Immer noch im Hamsterrad

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Julia
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Immer noch im Hamsterrad

Beitrag von Julia » 20:06:2019 11:26

Hallo ihr lieben!

ich weiß gerade gar nicht so recht wo ich anfangen soll. Es gehen schon wieder so viele Gedanken bei mir im Kopf rum und ich komme nicht zur Ruhe.
Im Moment fühle ich mich gerade schon wieder etwas verloren, gefühlt bin ich auf der Suche nach etwas, weiß aber nicht wonach. Bin mit nichts so richtig zufrieden, weiß aber auch nicht warum. Manchmal denke ich ob ich "Gefallen" daran habe traurig und unzufrieden zu sein weil ich auch permanent an die Geburten meiner Kinder denke und daran was zumindest beim ersten Kind schief gelaufen ist und das macht mich traurig. Dieses Geburtstrauma sitzt so tief und ich hab aber ab und zu auch das Gefühl das ich mich daran klammere und nicht loslassen kann. Verstehe nur nicht warum.

Ende März habe ich ja versucht mein AD (Escitalopram) auszuschleichen weil es mir ein paar Wochen ganz gut gind und ich so euphorisch war und ich wohl auch vergessen habe (wollte) das es nicht nur am Eisen- und Vitamin D-Mangel lag das es mir schlecht ging. Jedenfalls bin ich letztlich Anfang Mai wieder auf meine alte Dosis (15 mg, kurzzeitig war ich auf 10 mg) rauf gegangen. Mit dem Versuch bin ich also kläglich gescheitert und das hat mich offenbar wieder etwas aus der Bahn geworfen.

Zudem kommt, dass ich schon seit längerem einen Wunsch nach einem 3. Kind habe. Was ich eigentlich nicht so richtig nachvollziehen kann, vor allem weil ich weiß, dass ich im Moment sang und klanglos untergehen würde und ich heillos überfordert wäre. Aber der Wunsch wird leider immer stärker anstatt schwächer. Mein Mann ist auch absolut gegen ein 3. Kind, was ich verstehe, mein Kopf sagt mir auch das es unvernünftig wäre. Das macht mich zusätzlich traurig weil ich mich da einfach in einer Zwickmühle sehe.

Ich habe so gehofft das ich endlich mal zufrieden sein kann mit dem was ich habe. Zwei gesunde wundervolle Kinder und einen lieben Mann der mich auf seine Art unterstützt wo es geht. Aber es fällt mir oft auch schwer zuzugeben das ich vielleicht immer noch Hilfe brauche. Wenn die Kinder Mittag noch schlafen lege ich mich oft einfach hin. Dabei nagt aber das schlechte Gewissen an mir, weil ich ja eigentlich aufräumen sollte und vielleicht doch mal was im Haushalt erledigen müsste.

Dann ist da noch meine Arbeit. Ich gehe einmal die Woche arbeiten. Anfangs war ich auch da sehr euphorisch, einfach raus zu kommen und was anderes zu hören/sehen und ich hab mich auf meine Kollegen gefreut. Leider ist die Arbeit aktuell eher stupide, ich mich mich zwar stark konzentrieren, aber es ist eintönig. Mir war schon klar das ich nicht mehr wie früher viel mit unseren Außenstellen zu tun haben werde aber genau das war es was mir Spaß gemacht hat. Jetzt fahr ich jeden Donnerstag in die Arbeit, aber so richtig freuen kann ich mich auch nicht mehr darüber.

Bin gefühlt gerade in einem Hamsterrad und komm nicht raus, obwohl ich das AD nehme und auch wöchentlich meine Therapeutin sehe.

Ich habe mir jetzt einfach mal alles von der Seele geschrieben was mich gerade bewegt. Es ist nicht alles schlecht, aber mir geht es bei weitem auch nicht so richtig gut. Vielleicht hat der ein oder andere ja einen guten Ratschlag für mich oder einfach nur aufmundernde Worte.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag!
Liebe Grüße
Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer eiliger sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018
Klinikaufenthalt 09/19 - 11/19 (7 Wochen)

aktuell 90mg Duloxetin und 50mg Opipramol

Kikke

Re: Immer noch im Hamsterrad

Beitrag von Kikke » 20:06:2019 12:38

Liebe Julia,

Alles von der Seele schrieben ist eine sehr gute Idee. Das war ein Teil meiner Therapie. Mache es einfach immer wieder, wenn dir danach ist.

Deine Gefühle kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich habe mir Mal eingeredet, dass ich mich absichtlich krank gemacht habe, weil es gut finde, traurig zu sein. Mir hilft da immer die Frage: was würde mein Mann (ein gesunder Mensch) zu diesem Gedanken sagen? Vlt kannst du das auch Mal versuchen?

Ich bin auch immer Mal wieder traurig über den Start mit meinem Sohn. Am Anfang hatte ich bei diesen Gedanken auch depressive Symptome: Unruhe, Panik, externe Gedanken. Je öfter ich das Gefühl der Trauer zugelassen habe, desto besser wurde es. Und ich kann aktuell sagen, dass es mir sogar gut tut, die Zeit der extremen despressiven Phase zu betrauern und einfach zu weinen. Das war nämlich absolut furchtbar. Wenn ich genug geweint habe, geht es mir besser.

Und zum AD: du bist nicht gescheitert. Sei nicht so hart zu dir. Du hast einen Versuch gestartet es zu reduzieren und der hat nicht geklappt. So ist eben.

Alles Liebe.

Julia
Beiträge: 62
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Immer noch im Hamsterrad

Beitrag von Julia » 22:06:2019 16:24

Liebe Kikke,

vielen Dank für deine Worte!!!
Bestimmt hast du recht und ich sollte nicht so hart sein und was den Versuch betrifft das AD auszuschleichen. Meine Therapeutin hat auch gesagt das es doch nicht schlimm ist wenn es noch nicht geklappt hat. Ich empfinde es halt einfach ein bisschen als scheitern. Es hat mich halt auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Ich dachte nachdem mein Eisenwert und mein Vitamin D wieder ok ist bin ich es auch wieder und hab schlichtweg vergessen das es doch einfach tiefer sitzt.

Was ich auch noch sagen muss ist, dass ich absolut kein Selbstwertgefühl habe. Ich kümmer mich um meine Kinder, um meinen Mann und um alle anderen aber es fällt mir schwer was für mich zu machen weil ich es mir nicht Wert bin. Dabei hab ich schon oft den Satz gehört, dass man sich eigentlich erst selbst lieben muss um andere lieben zu können oder so ähnlich.

Jedenfalls tut es gut zu hören, dass ich nicht die einzige bin die sich einbildet bzw. eingebildet hat vielleicht mit Absicht traurig sein zu wollen...

Das mit der Trauer zulassen hört sich plausibel an. Im Moment ist meine Therapeutin die einzige Person mit der ich noch so richtig mit allen Emotionen die dazu gehören darüber sprechen kann, nachdem es in meiner Familie gefühlt keiner so richtig mehr hören kann. Tagsüber lenke ich mich dann hauptsächlich mit irgendwelchen Dingen ab und Abends, tja da gehts dann oft los mit dem Grübeln. Aber das ich aktuell einfach auch mal darüber weine mache ich nicht, das täte aber bestimmt wieder mal gut.

Auf jeden Fall nochmal Danke für deine Antwort!

Liebe Grüße
Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer eiliger sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018
Klinikaufenthalt 09/19 - 11/19 (7 Wochen)

aktuell 90mg Duloxetin und 50mg Opipramol

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