Vorstellung

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Svenja
Beiträge: 11
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Vorstellung

Beitrag von Svenja »

Hallo zusammen,

im Februar ist mein Sohn (erstes Kind) zur Welt gekommen. Es war eine schöne Geburt, es ging alles ziemlich schnell und durch die PDA auch schmerzlos. Mein Sohn hatte nicht gleich geschrien, deshalb nahmen sie ihn mir ziemlich schnell weg, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung mit ihm ist. Ich war gerade dabei vor Freude zu weinen als sie ihn mit wegnahmen. Das war ein emotionaler Cut. Manchmal denke ich, dass war die Startzündung meiner Wochenbettdepression.

Nach der Geburt habe ich mich sehr fit und euphorisch gefühlt und mich auf die neue Aufgabe gefreut. Zudem war ich sehr froh, dass mein Kind nicht so viel geschrien und gut geschlafen hat. Lediglich das Stillen klappte nicht. Mein Sohn wollte nicht so richtig an der Brust saugen und musste bereits im Krankenhaus zugefüttert werden. Auch hatte ich noch keinen Milcheinschuss und sollte mit der Pumpe die Milchproduktion anregen. Besonders eine Hebamme nervte mich mit ihren Sprüchen. "Ohne Stillhütchen ist es besser", "Sie wollten sich ja nicht helfen lassen"...

Um es kurz zu fassen, nach dem Krankenhaus wurde es immer schlimmer. Das Stillen wollte einfach nicht klappen bis ich nach 4 Wochen Still-Experimenten selber entschied auf die Flasche zu wechseln. Unser Sohn schlief immer schlechter und schrie immer mehr. Diagnose Koliken (hatte sich im Nachhinein als falsch herausgestellt, wir haben ihn bloß zu oft gefüttert). Ich konnte das nicht akzeptieren und recherchierte immer wieder, was wir noch tun könnten. Von der Hebamme hörte ich dann nur "Svenja, das musst du jetzt akzeptieren". Ich schlief immer weniger und verzweifelt immer mehr. Bald hatte ich Angst vor der Nacht und konnte gar nicht mehr einschlafen. Ich war irgendwann am Ende und wollte am liebsten den Balkon runterspringen. Ich wollte mein Kind am liebsten in eine Babyklappe legen, da ich mich nicht mehr in der Lage gefühlt habe für das Kind zu sorgen. Mein Mann bat mich schließlich zum Arzt zu gehen, da ich nur noch weinte und die Situation als Folter empfand.

Meine Ärztin leitete mich direkt an die Klinik weiter. Seit 5 Wochen bin ich nun in der Klinik. Zunächst war ich erleichtert aus der Situation raus zu sein, gleichzeitig war ich auch sehr traurig, weil ich von meinem Mann und meinem Kind getrennt war. Ich bekam zunächst Tavor (sehr gering dosiert) und mir ging es besser. Ich hatte weiterhin Schuldgefühle meinem Mann gegenüber und hatte schnell Heimweh. Ich versuchte oft zu meinem Kind und meinem Mann zu fahren, um 16 Uhr war es immer möglich die Station zu verlassen. Ich dachte, dass es mir bald wieder besser geht.

Die erste Übernachtung zu Hause war sehr aufregend für mich (am Wochenende darf man immer zu Hause schlafen). Ich konnte wieder nicht einschlafen und war dementsprechend total verzweifelt. Ich versuchte aber immer wieder zu Hause zu schlafen, was nicht klappte und mich immer mehr frustete. Zudem entwickelte ich weitere Symptome und Gedanken. Meine Aufregung und Nervosität stiegen an. Ich hatte aus heiterem Himmel Panikattacken. Meine Konzentration viel immer weiter runter. Ich bin oft sehr abwesend und tot traurig. Ich wache oft morgens mit Kopfschmerzen auf und denke, ich hätte nicht geschlafen. Ich habe immer weniger Appetit. Zudem hatte ich den Gedanken meinem Kind etwas anzutun. Ich habe das Gefühl, ich bin nicht mehr die Herrin meiner Sinne und verliere die Kontrolle. Immer wenn ich denke, es geht mir gut, dann wird es danach gefühlt schlimmer. Und die schlimmen Tage werden immer mehr. Seit 2 Tagen nehmen ich nun Sertralin (50 mg) (nachdem ich nach Medikamenten verlangt habe) und hoffe auf Besserung. Trotzdem habe ich immer wieder den Gedanken, dass ich die Kontrolle verliere und irgendwann komplett verrückt werde. Da mein Zustand gefühlt immer schlimmer wird, habe ich die große Sorge, ob ich in dieser Klinik richtig behandelt werde.
Zuletzt geändert von Svenja am 26:04:2021 6:56, insgesamt 1-mal geändert.
Jen
Beiträge: 43
Registriert: 14:02:2021 8:08

Re: Vorstellung

Beitrag von Jen »

Erstmal willkommen!

