs mal mit Abs (immerhin auch mit Aufs :wink: ). Nach wie vor verfolgen mich allerdings Stimmungsschwankungen und damit einhergehend Gefühle wie "ich will nicht Mutter sein", "ich will das Familienleben so in dieser Form nicht", "ich will mein altes Leben zurück" oder "ich ertrage die anderen Mütter nicht mehr", entweder aus heiterem Himmel oder mit Anlass, den ich dann in der Regel sehr gut identifizieren kann. Irgendwie komme ich dann auch wieder auf "Normalnull". Generell bin ich nach wie vor immer noch viel dünnhäutiger als früher (was vor allem mein Mann zu spüren bekommt).

Das Stillen habe ich nach und nach ausgeschlichen, und nun war es vor drei Wochen soweit, dass ich nach immerhin 14 Monaten (mit am Ende nur noch einer Stillmahlzeit am Tag) damit aufgehört habe, weil für mich der Zeitpunkt da war. Die Kleine hat es super verkraftet, sie hatte sowieso nicht mehr viel getrunken, nur ich bin plötzlich wieder vermehrt heftig am "Rutschen". Ich habe zudem auch vor ein paar Wochen wieder mit dem Arbeiten angefangen, was mir sehr gut gefällt, einfach weil ich damit für ein paar Stunden aus dem "Muttersein" rauskomme (wobei ich unsere Kleine wirklich sehr gerne mag, sie ist eine ganz Tolle, nur ich habe halt so meine Probleme mit meiner Rolle als Mutter).

Jetzt ist für mich die Frage: Kann das Abstillen, was alles andere als abrupt war, so eine heftige Reaktion hervorrufen? Was kann ich tun, um das festzustellen und was kann ich dann dagegen tun?

Liebe Grüße
Uma

Filomena
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Re: Krise durch Abstillen?

Beitrag von Filomena » 10:04:2017 21:27

Hallo Uma,

ich kenne Abstillkrisen eigentlich nur, wenn es sehr schnell geht bzw gehen muss.
Deine "Stillgeschichte" klingt für mich bilderbuch mäßig.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass der Wiedereinstieg in den Job auch eine heftige Umstellung war - obwohl er mir Spaß macht !vielleicht spielt das bei dir auch eine Rolle?
Sprich doch mal mit deinem Therapeuten darüber..

Alles Gute!
LG
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Uma

Re: Krise durch Abstillen?

Beitrag von Uma » 20:04:2017 7:20

Hallo Filomena,

vielen Dank für Deine Antwort! Inzwischen ist wieder etwas Zeit ins Land gegangen, und vermutlich hatten im Rückblick verschiedene Faktoren Einfluss auf diesen Einbruch.

Ich hatte noch einmal einen Bluttest machen lassen, der unauffällig war, wobei der Frauenarzt meinte, dass das auch nur eine Momentaufnahme sei. Eine Hormonumstellung ist es auch bei langsamem Abstillen, aber natürlich nicht so heftig. Relativ zeitgleich mit dem Abstillen habe ich ja mit dem Arbeiten begonnen; es ist vom Arbeiten her jetzt nichts "neues", und meine Tochter war auch schon seit längerem bei der Tagesmutter eingewöhnt, aber vermutlich hat auch das, wie Du auch von Deiner Erfahrung schreibst, seinen Teil dazu beigetragen. Hinzu kommt, dass ich nach wie vor mit mir und meiner Rolle als Mutter (auch in der Konstellation mit meinem Mann im Alltag) Schwierigkeiten habe, ich gerne mehr von der Verantwortung abgeben möchte, es aber nicht geht. Ich denke, all das hat zusammengespielt.

Es gehen immer Wochen ins Land, in denen sich alles beruhigt und ganz gut läuft, und dann kommen wieder irgendwelche Anforderungen oder "Reize von außen", die alles wieder zum Einstürzen bringen. All das ist natürlich auch Thema in der Therapie, und manchmal habe ich auch das Gefühl, dass es irgendwie vorangeht, aber manchmal habe ich auch das Gefühl, dass sich nichts daran ändert (auch das thematisiere ich in der Therapie). Und da habe ich einfach riesige Angst, dass meine Gefühle und Probleme, die ich so mit mir habe, meinem Kind Schaden bringen könnten …

Filomena
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Re: Krise durch Abstillen?

