PPP und Medikamentenreduktion, Rückfallprävention

Hier können sich die Angehörigen der PPD/PPP-Betroffenen untereinander austauschen.

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Name geändert (Red.)

PPP und Medikamentenreduktion, Rückfallprävention

Beitrag von Name geändert (Red.) » 27:08:2009 8:08

Meine Frau ist nach einer PPP mit Klinikaufenthalten jetzt fast 4 Monate zu Hause (Medikation: Seroquel prolong 800mg, Abilify 10mg), es geht ihr ganz gut, sie ist aber oft müde und vom Gesamteindruck lethargisch.

Die Psychiaterin (ist zeitgleich auch Psychotherapeutin) hat uns letzte Woche zwei Dinge gesagt:

- Wir reduzieren um 100mg alle 6 Wochen, bis zur magischen Grenze von 300mg (ist ein Erfahrungswert ab dem man besonders vorsichtig sein muß mit der Reduktion meinte sie).

- Einen Psychotherapeuten könnten wir jetzt zwar schon suchen, aber sie empfiehlt es nicht eine Therapie zu beginnen. Dazu sollte sie frei von Medikamenten sein. Sie wäre auch noch nicht richtig belastbar...

Meine Fragen:

1. Ist das normal, dass die Reduzierung so lange in Anspruch nimmt? Immerhin sind wir bis zu den 300mg dann 7,5 Monate allein damit beschäftigt. Und die Psychiaterin machte nicht gerade den Eindruck dass bis dahin außer einer Kontrolle viel passiert.

2. Meine Frau war bei einer Psychotherapeutin schon zum Vorgespräch und die sagte nichts davon, dass man da warten sollte bis die Medikamente weg sind. Das erscheint mir als Laie auch wenig sinnvoll. Meine Frau hat - wie sie selbst sagt und ich das auch bemerke - keine Probleme nachzudenken und zu reflektieren. Sicherlich ist eine Therapie eine Belastung, aber ich habe die Befürchtung dass eine Therapie die nicht medikamentös gestützt wird wieder etwas triggert.

3. Jetzt ganz speziell an PPP-Angehörige:
Gab es bei euch bei einer Medikamentenreduktion einen Rückfall? Falls ja, waren die psychotischen Symptome die gleichen oder andere? Was habt ihr gemacht?

Ylaina

Beitrag von Ylaina » 27:08:2009 9:35

Hallo Ootte,

also
1. eine Ausschleichung kann schon lange dauern, und dieses schrittweise absetzen zeigt dann auch ganz schnell, wie der Körper reagiert. Rückfälle, soweit ich mitbekommen habe und von mir kenne haben die gleichen Symptome wie die Erkrankung, das merkt man ganz schnell, man kennt das schon. Dann kann die Reduktion auch abgebrochen werden, deshalb sind kleine Schritte, denen zeit gelassen wird zum Wirken auch so notwendig.
2. Ich denke auch, Ihr solltet auf jeden Fall jetzt schon eine Therapie suchen, ich habe auch meine Therapie mit Einnahme von AD begonnen, und auch mein plötzliches Absetzen war da kein Problem. Aber auch ohne Medikamente 'triggert' eine 'gut geführte' Therapie nicht, der Klient bestimmt das Tempo, nicht der Therapeut.

Sucht ganz in Ruhe, macht ruhig mehrere Besuche bei verschiedenen Therapeuten und dort wo Ihr Euch ( oder Deine frau sich) am wohlsten fühlt, dort ist sie richtig. Mit oder ohne Medis.

Alles Gute Euch!!

LG Verena

mici

Beitrag von mici » 27:08:2009 10:29

Hallo Ootte,

mein Schwager ist vor einiger Zeit an einer Psychose erkrankt. Ihm empfiehlt man, seine Medikamente mit der kleinst möglichen Erhaltungsdosis durchgehend zu nehmen und sie nicht mehr, also nie wieder, abzusetzen. Mit der Minidosis geht es im prima. Als er die Medis einmal für eine Zeitlang ganz weggelassen hatte, kamen seine psychotischen Symptome zurück, genau wie beim ersten Mal. Er hat dann sofort vom Arzt wieder einer Erhöhung verordnet bekommen und nach 3 bis 4 Wochen war er wieder stabil. Er weigert sich, eine Therapie anzufangen. Bei ihm wäre es undenkbar, ganz ohne Medikamente in eine Therapie zu gehen. Mit Medis fühlt er sich aber gesund genung, als dass er eine Therapie aufnehmen würde. Egal, das tut hier ja eigentlich nichts zur Sache. Jedenfalls hat Eure Psychiaterin vielleicht Angst, dass momentan NOCH nicht der richtige Zeitpunkt für eine Therapie ist, weil Deine Frau vielleicht noch nicht richtig belastbar ist. Ich denke aber, ihr solltet auf keinen Fall warten, bis ihr ganz von den Medis runter seid. Weißt Du, im Zweifel läuft es nicht ganz nach Plan und ihr braucht vielleicht länger, als die 7,5 Monate, dann dauert es ja noch ewig, bis Deine Frau sich helfen lassen kann. Ich habe es außerdem so empfunden (hatte allerdings PPD, nicht PPP), dass die Medikemente mir auch eine große Stütze waren, die schwere Zeit in Gesprächen zu verarbeiten. Ich weiß nicht, ob ich die Therapie ohne Medikamente überhaupt ausgehalten hätte.

