Warum beim dritten Wunschkind???

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Pinkcandyfloss
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Warum beim dritten Wunschkind???

Beitrag von Pinkcandyfloss »

Hallo Zusammen,
ich bin ganz neu hier und bin froh, den Weg zu euch gefunden zu haben.

Ich habe vor 14 Wochen unser drittes Kind entbunden. 3 Tage nach der Geburt gings nur noch bergab. Insgesamt waren 6
Versuche nötig, bis mir endlich jemand geholfen hat. Eine Vertretungsärztin. Selbst in der Notaufnahme wurde ich weg
geschickt ( Sie sind müde, schlafen Sie sich mal richtig aus). Dieses elende Gefühl, wenn keiner einem helfen will :(
Meine Hebamme war Machtlos.

Akutell bin ich in der 12. Woche stationär. Mein Stillkind ist bei mir. Ich sehe kein Ende, keine Besserung ( obwohl
ich ganz offensichtlich Erfolge habe- ich erkenne sie nicht, ich fühle sie nicht). Die Gespräche mit den
Therapeuten reißen gefühlt jeden Tag eine neue Wunde auf. Mein Tief wird immer tiefer :( Dann gehts wieder ein paar
Tage und ich denke, dass ich es jetzt endlich in den Griff bekomme. Dann kommt der nächste Absturz. Meine Gedanken
kreisen nur noch um ein Thema. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich habe bereits 2 Kinder. Wieso ging es da?
Warum jetzt? Warum beim dritten? Einem absoluten Wunschkind - langer Kinderwunsch, mehrere Hormonbehandlungen. Auch
unsere anderen Kinder sind Wunschkinder. Dieses Gefühl ein kleines Baby im Arm zu halten war so unsagbar schön. Und jetzt?
Nichts. Leere. Selbsthass. Ich habe das Gefühl, den ganzen Tag neben mir zu stehen. Ich kümmere mich - mechanisch.
Kann nicht mit ihm reden, weil sich jedes Wort wie eine einzige Lüge anfühlt. Wenn er mich anlacht, fühle ich mich schlecht.
Mein Wunschkind und ich würde es am liebsten wieder loswerden. Die Gedanken fressen mich auf. Es soll einfach wieder
aufhören. Ich will mein altes Leben zurück. Wir waren so glücklich und jetzt?

Dann dieser riesen Widerspruch in meinem Kopf, der einfach nur macht, dass ich mich dumm fühle. Ich möchte nicht das
ihn jemand anfässt, oder auf dem Arm hat. Ich gebe mir für jeden kleinen Piep, den er macht die Schuld, dass es
ihm nicht gut gehen könnte. Dass er merkt, was mit mir los ist. Ich achte extrem auf meine Ernährung, bloß nichts
blähendes, nicht mit Fruchtsäure ect. Sein roter Po war mein Weltuntergang. Ich habe nicht aufgepasst, ich bin zu
egoistisch. Er merkt es. Er wird mich hassen. Er hasst mich... Ein Teufelskreis und ich komme einfach nicht da raus.
Ständig werden mir Medikamente nahegelegt. Ich kann es nicht. Die Angst vor Nebenwirkungen, dass es ihm nicht gut geht
oder dass ich ihm schade. Ich habe soviel gelesen, studiert, Erfahrungsberichte, Embryotox ect. Ich kann es nicht.
Abstillen kann ich auch nicht, da ich weiß, dass Muttermilch das beste für ihn ist und aus Angst. Angst davor, dass
ich mich wieder nicht um ihn kümmere. Er hat das nicht verdient....
Die Panikattacken bestimmen meinen Alltag. Ich kann nicht einkaufen, nicht unter Menschen. Ich will nicht, dass mich
jemand sieht oder gar meine Stimme hört. Ich kann nicht im Dunkeln sein, weil ich Angst habe, dass ich vergesse zu
Atmen und sich mein Hals wieder zuschnürrt...

Ging es jemandem ähnlich? Bei einem Wunschkind? Beim dritten Kind?

