Postportale Deppresiion?

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

Moderator: Moderatoren

Antworten
papa_mit_sorgen

Postportale Deppresiion?

Beitrag von papa_mit_sorgen » 10:08:2015 14:41

Bisher hab ich mit niemanden darüber sprechen können, aber nachdem ich dieses Forum entdeckt habe möchte ich einfach mal meine Gedanken zu Papier bringen.
Wir haben 2 wahnsinnig süße kleine Töchter (2,5 Jahre und 10 Monate).
Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich es beschreiben soll, aber ich habe das Gefühl, dass mit meiner Frau irgendwas nicht stimmt. Lange habe ich gedacht, wenn die Zeit vergeht, wird es bestimmt wieder besser, aber momentan ist es eher das Gegenteil der Fall. Die Situation wird immer schwieriger. Nachdem ich im Internet ein wenig recherchiert habe, habe ich die Vermutung, dass sie an einer postportalen Depression leiden könnte.
Ich bin berufstätig und meine Frau ist zu Hause bei den Kindern. Ich versuche sie zu unterstützen wo ich kann, aber ich habe das Gefühl, das alles was ich mache auch nicht wirklich ausreichend ist. Unsere beiden Kinder sind eigentlich ganz pflegeleicht. Beide schlafen durch und das schon seit einem Alter von 4 Monaten. Die große geht vormittags in die KITA, um die Mutter ein wenig zu entlasten (Ich mache sie morgens immer fertig und bringe sie hin).
Es gibt Momente, da ist alles bestens, die Mama spielt hingebungsvoll mit den kleinen und hat auch sichtlich Spaß daran. Im nächsten Moment kippt aber die Stimmung wegen einer absoluten Kleinigkeit und die Mama rastet total aus (z.B. weil die kleine Tochter die Wasserflasche der größeren in den Mund nimmt und sie dann Angst hat dass sich Krankheiten oder Karies übertragen).
Inzwischen ist es auch so, dass unsere große Tochter mitbekommt dass etwas nicht stimmt. Sie sagt dann ‚Mama, was ist denn los?‘ oder ‚Mama, ich war gar nicht böse‘. Sie tut mir dann so wahnsinnig leid. Und irgendwann glaube ich, dass es auch nicht gut für die 2 Kleinen ist, die Mama so erleben zu müssen.
Oft richten sich die Aggressionen meiner Frau dann gegen mich und sie schreit mich an wegen irgendwelcher Kleinigkeiten. Dabei kann sie auch sehr verletzend sein. Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Oft nehme ich es einfach hin. Aber immer öfter frage ich mich, ob sie mich eigentlich noch gern hat? Und das macht mich dann sehr traurig.
Die Kleine schreit (z.B. beim Wickeln) und die Mama schreit sie an, sie solle jetzt doch endlich aufhören zu schreien – sie halte das ständige Geschreie nicht mehr aus. Und das obwohl unsere Kinder wirklich nicht sehr oft schreien.
Solche Situationen machen mir dann richtig Angst.
Oder es gab auch Aussagen wie: ‚Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir das (mit den Kindern) niemals angetan‘. Und das, obwohl unsere Kinder absolute Wunschkinder waren und wir sehr darum kämpfen mussten (Kinderwunschbehandlung bei der ersten Tochter) um sie zu bekommen.
Meine Frau macht sich auch oft wahnsinnige Sorgen um unsere Kinder und macht sich Gedanken was alles passieren könnte. Bei der kleinsten Verletzung (Kind fällt vom Sofa, oder ähnliches) wird immer das schlimmste angenommen – sieh hat bestimmt innere Verletzungen,….
Ich weiß, dass die Betreuung unserer Kinder auch nicht immer einfach ist und einem viel abverlangt.
Ich hab ihr auch schon öfter angeboten uns eine Haushaltshilfe (für z.B. Putzarbeiten) zu suchen, um den Alltag ein wenig leichter zu machen, was sie aber strickt ablehnt.
Sie will am liebsten immer zu Hause bleiben. Ich würde gerne mit den Kindern und meiner Frau auch mal was unternehmen (z.B. in den Zoo, zu Opa und Oma, oder mal zu Freunden fahren).
Aber all das ist für meine Frau eine extreme Belastung und bedeutet Stress, den ich irgendwie nicht richtig nachvollziehen kann.
Und es gibt dann auch extreme Aussagen wie z.B. ich habe bestimmt Krebs, da ich mich immer so aufregen muss – ich halte das alles nicht mehr aus - irgendwann nehme ich mir einen Strick.
Sex haben wir auch nicht mehr. Denn sie hat wahnsinnige Angst davor wieder schwanger zu werden.
Ich liebe meine Töchter über alles – genauso wie meine Frau. Und für meine Töchter ist ihre Mama das wichtigste im Leben. Aber ich weiß einfach nicht weiter. Durch die oben beschriebene Situation ist das alles sehr belastend für mich und ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll. Irgendwie geht dabei jeglicher Spaß am Leben verloren. Um meine Frau so geht es geht zu unterstützen, hab ich auch den größten Teil meiner sozialen Kontakte und Hobbies aufgegeben.
Kann es sich hier um eine postportalen Depression handeln? Und wenn ja, wie kann ich ihr helfen?

