Hypochondrische Ängste

Austausch alltäglicher Sorgen oder Freuden

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Charlotte
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Hypochondrische Ängste

Beitrag von Charlotte » 16:11:2016 11:31

Hallo Mädels,

nachdem es mir jetzt längere Zeit ganz gut ging, ich das Lyrica erfolgreich abgesetzt habe, sind sie wieder da, die hypochondrischen Ängste. Auslöser ist ein lästiges Augenlidzucken, welches permanent da ist und bis auf zwei Tage letzte Woche, gar nicht mehr aufhört. Gleichzeitig hatte ich zwar zwei Erkältungen hintereinander, bin auch total müde, aber ich frage mich, was kann das sein? War schon bei der Hausärztin, die fand das auch etwas merkwürdig und meinte, ich solle zum Augenarzt gehen. Dort habe ich nächste Woche einen Termin und so lange muss ich jetzt warten und kann mich richtig schön verrückt machen. Ich habe leider auch schon gegoogelt und irgendwo stand dann da auch etwas von Hirntumor und nun mache ich mich total fertig damit, dass das soetwas ist. Zwischendurch hole ich mich wieder etwas runter und sage mir, dass ich dann wahrscheinlich noch andere Symptome hätte. Aber insgesamt bin ich wieder mitten in meinem Gedankenkarussel und schaffe es nicht, da raus zu kommen. Es ärgert mich, ich habe dieses Jahr so hart an mir gearbeitet, dachte, ich schaffe es und dann, kaum habe ich ein körperliches Symptom, falle ich derart zurück, dass es mir totale Angst macht. Aber vermutlich werde ich das immer wieder haben und das ist so frustrierend. Und von den ganzen schlimmen Gedanken wird mein Auge auch nicht besser.... Vielleicht habt ihr irendwelche Tipps oder aufmunternde Worte für mich, das wäre total lieb!

Liebe Grüsse

Charlotte
Geburt meiner Tochter 06/2009
Danach schleichender Beginn meiner PPD
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Graureiherin
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Graureiherin » 16:11:2016 22:12

Hallo Charlotte,

also, dass es sich dabei um einen Gehirntumor handelt ist echt unwarscheinlich. Ich kannte zwei Personen, die einen Gehirntumor hatten und diese hatten ganz andere und gravierendere Ausfälle! Aber das weißt Du ja rational selber. Eine dauerhafte Beruhigung von außerhalb zu erhalten wird sicher schwierig sein, denn die Beruhigung bzw. die Erkenntnis, dass Dein Gehirn ein harmloses Symptom im Übermaß überbewertet muss in dir selber wachsen. Denke ich. Das ist jetzt besonders schwierig, da Du medifrei bist. Meine Neurologin meinte mal: je weniger Medis, desto mehr sind Erkenntnisse und die Anleitung aus der Therapie gefragt. Jeder muss testen, was er aushalten kann und wann er das Leben als lebenswert empfindet.

Ich selber reduziere auch gerade mein AD und habe seit einigen Wochen immer wieder mit (wenig) Unruhe und (wenig) zwanghaften Gedanken zu tun. Ich kann es bisher aushalten, zuordnen und kommen damit klar. Zweifel und Frust kommen trotzdem auch bei mir immer wieder hoch. Dies ist ganz normal. Ich muss nur aufpassen, dass ich mich nicht darin auflöse. Denn dann untergräbt der Zweifel mein Gerüst. Falls es mir gar nicht gut gehen sollte, dann würde ich wohl wieder erhöhen. Mit aller Enttäuschung die dazu gehört.

Es schreiben bestimmt noch andere.

mit lieben Grüßen
die Graureiherin
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lotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von lotte » 16:11:2016 22:50

Hey Charlotte ;)

wie ich sie noch kenne, die Hypo-Angst.

Im Moment scheinst Du ihr ausgeliefert zu sein, erst zu diesem, dann noch zu jenem Arzt. Verstehe mich nicht falsch, klar möchte man das abgeklärt haben, aber Du bist ja schon über das normale Besorgt-Sein hinaus, googlest und wartest "sehnsüchtig" auf den Augenarzt-Termin.

