Wie unterstütze ich jemand in einer Depression?

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Nurich

Wie unterstütze ich jemand in einer Depression?

Beitrag von Nurich » 18:02:2011 9:47

Hallo zusammen!


Ich bin neu hier und es geht nicht um mich, sondern um eine liebe Person, der ich versuchen will zu helfen.

Ich werde mal alles zusammentragen was ich weiß und was mit wichtig erscheint.

Also ich nenn sie jetzt mal "Maria" , dann lässt sich´s leichter schreiben.

Also Maria hat letztes Jahr ihr Kind bekommen, danach war anscheinend alles super ( im Nachhinnein seh ich das anders) Sie hat ein total süßes Kind, das nicht auffällig ist, nachts zu normalen Zeiten zum Stillen wach wird und dann wieder schläft. Leider wird es bald Herbst und Winter und wir sehen uns so gut wie gar nicht. Dann erfahre ich, daß sie 4 Wochen lang in Behandlung war, 2 Wochen ohne dann 2 Wochen mit Kind. ( sie hat noch einen Sohn, der aber zur Schule geht und zu Hause geblieben ist)
Als ich das gehört habe und ein paar Details von Leute aus dem Ort, hab ich gedacht, ich will sie selbst kontaktieren, denn das Gerede von andern über andere ist nicht so meine Welt. Also habe ich sie dann ein paar Tage später, hat sich gerade gut ergeben, angerufen. Ich hab noch nie mit ihr soooo lange telefoniert bzw. sie mit mir :shock:

Also sie meinte es sei eigentlich schleichend gekommen. Erst habe sie gemerkt, daß sie ja das Kind nicht so lieben kann, als sie es gerne getan hätte, oder wie damals als ihr Sohn kam. Rückblickend meinte sie, habe sie in der SWS auch nicht die Bindung so spüren können. Dann kam der Alltag, der sie mehr und mehr überforderte. Sie wußte nicht, was sie dem Kleinen anziehen sollte, stand "stundenlang" vor ihm, bis es eh zu spät zum Rausgehen war. Die täglichen Aufgaben waren nicht mehr zu bewältigen. Sie kam morgens nicht mehr aus dem Bett, bekam Angstzustände ( die sie voher auch schon mal gehabt haben muß und die damals Homöopatisch behandelt wurden) sie machte sich GEdanken, über Dinge wie z.B. was passiert, wenn mein Mann mich verlässt, wie soll ich da alleine mit den Kindern klarkommen, oder komm ich in eine geschlossene anstalt?? Und keine Ahnung was noch alles. Es muß sich auf jeden Fall immer weiter gedreht haben, bis irgendwann im Dez. alles eskalierte. :(

Sie hatte beim Autofahren Selbstmordgedanken und meinte, hätte das Baby nicht im Auto gesessen, wüßte sie sie nicht was sie getan hätte.....
Sie war bei einer Freundin und wollte ihr Kind nicht wieder mit nach Hause nehmen.....
Sie schrie vor sich hin, beleidigte viele, konnte mit ihren Kindern nichts mehr anfangen, verletzte sich selbst, lag im Bett und konnte nicht mehr aufstehen,......

Ja und dann meinte ihr Mann, entweder sie geht jetzt in Behandlung, oder er geht!
Nach ein paar Stellen die sie aufsuchten ging sie dann für 4 Wochen in Behandlung, mit der Angst, nie mehr da raus zu kommen.
dort ging es ihr schnell besser und nach 2 Wochen konnte sie ihr Baby mitnehmen. Nach weiteren 2 Wochen wurde sie nach Hause entlassen!

Ja und da war sie wieder im Alltag den sie nicht bewältigen kann. Alleine, hat nur ihre Eltern, die sie wahrscheilich versuchen zu unterstützen. ( ich weiß nicht was sie so alles machen, sie sind ja auch nicht mehr die Jüngsten)
Sie muß sich zu allem Zwingen, aber wie ich rausgehört habe, klappt das nur manchmal. sie soll sich in Situationen, wo es ihr schlecht geht, positive Gedanken machen ( die auch mehrmals am TAg) damit sie nicht nur "schwarz" denkt.

Eine Situation, die sie mir mitgeteilt hat hat mich doch sehr verunsichert! Sie hat vor der Dusche gestanden und wußte nicht, wie sie jetzt weiter vorgehen sollte. ihr Mann mußte sie unterstützen.
Sie weiß immer noch nicht, wie sie morgens aus dem Bett kommen soll und wie sie den Alltag bewältigen kann.
Sie hätte einmal den ganzen Morgen das Bad geputzt und sich immer wieder gesagt: mach weiter!!! du mußt das schaffen.
sie weiß nicht, ob sie mit irgendeiner Arbeit beginnen soll, denn das Baby könnte ja wieder wach werden oder anfangen zu schreien. Also fängt sie erst gar nicht an.

