Es geht weiter bergauf!

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Jen
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Es geht weiter bergauf!

Beitrag von Jen »

Hallo zusammen,

ich möchte mich melden und ganz mutig und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehend berichten: ES GEHT MIR GUT!
Schon seit vielen Wochen. Ein Leben ohne meinen Sohn kann ich mir nicht mehr vorstellen. Ich schaue ihn täglich an und denke mir - wie süß er ist und frage mich, wie sehr kann man einen Menschen lieben.

Ich konnte mein Medikament schon von 10 mg auf 2,5 mg Reduzieren und fühle mich weiterhin sehr gut damit.
Es hat sich rausgestellt, dass ich persönlich, nicht gut auf mein Medikament reagiert habe. (Verstärkte Derealisation)
Mit 5mg ging es mir dann deutlich besser und ich konnte mich mit dieser Dosis stabilisieren.

Allerdings gibt es auch bei mir schlechte Tage, aber nicht mehr mit dieser Wucht, mit dieser Verzweiflung, mit dieser Hilflosigkeit.

Ich bin weiterhin in Therapie, habe meinen Job gekündigt, mich mit meinen Eltern richtig ausgesprochen, Menschen aus meinem Leben gehen lassen, die nicht mehr zu mir gepasst haben.
Ich bin nicht mehr die Jenni, die ich mal war. Ich bin eine neue Version, eine 2.0, eine die weiß was ihr nicht gut tut und die immer mehr lernt ihre Grenzen nach außen zu kommunizieren!

Auch ich saß im Januar in meinem Wohnzimmer und habe gedacht, jetzt ist alles vorbei und jemand der dies nicht mitgemacht hat, weiß nicht mit welcher WUCHT einen das trifft und das Lächeln und mal ne Runde spazieren eben nicht helfen, aber die Zeit.

Gebt euch Zeit, seid liebevoll zu euch. Eure Seele,inneres, nennt es wie ihr wollt, möchte euch etwas sagen. Vielleicht, dass ihr zu lange schon über eure Grenzen gegangen seid.
Ihr seid wertvoll!

Ihr schafft das!!!!

Ich hab mich entscheiden nicht mehr die Fliege zu sein, die sich von Misthaufen anziehen lässt, sondern die Biene, die sich an den Blumen erfreut!

Liebe Grüße Jenni
12/20 1. Geburt PTBS / Ängste / Derealisation
10 mg Escitalopram 1/21
Reduziert auf 5mg seit 5/21
Nic
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Re: Es geht weiter bergauf!

Beitrag von Nic »

Hallo Jen,

Ein sehr schöner Beitrag vor allem weil Du schreibst, dass Du jetzt besser auf Deine Grenzen achtest.
Das tue ich auch seit geraumer Zeit, aber ein „NEIN“ zu meinen Mitmenschen bedeutet, dass sie dann beleidigt sind.

Meinst Du unsere Ängste kommen davon , dass wir nicht genug für uns gesorgt haben? Ich bin da manchmal SO im Zweifel weil ich denke es sorgen sooo viele Menschen nicht für sich und die haben auch keine Ängste.

Freue mich auf Antwort.
Nicole
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Marika
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Re: Es geht weiter bergauf!

Beitrag von Marika »

Hallo Jenni,

wunderschöne Worte hast du geschrieben, es ist so toll nach all den Jahren die ich nun schon hier bin, immer noch miterleben zu dürfen wie Frauen wieder gesund werden. Ich leide immer mit, umso schöner ist es dann wenn es wieder einer Frau besser geht. Und heute darf ich mich mit dir freuen.

Gerade deine letzten Zeilen zeigen, wie viel du trotz all dem leid gelernt hast und dass die PPD trotz ihrer Grausamkeit etwas Gutes haben kann: wir sind gezwungen auf uns zu hören, auf uns zu achten, uns selber zu lieben und absolut Grenzen zu setzen was bedeutet "Nein" zu sagen. Mach weiter so, dein Weg stimmt zu 100 %.

@Nici: Ich habe mir auch diese Frage gestellt als ich mit meiner PPD konfrontiert wurde. Für mich habe herausgefunden, dass ich erstens Hochsensibel bin und zweitens zu wenig Selbstvertrauen und Selbstliebe hatte. Man kann sagen - ich habe immer für andere gesorgt, aber nicht für mich. Und ich glaube, dass das krank machen kann, denn solche Menschen werden auch gern mal ausgenutzt. Ich habe mich immer versucht zu verbiegen - so zu sein, wie andere mich haben wollten. Ich bin nicht zu mir gestanden, habe mich für meine Wesens-und Charakterzüge geschämt. In all den Jahren konnte ich das komplett ablegen - und ja es waren Menschen dabei, die damit nicht gut klar kamen. Aber liebe NIci - das muss dir egal sein, ich weiß dass das gerade für uns die meist sehr feinfühlig und Harmoniebedürftig sind, ganz schwer zu ertragen ist. Aber zum Schutz für UNS ist es unbedingt nötig. Daher wünsche ich dir, dass du das Hadern und Zweifeln ablegen kannst und mit Stolz sagen kannst: ich bin so wie ich bin und das ist wunderbar! :D
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Jen
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Re: Es geht weiter bergauf!

Beitrag von Jen »

Hallo ihr 2,

danke für eure Antworten. Ich wollte das unbedingt mit allen hier teilen, weil ich selbst nicht daran geglaubt habe.