Gedanklich schaffst Du keinen Abstand, weil Du irwie davon ausgehst, da ist was. So kannst Du dich natürlich schwer beruhigen. Hinzu kommt dann noch Dein Unmut, "es" nach 1 Jahr immer noch nicht geschafft zu haben, wo Du doch dachtest, Du wärst schon weiter. Was hast Du denn zb in der letzten Zeit gemacht, wenn Du ein körperliches Symptom hattest? Konntest Du Dich da wieder aus dem Karusell befreien? Wie hast Du das gemacht?

Generell gilt: ja, Du wirst immer anfälliger dafür sein, Symptome gleich hochzuschaukeln. Weil Du es so gelernt hast. Dir und Deinem Körper nicht vertraust. Dann nimmst Du ganz schnell falsche Bewertungen vor. Und gehst vom schlimmsten aus.

Das heisst aber nicht, dass Du deswegen Frust schieben musst. Die Ängste gehören eben auch zu Dir dazu. Sei achtsam und schau mal, ob vielleicht auch mental in der letzten Zeit was nicht ganz rund lief. Und Du es nun über die altgelernte Körpersprache abzubauen versuchst.

LGL
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

(Robert Pfützner)

Kim89
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Kim89 » 16:11:2016 23:52

Schließ mich den Mädels an....

Versuch es doch mal mit Magnesium zusätzlich!!! Und 2 Erkältungen hintereinander gehen sicher auCh auf die Psyche!

Durchbrech dein denken!!!
Generalisierte Angststörung u. Panikstörung schleichend nach Geburt 2013 --> Citalopram 10mg
Pregabalin 150mg

Ende 2015 ohne Medikamente

Erneut SS 4.16 starker Rückfall ----> bis zur Geburt Sertralin 150mg

Kim89
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Kim89 » 16:11:2016 23:52

Schließ mich den Mädels an....

Versuch es doch mal mit Magnesium zusätzlich!!! Und 2 Erkältungen hintereinander gehen sicher auCh auf die Psyche!

Durchbrech dein denken!!!
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Charlotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Charlotte » 17:11:2016 11:51

Hallo liebe Mädels,

Vielen lieben Dank für eure Antworten! Gerade geht es mir psychisch wieder besser, wenngleich mein Auge nach wie vor zuckt. Der Schlüssel ist dem körperlichen Symptom nicht so viel Beachtung zu schenken, das weiss ich und ich versuche es gerade. Gestern bin ich dann rausgegangen mit meiner Tochter und war dadurch etwas abgelenkt. Helfen tut generell im Alltag weiterzumachen, das körperliche Symptom und auch die Angst wahrzunehmen, aber nicht zu bewerten. Nur, manchmal gelingt es mir nicht und ich gerate in diesen Strudel. Wahrscheinlich gibt es wieder verschiedene Auslöser: Im Oktober ein Besuch bei den Schwiegereltern für eine Woche, danach die Erkältungen und jetzt seit einer Woche bin ich alleine mit meiner Tochter, weil mein Mann auf Dienstreise ist und erst am Samstag wiederkommt. Was mir einfach Angst macht ist, wie fragil das ganze bei mir noch ist. Diese Verhaltensmuster sind so fest in einem verankert und die Umprogrammierung so schwer. Ich bewundere dich, Lotte, da wirklich sehr, wie du das geschafft hast und es gibt mir Hoffnung, dass es möglich ist. Der Arztbesuch ist da natürlich kontraproduktiv, das ist wieder nur Beruhigung von aussen, aber trotzdem hätte ich es gerne abgeklärt :wink: .

Danke, Kim, für den Magnesiumtipp, nehme ich tatsächlich gerade, nur schlägt mir das immer so auf den Darm, aber ich versuche es trotzdem.

Und dir Graureiherin wünsche ich auch ganz viel Glück beim Reduzieren. So ganz Medifrei bin ich auch noch nicht. Nehme immer noch das Trimipramin und daran möchte ich auch nicht rütteln, da müsste ich noch viel stabiler sein.

Ganz liebe Grüsse

Charlotte
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lotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von lotte » 17:11:2016 18:03

Siehst Du, da war doch noch was - mit Deiner Tochter alleine scheint bei Dir immer noch verbunden mit Angst zu sein.