Pali

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von Pali » 11:08:2015 11:48

Hallo,
ich bin selbst Papa einer kleinen Tochter und Ehemann einer sich gerade erholenden, PPD-geplagten Mutter. Ich kann Deine Sorgen gut verstehen und nachvollziehen und erkenne in Deinen Schilderungen leider einige Dinge, die auch bei meiner Frau (Kiwu & PPD) aufgetreten sind. (Kontaktabbrüche, zuhause einbunkern, Unternehmungen sind zu stressig, Libidoverlust, Freudlosigkeit) und ich kenne sehr genau das Gefühl, dass einem als Vater vor lauter Sorgen der Spass im Leben abhanden kommt.

Ich bein weder Arzt noch Psychologe - aber ausgehend von Deinen Schilderungen würde ich Dir raten Hilfe zu suchen. Sowohl für Deine Frau als auch für Dich. Ich kenn es von mir selbst - die Hemmschwelle am Anfang ist groß... aber: Was hast Du zu verlieren?

Weiss Du an wen Du dich in Eurer Nähe wenden könntest? (Psychiatrische Ambulanz, Hebamme, Frauenarzt, Hausarzt)

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Unsere Situation hat sich in dem Moment für mich schlagartig verbessert, als die Diagnose stand und ich wusste: meine Frau bekommt professionelle Hilfe... es gibt wieder Licht am Ende des Tunnels.

Grüße
PaLi

papa_mit_sorgen

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von papa_mit_sorgen » 11:08:2015 16:59

Ich bin mir einfach nicht wirklich sicher. Handelt es sich hier schon um eine Depression?
Manche Tage sind besser andere schlechter.

Am Sonntag z.B. bin ich mit der kleinen aufgestanden, hab sie gewickelt, die Flasche gegeben und mit ihr gespielt. Alles war so harmonisch. Bis meine Frau mit meiner großen Tochter nach 2 Stunden aufgestanden war. Und sofort war wieder schlechte Stimmung. Wegen irgendeiner Kleinigkeit hat sie sich wieder aufgeregt und gesagt 'Alles ist zum Kotzen'. Das ging dann einige Zeit so weiter. Dann gab es wieder eine Phase, da war alles gut und sie hat sich mit den kleinen beschäftigt, während ich das Essen gemacht habe. Aber kaum passiert irgendeine Lapalie kippt die Stimmung wieder extrem. Die Gründe warum sie sich dann so aufregt, sind vollkommen belanglose Vorkommnisse und sind für mich eben rational überhaupt nicht nachvollziebar. Das Grundproblem dabei ist das alles am Ende immer negativ gesehen wird von ihr.