Liebe Nici,

ich bin der Meinung, dass es ganz viel mit unseren Prägungen zutun hat. Ich habe eine sehr ängstliche Mutter und war quasi im Mutterleib schon damit konfrontiert.
Ich möchte hier niemanden Angst machen, sondern lediglich darauf hinweisen, dass jeder Mensch eine eigene Geschichte hat. Es gilt diese anzunehmen und sie nicht als Böse zusehen, sondern ohne Wertung. Mir hilft es Dinge einfach anzunehmen und nicht mehr alles zu bewerten.
Zudem glaube ich, dass viele Menschen die nicht auf sich achten krank werden, nicht psychisch, aber physisch. Die wissen gar nicht, dass Sie sich ‚kaputt‘ machen.
Ich hab auch als Kind gelernt mich stark anzupassen, da mein Vater immer sehr dominant war. Das sind alles Dinge, die ich nie für wichtig erachtet hatte.

Diese Sicht habe ich, seit meinen Terminen bei einer psychologischen Kinesiologie. Das hat mir sehr geholfen.

Ich hoffe diese Antwort hilft dir etwas.

Lg Jenni
12/20 1. Geburt PTBS / Ängste / Derealisation
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Nic
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Re: Es geht weiter bergauf!

Beitrag von Nic »

Hallo Jen,

Leider kann ich meine Geschichte noch nicht ohne Wertung ansehen. Meine Eltern sind beide super ängstlich und haben das auf uns drei Kinder voll übertragen. Ich weiss, dass sie das nicht böse gemeint haben, aber es macht mir mein Leben schwierig mit dieser Angst.

Grüsse
Nicole
Nic
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Re: Es geht weiter bergauf!

Beitrag von Nic »

An Marika,

Wie hast Du mehr Selbstvertrauen und Selbstliebe bekommen? Was waren Deine ersten Schritte dahin???
Danke und liebe Grüsse
Nicole
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Marika
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Re: Es geht weiter bergauf!

Beitrag von Marika »

Hallo Nicole!

Also die ersten Schritte wurden in meiner Therapie gesetzt. Ich bekam zur Hausaufgabe Dinge zu tun, die ich mein Leben lang schon gemieden hatte - dafür musste ich aber in der Therapie zuerst erarbeiten, was das ist. Z.B habe ich mich nie getraut alleine über einen großen Platz zu gehen, oder alleine in ein Kaffee/Restauerant zu gehen - ich dachte immer, alle starren mich an, denken was Blödes über mich.. usw. Aus Unsicherheit habe ich das also immer vermieden. Oder wenn ich mit meinem Partner essen ging, konnte ich nicht bestellen, das musste er für mich tun. Irgendwie klingt das alles so lächerlich, oder? Aber für mich war es eine enorm große Einschränkung. Ich traute mich auch nie meine Meinung zu sagen, wenn wir in größerer Runde waren, ich versuchte immer angepasst zu sein weil ich so erzogen wurde. Ständig versuchte ich mich zu verbiegen, um so zu sein "wie die anderen", schon seit meiner frühesten Kindheit an. Ich bekam schon immer gesagt, ich sei zu schüchtern, zu leise, "komisch"... :?

Dieses sich nicht mehr "verbiegen" war auch so ein Meilenstein, neben den anderen Dingen die ich wirklich aktiv lernen musste. Man glaubt es kaum, aber heute kann ich alleine bestellen, über einen großen Platz gehen, meine Meinung sagen bzw. NEIN sagen und zu mir zu stehen. Ich bin wie ich bin, ich darf leiser sein wie die anderen, ich darf mich zurückziehen um nicht im Mittelpunkt zu stehen, ich darf sensibel und empathisch sein und bin stolz darauf. :D

Alle diese Schritte - also immer wenn mir wieder etwas gelungen war, haben mir gezeigt: Hey, du kannst das ja - du bist selbstbewusst und selbständig, du brauchst dich nicht zu verstecken. Nach und nach habe ich meine Stärken die meine introvertierte Persönlichkeitsstruktur mit sich bringt, so richtig kennen gelernt, bin dazu gestanden und habe gelernt wie wunderbar diese Eigenschaften sind und wie toll man sie einsetzen kann. Dass mir all das den Respekt und die Wertschätzung meiner Mitmenschen eingebracht hat war zwar nicht das Wichtigste, aber doch auch schön. Ich mag auch heute nicht im Mittelpunkt stehen und große Reden schwingen - der Unterschied zu früher ist aber, dass ich dazu ganz selbstbewusst stehe und sage: Nein, das mag ich nicht. :wink:

Es ist nicht einfach, wenn man mit Ängsten aufwächst. Mein Vater war immer schon zwanghaft perfektionistisch und über ängstlich. Zusammen mit meinem introvertierter Persönlichkeit war Selbstvertrauen und Selbstliebe aufbauen nur schwer möglich. Sehr geholfen hat mir auch zu verstehen, warum mein Vater so war - er hatte eine sehr schwere Kindheit, er konnte quasi gar nicht anders, als sich mit Zwängen und Perfektionismus zu schützen. Diese Erkenntnis hat mir sehr in der Therapie geholfen. Ich konnte lernen: Ich bin nicht mein Vater - ich bin ich und ich habe es selber in der Hand ein schönes Leben zu haben. Klar, ich musste viel üben und das war nicht immer leicht, aber es hat sich gelohnt. :D
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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