Alles Gute für Euch,

MICI

Feebie

Beitrag von Feebie » 27:08:2009 11:34

Hallo auch von mir,

ich frage mal ganz einfach:

WAS MÖCHTE DEINE FRAU DENN?

Möchte sie gerne beginnen, oder fühlt sie sich zu schwach?
Hat sei noch Angst, oder möchte sie gerne reden?

Ich würde SIE fragen und ihr klar machen, das sie das ganz alleine für sich und ohne jeglichen Druck entscheiden kann. Und wenn sie heute sagt, sie möchte erst nach dem Ausschleichen gehen und sich nächste Woche umentscheidet ist das auch okay. Oder wenn sie jetzt sagt sie möchte und dann anfängt und es geht ihr dabei doch nicht gut, dann läßt sie es eben wieder.

Mach´ ihr klar, das ihre Entscheidung nicht endgültig sein muss.

Ich drücke euch ganz fest die Daumen!
Liebe Grüße,
Feebie

zita

Beitrag von zita » 06:09:2009 10:44

hallo,

ich leider auch unter einer ppp - allerdings einer leichten form. ich nehme auch abilify und habe vor kurzem versucht, es zu reduzieren. ich habe dann nach zwei wochen gemerkt, das meine umwelt mir wieder so unwirklich vorkommt und alles sehr beängstigend ist. ich habe dann sofort mit meiner ärztin zusammen beschlossen, das abilify wieder höher zu dosieren und während der nächsten sechs monate keine reduktion mehr zu versuchen. obwohl ich so gern möchte. aber das macht ja keinen sinn und es ist einfach schrecklich, wenn wieder diese symptome auftreten.

nun ja, nach ca. zwei wochen ging es mir wieder besser und ich fühlte mich wieder belastbarer.

zur therapie: ich mache jetzt seit einem jahr eine tiefenpsychologisch fundierte therapie und ich bin mir oft unsicher ob sie mir etwas bringt. in wackeligen phasen, wenn es mir nicht so gut geht, finde ich es einfach nur mega anstrengend und oft auch zusätzlich verwirrend und aufregend und ich sage dann auch schon mal sitzungen ab, weil ich mich nicht in der lage dazu sehe. auf der anderen seite empfinde ich es auch oftmals als stütze, weil noch mal jemand ist, dem ich alles erzählen kann. es ist also schwierig es zu beurteilen. deine frau sollte schon etwas stabil für eine therapie sein, aber das scheint ja auch der fall zu sein. bei mir finde ich es ganz gut, dass mein therapeut auch psychiater ist und mir oft einfach auch dinge die ihm gehirn ablaufen erklärt oder aber auch seine einschätzung zur aktuellen wirksamkeit der medikamente gibt oder mir zu einer medikamentenänderung rät. er hat durch die intensive behandlung halt sehr gute einblicke in meine verfassung.

also mein tipp: ich wäre mit der reduktion seeeeeehr vorsichtig, lieber ein wenig schlapp als wieder ppp und eine therapie würde ich auch beginnen, allerdings mir auch einen wirklich guten therapeuten suchen.

lg zita

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Marika
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Beitrag von Marika » 18:10:2009 9:54

Hallo,

ja eine Reduzierung kann sehr lange dauern - je langsamer, umso eher wird ein Rückfall vermieden.

Ich hatte zwar "nur" eine PPD und keine PPP, aber eine Therapie mit Medikamenten geht auf jeden Fall. Sonst hätte ich ja Jahre warten müssen. Wichtig ist, was deine Frau will, ob sie sich schon bereit fühlt für eine Therapie. Das ist sicher das wichtigste Argument für oder gegen eine solche. Das man Medikamtenfrei sein soll für eine Therapie habe ich noch nie gehört und kann daher verstehen, dass du das nicht für sinnvoll hälst. Vielleicht fragst du die Psychiaterin nochmal, warum deine Frau Medikamentenfrei sein soll für eine Therapie. Der Grund würde mich nämlich sehr interessieren, auch im Hinblick ob es da einen Unterschied zwischen PPD und PPP gibt. Wie gesagt, ich habe sofort nach Ausbruch der Krankheit mit AD UND THERAPIE angefangen!

Liebe Grüße und alles Gute von
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Sas

Beitrag von Sas » 22:10:2009 1:57

Lieber Ootte, ich verstehe die Aussage der Ärztin auch nicht so ganz. Warum sollte eine Therapie unter Medikamenten von vornherein nicht funktionieren?!
Ich selbst hatte eine "Depression mit psychotischen Symptomen", habe ca. 3 Monate nach der Entlassung aus der Klinik mit einer Verhaltenstherapie begonnen und habe während dessen noch einige Zeit eine kleine Dosis von Risperdal genommen (auch ein Neuroleptikum)
Ich hätte sonst auch ewig warten müssen. Gottseidank hat man mir da keine Steine in den Weg gelegt, diese Therapie war für mich der entscheidende Schritt.
Entscheidend ist finde ich, was Deine Frau darüber denkt und ob sie meint, sie packt es jetzt schon.
Jede ist da unterschiedlich gestrickt.

Liebe Grüße, Saskia

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