Beitrag von Filomena » 20:04:2017 10:00

Liebe Uma,

lass dir gesagt sein, dass Gedanken, wie du sie hast, ganz normal sind. Auch bei "gesunden Müttern". Ich erinnere mich an die Zeit, als der erste ein paar Monate alt war, und es im Radio immer dieses Lied gab: "Guten Tag, Guten Tag, ich will mein Leben zurück." von Wir sind Helden, kann das sein?
Jedenfalls haben sie mir so aus der Seele gesprochen. Ich fand es teilweise furchtbar! Diese Fremdbestimmtheit!

Wer sagt denn, dass man als Mutter den ganzen Tag Lust auf Duziduzi, Wickeln, Sandeln, Füttern und Kuscheln haben muss?
Ich denke da haben viele von uns falsche Vorstellungen, wie das wirklich ist im Alltag allein mit kleinem Kind.
Also so wie in der Pampers-Werbung geht es bei uns auch nicht zu..:-)

Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass ich eine sehr gute Mutter bin, wenn ich motiviert bin und Energie habe. Das geht bei mir aber nicht 24 h am Tag. Deswegen hatte ich erst Unterstützung von meinem Mann und Haushaltshilfe, dann Kita und Babysittern.
Freiräume, in denen ich ICH sein kann, Dinge tun, dir MIR Spass machen und die nichts mit Kindern zu tun haben, geben mir sehr viel Kraft und Energie.
Anfangs hatte ich immer ein schlechtes Gewissen: Was bin ich für eine Rabenmutter...Aber inzwischen weiss ich, dass ich eine tolle Mutter für meine beiden bin, aber ich bin eben auch eine Frau mit anderen Rollen und Bedürfnissen. Ich denke, das ist die grosse Herausforderung überhaupt, die verschiedenen Rollen (Mutter, Partnerin, Arbeitnehmerin, Du selbst) unter einen Hut zu bekommen und dann noch die richtige Balance in diesem Mobile zu finden. Das ist ein Prozess und dauert, aber das gehört auch dazu. Man muss ja erst einmal in seine Rollen hineinwachsen.

Solange du dich um dich kümmerst, und das tust du ja bereits lange mit der Therapie, musst du kein schlechtes Gewissen gegenüber deinem Kind haben - es profitiert auch davon! Alleine, dass du es geschafft hast, 14 Monate zu stillen, finde ich eine Wahnsinnsleistung. Wie du schreibst, klingt es so, als ob du eine sehr liebevolle Mutter bist - auch wenn du solche GEdanken hast! Versuche vielleicht auch einmal, Zeiten für dich zu schaffen? Was hat dir früher, vor dem Kind, Freude gemacht in deiner Freizeit..?

Liebe Grüsse,
Filo
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Uma

Re: Krise durch Abstillen?

Beitrag von Uma » 24:04:2017 20:33

Liebe Filomena,

vielen Dank für Deine ermutigende Nachricht! Was Du schreibst mit "ich will mein altes Leben zurück", unterschreibe ich sofort, bei aller Liebe zu meiner Tochter (die ist nämlich wirklich toll :-) ). Für mich ist es sooo schwer, mich mit meiner neuen Rolle als Mutter mit all den Pflichten, Verpflichtungen und der Verantwortung zu arrangieren. Und irgendwie habe ich bisher bei den Müttern, die ich kennengelernt habe, nur welche mit "Wunschkindern", "geplant" und "endlich hat's doch noch geklappt" kennengelernt. Die mögen auch ihre Probleme haben, aber das sind einfach andere Probleme als ich sie habe, und ich fühle mich an manchen Treffen und Unternehmungen so fremd und anders, dass ich es kaum ertrage. Und ich glaube darüber hinaus, dass ich in einigen Bereichen wirklich andere Ansichten habe, diese dann aber mit Selbstbewusstsein zu vertreten und dazu zu stehen, fällt mir nicht unbedingt leicht - Selbstbewusstsein ist ja sowieso schon so eine Sache, und wenn es wirklich so gut wie alle anders machen, liege ich dann nicht doch vielleicht falsch … und schon dreht das Gedankenkarussel seine Runden.

