Wie kann man als Angehörige helfen ?

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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Annika

Wie kann man als Angehörige helfen ?

Beitrag von Annika » 02:10:2008 10:27

Hallo
Es geht um meine Schwägerin. Sie hat vor 5 Monaten ein Frühchen per Notkaiserschnitt entbunden und hat ihn dann erst 1 Tag später das 1. Mal gesehen. Bis die beiden zuhause waren war der Verlauf im KH problemlos. Als sie dann zuhause waren fiel mir auf, dass die den kleinen immer öfter weggegeben hat. Mal zur Oma für 4 Tage !!!! ohne sich zu melden, dann zu Freundinnen oder auch zu mir. Als er das 1. mal bei mir war (den ganzen Tag!) hat sie sich nicht einmal gemeldet um sich nach ihm zu erkundigen. Sie hat auch immer entweder zu wenig Windeln oder keine Wechselanziehsachen oder auch zuwenig Nahrung mitgegeben. Als ich sie darauf angesprochen habe, warum sie sich den ganzen Tag nicht gemeldet hat kamen irgentwelche Ausreden die völlig absurt waren. Oder sie holt ihn nicht zur verabredeten Zeit ab und sagt aber auch nicht bescheid. Ich habe sie auch vorsichtig gefragt ob sie denn klar kommt und das die wenn sie hilfe braucht sich immer bei mir melden kann. Sie meinte das alles in Ordnung sei. Nun ist leider etwas schlimmes passiert. Der kleine musste wegen des V.a. einen Wasserkopf ins KH und die Untersuchungen haben aber ergeben das man den kleinen geschüttelt hat, weil er einen Bluterguss im Kopf hatte. Nun ist die KM dringent tatverdächtig und der kleine ist vorerst bei dem Bruder des KV untergebracht. Sie wollte auch von Anfang an als er ins KG musste gar nicht bei ihm bleiben, sondern wieder nach Hause fahren. Es seien ja genügend Leute da die sich um ihn kümmern. Ich bin nun eben der Meinung das sie eine Depression oder evtl. sogar eine psychose entwickelt hat und ihr ganzes umfeld hat das nicht mitbekommen hat. Nun ist die Frage was man als angehörige tun kann auch wenn die KM eigentlich gar keine Hilfe annehmen will. Wahrscheinlich ist da professionelle Hilfe gefragt. Aber als direktes Umfeld von ihr müssen wir ja auch wissen wie wir mit ihr umgehen sollen. Weil Vorwürfe nützen da auch nix.

LG Annika

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Geli
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Beitrag von Geli » 02:10:2008 20:51

Hallo Annika,

ich denke auch, dass sie da ziemlich stark betroffen ist. Ob nun PPD oder sogar PPP. Das kann ich so auch nicht sagen.

Ihr solltet als Angehörige da jetzt unbedingt die Initiative ergreifen. Denn so wie es aussieht, kann sie es nicht. Dass sie noch sagt, es wäre doch nichts und noch den Eindruck erweckt, es ginge ihr gut bzw. es wäre doch alles i.O. ist von ihr nur eine Vorstellung.

Ich fände es sehr ratsam, wenn du dir Rat über das Beratungstelefon von S+L holst. Auf der Hauptseite hier vom Verein findest du unter "Impressum" die Telefon-Nr., wo dir dann auch über Anrufbeantworter Beratungs-Telefonnummern genannt werden. Ihr solltet da auf jeden Fall etwas unternehmen. Sprich bitte zuerst die Beraterinnen von S+L an. Sie haben einige hilfreiche Infos und so könntest du auch besser erzählen, wie sich deine Schwägerin im einzelnen verhält und wie zurzeit überhaupt der Stand der Dinge ist (wie Angehörige, die sich mit kümmern können usw.).

Schau auch noch einmal hier im Forum im Unterforum "Unser Forum" unter Beitrag "Notfallplan" nach. Dort findest du auch einiges. Ganz viel Glück.
Lieben Gruß von mir

* Auszeit als Ausgleich - fühlen, was tut mir gut *
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Beitrag von Geli » 03:10:2008 11:19

Hallo Annika,

wie kommt ihr zurecht? Wie geht es deiner Schwägerin?
Hast du schon ein Telefongespräch mit jemanden von Schatten und Licht geführt? Sag doch noch kurz Bescheid, damit ich Bescheid weiß.

Wir hatten hier bei uns in der Gruppe auch mal eine Mutter, die sich auch so verhalten hat. Halt auch so nicht so der Realität entsprechend. Bei ihr mussten auch die Angehörigen mit helfen, denn alleine hätte sie so nichts regeln können. Sie war da schon psychotisch und auch manisch-depressiv, d.h. euphorisch und dann doch wieder depressiv und überfordert. So ging sie auch mit ihrem Kind um. Halt auch wie deine Schwägerin. Das ist für Angehörige da doppelt schwer zu beurteilen. Aber es ist da schon notwendig, dass die Angehörigen da mit helfen.

