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purpurrot
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Neu hier

Beitrag von purpurrot »

Hallo zusammen,
nachdem ich schon viel im Forum gelesen habe und auch bei einer der digitalen Selbsthilfegruppen teilgenommen habe, wollte ich mich gerne einmal vorstellen und mir alles von der Seele schreiben.

Ich bin 32 Jahre alt und habe vor zwei Monaten unser erstes Wunschkind bekommen. Die Geburt war anstrengend und die Tage im Krankenhaus auch, und schon da bemerkte ich das, was ich für "Babyblues" hielt - völlige Überforderung, Schlaflosigkeit, ständiges Weinen. Daheim wird es besser, habe ich gedacht. Aber es wurde nur noch viel schlimmer. Ich bekam Panikattacken, mein Milch- und Wochenfluss versiegte von einen auf den anderen Tag komplett, ich konnte nichts mehr essen. Da ich bereits vorher häufiger depressive Episoden hatte und auch meine Mutter an PPD litt, habe ich mir sofort Hilfe gesucht (über den psychiatrischen Krisendienst am Telefon, den ich übrigens sehr empfehlen kann.) Therapeutische und medikamentöse Erstversorgung nahmen ihren Lauf, während sich mein Zustand immer weiter verschlechterte. Neben meinem Sohn konnte und kann ich aus lauter Sorge und Anspannung gar nicht mehr schlafen und finde auch tagsüber nicht zur Ruhe. Mit ihm alleine sein kann ich ebenfalls nicht und bekomme dann anhaltende körperliche Angstzustände. Gedankenkreisen und katastrophisierende Gedanken begleiten mich ununterbrochen und mein Kopf sucht unablässig nach Möglichkeiten, aus dieser Situation zu entkommen. Ob Suizid oder meine kleine Familie zu verlassen, oder das Kind zur Adoption frei zu geben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es irgendwann besser wird. Zudem komme ich mir gerade unfassbar egoistisch vor, weil ich die ganze Zeit nur denke "ICH schaffe das nicht, ICH kann das nicht, ICH will das nicht" Für mein Kind möchte ich natürlich das Beste, aber vor allem will ich mich nicht mehr so fühlen.
Geht es jemandem ähnlich?
Ich war auch bereits einen Tag stationär in der "normalen" Psychiatrie, weil ich mir eine Mutter-Kind-Klinik absolut nicht vorstellen kann, wo ich mit dem Kind die ganze Zeit alleine bin und nicht flüchten kann. Da habe ich es aber auch nicht ausgehalten. Ich weiß einfach nicht, wie es weitergehen soll und wo ich Hilfe bekomme, ich bin so verzweifelt.
Sternschnuppe2023
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Re: Neu hier

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Hallo du Liebe,

das tut mir wirklich unfassbar leid, was du gerade durchmachen musst.
Unterstützt dich denn tagsüber jemand oder auch nachts? Und was hast du für Medikamente bekommen? Schläfst du damit?
Ich war auch vor kurzem noch vollkommen verzweifelt und konnte mir nicht vorstellen, dass es jemals besser wird. Auch das mit dem Gefühl, dass ich egoistisch bin, hatte ich stark.
Ich nehme meine Medikamente jetzt seit ca. 6 Wochen und mir geht es aktuell etwas besser. Ich habe aber auch jeden Tag Angst, dass es wieder einbricht.

Liebe Grüße
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Marika
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Re: Neu hier

Beitrag von Marika »

Herzlich Willkommen!

Was du schreibst kenne ich alles, es ist zwar schon lange her bei mir, aber die Symptome sind die gleichen. Du bist NICHT egoistisch, du bist krank geworden, das alles hat nichts mit deinem Wesen, deiner Persönlichkeit oder deinem Denken und Wollen zu tun. Es ist die Erkrankung.

Ich wollte auch fragen, ob bzw mit welchen Medikamenten du eingestellt bist und wie lange schon. Es dauert ja leider immer mehrere Wochen, bis diese richtig wirken. Gibt es die Möglichkeit einer Therapie wo du 1x wöchentlich wenigstens hin kannst? Hast du Hilfe im Alltag? Ich war damals 2 Monate lang nie alleine, ich brauchte immer jemanden bei mir, um den Alltag zu schaffen.

Fühl dich wohl und verstanden bei uns! ❤️
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
purpurrot
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Re: Neu hier

Beitrag von purpurrot »

Ich danke euch beiden sehr!
Ja, ich habe alle Unterstützung, die man sich vorstellen kann, und deswegen fühle ich mich direkt noch schlechter, weil ich einfach gar nichts leiste. Die Nächte übernimmt mein Mann und tagsüber kann ich zu meinen Schwiegereltern, die nebenan wohnen, so bin ich nicht alleine. Alleine sein geht nämlich auch gar nicht.
Ich bekomme Sertralin und werde langsam aufdosiert, aktuell bin ich bei 50mg, zusätzlich Quetiapin 50 Retard tagsüber um nicht durchzudrehen und nochmal 50 direkt wirkend für die Nacht. Das wirkt zumindest insofern, als das die Panikattacken jetzt deutlich seltener werden, dafür aber die permanente Unruhe einfach da ist. Nächste Woche geht es an die 75mg Stertralin und auch davor habe ich sehr viel Angst, da ich nach dem Hochdosieren beim letzten Mal eine Panikattacke von über einer Stunde hatte.
In Therapie bin ich auch einmal die Woche übergangsweise bei jemanden, der Akutfälle betreut, aber ich bemühe mich nebenbei um einen festen Platz.
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Marika
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Re: Neu hier

Beitrag von Marika »

Das ist sehr gut, wirklich. Vor allem merkst du bereits eine kleine Besserung im Bezug auf die Panikattacken. Das Hochdosieren kann man merken, ja... aber nur durch eine entsprechend höhere Dosis kannst du stabil werden.