Was für mich so frustrierend ist: Ich mache schon alles, was ich in meiner Situation tun kann und auch sollte. Ich mache Therapie, ja, ich pflege meine alten Hobbies, treffe Freunde ohne Kinder, mein Mann macht das soweit es geht möglich, und trotzdem geht es immer wieder so bergab. Ich wusste schon immer, dass ich eine "Kandidatin" für so etwas bin, habe schon in der Schwangerschaft mit Beratungen begonnen, weil ich (wie erwartet) von Anfang an Probleme hatte mit dem, was da auf mich zukommt, habe nach der Geburt diese Beratungen schnell wieder aufgenommen, als ich merkte, ich packe das alleine nicht, und dann die Therapie begonnen. Finde es trotzdem nach wie vor immer wieder unbegreiflich, dass mir das alles passiert ist.
Wenn ich dann noch lese, dass andere (wie z.B. Du :wink: ) das Ganze auch noch mit zwei Kindern hinkriegen oder sich andere sogar ein zweites Kind wünschen, kriege ich einmal mehr ein schlechtes Gewissen und Gefühl, weil ich dann denke "und Du kriegst es noch nicht mal mit einem Kind hin", was totaler Blödsinn ist, wie ich rational auch weiß, aber ich fühle es anders.

Irgendwie stecke ich fest und habe das Gefühl, dass nichts voran geht …

Filomena
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Re: Krise durch Abstillen?

Beitrag von Filomena » 25:04:2017 10:05

Liebe Uma,

lass dich mal drücken. Du bist gut, so wie du bist!
Du machst dir wahnsinnigen Druck - das kenne ich von mir selbst. Dieses Vergleichen mit anderen Müttern. Die immer so gut und gestylt aussehen, deren Kinder nie schreien und hübsch angezogen sind, die so Spass daran haben, mit ihrem Kind zu spielen, und gleichzeitig noch entspannt einen Latte Macchiato trinken... Ich hoffe du merkst, dass ich etwas übertreibe..;-)
Aber diese Gefühle sind normal, die hatte ich auch ganz arg nach dem ersten Kind. Es war ein sehr sensibles sog. "Schreikind", Kinderwagen und Kaffee trinken war nicht drin...
Versuche, auf deine Intuition zu hören. Was macht dir denn am meisten ein gutes Gefühl mit deinem Kind? Vielleicht kurz mal Quatsch machen während des Wickelns? oder baden? oder füttern? Kleine erste Spielchen (habe gerade das Alter nicht im Kopf, schon über 1 Jahr?) Da mögen ja viele schon Bälle, Bauklötze, Bücher..
Ich habe versucht, diese Mini-Momente (das waren manchmal nur ein paar Minuten am Tag) zu geniessen. Mit meinem Kind. Mir hat es Freude und Energie gegeben, wenn mein Kind auch in diesen kleinen zauberhaften Momenten glücklich war. Die wurden dann irgendwie immer mehr und mehr.

Ausserdem meine ich, dass auch nicht jede Mama eine "Baby-Mama" ist. Ich habe eine Freundin, die steht ganz offen dazu. Viele können eben erst mehr mit ihrem Kind anfangen, wenn es älter ist. Da sollte man sich aber auch nicht dafür verurteilen! Ist halt so.

Glaub mir, du wächst da rein. Du und dein Kind werdet euren Weg finden!!

PS: bei uns kam erst über 4 Jahre später das 2. Kind. Und es ist immer noch alles andere als perfekt in unserer Familie. Ich finde es sauanstrengend, auf gut deutsch. Aber es ist gut so, wie es ist!

Alles Gute,
Filomena
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Uma

Re: Krise durch Abstillen?

Beitrag von Uma » 29:04:2017 20:26

Liebe Filomena,

ich habe Dich mal in der Vorstellungsrunde "nachgelesen" und wollte mich bedanken, dass Du trotz Deiner eigenen schwierigen Geschichte Dir die Zeit nimmst, hier (und an anderer Stelle) so ermutigend zu antworten! Zu der Sache mit Paartherapie und wie gehen die Partner mit der ganzen Sache um, schreib ich weiter unten noch etwas.

Meine Kleine ist zum Glück ein sehr pflegeleichtes und offenes Kind, sonst wäre die Situation sicher nochmal schwieriger für mich und uns geworden. Und ich kann sie schon genießen, finde sie toll, so wie sie ist, freue mich, wenn sie jetzt immer mehr von ihrer Persönlichkeit zeigt und entwickelt (sie ist ca. 16 Monate alt), das Problem liegt wirklich bei und in mir. Und ganz sicher hast Du Recht, wenn Du sagst, dass ich mir Druck mache. Das kann und konnte ich schon immer gut, warum sollte es hier jetzt anders sein … :lol:

Was aber auch mit hineinspielt, und das geht jetzt in die Richtung "Paar und wie gehen die Partner damit um", ist, dass ich von meinem Mann (der ja den Kinderwunsch hatte) immer wieder mal einfach mehr "Engagement" erwarte. Natürlich macht er möglich, was in seinem Rahmen möglich ist, aber eben nur in dem Rahmen, der vorgegeben ist, letztlich auch durch ihn. Er ist gerne Vater und auch ein guter, ist in der Zeit, in der er zuhause ist, voll für die Kleine da, ich kann dann weggehen und "tun und lassen, was ich will". Aber der ganze Alltag und die Organisation hängt doch einfach in deutlich größerem Maße an mir, die ich mir doch aber so schwertue mit der Rolle als Mutter (bzw. ich könnte mir vorstellen, dass ich bei aller Liebe zu meiner Tochter auch zu den "Nicht-Baby"-Mamas gehöre, von denen Du schreibst, und deswegen auch so Probleme mit den "Mit-Mamas" habe). Und das Ganze eben nicht nur zeitlich, sondern auch in dem, welche Gedanken ich mir und er sich macht (dass unsere Familien nicht vor Ort wohnen, erschwert alles für mich, denn dann wären wir einfach auch noch einmal flexibler im Alltag).
Dadurch knirscht es immer wieder im Gebälk und auch wir sind durchaus am Überlegen, uns neben meiner Therapie noch einmal gemeinsam beraten zu lassen (was durch meine Schilderungen auch von meinem Therapeuten empfohlen wurde). Ich habe den Eindruck, dass man sich durch ein Kind noch einmal besser kennenlernt als es in vielen Jahren des Paardaseins der Fall war. Dinge, über die man früher hinwegsehen konnte, werden jetzt plötzlich sehr relevant und präsent, und dann hat man aber auch immer nur begrenzte "Zeitfenster", in denen man darüber sprechen oder sich auch mal fetzen kann, was vielleicht an der einen oder anderen Stelle mal nötig ist. Finden sich beide in ihrer neuen Rolle als Mutter/Vater gut zurecht, mag das alles weniger problematisch sein. Aber ich denke, durch eine Belastung einer PPD u.ä. ist sowieso schon ein Ungleichgewicht vorhanden und irgendwie kommen beide Eltern noch mehr als normal zu kurz in ihren Bedürfnissen. Alleine einen Raum zu schaffen, in denen beide Partner zu Wort kommen können, ihre Empfindungen etc. schildern können und dabei durch eine dritte Person "moderiert" zu werden, ist vermutlich schon heilsam und klärend. Je nachdem, wie stark die Auswirkungen der PPD o.ä. sind, lastet ja wirklich auch sehr viel auf den Schultern der Partner und sie müssen sehr viele Rollen auf einmal einnehmen. Bei uns ist es so, dass ich (haha, der Druck lässt grüßen …) alles mit der Kleinen im Alltag halbwegs hingekriegt habe und ja letztlich auch froh bin, dass ich nicht so "tief reingerutscht" bin, dass das gar nicht mehr ging. Aber entsprechend staut sich nach wie vor alles immer wieder auf, und wir schaffen es vermutlich nicht gut genug, miteinander zu kommunizieren, Absprachen und Kompromisse zu schaffen etc. Egal ob es darum geht, dass der Partner auch Raum für seine Gefühle bekommt, die in den schweren Zeiten letztlich hintenangestellt werden müssen, oder ob es darum geht, sich in den neuen Rollen als Eltern, aber auch als Paar neu zurechtzufinden und Lösungen für den Alltag zu finden, oder beides, denke ich, dass es in jedem Fall sinnvoll ist, sich auch gemeinsam Hilfe zu suchen.

Bei Euch liegt die Sache natürlich noch einmal anders im Argen, wenn Du in der Vorstellung schreibst, dass Dein Mann sich in eine andere verliebt hat. Aber für eine Beratung/Therapie ist man vermutlich nur bereit, wenn man auch noch offen ist für die Beziehung, in der man ist; und das ist er ja, wie Du schreibst. Dass Kinder eine Beziehung allerdings auch zum Zerbrechen bringen können, weiß ich von meinen eigenen Eltern und kann ich mir durch meine jetzige Situation noch viel lebhafter vorstellen. Aber man kann es auch schaffen, davon bin ich auch fest überzeugt. Habt Ihr diesbezüglich denn schon etwas unternommen?

Filomena
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Re: Krise durch Abstillen?

Beitrag von Filomena » 05:05:2017 12:44

Liebe Uma,
antworte dir in einer PN.. :-) LG
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