Sie hat dann die ersten Tage nur sozusagen unter Aufsicht bei ihrer Mutter mit ihrem Kind gewohnt. Ihr Mann musste da auch schon wieder arbeiten. Es hat eine Weile gedauert, bis die Angehörigen dann doch der Meinung waren, dass mit ihr wirklich etwas nicht stimmt. Da bei uns hier kein Platz in der Klinik für Mutter-Kind frei war, ist sie leider zuerst allein (ohne Kind) in die hiesige Psychatrieklinik eingewiesen worden. Die Angehörigen hätten sich da auch zusätzlich noch um einen Platz in einer speziellen Mutter-Kind-Einrichtung kümmern können, haben sie aber nicht. Sie meinten, dass danach schon wieder alles soweit ok wäre. Sie vergessen dabei aber, dass die Bindung und das Verhältnis zum Kind in dieser Zeit der Trennung stark beeinträchtigt ist. Für beide wäre es besser gewesen, anschl. in eine Mutter-Kind-Klinik zu gehen. (siehe auf der Hauptseite von S+L unter "Mutter-Kind-Einrichtungen") Dort hätten sie beide in aller Ruhe zueinander finden können. So musste die Mutter leider nach ihrem Klinikaufenthalt wieder komplett allein mit Kind und Haushalt zurechtkommen. Sie hatte zwar noch Unterstützung ihrer Mutter, aber im Grunde genommen bleibt doch der Alltag dann an der Mutter selbst hängen. Auch die Psychotherapie, die sie noch machen wollte, ließ auf sich warten. Und außerdem war ja da auch wieder Organisation notwendig (dort hinfahren, Kind unterbringen usw.) In einer Mutter-Kind-Klinik hätte sie dies alles vor Ort gehabt. Dort wird sie auch auf evtl. Medikamente eingestellt und bleibt unter Beobachtung. Das hätte sie zuhause auch nicht.

Das ist wie Urlaub mit Vollpension. Bei Nur-Frühstück steht man auch wieder da und sucht sich mittags und abends noch etwas essbares. Und bei einer Ferienwohnung ist man auch - trotz Urlaub - auf sich allein eingestellt. Und wenn man zuhause Urlaub machen will, weiß man ja auch, dass man da nicht komplett abschalten kann. Außerdem meint man doch noch irgendwo wurschteln zu müssen. Also: am besten wegfahren. Ihr solltet das aber trotzdem mit ihrem Arzt und ihr selbst besprechen.

Ich hoffe, Ihr habt eine Klinik für Mutter-Kind in Eurer Nähe. Du kannst ja auch hier im Unterforum "Mutter-Kind-Einrichtungen" noch nachfragen, wer da welche Erfahrungen gemacht hat. Evtl. fragst du auch schon gezielt nach der Klinik in Eurer Nähe. Ganz viel Kraft für Euch alle.
Lieben Gruß von mir

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Annika

Beitrag von Annika » 03:10:2008 20:42

Hallo Geli

Vielen Dank für deine Antwort. Ich werde deine Tipps auf alle Fälle nutzen. Das einzige Problem in unsere Familie ist im moment das ich die einzige bin die das so sieht. und mein mann incl. Schwiegermutter und Schwager alles das glauben was sie sagt. Ich verstehe natürlich auch das man als Bruder bzw. Mutter das irgendwo nicht wahr haben will. Und ich bin im Monent die einzige die das etwas nüchterner sieht. Dadurch bewege ich mich natürlich auch auf einem sehr schwierigen Weg. Aber ich denke das kriegen wir gemeinsam schon irgendwie hin.

Vielen Dank für deinen Rat

Lg Annika

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Beitrag von Geli » 03:10:2008 21:31

Hallo Annika,

ich wünsche Euch alles Gute. Versuch, deinen Bruder zu überzeugen, dass er sich beim Verein erkundigt. Er kann sich auch Unterlagen schicken lassen. Ich weiß, es ist schwierig, da man als betroffene Mutter oft noch sehr gut in der Lage ist, den Schein zu wahren. Aber da zählen halt besonders die kleinen Dinge wie Ihr Verhalten und ihre Äußerungen, die du ja schon oben beschrieben hast. Ich hoffe, dein Bruder wird bald mehr erkennen und wachsam sein. Er soll bitte auf alles achten wie z.B. wie sie mit ihrem Kind umgeht, ihm Beachtung schenkt, wie sie ihren Tag gestaltet, wie sie den Alltag wie Haushalt bewältigt. Er soll das auch nicht auf dieses - wie man oft so einfach sagt - auf die Eingewöhnung und noch Ruhephase schieben. Bitte sag ihm noch, dass er sich eingehender mit dem Thema beschäftigen soll - wie z.B. auch, hier im Internet zu stöbern.

Gewiss wäre es für Euch einfacher, wenn sich deine Schwägerin sozusagen "typischer PPD-krank" verhalten würde. Aber sie wirkt sehr wie klar und sich ihrer Sache so sicher. Aber wie sie es macht, ist schon auffällig. Bleib am Ball und ganz viel Kraft. Ihr schafft das zusammen.
Lieben Gruß von mir

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