Ich habe lange gebraucht, bis ich bei mir selbst angekommen bin, mir zu 100% vertraut habe und mir das Allein sein - ob mit Kind oder ohne - überhaupt nichts mehr ausgemacht hat. Sicher spielt da aber auch das Alter der Kids eine Rolle, je selbstständiger sie werden, desto leichter wird es.

Das Umprogrammieren geht jedoch nur bedingt, es ist schlichtweg nicht möglich, die alten Muster tutto komplett zu löschen. Ich habe gelernt, die Angst als Verbündetete zu sehen, meist will sie einem ja etwas sagen, auf etwas hinweisen.

Was denkst Du denn dann so, wie fühlst Du Dich, wenn Dein Mann nicht da ist?
Je besser Du das alles einordnen kannst, desto leichter kannst Du damit umgehen, es bleibt dann nämlich nicht so irrational, nach dem Motto: Hilfe, es passiert was schlimmes.

LG
Charlotte
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zita

Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von zita » 17:11:2016 21:16

Hallo Du,

ich kann mich da allen nur anschließen: Ich kenne diese hypochondrischen Ängste (und viele mehr :wink:) auch sehr gut und habe ihr Auftreten jetzt seit längerem beobachtet und es sind bei mir wirklich immerimmer Stresssituationen. Je nach Stresspegel sind sie auch unterschiedlich stark ausgeprägt und wenn ich mir klar mache, welcher Stress akut dahinter steckt und ich - vor mir - z.B. anerkenne, dass ich jetzt wirklich viel um die Ohren habe bzw. viel leiste, viel aushalten muss oder emotional belastet bin, geht es schon viel besser. Wenn ich mir dann auch noch was Gutes tue :wink: werden die Ängste wirklich weniger und ertragbarer..... Aber obwohl ich das weiß, kann ich leiderleider auch nach so langer Zeit noch nicht im Vorfeld erkennen, in welchen Situationen es grundsätzlich besser wäre, mehr auf mich zu achten, eben BEVOR die Ängste auftreten...............

Aber wir bleiben dran!!

Liebe Grüsse

Zita

Nickolakala
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Nickolakala » 17:11:2016 21:52

Hallo Charlotte,

dieses Augenzucken kenn ich auch - zu gut.

Versuch es mit regelmässig viel Magnesium dann lässt das definitiv nach !!!

Alles Gute
N.

Charlotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Charlotte » 19:11:2016 12:50

Hallo Mädels,

Wenn ich alleine mit meiner Tochter bin, kommt immer wieder dieses Verantwortungsthema hoch. Alleine für sie da zu sein, der Gedanke und der Druck, dass mir nichts passieren darf, ich nicht krank werden darf. Aber auch, dass da keiner ist, der meine schlechte Stimmung bei meiner Tochter kompensiert. Ich habe solche Angst, dass sie was abbekommt und auch mal so verkorkst wird. Sie ist so lieb geworden (früher war sie so ein extremes Trotzkind), dass ich manchmal denke, nicht dass sie da auch schon erwas kompensiert. Sie macht mir an sich keine Arbeit und sie ist ja auch schon recht selbständig, es ist eher das Gefühl, dass ich als Mutter mit all meinen Ängsten ihr schaden könnte. Das tut mir so weh. Jetzt ist mein Mann wieder da, aber gut geht es mir immer noch nicht, weil ich da einfach noch mitten drin stecke. Ich bin so erschöpft, bestimmt von dieser ganzen Anspannung und der Angst, das Auge wird nicht besser. Ich glaube, da hilft tatsächlich nur, dass der Augenarzt mich am Montag beruhigen kann, ich hoffe, er sagt nicht, dass das etwas schlimmes ist. Aber mir ist schon bewusst, dass es dieses alte gut eingefahrene Muster ist. Vielleicht sollte ich es mal mit dem Buchtipp von Nicole versuchen. Aber der ganze Alltag fällt mir grad so schwer, da würde ich immer am liebsten auf Rückzug gehen. Ein echter Teufelskreis.

Ganz lieben Dank für euer Feedback, das hilft mir immer sehr!!!

