Ich stelle mich vor

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Scherekobold
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Ich stelle mich vor

Beitrag von Scherekobold »

Hallo an alle,

Ich möchte mich hiermit gerne vorstellen.

Ich bin die Mutter von zwei Kindern, einer Tochter (4.5 Jahre) und einem Sohn (6 Wochen). Schon seit meiner späten Jugend hatte ich ein Thema mit Depression und Angstzuständen, die ich aber manchmal medikamentös und therapeutisch in Griff hatte.
Schon in der Schwangerschaft meiner Tochter erlebte ich einen Rückfall, ausgelöst durch Überarbeitung und Schlafmangel (damals kam ich aus Kanada zurück und der Jetlag führte zu Schlafstörung) - ich ließ mich damals wieder auf mein AD einstellen und nach ein paar Wochen ging es soweit gut. Da ich schon in der Schwangerschaft wieder Medikamente nahm hat mich das (denke ich) davor bewahrt mit meiner Tochter in eine Wochenbettdepression zu fallen.

Alles lief gut und ich beschloss die Medis abzusetzen. Ich wurde nach ca 4 Jahren erneut schwanger - alles lief wunderbar. Die Schwangerschaft war toll, ich fühlte mich unverwundbar. Mein Sohn kam vor ca. 6 Wochen nach einer komplikationslosen Schwangerschaft und Geburt eine Woche zu früh auf die Welt. Ich war unendlich glücklich und erleichtert.

Leider schaffte ich es nach der Geburt nicht zu schlafen. Der Schlafmangel ließ mich sehr schnell wieder eine Abwärtsspirale hinunter rasseln. 3 Tage nach der Geburt fing ich wieder an mein AD zu nehmen und bekam ein Schlafmittel für Notfälle. Es war eine schreckliche zeit - ich hatte Panikattacken, war unendlich schwach (von der Geburt noch) und fühlte mich als total Versagerin. Ich hatte Angst vor der Angst, vor dem Schlafen, vor dem Versagen, vor der Enttäuschung.
Nach ca 4 Wochen fing es an mir besser zu gehen. Und ich glaubte die depressive Phase (mal wieder) überstanden zu haben. Es waren eine ganze Woche lang nur gute Tage. Nach einer Woche, kam aber aus dem Nichts wieder ein Tief - ein sehr tiefes Tief - vielleicht nicht ganz so tief wie zu Beginn, aber doch deutlich.

Zurzeit stecke ich in diesem Tief noch fest und ich habe Angst, dass ich es nie wieder raus schaffe. Ich verstehe nicht wie es mir schon so gut gehen konnte und ich dann doch wieder so tief fallen kann. Ich habe Angst meinen Kindern zu schaden und meiner Beziehung. Ich habe die Dosis meines Medikaments geändert. Ich mache Therapie und mein Mann hilft mir. Ich habe ein ausgezeichnetes support Netzwerk, und trotz allem geht es mir immer noch nicht besser.
Kurz gesagt, ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich weiß, dass ich meine Kinder liebe aber die letzten 3 Tage konnte ich das nicht spüren, nur wissen. Ich will gar nicht viel, ich will nur mit der Situation klarkommen – ich weiß, dass das Leben mit Baby nicht immer heile Welt ist – aber man sollte es doch auszugsweise genießen können.
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Marika
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Re: Ich stelle mich vor

Beitrag von Marika »

Herzlich Willillkommen bei uns!

Ich hoffe du fühlst dich wohl und verstanden bei uns. Was du gerade mit diesem Tief erlebst ist sehr charakteristisch für eine PPD. Denn nach einer Schwangerschaft und Geburt sind die Hormone noch viel stärker in das psychische Geschehen verflochten als sonst. Und dieser Umstand ist maßgeblich an den Tiefs beteiligt. Ich habe in mehreren Büchern zu dem Thema gelesen, dass sich die weiblichen Hormone und unser Zyklus durch den wir ja ein Leben lang Hormonschwankungen ausgesetzt sind, sehr negativ auf den Gehirnstoffwechsel auswirken können. Auch auf Bildgebenden Verfahren kann man diesen Einfluss auf die verschiedenen Gehirnareale deutlich sehen. Kurz gesagt: gerade kurz nach der Geburt wo der Hormonhaushalt noch sehr volatiel und sensibel ist, wo sich vieles erst wieder einpendeln muss, wo andere Hormone - z.b. durch das Stillen - gebildet werden, reagiert der Körper sehr sensibel auf dieses Auf und Ab. Und das merkst du an diesen Tiefs.

Ich habe es genau so erlebt und mit dir fast alle hier. Es ist ganz typisch. Vielleicht kann dir dieses Wissen etwas helfen, diese Tiefs besser zu ertragen. Mir hat es damals geholfen in den Tief Phasen so viel wie möglich Ablenkung in den Tag zu bringen. Ich habe in meiner Therapie gelernt, eine Tagesplan für jeden Tag bereits am Vorabend zu schreiben. Der hing dann am Kühlschrank. Der erste Schritt jeden Morgen war zum Zettel zu gehen, ihn durchzulesen und mich Schritt für Schritt durch den Tag zu hangeln. Es war trotzdem oft schwer, aber trotzdem gab es mir mehr Sicherheit.

Dann hatte ich auch ganz viel Hilfe von meinen Eltern und lieben Verwandten, so dass sich auch Ruhepausen einlegen konnte.

Vielleicht kann dir das auch ein bisschen helfen. Schön, dass du da bist, wir stehen dir zur Seite.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Scherekobold
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Re: Ich stelle mich vor

Beitrag von Scherekobold »

Hallo Marika,

Danke für deine Antwort. Es hilft natürlich zu hören dass man nicht alleine ist. Es fühlt sich nur alles so schwer und auch irgendwie auswegslos an. Ich habe das Gefühl ich warte dass es besser wird, und mache dabei alles mir mögliche damit das geschieht. Ich bin in Therapie, ich nehme Medikamente, ich gehe jedentag raus.

Es war schon besser und wurde dann wieder schlechter - woher kann ich wissen dass es wieder besser wird?
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Marika
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Re: Ich stelle mich vor

Beitrag von Marika »

Du darfst es GLAUBEN, dass es wieder besser wird. Ganz einfach deshalb, weil diese Tiefs ein Symptom der Erkrankung und alle erleben es so. Daneben tust du alles, um gesund zu werden. Deswegen wirst du auch wieder gesund werden.

Versuch dich nicht unter Druck zu setzen, das Tief ist jetzt da, es wird auch wieder gehen. Du brauchst Geduld und ich weiß dass das schrecklich schwer ist. Ich weiß auch wie schwer es ist das alle auszuhalten. Aber eines ist auch klar: du wirst wieder gesund.
Liebe Grüße von
Marika

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