Und jetzt lass dich mal virtuell drücken. Deine Symptome kenne ich fast alle und ich kann dir sagen, du bist damit nicht alleine!

Das ist alles so viel und überflutet einen. Klare Gedanken fassen ist absolut unmöglich, auch das ist völlig normal.
Denk bitte daran, dass Hormone auch noch ihr Übriges tun. Was Schlaf anbelangt und co. So war es zumindest zusätzlich bei mir.
Abstillen ist hormonell auch eine richtige Achterbahnfahrt, war bei mir damals auch so. Ich bin danach erstmal noch tiefer gefallen. Das soll dir keine Angst machen, sondern dir zeigen, es ist durchaus normal.

Auch dein Zustand ist leider im Bezug auf die Krankheit ‚normal‘. Du wirst wieder bessere Tage haben, auch wenn du es jetzt nicht vermutetest. Es wird so sein!
Versuch erstmal die Sache so gut es geht anzunehmen. Ich weiß wie unmöglich das ist, aber es könnte dir den Stress nehmen.
Wenn du dich in der Klinik nicht wohl oder verstanden fühlst, solltest du überlegen ob eine andere Klinik in frage kommt. Vielleicht in eine Mutter Kind Klinik?

Allerdings dauert es auch seine Zeit bis das Medikament wirkt und die Sache an sich bei dir ankommt.
Wenn man das so sagen kann. Dein System ist total überlastet.

Wie geht es dir denn jetzt?

Alles liebe udn halte durch!
12/20 1. Geburt PPD
10 mg Escitalopram
Svenja
Beiträge: 11
Registriert: 21:04:2021 15:58

Re: Vorstellung

Beitrag von Svenja »

Vielen Dank für Deine Antwort! Das hat mich gleich positiver gestimmt.

Ich versuche den Ärzten wieder mehr zu vertrauen und meine Situation zu akzeptieren. Ich hoffe, dass das Medikament bald wirkt. Ich habe gesehen, dass viele Citalopram bekommen. Ich aber Sertralin. Da frage ich mich natürlich auch, warum ich das nicht bekomme. Aber ich wollte ja den Ärzten vertrauen :lol:


Nachdem ich hier geschrieben habe, hatte ich eine schlechte Nacht. Ich bin wieder mitten in der Nacht aufgewacht, ich wurde wieder unruhig, eine Beruhigungstablette hatte auch nichts gebracht, ich wurde traurig und dann kamen wieder suizidale Gedanken, die ich seit meinem Klinikaufenthalt eigentlich nicht mehr hatte. Das machte mir wieder Angst, denn genau diesen Zustand wollte ich nicht mehr. Am nächsten Morgen war ich so erschöpft, ich hatte Probleme überhaupt aufzustehen.
Ich bekomme seitdem eine Schlaftablette, die einigermaßen hilft. Ich habe immer noch Angst vor der Nacht und wache in der Nacht auf, aber ich komme wieder besser damit klar. Jen, wie bist du mit deinen Schlafproblemen klargekommen? Ich würde so gerne wieder richtig schlafen bzw. morgens aufwachen und nicht so gerädert sein. Momentan ist mein Kind zu Hause, mit graust es aber schon, wenn ich irgendwann wieder zu Hause bin und mit meinem Kind in einem Zimmer schlafe, dass ich wieder nicht schlafen kann. Dass ich wieder permanent wach liege, tot müde bin, aber einfach nicht schlafen kann. Mir würden ja schon paar Stunden reichen, es geht mir nicht um ausschlafen. Laut der Ärzte soll ich immer wieder zu Hause schlafen, um mich meiner Angst zu stellen, aber die Versuche haben nicht so gut funktioniert.
Ich würde gerne in eine Mutter-Kind-Klinik, aber ich bin mir unsicher. In solch einer Klinik wird man nur aufgenommen, wenn das Kind auch eine Diagnose hat. Meinem Kind geht es aber gut. Die Kinderärztin könnte zwar etwas aufschreiben, aber ich möchte nicht, dass irgendwelche Ärzte an meinem Kind herumdoktern. In eine Tagesklinik trau ich mich noch nicht, da ich nicht in der Lage bin mich um mein Kind die ganze Zeit zu kümmern. Das überfordert mich und ich habe Angst, dass ich meinem Kind schade. Ich frage mich auch, wie intensiv mein Kind in solch einer Klinik betreut wird, denn ich bin zwischenzeitlich einfach nicht in der Lage. Mein Mann kann sich bloß auch nicht mehr ewig um unser Kind kümmern. Meine Schwester hatte sich zwar angeboten, aber die möchte ich nicht auch noch belasten.