An wen kann ich mich wenden? Keine Ahnung.

Ich denke was ich mir die nächsten Tage mal vornehme ist sie mit meiner Vermutung zu konfrontieren. Dabei muss ich denke ich auch ganz vorsichtig sein, sonst kann das alles auch sehr schnell nach hinten losgehen.

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 7866
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von Marika » 12:08:2015 9:42

Ein liebes Hallo!

Vielen Dank für dein Vertrauen in uns und eure Geschichte! Ob es sich um eine PPD handelt ist nicht wirklich so wichtig, aber von dem ausgehend was du beschreibst, braucht ihr auf jeden Fall Hilfe. Das seelische Gleichgewicht deiner Frau scheint sehr angeschlagen zu sein. Daher kann ich dich nur bestärken, dir fachlichen Rat zu holen. Das kannst du zuerst auch mal alleine machen z.B. bei eurem Arzt des Vertrauens. Er kann dir auch helfen, wie du/ihr mit deiner Frau darüber ins Gespräch kommen könnt.

Ich denke das wäre jetzt mal ein erster wichtiger Schritt, denn ich nehme mal an, dass du das Thema bei deiner Frau selber noch nicht angeschnitten hast ... könnte auch sein dass sie das sehr ablehnend reagiert und dicht macht. Daher wäre es sicher sinnvoll, wenn du dir vorerst alleine Rat und Hilfe holst!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Pali

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von Pali » 13:08:2015 8:24

Hallo noch mal,
Marika hat völlig recht.

papa_mit_sorgen

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von papa_mit_sorgen » 14:08:2015 7:33

Gestern war der vorerst schlimmste Tag meines Lebens. Ich hatte in meinem Büro aus dem Internet einige Seiten Information über die PPD ausgedruckt und liegen lassen. Diese Seiten hat dann meine Frau gefunden und mir am Abend vorgeworfen, dass ich sie anscheinend für total deppresiv halte. Und ich hätte es bestimmt schon allen Nachbarn und Bekannten erzählt, die sie jetzt für vollkommen verrückt halten würden. Somit ist unser Gespräch in eine für mich völlig falsche Richtung gelaufen.
Sie habe jetzt überhaupt kein Vertrauen zu mir, da ich sie ohnehin nur in die Klappse stecken will.
Ich habe dann versucht ihr zu erklären, dass ich mir nur sorgen um sie machen würde, weil ich bemerkt habe, dass irgendwas nicht stimmt. Und ich mich nur im Internet informiert habe. Weder bin ich Arzt noch kann ich wirklich beurteilen, ob sie depressiv sei. Ich habe ihr erzählt, dass ich bemerkt habe, dass es ihr nicht gut geht und dass ich ihr gerne helfen will. Und der Grund warum ich mich informiert habe war, weil ich sie so gerne habe. Sie hat mir aber nicht geglaubt und gesagt, dass sie kein Vertrauen mehr zu mir habe und sie will sich jetzt scheiden lassen.

Damit würde ich den Sinn meines Lebens verlieren. Meine Familie, meine Frau, meine Kinder.
Vielleicht werde ich jetzt depressiv, ...

Pali

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von Pali » 14:08:2015 8:05

Das tut mir leid, dass das jetzt so gelaufen ist. Aber noch ist gar nichts verloren.

Auch wenns uns Männern ja manchmal schwer fällt zuzugeben, dass wir Hilfe brauchen und noch viel schwerer fällt Hilfe anzunehmen: Lasst Euch bitte von Profis helfen! (Hausarzt, Hebamme, Psychiatrische Ambulanz). Mit einem gebrochenen Bein denkst Du ja auch nicht: "ach das wird schon wieder".

papa_mit_sorgen

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von papa_mit_sorgen » 14:08:2015 8:51

doch genau das Gefühl habe ich gerade. Es ist alles verloren.
Sie hat mir gesagt, dass sie mit mir nicht mehr diskutieren will. Sie will nicht mehr sehen.
Was soll ich jetzt machen? Einfach meine Sachen packen und gehen?

