Muss mein Mann auch behandelt werden?

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

Moderator: Moderatoren

Antworten
Septembermami2005

Muss mein Mann auch behandelt werden?

Beitrag von Septembermami2005 » 02:11:2007 15:48

Hallo!

Ich erlitt einen Tag nach Geburt einen schweren cerebralen epileptischen Krampfanfall aufgrund einer Medikamentenunverträglichkeitsreaktion. Mein Mann kam dazu als der Krampfanfall passierte.

Und zwar war es so: Da es mir den ganzen Tag von Stunde zu Stunde schlechter ging, gab ich unsere Tochter in die Obhut der Kinderkrankenschwester. Als mein Mann mich mit seinen Eltern besucht hat, wollte er eigentlich nur unsere Tochter aus dem Kinderzimmer abholen. Sie wurde aber gerade untersucht, da sie Infekte, usw. hatte - sie hatte u.a. auch schlechte Geburtswerte. Meine Schwiegermutter wartete mit mir im Zimmer. Da ist es passiert. Ich entwickelte diesen Krampfanfall. Meine Schwiemu klingelte sie Krankenschwester bei. Diese löste Notalarm für die gesamte Frauenklinik aus. Mein Mann bekam den Notalarm mit, als er gerade bei dem Kinderarzt war und sah, dass es mein Zimmer betraf (Zimmer-Nummer). Schnell lief die ganze Klinik zusammen. Als mein Mann dazu kam, standen schon so viele Ärzte um mich herum, dass er nicht mehr zu mir konnte. Er sah nur, dass ich schwer krampfte, wie wild um mich schlug, Schaum und Blut vorm Mund hatte, usw.
Ich bekam Beruhigungsmittel und wurde auf die Wachstation verlegt. In der Zwischenzeit verlegte man unsere Tochter in die Kinderklinik - wegen des Infektes, usw.
Dann beschloß man, mich auf die Notaufnahme der Inneren Medizin zu verlegen und ein CT zu machen, da man eine Gehirnblutung (aufgrund des Pressens und Blutgerinnungsstörung) vermutete. Mein Mann dachte nur in diesem Moment, dass er mich nicht mehr lebendig nach Hause bekommt und wenn, dann wohl schwerstbehindert.
Dabei sagte man ihm auch noch, er könne ja zwischenzeitlich mal in die Kinderklinik gehen und nach der Tochter schauen. Mein Mann wußte gar nicht mehr was los ist. Er sah sich schon als Witwer mit einem kleinen Säugling - und jetzt sollte er noch zu diesem Kind gehen und eine Beziehung aufbauen... Das war alles so absurd. Er dachte nur, am Ende ist das Kind jetzt der Auslöser, wenn seine Frau stirbt oder schwerstbehindert ist.
Da die Untersuchungen noch etwas andauerten, schickten sie meinen Mann erstmal nach Hause. Seine Eltern begleiten ihn. Er ging erstmal bei meinen Eltern vorbei, die er die ganze Zeit telefonisch nicht so richtig erreichen konnte. Unter Tränen brach er zusammen und berichtete von dem Vorfall. Meine Eltern, die schon im Schlafanzug waren und nichts schlimmes ahnten, zogen sich sofort um und fuhren mit meinem Mann in die Klinik. Als sie mich in der Intensivstation liegen sahen - so apartisch - vollgepumpt mit Beruhigungsmittel - überrall Schläuche, Überwachungsgeräte, Infusionen, am Bett gefesselt, usw. (also, so wie man es aus dem Fernsehen kennt) - waren alle schwer geschockt.
Und dann noch die kleine Tochter in der Kinderklinik, die zwar besser aussah, aber nicht viel besser.

Meine Tochter ist nun wieder ganz gesund.
Bei mir hat es physische Folgeschäden (orthopädische) gegeben, die aber von Orthopäden und Physiotherapeuten behandelt werden und auch behandelbar sind - aber alles sehr zeitaufwendig.
Psychisch habe ich natürlich auf o.g. Ereignisse auch einen Knacks weg.
Nächste Woche fahr ich mit meiner Tochter erstmal in Mutter-Kind-Kur. Da wird es auch mal Zeit - nach über 2 Jahren.

Doch mein Mann - und auch meine Familie - hat das noch nicht verarbeitet und verkraftet. Es gibt immer wieder Situation.

Wir leben seit diesem Schicksalsschlag doch alle in einem Ausnahmezustand. Auch ist unsere Ehe echt chaotisch geworden.
Es kommt ständig zu Spannungsverhältnissen, usw.

Eine zweite Schwangerschaft wäre für uns alle der absolute Albtraum.

Ist es für uns doch eher ratsam, eine Familientherapie zu machen?
Sollte mein Mann sich auch mal über das Erlebte mit einem Psychologen unterhalten - oder wir alle zusammen?
Einzelgespräche, Paargespräche und auch Gruppengespräche?

Was machen die anderen Angehörigen, wenn deren Frauen (junge Mütter) solche schlimmen Ereignisse rund um die Geburt durchgemacht haben?

rebecca

Beitrag von rebecca » 03:11:2007 19:49

Liebe Sep.-mami.
Ich denke es ist schwierig zu beurteilen ob dein Mann auch eine Thera braucht oder nicht. Das was euch zugestoßen ist war sehr schlimm und ich mußte wirklich kurz schlucken als ich deinen Bericht las. Was mir die Erfahrung und die Zeit gezeigt hat , ist dass Gespräche über das was so sehr verletzt hat , sehr heilsam sein können. Wenn ihr aber das Gefühl habt diesen Weg mit Unterstützung zu gehen dann holt euch welche. Manchmal sieht ein dritter Lösungen die ihr im Moment nicht sehen könnt. Rede mit deinem Mann über deine Sorgen über ihn. Gemeinsam könnt ihr dann entscheiden wie es weiter geht. Ich wünsche euch dabei alles Liebe. Rebecca

Septembermami2005

Danke

Beitrag von Septembermami2005 » 05:11:2007 15:43

Danke - ich werde es mal abklären und weitersehen.

Antworten