Besprich deine Angst am besten mit deinem Arzt, es gibt Medikamente die eine solche Reaktion dämpfen bzw. verhindern können. Die kann man Situationsbedingt nehmen und sie wirken direkt auch gleich. Das könnte dir Sicherheit geben, für den Fall der Fälle.

Du hast alles richtig gemacht, sei jetzt mal ganz fest stolz auf dich. Du bist krank geworden, du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben, du kannst nichts dafür. Du wirst aufgefangen so wie es in einer tollen Familie sein soll und das darfst du auch genau so annehmen.

Es wird dir bald besser gehen, wirst sehen!
Liebe Grüße von
Marika

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SaraGossa
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Re: Neu hier

Beitrag von SaraGossa »

Hey du,
Wollte dir auch kurz antworten weil deine Worte genausogut von mir hätten sein können, mir ging es GENAU gleich!
Du kommst nie zur Ruhe weil dein Körper und Geist krank sind und noch total im Kampf oder Flucht Modus feststecken...deshalb ist der 1.Schritt erstmal aus dieser ständigen Anspannung und dem Stress rauszukommen...das nächste wird dann sein wieder schlafen zu können, denn wie extrem wichtig das für die Regeneration und Heilung ist wissen wir ja alle
Es ist kaum auszuhalten ich weiß, dass du diese schlimmen Gedanken hast ist auch normal...das sind Fluchtgedanken

Ich kann dir nur eines versprechen: Es wird besser, du wirst wieder alleine sein können und deine Gedanken werden sich normalisieren...aber leider dauert es.

Ich kann jetzt nach 1,7 Jahren wieder aktiv am Leben teilnehmen, mich auf Dinge freuen, arbeiten, geniessen, meinen Sohn über alles lieben, wieder kreativ sein und vieles mehr
Die blöden Gedanken begleiten mich noch ab und an, aber Stück für Stück kommt die Lebensqualität zurück

Meine Liebe, du schaffst das...eine schreckliche abscheuliche Krankheit ist das, aber gib nie nie nie auf♡
Sehr traumatische Geburt meines 1. Sohnes Nov. 2021
Seit Januar 2022 PPD
Anfangs Mirtazapin, inzwischen abgesetzt
Seit Oktober 22 Vortioxetin 20mg
Januar 23 noch Duloxetin 120mg dazu

Aktuell ziemlich stabil🤞
Sternschnuppe2023
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Re: Neu hier

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Liebe Purpurrot,

Ich wollte mal nachhören, wie es dir so geht?

🩷
Liebe Grüße
purpurrot
Beiträge: 3
Registriert: 18:07:2023 18:01

Re: Neu hier

Beitrag von purpurrot »

Hallo ihr Lieben,
ein kurzes Update: die Medikation ist bislang dieselbe geblieben, da sich mein Schlaf gottseidank wieder eingestellt hat.
Damit ging es mir zeitweise recht gut, ich war sogar in einer Krabbelgruppe (allerdings war meine Schwiegermutter im Hintergrund dabei, alleine traue ich mich einfach nicht.)
Seit dieser Woche ist es wieder deutlich schlechter, ich hab mich nicht in die Gruppe getraut und auch nicht zum Pekip, obwohl ich der Hebamme, die es leitet, vorher auch Bescheid gegeben hatte mit der PPD.
Aufgrund Krankheitsfällen hatte ich nun zwei Wochen keine Therapie. Zudem bin ich grad in der Lutealphase im Zyklus, kann es sein, dass das die Gründe sind, warum ich wieder so abstürze? Fühle mich völlig kraftlos und niedergeschlagen und die dunklen Gedanken sind wieder da und kreisen in einer Tour. "Wenn ich meinen Mann und das Kind verlasse, vielleicht wird es dann wieder besser. Aber ich kann ohne ihn nicht leben und gerade hab ich weder Kraft noch Job noch Geld" - es ist alles so hoffnungslos. Und dann denke ich, bevor ich mich dem stelle, bringe ich mich lieber um, dann ist es gleich vorbei.
Sternschnuppe2023
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Re: Neu hier

Beitrag von Sternschnuppe2023 »

Huhu liebe Purpurrot,

Wie schön, von dir zu lesen, dass sich dein Schlaf wieder eingestellt hat.
Kommst du jetzt tagsüber bei deiner Kleinen zur Ruhe? Wie gestalten sich die Tage bei dir?
Und wieviel Sertralin nimmst du jetzt?
Ich nehme ja auch seit Ende Juni Sertralin. Bei mir ist es leider auch ein auf und ab und ich werde nächste Woche Donnerstag mit meinem Therapeut sprechen, ob ich eventuell weiter hoch gehen kann.

Liebe Grüße
Liebe Grüße
Mammsie
Beiträge: 48
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Re: Neu hier

Beitrag von Mammsie »

Hallo und willkommen,
fühl dich nicht schlecht. Es geht vielen hier so. Wir wollen, können aber nicht, haben Schuldgefühle oder Ängste. Es wird aber besser. Viel zu lange hat man Müttern zu viel abverlangt. Vieles ist auch gesellschaftlich verankert. Es gibt Kulturen da wird von der Mutter erstmal gar nicht erwartet. Wir erinnern uns an das berühmte 'Dorf', hehe. Hier wirst du auf Menschen treffen, die ebenso kämpfen. Man sieht, dass man nicht alleine ist. Selbst wenn man sich nicht persönlich kennt. Alles Gute!
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