...............

ich weiß nicht ob ich jetzt alles habe, es waren 2 lange Gespräche, das letzte gestern und es lässt mir keine Ruhe.

Ein paar Fragen meinerseits:
- Sie geht einmal die Woche zu einer Psychologin ( ich mein einmal) reicht das?
- wie soll man sich denn bitteschön positive Gedanken machen, wenn man gerade in einem Loch ist und nicht rauskommt ( das wäre ja als wenn man sich an den Haaren aus dem Sumpf zieht)
- wenn sie den Alltag nicht bewältigen kann, steht ihr hilfe zu und wo findeet man die ( ich weiß ja nicht ob ihr die angeboten wurde und sie das in Anspruche nehmen würde)
- wenn sie manchmal einfach irgendwo stehen bleibt und nicht mehr weiter weiß, kann es dann auch mal zutreffen, daß sie nicht mehr nach hause findet, oder ihr Kind irgendwo stehen lässt?


- ja und wie könnte ich ihr helfen, bzw was soll ich auf keinen Fall tun.
- Wo gibts Adressen wo sie unterstützung holen kann.
- wenn ich ihr mit Beratungsstellen & co konfrontiere, also ich will sie damit nicht überrumpeln oder ihr sagen was für sie besser wäre . ( es ist ja eigentlich nicht meine Sache, nicht meine beste Freundin oder so)


Ach ja, sie bekommt (irgendwelche) Medikamente, eins gegen Depressionen ( Aufheller?) und eins für Abends zum schlafen.
Dann hat sie noch eins für "Notfälle" wenn sie mal in ein ganz tiefes Loch gefallen ist ( so hab ichs verstanden)

So, ich glaube das wars, tut mir leid, wenn es vielleicht etwas unverständlich ist, ich habe eben versucht das was ich noch weiß aufzuschrieben.

Also ich sie gestern getroffen habe, wollte ich eigentlich nur Hallo sagen, aber daraus wurde dann bestimmt ne 3/4 Stunde. Also sie hat schon Gesprächsbedarf, wobei sie zu mir meinte, sie wüßte nicht über was sie reden soll, aber ich muß sagen, ich bin in der Zeit kaum zu Wort gekommen. Ich hab mir überlegt sie mal zum Frühstück einzuladen, ich kann zur zeit selbst nicht viel unternehmen, aber das bekäme ich schon hin ;)

Ach ja und im Nachhinnein sind mir 2 Situationen eingefallen: ich hab sie noch im Spätsommer gesehen, da kam sie vom Friseur, das Kind in der babyschale, komplett mit Haaren übersät. Sie meinte sie war mal beim Friseur und der Kleine mußte da eben mal durch!!! Jetzt sei die Mama dran. Das kam mir komisch vor, denn sie sagte immer daß sie sich so auf den Kleinen gefreut hat.....
und dann sah ich sie im Jan. da stand sie "total komisch" vor mir, hat seltsam geredet und sich "komisch bewegt", ich hab noch zu meinem Mann gesagt, hat sie einen schlechten TAg, sonst lacht sie viel und ist gut drauf.
Ja damals wußte ich ja nicht.....

Ja danke fürs Lesen!!!

( Liebe " Maria" ich weiß ja nicht, ob du dich auch hier aufhälst. solltest du das hier lesen, dann sei mir nicht böse, aber ich mache mir sehr viele Gedanken um dich und suche mir hier Hilfe, damit ich sie an dich weitergeben kann.)

Anke
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Beitrag von Anke » 18:02:2011 10:57

Hallo Nurich,

herzlich willkommen hier bei uns und ein großes Lob an Dich, dass Du Dich so sehr für Deine Bekannte einsetzt!

In der Geschichte von "Maria" sind mir etliche Parallelen zu meiner damaligen Krankheit aufgefallen.

Auf die Schnelle mal: Maria ist auf dem richtigen Weg! Sie nimmt Medizin, ist regelmäßig beim Psychologen (einmal pro Woche ist super, öfter geht fast nicht), war in der Klinik, wobei mir der dortige Aufenthalt sehr kurz vorkommt (ist sie auf eigene Verantwortung entlassen worden?).

