Ich bin verunsichert

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Babyelefant
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Ich bin verunsichert

Beitrag von Babyelefant » 14:05:2020 10:48

Hallo ihr Lieben,
Ich bin neu hier und wende mich an euch "Erfahrenen", weil ich gerade nicht so recht weiter weiß.
Ich bin vor 8 Monaten Mama eines kleinen Mädchens geworden. Ich hatte eine wunderbare Schwangerschaft, kaum Wehwehchen, keine Komplikationen. Die Kleine ist ein absolutes Wunschkind, wir haben ca. ein Jahr gebraucht, bis ich schwanger wurde. Ich habe per Wunschkaiserschnitt entbunden, weil ich mir nie eine normale Geburt vorstellen konnte und einfach auch sichergehen wollten dass meiner Tochter nichts passiert. Es ging damals dann alles recht schnell. Mir platzte gegen 12 Uhr mittags die Fruchtblase, um 15.30 war sie dann da. So wie ich sie in meinem Bauch geliebt habe, dachte ich, das ich überschauen würde vor Glück. leider tat ich das nicht. Sie war mir völlig fremd, ich hatte das Gefühl überhaupt nicht dazu empfinden. Das Ganze hielt an, zunächst dachte ich an den typischen Babyblues, ich weinte die ersten 6-8 Wochen viel. Dann allerdings wurde es besser. Nun ist sie 8 Monate alt und seit drei Tagen schleicht sich wieder ständig das Gefühl ein, keine Bindung zu ihr zu haben. Ich warte ständig auf diese "Liebe, die man nicht in Worte fassen kann", den Glücksrausch. Ansonsten geht es mir aber soweit gut, ich bin noch traurig, habe weiterhin Spaß am Leben. Gereizter und angespannter bin ich, habe das aber eigentlich darauf geschoben, dass es halt einfach anstrengend ist mit so einem Wurm (sie schläft nachts nicht durch und auch tagsüber ist es jedes Mal ein nervenzerrender Kampf. Dazu motzt sie seit bald 2 Monaten, weil sie nicht so kann wie sie will, irgendwann bin ich dann auch ihr gegenüber völlig entnervt). So, nun weiß ich nicht so recht weiter. Sind das Anzeichen einer PPD? überinterpretiert ich meine "Symptome", weil ich selbst Psychologin bin? Kommen gerade keine Gefühle auf, weil ich gestresst bin? (Auch die zu meinem Partner spüre ich gerade nicht richtig, aber da weiß ich halt, dass ich ihn liebe). Brauchen meine Muttergefühle noch mehr Zeit?
Mich macht das ganze gerade ziemlich fertig, ich will ja nichts mehr als meine Tochter anschauen, und mit rosaroten Herzchen in den Augen rumlaufen :(

Liebe Grüße

Celeste
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Re: Ich bin verunsichert

Beitrag von Celeste » 14:05:2020 21:23

Hallo Babyelefant,

schön, dass du hier bist.
Leider kann ich nicht viel zu deinem Thema sagen, da ich andere Symptome habe, aber ich weiss von anderen, dass sie auch Schwierigkeiten hatten, eine Bindung aufzubauen. Es meldet sich bestimmt bald jemand.

Aber für mich klingt das schonmal sehr gut, dass du noch Spaß am Leben hast. Das ist ein gutes Zeichen.

Herzliche Grüße
Celeste
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

Babyelefant
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Re: Ich bin verunsichert

Beitrag von Babyelefant » 15:05:2020 12:10

Hallo Celeste,
Danke für deine Antwort!
Ja, Spaß habe ich nach wie vor, ich bin aber natürlich gestresster und genervter als früher. Mir macht nur die fehlende Bindung Gedanken. Bislang schon ich sie immer auf den Stress und Schlafmangel, also darauf, dass die ganzen Gefühle einfach darunter vergraben sind. Ich Haber allerdings Sorge, etwas zu übersehen und doch an PPD erkrankt zu sein.
Liebe Grüße, Babyelefant

Nelli
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Re: Ich bin verunsichert