Liebe Grüsse

Charlotte
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lotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von lotte » 19:11:2016 20:10

Hi Charlotte,

und genau DA liegt der Hase im Pfeffer oder wie das heisst ;) Du setzt Dich derart unter Druck mit diesem "es darf jetzt nix passieren", dass es am Ende durch Deinen Widerstand noch schlimmer wird sprich Du immer mehr Angst entwickelst.

Denk Deinen Horrorfilm doch mal zu Ende: Du wirst krank, während dein Mann weg ist. Sicher doch aber nicht so, dass Du vollkommen handlungsunfähig wärst, wenn doch, könntest Du es eh nicht mehr ändern. Aber auch dann wäre immer jemand da, der Dir hilft. Du bist nicht alleine, kannst das aber nicht fühlen, sondern steckst irwo in deiner Kindheit und den dazugehörigen Gefühlen fest. Irrational, aber leider lässt sich das in angespannten Momenten nicht erkennen.

Dass Dein Kind Deine schlechte Stimmung kompensiert oder durch Deine Ängste Schaden nehmen könnte, ist auch so was, womit DU Dir selbst gehörig Druck machst. Selbst wenn sie merkt, Dir geht es nicht gut, ja und? Glaubst Du, andere Mütter sind den ganzen Tag permanent glücklich?

Und ja, Dein Mann kann nur bedingt Entlastung bringen, weil es ja eigentlich darum geht, dass Du Dir gar nicht mehr die Fragen stellen musst, was passiert, wenn er weg ist. Das Ziel ist also: Du kannst Dir vertrauen ;)

LG
Charlotte
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Charlotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Charlotte » 21:11:2016 16:12

Hallo Charlotte :D ,

Mit diesem permanenten Druck hast du recht. Eigentlich stehe ich immer unter Druck, den ich mir selber mache. Den hatte ich schon als Kind, aber da bekam ich noch viel Druck von meinen Eltern. Jetzt bin ich erwachsen, hab alles erreicht, was ich wollte, hab einen lieben Mann, ein süsses Kind und trotzdem, immer ist da ein Druck in mir. Manchmal weiss ich gar nicht, wohin damit. Und dann hilft es entweder zu "leisten", alles abzuarbeiten, was ich so von mir erwarte, alle Erwartungen erfülle. Aber das geht dann nur so lange ich gut "funktioniere". Sobald das dann nicht so läuft und irgendetwas dieses recht empfindliche System durcheinander bringt (z.B. Ich bin müde, krank etc.), kommen diese Ängste und meistens sind es ja die hypochondrischen. Das verrückte ist ja, dass es immer andere Zipperleins sind und das macht mir dann jedes Mal aufs neue Angst. Und los geht die Spirale. Im Prinzip müsste ich bei dem Druck in mir ansetzen, aber ich weiss einfach nicht, wie ich den reduzieren kann. War das bei dir auch so oder durch was wurden bei dir die Ängste ausgelöst?

Zumindest hat mich heute der Augenarzt beruhigen können. Aber es war natürlich typisch, jetzt hatte ich 4 Wochen so gut wie non stop dieses Augenzucken und heute morgen stehe ich auf und das Auge war ruhig. Der Arzt meinte das ist Stress und nicht schlimm und bei einem Hirntumor hätte ich noch andere Ausfälle und es würde rapide schlimmer werden. Das glaub ich ihm jetzt mal :wink: .

Liebe Grüsse und vielen Dank für die ganzen gedanklichen Anregungen,

Charlotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von lotte » 21:11:2016 21:19

Hey Charlotte,

genau: jetzt bist Du erwachsen und kannst Dich rein theoretisch gegen Druck und Stress von aussen wehren. Du musst nicht alle Erwartungen (so wie früher die von Deinen Eltern) erfüllen, nicht permanent funktionieren. Du darfst müde, gestresst, auch mal unausstehlich sein. Sprich: alle Gefühle, die in Dir sind, wollen auch gelebt werden.

Dazu gehört auch, dass Du Deine eigenen Bedürfnisse aussprichst, bevor sie sich in diese Zipperlein verwandeln. Dann hast Du zwar dann in dem Moment auch Aufmerksamkeit (in Form des Arztes, Deines Mannes etc), aber eigentlich geht es ja um was anderes. Du traust Dich nicht recht, Deine Meinung zu sagen, für Dich selbst ein- und geradezustehen, vielleicht aus Angst vor Liebesverlust.

