Arbeitswechsel oder Weglaufen???

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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paul.punkt

Arbeitswechsel oder Weglaufen???

Beitrag von paul.punkt » 15:02:2012 12:00

Hallo,

ich stehe gerade vor einer Entscheidung die mein ganzes Leben beeinflusst. Meine Frau leidet seit zwei Jahren an PPD ich versuche Sie zu unterstützen, kann aber nicht mehr. Nun habe ich auch noch ein super Jobangebit bekommen. Entfernungsmäßig liegt es so, dass man noch nach Hause fahren könnte aber eine Doppelte HHF entspannter währe.

Ich währe allerdings nicht jeden Abend für meinen Kleinen greifbar und auch nicht für meine Frau. Die sich zunehmend überwacht führt. Ich muss dazu sagen, dass es für mich super anstrengend ist einfach zu zuzusehen und nichts machen zu können. Außer mir ihre Launen reinzuziehen.

Ich möchte die Beziehung wirklich nicht einfach aufgeben. Aber bei dem Job schwingt jetzt auch noch der Gedanke mit das ich einfach nur weglaufe.

Ich würde gerne mal ein paar Meinungen hören.

Lg

scaramouch

Beitrag von scaramouch » 15:02:2012 15:29

Lieber paul.punkt
eine sehr schwierige Situation in der du/ihr da gerade steckt. Ich weiss nicht recht was ich dir raten soll. Vielleicht bin ich da auch einfach nicht neutral genug, denn ich bin selber vor 2 Jahren an PPD erkrankt und für mich wäre es schrecklich, wenn mein Mann plötzlich eine andere Arbeit hätte und noch weniger daheim wäre. Nicht nur für mich, sondern auch für die Kinder.
Erzähl doch mal noch ein bisschen mehr wie es deiner Frau geht. Ist sie medikamentös gut eingestellt, macht Therapie etc.?
Ist sie einigermassen stabil? Was und wie viel schafft sie alleine?
Ich kann mir gut vorstellen wie hilflos du daneben stehst und es schlimm ist, ausser Unterstützung nichts tun zu können. Ich denke, vielen unserer Männer geht es ähnlich.
Was meinst du selber, WILLST du diesen Job oder ist es wirklich eine ERLöSUNG für dich, mal weg zu sein?
Gäbe es denn vielleicht eine Möglichkeit, dass jemand für deine Familie da ist, wenn du nicht verfügbar wärst?
Und du schreibst, du möchtest die Beziehung nicht aufgeben....das klingt für mich so, dass du diese Option bereits in Erwägung gezogen hast!???
Ist es noch Liebe oder nur noch Verpflichtung, weil du sie nicht mit ihrer Krankheit und eurem Kind allein lassen willst?

Glaub mir, ich verstehe, dass man irgendwann einfach nicht mehr kann...irgendwann sind die Akkus leer. Aber ehrlich, was glaubst du, wie es uns "Kranken" geht? Wir können auch oft nicht mehr und MüSSEN aber immer wieder neu aufstehen und kämpfen.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich WEISS, wie arg der Druck auf dir ist und was auch du alles durchmachen musstest und musst.

Würd mich freuen wenn du noch ein wenig erzählst...

Grüsse
scara

Schnuti33

Beitrag von Schnuti33 » 15:02:2012 15:45

HAllo Paul,
erstmal willkommen hier.
Also zu den Fakten. Deine Frau leidet seid 2 Jahren an PPD. Geht sie denn zu einer Therapie oder nimmt sie Medikamente?
Nach der langen Zeit sollte sie eigentlich, bei guter ärztlicher Betreuung, wieder stabiler sein.
Du sagst dass sie launig ist. Ich merke wie genervst du davon bist. War sie früher auch so???
Wieso fühlt sie sich überwacht und von wem?
Das du nach dem Ganzen das Bedürfniss hast Wegzulaufen kann ich gut verstehen. Ich bin zwar eine PPD- Patientin aber auch mir ging es schonmal so, dass ich am liebesten davon gerannt wäre. Ich liebe unseren Sohn auch über alle MAßen. Aber manchmal ist es halt zuviel.
Der neue Job wäre natürlich eine willkommene Gelegenheit für dich, um dir etwas Abstand zu der Ganzen Sache zu verschaffen.
Aber ich meine, dein schlechtes Gewissen raus zu lesen, deine beiden so alleine zu lassen.
Eine Entscheidung kann dir keiner abnehmen.
Weiß deine Frau wie sehr du unter der Situation leidest? Du bist nicht zum Zusehen verdammt. Du kannst dir auch Hilfe und Beratung holen.
Weglaufen ist auch nicht so einfach und hat einen bitteren Beigeschmack. Werde aktiv. Versuch du dir darüber klar zu werden, wie das alles weiterlaufen soll. Auch für euren Sohn. Sei ihm ein Vorbild, wie man sich selber wieder aus solchen Situationen herausholt. Selbst wenn ihr irgendwann zu dem Schluß kommt , das eure Beziehung nicht mehr weitergeht, bist du deinem Sohn wenigstens ein gutes Vorbild und kannst mit gutem Gewissen sagen,dass du alles versucht hast.