Sanna
power user
Beiträge: 906
Registriert: 17:03:2013 14:36
Wohnort: Ruhrgebiet, NRW

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von Sanna » 14:08:2015 10:01

NEIN!

Es kann ein Symptom der Erkrankung sein, dass man alle abweist und jede Hilfe verweigert. Das ist natürlich blöd, weil es den Heilungsprozess verlagsamt, aber es ist nichts verloren.

Vielleicht wendest du dich trotzdem an einen Profi. Das kann auch eine Kontaktstelle für psychisch Kranke und deren Angehörigen sein. Bei uns in der Stadt gibt es das. Google doch einfach mal. Dort wurden meine Angehörigen sehr gut aufgefangen. Und dort kann man dann mit dir gemeinsam überlegen, was der nächste Schritt sein kann.

Bitte gib nicht auf. Versuch es als Krankheitsbild zu sehen, das auch solche Züge annehmen kann. Mit der richtigen Hilfe kann alles wieder gut werden. Man braucht nur unheimlich viel Geduld und Verständnis als Angehöriger, was sehr schwer sein kann.

Ich wünsche dir/euch alle Kraft der Welt.

LG, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Anke
power user
Beiträge: 532
Registriert: 23:03:2005 23:13
Wohnort: Ostfildern

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von Anke » 15:08:2015 11:18

Hallo papa_mit_sorgen,

kannst Du Dir evtl. jemanden mit "ins Boot holen"? Einen guten Freund oder die (Schwieger-)Eltern?

Deine Argumentation gegenüber Deiner Frau war vollkommen gut und richtig: "ich mache mir Sorgen, habe mich im Internet informiert, etc."

Oft fühlen sich die Frauen "übergangen", wenn jemand anderes über sie "bestimmt" oder handelt. Was sie oftmals nicht sehen, ist, dass der andere es natürlich gut mit ihnen meint.

Hast Du mal unseren "Selbsteinschätzungsbogen - EPDS" für Deine Frau gemacht? Der ist auch auf unserer Homepage und bezieht sich auf die letzten 7 Tage.
Der soll und kann selbstverständlich keine Diagnose ersetzen, jedoch ist ein kleines Hilfsmittel, das man gut von zu Hause einsetzen kann.

Dennoch wäre es gut, Du holst Dir auf jeden Fall professionelle Hilfe, beispielsweise zuerst über den Hausarzt.

Alles Gute weiterhin!
Viele Grüße von Anke

"Die Zeit heilt alle Wunden..."

engelchen2012
power user
Beiträge: 416
Registriert: 01:11:2012 11:05
Wohnort: Mittelfranken

Re: Postportale Deppresiion?

Beitrag von engelchen2012 » 15:09:2015 20:50

Hallo papa_mit_sorgen!

Ich wollte mal nachfragen, was sich in den letzten wochen bei euch getan hat. Konntest du mit deiner frau nochmal reden? Hast du/habt ihr inzwischen fachleute mit an bord? Wäre schön, wenn du dich mal melden würdest!

Lg
seit 25.12.2013 kein mirtazapin mehr!!
seit 16.02.2014 nur noch 100mg sertralin
Und seit Mitte April 2014 nur noch 50mg sertralin
Seit 12.06. ohne AD!

aktuell wieder schwanger, ET 03.04.2015 ;o)
Beginn 50mg sertralin am 14.08.2014, aktuell 100mg

Geburt 2. tochter am 13.03.15, weiterhin 100mg sertralin
Seit 11.03.2016 75mg sertralin
Seit 15.07.2016 50mg sertralin
Seit 08.10.2017 25mg sertralin
Seit 05/2018 12,5mg sertralin
Ab 13.06.2018 ohne AD

Antworten