Ich möchte bloß einfach wieder "die Alte" sein und mich um mein Kind kümmern. Ich möchte die richtige Behandlung, um schnell wieder gesund zu werden. Ich verpasse einfach so viel und habe Angst die Verbindung zu meinem Kind zu verlieren, wenn ich nicht bald wieder zu Hause bin.

Ganz liebe Grüße
Jen
Beiträge: 43
Registriert: 14:02:2021 8:08

Re: Vorstellung

Beitrag von Jen »

Liebe Svenja,

oh ich weiß so gut wie du dich fühlst.
Der Kopf rattert und rattert und rattert.

Vorneweg: Auch ich hatte Suizidgedanken, die waren/sind für mich auch mit das Schlimmste.
Vielleicht kannst du versuchen zu hören wann oder eher woher dieser schlimme Gedanke kommt? Also wann erscheint er und wieso eigentlich?
Bei mir ist/war es so eine Hoffnungslosigkeit, mein inneres traumatisiertes Kind das einfach nur geheilt werden Will. Frieden. Ich will nämlich gar nicht sterben, sondern eher dass ‚dieses Gefühl’ aufhört.

Zu deinem Medikament, hier nehmen auch viele Frauen Sertarlin. Das ist manchmal auch einfach erstmal ein probieren, jeder Mensch ist anders, jeder reagiert anders. Also hier - da erstmal durchatmen.
Ich kann dir auch sagen, dass es anfangs zu einer Erstverschlimmerung kommen kann. Frag einfach mal im Forum bei Medikamenten nach, wer damit bei deinem AD Erfahrung hat.

Und jetzt zum Problem mit dem Schlafe . Ich hab in der Klinik jede Nacht quetapin bekommen zum schlafen und war trotzdem nicht fit und total am Ende.
Das ist leider dem Kopf Karussell geschuldet.
Und jetzt sag ich dir vermutlich etwas undenkbares, aber wichtiges, du musst es annehmen.
DU KANNST SCHLAFEN. Kein Mensch verlernt das Schlafen, das geht nicht! Das hat mein Psychiater mir gesagt.
Aber es braucht Zeit, so wie alles Zeit braucht. Das liest du hier überall und du wirst es nicht glauben, aber ES IST SO.

Mach kleine Schritte, ganz kleine und manchmal auch einen zurück. Das ist so. Aber jeden Tag wird es besser, jeden Tag. Da darfst du drauf vertrauen.
Es wird besser!!!!

Mein Problem ist, eine traumatisierung im Krankenhaus.

Du wirst nicht mehr die Alte werden. Du wirst stärker aus der Sache hervorgehen. Du bekommst, auch wenn dich das für dich keineswegs so anfühlt, die Chance die beste Version von dir werden. DU SCHAFFST DAS!

Du Schadest deinem Kind niemals, wenn du jetzt erstmal nach dir schaust. Du bist nämlich wichtig - das nennt sich Selbstfürsorge!

Versuch jede Hilfe anzunehmen, die dich entlastet und die dich mehr zu dir zurückbringt! Kaputtmachen, aus falschen stolz ist total kontraproduktiv. Hab ich leider immer wieder erfahren müssen.

Du bist stark!!!! Du schaffst das!!!
12/20 1. Geburt PPD
10 mg Escitalopram
Svenja
Beiträge: 11
Registriert: 21:04:2021 15:58

Re: Vorstellung

Beitrag von Svenja »

Danke Jen! Vielen Dank für Dein Verständnis, für Deinen Zuspruch und die große Motivation!

Ganz liebe Grüße!
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