Beitrag von Nelli » 16:05:2020 23:32

Hallo Babyelephant,

herzlich Willkommen!
Generell finde ich die Erwartungshaltung, die immer vermittelt wird, dass man vor Liebe überquillt, durchaus problematisch.
Denn das erste Jahr ist, auch ohne PPD, sehr anstrengend. Und da kann keiner erwarten, dass man vor Liebe platzt.
Man muss sich ja auch erst an diesen neuen Mensch gewöhnen und die Geburt etc. verarbeiten.
Dennoch finde ich es wichtig, deine Sorge, nicht genug zu empfinden, ernst zu nehmen. Das bedeutet gar nicht mal,
dass du diese Gefühle nicht hast und zu ihnen fähig bist, sondern dass du sie im Moment nicht aktivieren,
bzw.: deine Gefühle nicht fühlen kannst. Klingt paradox, aber so habe ich es damals empfunden.
Ich würde dir raten, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es kann sein, dass Du mit wenig Mitteln (Entlastung...) da wieder raus
kommst, das scheint dir ja schonmal gelungen zu sein, nach der Geburt!
Was hälst du davon?

Liebe Grüße, Nelli

Babyelefant
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Re: Ich bin verunsichert

Beitrag von Babyelefant » 17:05:2020 11:30

Hallo Nelli,
Danke für deinen Beitrag. Ich habe gestern schon per Mail Kontakt mit einem Institut hier aufgenommen, morgen rufe ich an und vereinbare einen Gesprächstermin. Tatsächlich fühle ich mich einfach wohler dabei, wenn nein Zustand ein Experte beurteilt. Ich weiß von früher, dass ich solche "mh wo sind meine Gefühle"- Phasen oft hatte, wenn starke und nicht mehr wirklich rückgängig machbare Veränderungen in meinem Leben auftraten. Beispielsweise, als ich mit meinem Mann zusammen gezogen bin oder als wir ein Haus gekauft haben. Ich könnte mir vorstellen, dass es hier eben genauso ist und ich von der Verantwortung erdrückt werde.
Aber ich fühle mich wirklich besser nachdem ich gestern jetzt den Schritt gewagt habe, und mir Hilfe gesucht habe. Ich glaube lange habe ich mich paradoxerweise auch deshalb nicht getraut, weil ich selbst Psychologin bin..irgendwie denkt man da immer, man schafft das schon alleine, was sollen einem die Kollegen helfen, was man nicht auch selbst könnte. Aber jetzt ist es einfach Mal an der Zeit, eine objektive Meinung zu hören. Ich mag mit den Zweifeln einfach nicht mehr weiter leben, meiner Tochter zuliebe. Ich möchte einfach die Gefühle ihr gegenüber so spüren, wie sie es auch verdient hat :(

Nelli
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Re: Ich bin verunsichert

Beitrag von Nelli » 17:05:2020 20:22

Hallo Babyelephant,

das finde ich super, dass du diesen Termin vereinbart hast! Mir hilft es auch immer, mich emotional
zu stabilisieren, indem ich rational vorgehe.
Ich denke, das geht jeder Berufsgruppe so, z.B. Ärzten, die ja die unvernünftigsten Patienten sein sollen ;).
Aber Du kannst Dich ja nicht selbst therapieren und vor allem nicht objektiv anschauen.
Bei mir war es genauso: tiefe Einschnitte verunsichern mich EXTREM und ich hinterfrage ganz arg dann meine Gefühle: für meinen Mann, den Hund, das Kind. Mein Umfeld sagt, dass das total paradox ist, weil gerade ich so liebesfähig sei. Aber ich denke, diese Unsicherheit
gehört irgendwie dazu bei mir. Du bist bestimmt auf der richtigen Spur damit.

Nelli

Babyelefant
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Re: Ich bin verunsichert

Beitrag von Babyelefant » 17:05:2020 21:14

Hallo Nelli,
Genau, das ist ein doofes Gefühl oder? Gefühle sollte man eigentlich nicht hinterfragen, sondern fühlen. Weißt du, woher dieses Hinterfragen bei Veränderungen bei dir kommt?
Ich werde morgen auch meinen Hausarzt anrufen und um ein Blutbild bitten. Ich wurde mit einem ziemlich niedrigen HB-Wert aus dem Krankenhaus nach der Entbindung entlassen und hatte schon vor der Schwangerschaft verschiedene Mängel (Eisen, Vitamin D, B12 etc). Vllt muss ich die auch endlich Mal anständig auffüllen...
Liebe Grüße!

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