Viele Grüße
pinkcandyfloss
Löwenmutter
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Beiträge: 129
Registriert: 08:08:2018 9:47

Re: Warum beim dritten Wunschkind???

Beitrag von Löwenmutter »

Guten Abend,

ja, bei mir ist es auch zwei Mal wunderbar gewesen und beim dritten Wunschkind bin ich in eine tiefe kriese gestürzt. Ich habe gerade keine Zeit für eine lange Antwort, das tut mir sehr leider. Zwei Sachen möchte ich schnell sagen.

Hab keine Angst vor den Medikamenten. Ohne hätte ich es nicht geschafft. Nimm es an, ich habe mit escitalopram ein völlig gesundes glückliches Kind gestillt.

Und das zweite: es geht wieder weg. Du kannst es dir ni hat vorstellen und du brauchst etwas Geduld aber es wird wieder gut. Du wirst nicht düster an diese Zeit zurück denken und du wirst irgendwann glücklich dein Kind anschauen und fühlen dass du eine gesunde lebensfrohe Mama bist.

Herzliche Grüße
Nora
1. Kind 2013 gesund und glücklich
2. Kind 2015 gesund und glücklich
3. Kind 2018 PPD ( MuKi- Klinik verhaltenstherapie escitalopram)
4. Kind 2020 Mini-PPD überstanden
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Marika
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Re: Warum beim dritten Wunschkind???

Beitrag von Marika »

Herzlich Willkommen bei uns Pinkcandyfloss!

Schön, dass du ab ist und uns dein Vertrauen schenkst. Hier bist du genau richtig um dir alles von der Seele zu schreiben. Wir werden alles tun, um dich auf deinem Weg zu unterstützten.

Ich habe zwar "nur" ein Kind und das ist schon 16, aber er war ebenfalls ein absolutes Wunschkind. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mich eine PPD erwischen würde und mir die schlimmste Zeit meines Lebens bescheren sollte. Ich glaube wir alle hier können deine Gefühl und Gedanken komplett nachvollziehen weil wir sie auch erleben Wir können dir aber auch die Hoffnung geben, dass du wieder gesund wirst.

Die ersten Schritte hast du schon eingeleitet, bist in einer Klinik und in Therapie. Das sind genau die richtigen Maßnahmen damit es wieder aufwärts geht. Genau wie meine Vorschreiberin brauchte ich aber auch zusätzlich ein Medikament um wieder gesund zu werden. Dass du wegen dem Stillen eine Blockade hast gegen ein Medikament ist verständlich - das überlegt man sich immer 2 Mal. Bei genauerem Betrachten der Fakten muss man aber auch sehen, dass dein Körper im Moment unter enormen Stress steht viel zu viele Stresshormone im Blut zirkulieren. Diese gehen in die Muttermilch über und somit auf dein Baby. Diese Stresshormone stellen einen Risikofaktor für spätere Erkrankungen wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. Da ist ein AD in der Stillzeit nach Daten, Fakten und Studienergebnissen die absolute bessere Wahl. Aber da du dich bereits bei Embryotox informiert hast, weißt du wahrscheinlich schon.

Es tut mir so sehr leid, dass du so leidest - vor allem dass du dich nicht zu einer Medikamentösen Hilfe durchringen kannst. Sehr viele Frauen hier haben mit AD gestillt - erfolgreich und ohne negative Auswirkungen auf das Baby. Sie sind gesund geworden, die Kinder wunderbar gediehen und alle konnten das Leben wieder genießen.

Das wichtigste für ein Kind ist eine gesunde Mama, der es gut geht - körperlich und seelisch. Beides ist bei dir im Moment nicht gegeben. Aber du kannst neben den Schritten die du schon gemacht hast, noch einen ganz wichtigen setzen - ein Medikamenten Einnahme, die dir deine Ärzte bereits empfohlen haben.

Ich wünsche dir von Herzen, dass du es schaffst dich für die Medikamenten Option zu öffnen!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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