Ich hasse mich an manchen Tagen selbst...

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MiHe1417
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Ich hasse mich an manchen Tagen selbst...

Beitrag von MiHe1417 » 30:04:2019 22:41

Hallöchen ihr,

ich war jetzt schon seit einiger Zeit eher stiller Mitleser, da es mir wirklich sehr viel besser ging. Es gab Höhen und Tiefen, aber im Großen und Ganzen war ich sehr zufrieden und hätte nicht mehr dran geglaubt, dass ich je wieder so viel leichter leben kann.

Doch seit einigen Tagen hasse ich mich selbst, weil ich nicht aus meiner Haut kann. Ich arbeite seit Februar
2 volle Tage in der Woche und meine Kids sind mittlerweile 4,5 und fast 2 Jahre und beide in einer zickigen bzw trotzigen Phase. Es fällt mir an manchen Tagen sehr schwer, die beiden "zurückzulassen" und ich könnte nur heulen, aber leider muss ich arbeiten gehen und der Job ist wirklich gut.

Um auf den Punkt zu kommen: mein Stresslevel ist wieder ziemlich hoch, weil ich grade einfach sehr dünnhäutig bin. Leider bin ich meiner Tochter gegenüber so Sch... und ich hasse mich dafür. Was bin ich für eine Versagerin! Ich hab mir meine beiden Zwerge von ganzem Herzen gewünscht und was mach ich jetzt? Ich weiß einfach nicht weiter grade und könnte nur heulen und mich selber fertig machen. Jeden Tag versuch ich, eine bessere Mutter zu sein, als am Tag zuvor und an manchen Tagen bin ich zufrieden mit mir und an anderen Tagen hasse ich mich....

Wird das irgendwann besser?
Viele liebe Grüße
Sandra

1. Kind 11/14 Zwangsgedanken
2. Kind 6/17 Angststörung mit Panikattacken, PTBS, Zwangsgedanken

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November17
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Re: Ich hasse mich an manchen Tagen selbst...

Beitrag von November17 » 06:05:2019 14:05

Hallo du,

ich verstehe dein Gefühlschaos. Ich arbeite schon seitdem der Kleine knapp 11 Monate alt ist an 2 Tagen die Woche.

Einerseits wegen des Geldes und andererseits weil ich dachte, es täte mir gut um etwas für mich zu tun und die Gedanken umzulenken.

Aber Arbeit bedeutet Stress auch wenn es nur 2 Tage sind. Und ja, auch ich bin an den Tagen dünnhäutiger. Und soll ich dir was sagen, auch wenn es "nur" 2 Tage sind versucht man in der kurzen Zeit enorm viel zu schaffen, zumindest ist es bei mir so. Ich leiste mehr als in Vollzeit hochgerechnet. Und danach hat man den Kopf nicht mehr so frei für anderes.

Und von Tag zu Tag eine bessere Mutter zu werden, das ist ein sehr hohes und ich behaupte einfach unrealistisches Ziel. Jeder Tag ist anders, auf jeden Tag fallen andere Reaktionen. Sowohl vom Kind als auch von dir.
Auch ich muss dies noch lernen. Auch ich muss akzeptieren können, dass die Bedürfnisse des Kindes nicht immer bzw seltenst im Einklang mit meinen sind.

Das Kind ist wütend und ich muss es tolerieren. Warum sollte das Kind es nicht auch von uns tolerieren müssen und manchmal merken, wenn Mama oder Papa nicht gut drauf sind.

Ich weiß es klingt leichter als es ist und auch ich bin noch entfernt davon. Aber ich glaube, es gehört zum Leben dazu.

Ich habe als Kind selten meine Wut ausgelassen oder auslassen dürfen. Meine Mutter tat dies aber, als Kind aber Widerworte geben oder nein sagen den Eltern gegenüber war nicht ok.

Und deswegen ist es glaube ich auch so schwer. Man will nicht rumschreien wie die eigenen Eltern und parallel will man jedoch "fördern", dass das Kind seine Emotionen zulassen darf.

Von daher glaube ich, dass deine Situation bestimmt fast jede Mutter erlebt und im selben Dilemma steckt.

MiHe1417
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Re: Ich hasse mich an manchen Tagen selbst...

Beitrag von MiHe1417 » 10:05:2019 20:31

Hallo November,

danke für deine aufbauenden Worte. Es tut gut zu lesen, dass auch andere Mütter mit diesem "Problem " vertraut sind.

Die 2 Tage sind wirklich hart. Ich versuche wieder überall alles perfekt zu machen, aber das ist ja bekanntlich ein Unding. Meine Ansprüche an mich selbst sind wieder extrem hoch und es zieht mich einfach runter, wenn ich seh, dass ich es nicht perfekt hinbekomme. Anstatt zu sehen, was ich alles schaffe und stolz darauf zu sein, richte ich den Scheinwerfer nur auf meine eigene "Unzulänglichkeiten". Ich hoffe, dass es mit der Zeit besser wird und ich wieder entspannter und lockerer werd...

Habt ein schönes Wochenende mit hoffentlich viel Sonnenschein!
Viele liebe Grüße
Sandra

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Sanna
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Re: Ich hasse mich an manchen Tagen selbst...

Beitrag von Sanna » 11:05:2019 21:00

Du willst also alles perfekt machen und eine gute Mutter sein, ja?

Vergiss das mal ganz schnell. Du und ich und alle anderen hier sind nicht perfekt. Und wir müssen es auch nicht sein. Ich kenne keine perfekte Mutter, acuh wenn sie nach außen hin alle so tun (und Instagram hilft da übrigens auch nicht weiter!).

Wir alle haben schlechte Tage, sind gestresst und auch mal dünnhäutig. Und unsere Kinder dürfen das ruhig merken, denn so ist nun mal das Leben. Ich meine jetzt nicht, dass wir das an unseren Kindern auslassen sollen, aber sie dürfen ruhig merken, dass Mama schneller auf 180 ist, als an anderen Tagen.

Meine Kinder haben in der letzten Woche 2x zum Mittagessen Tütensuppe gehabt, weil ich jobmäßig so eingespannt war. Na und? Ist jetzt nicht perfekt, aber sie waren satt und zufrieden. Und als Nachmittagssnack gab's Äpfel und Melone. Die Mischung macht's.

Ich war übrigens ein Mamablogger der ersten Stunde. Ich wurde oft angesprochen, wie ich das nur alles mache. Arbeiten, den Haushalt, Klamotten für die Kinder nähen, die tollsten Kuchen backen, Limonade selber kochen...eben alles perfekt zu machen. Die Antwort: mein Perfektionismus hat mich u.a. krank gemacht. Ich habe in der Therapie mühevoll gelernt, mir diesen Perfektionismus abzugewöhnen. Und weißt du was? Es hat mein Leben unfassbar erleichtert. Und uns allen geht es nicht schlechter, wenn verschiedenfarbige Servietten auf dem Mittagstisch liegen oder die Kinder mal kein ausgewogenes Mittagessen hatten. :wink:

Liebste Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

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Kikke
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Re: Ich hasse mich an manchen Tagen selbst...

Beitrag von Kikke » 12:05:2019 6:14

Die Vorstellung, dass mein Kind eine perfekte Mutter hat, finde ich schrecklich. Es muss erleben, dass man Fehler macht, dass man Emotionen hat. Eben die ganze Bandbreite.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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