Sei ehrlich zu deiner Frau, auf angemessene Weise. Nur weil sie eine PPD hat brauchst du sie nicht in Watte packen. Ihr müsst daran gemeinsam arbeiten.

Soviel von mir!
Ich hoffe es war etwas Hilfreiches dabei.

paul.punkt

Beitrag von paul.punkt » 15:02:2012 16:21

Das Prolem an der Geschichte ist, das ich selbst auch nicht alleine sein möchte. Auch wenn die momentane Situation genau das ist. Ich bin alleine und Sie ist auch alleine. Eine sehr verworrene Situation die wir über eine Paartherapie lösen wollen.

Ich bin glaube ich nicht der Typ für solche Entscheidungen und tue mir sehr schwer damit.

Lg

scaramouch

Beitrag von scaramouch » 15:02:2012 17:01

Ok, also das klingt doch schonmal nach einer konstruktiven Sache..es nutzt wirklich keinem, wenn du dich neben ihr alleine fühlst und sie sich neben dir.
Aber ich weiss, dass man sich während solch schwerer Zeiten schnell mal aus den Augen verliert, obwohl man eigentlich zusammen lebt.
Nicht aufgeben!
Und wegen deinem Jobangebot...man muss mit allen Faktoren abwägen, ob es machbar und vernünftig ist, diesen Schritt zu wagen.
Das können wir hier kaum, denn wir kennen so gut wie keine Hintergründe.

paul.punkt

Beitrag von paul.punkt » 18:02:2012 21:03

Ich habe mich entschieden, schweren Herzens habe ich die Stelle abgesagt und bleibe bei meinem derzeitigen Arbeitgeber.

Ich habe auch darüber reflektiert warum. Das Job Angebot ist oder vielmehr
war für mich eine chance um nach vier Jahren mit einer Depressiven weg zu laufen. Das will ich aber nicht.

Ich möchte später sagen können, auch wenn ich mich von meiner Frau trennen sollte, ich habe alle mögliche versucht. Da habe ich einfach ein besseres Gewissen und kann meinem Sohn auch später besser in die Augen sehen wenn er mich fragt: "Warum wohnen Mama und du nicht mehr zusammen"

Außerdem bin ich nicht der Typ für Weglaufen.

Ich bin mittlerweile so weil selbst eine Therapie anzufangen und das erste was mit der Arzt gesagt hat, ich sollte das machen was mir spass macht.

Leider hat mein Spass vor ca. 3,5 Jahren aufgehört und seit dem habe ich versucht meiner Frau zu seite zu stehen. Die hat sich leider durch Ihre Therapie in ein total ich bezogene Person verwandelt. Aber vielleicht ist das hier nicht der richte Platz.

Trotzdem vielen Dank für die Wortmeldungen zum meinem Arbeitsproblem.

Lg

lotte
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Beitrag von lotte » 18:02:2012 21:56

Hhm, das kann man so und so sehen. Will sagen, Du würdest ja nicht weglaufen, nur, weil Du ein Angebot annehmen würdest, was Dir sehr zusagt. So was kommt ja in anderen Beziehungen auch vor ;)

Ich finde, die "Opferrolle" hat niemand verdient. Versteh mich nicht falsch, natürlich ist es toll und richtig, dass Du Deiner Frau zur Seite stehst, aber Du kannst Deine Bedürfnisse ja nicht auf ewig unterordnen, unterdrücken, nur damit Du kein schlechtes Gewissen haben musst?

Wie soll das denn weiter gehen?

LG
Lotte
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

(Robert Pfützner)

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Marika
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Beitrag von Marika » 19:02:2012 10:33

Hallo,

ich möchte nochmal konkret nachfragen: Was hat deine Frau bisher an Hilfe bekommen? Medikamente, Therapie????????

Du schreibst, dass es ihr schon Jahre schlecht geht, gabs denn nie eine Besserung? Habt ihr euch ärztliche Hilfe geholt?

Ich bin sehr irritiert, dass ihr beide da schon über Jahre drin steckt!? Evlt. gäbe es ja noch Hilfsangebote für deine Frau, damit es ihr ENDLICH besser geht und ihr wieder ein normales Leben führen könnt. Ich denke da müßtet ihr ansetzen, daher auch meine ganz konkrete Frage: Was wurde bisher getan, damit es deiner Frau besser geht? :?:
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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