Da könntest Du mal ansetzen: probiere es doch mal aus, was passiert, wenn Du nicht alles abarbeitest. Weil Du vielleicht lieber in dem Moment einen Kaffee trinken gehen, was lesen würdest oder keine Ahnung. Iwas, was Dir halt Spaß macht ;) Wenn Du das öfter praktizierst, wirst Du feststellen, dass gar nix "schlimmes" passiert, ausser dass es Dir besser geht, weil der Druck leichter wird.

Ja, ich sehe einige Parallelen zwischen unseren Geschichten ;) Meine Mutter war - und ist es auch heute noch - der schlimmste Hypo, den ich kenne. Das hab ich mir alles schön abgeguckt. Und ja, auch meine Eltern wollten, dass ich funktioniere und es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich von ihren Erwartungen trennen konnte.

PS: Woher wusste ich, dass Du keinen Tumor hast? ;)

LGL
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von Charlotte » 23:11:2016 12:13

Hallo Charlotte,

Es geht wieder aufwärts und auch das Augenzucken hat aufgehört. Mit dem Erkennen meiner Bedürfnisse hast du auch schon wieder Recht :D , das war damals das Thema bei meinem Klinikaufenthalt. Dazu passt auch, dass es mir häufig an Wochenenden schlechter geht, weil ich da immer das Gefühl habe, nur das zu machen, was mein Mann und meine Tochter möchten. Das hat gar nicht so direkt mit meiner jetzigen Familie zu tun, das sind mal wieder diese alten eingefahrenen Muster. Ich war als Kind extrem angepasst und funktionierte eher so, wie meine Eltern es wollten. Zudem war ich der Gegenpol zu meiner eher rebellischen Schwester. Die Ehe meiner Eltern (mittlerweile geschieden), war schon damals zerrüttet und da bin ich schon früh als Vermittlerin aufgetreten bzw. wollte nicht noch mehr Sorgen machen. Meine Mutter ist ein wahnsinnig altruistischer Mensch, aber ich denke auch eher, das war und ist ihre Art, um Liebe zu bekommen. So extrem bin ich zum Glück nicht, aber im Zurückstecken von Bedürfnissen dann manchmal doch. Die Beziehung zu meinem Mann ist eigentlich sehr gefestigt, ich müsste da gar nicht so zurückstecken und ich tue es ja auch nicht immer. Es würde auch nichts passieren, wenn ich klar äußere, was ich tun möchte. Das weiss ich, aber das ist wieder so etwas, was unbewusst in mir abläuft. Also, ich werde weiter an mir arbeiten. Ganz lieben Dank dir! Wie geht es dir denn mittlerweile in deinem neuen Job?

Viele Grüsse

Charlotte
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Re: Hypochondrische Ängste

Beitrag von lotte » 24:11:2016 21:13

Hi Charlotte,

lieb, dass Du fragst, aber der neue Job war ein Satz mit X. Eine hysterische Chefin, Aufgaben, die nicht in mein kreatives Profil passen. Anders als früher hab ich ihr das dann auch ehrlich gesagt und sie hatte sogar Verständnis dafür, und mir angeboten, für freie Jobs in Kontakt zu bleiben.
Ich suche trotzdem weiter nach was festem, meine Mädels sind schon 17 und 12,5 und ich will nach wie vor raus zum arbeiten ;)

Tja, dann hat bei Euch Deine Schwester wohl ihr "Ding" gemacht und Du bist zu kurz gekommen. Ich war Einzelkind und all die Angstzustände meiner Mutter habe ich immer mit MIR persönlich in Zusammenhang gebracht, also ich war wohl schuld, dass sie Herzrasen hatte, weil ich mich mal wieder nicht benehmen konnte.

Ich habe auch so einen Mann hier ;) Der mich immer wieder ermutigt hat, mich selbst zu finden, für mich allein mal was zu machen. Das ist Übungssache. Probiere es doch einfach mal aus. Ein WE nur mit Deiner Freundin, keine Ahnung, wozu Du so Lust hättest ;) Es wäre sicher ein guter Anfang, und da hilft wirklich nur: Raus aus der Theorie, just do it. Und je öfter Du das machst, desto besser für Euch alle.

LG
Charlotte
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