Wichtig fände ich, dass sie jetzt - nach der Klinikzeit - langsam wieder in den Alltag reinkommen kann. Wenn ihre Eltern sie dabei unterstützen ist das prima. Es tut einfach sehr gut, wenn jemand da ist, ihr "nur" zuhört, sie in den Arm nimmt, Geduld zeigt, denn es dauert seine Zeit, bis Maria wieder ganz gesund ist usw.
Oder evtl. eine Haushaltshilfe, die ihr die nötigsten Dinge im Haushalt abnimmt und sich um das größere Kind kümmert.

Du hast ganz Recht: jemand der eine Depression hat, kann sich nicht selbst aus "dem Sumpf" ziehen bzw. sich "positive" Gedanken "einreden". Das kommt nach und nach, indem die negativen Gedanken langsam verblassen und gute dazukommen. Das ist ja gerade das Problem an der Depression, dass der Kranke eben gar kein Licht mehr sieht. Wichtig ist aber, es immer wieder zu sagen, dass es besser wird!!!

Du kannst Dir Hilfe/Unterstützung hier beim Verein holen. Schau mal auf unserer Homepage nach. Hier sind etliche Listen von Fachleuten, Literaturempfehlungen, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten einer Postpartalen Depression, Selbsthilfegruppen etc.

Was DU konkret tun kannst: ihr anbieten, sich weiter um sie zu kümmern, sie mal zu besuchen oder einzuladen, ihr zuzuhören, oft hilft es schon, gar nicht unbedingt so viel zu sprechen sondern sprechen zu lassen - hast Du ja bereits gemerkt :-) Bei vielen Frauen ist ein großer Redebedarf vorhanden.

Und Du kannst ihr noch sagen, dass Du Dich erkundigt hast und dass sie nicht mit ihrer Situation alleine ist. Es gibt viele Frauen, denen es ähnlich geht. Gib Maria oder ihrem Mann oder ihren Eltern mal den Hinweis auf "Schatten & Licht".

Alles Gute für Deine Bekannte!
Wir helfen Dir/Maria gerne!
Viele Grüße von Anke

"Die Zeit heilt alle Wunden..."

Nurich

Beitrag von Nurich » 18:02:2011 17:45

danke für deine Worte.
Siehst du, ich dachte schon, daß einmal die Woche zu wenig ist. :oops:
soweit ich weiß, wurde sie entlassen, weil alles so gut lief. Sie hat mir selbst gesagt, sie wäre besser noch länger geblieben. Denn dort ging alles super und jetzt zu Hause kommt sie nicht klar.

Ich werde sie mal fragen, ob sie nicht eine Haushaltshilfe haben will, damit sie jetzt nicht zuviel Arbeit hat.
Du hast ganz Recht: jemand der eine Depression hat, kann sich nicht selbst aus "dem Sumpf" ziehen bzw. sich "positive" Gedanken "einreden". Das kommt nach und nach, indem die negativen Gedanken langsam verblassen und gute dazukommen. Das ist ja gerade das Problem an der Depression, dass der Kranke eben gar kein Licht mehr sieht. Wichtig ist aber, es immer wieder zu sagen, dass es besser wird!!!
Heißt das auch, daß ich ihr das immer wieder sagen soll??? Daß sie dran arbeiten muß und Stück für Stück dran Arbeiten muß?
Was DU konkret tun kannst: ihr anbieten, sich weiter um sie zu kümmern, sie mal zu besuchen oder einzuladen, ihr zuzuhören, oft hilft es schon, gar nicht unbedingt so viel zu sprechen sondern sprechen zu lassen - hast Du ja bereits gemerkt Smile Bei vielen Frauen ist ein großer Redebedarf vorhanden.
ja wie gesagt, das ist das einzige, was ich tun kann, für mehr bleibt mir eigentlich keine zeit. Ich will halt nicht aufdringlich sein, soooooviel Kontakt haben wir eigentlich nicht, aber sie hat mir viele dinge erzählt, die mich überrascht haben, die ich eben nicht jedem erzählen würde. [/quote]

Anke
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Beitrag von Anke » 19:02:2011 14:08

Hallo Nurich,

mehr tun, als das, was Du momentan machst, brauchst Du doch gar nicht.

Ich finde es immer hilfreich, wenn jemand Krankes (hin und wieder) gesagt bekommt, dass der jetzige Zustand nicht für immer so bleibt und dass diejenige wieder gesund wird.
Viele Grüße von Anke

"Die Zeit heilt alle Wunden..."

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