Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Hier können sich unsere Mitglieder vorstellen

Moderator: Moderatoren

Februarmama17

Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 30:03:2017 11:16

Hallo ihr Lieben,

Ich bin neu hier & möchte gleich mal was loswerden..
Vor fast 8 Wochen habe ich unser Wunschkind zur Welt gebracht. Die Schwangerschaft war ein Traum. Und auch die Geburt verlief super.
Nach der Geburt fingen plötzlich Panikattacken an. Mal zuhause und auch unterwegs.. habe mir dabei oft eingebildet eine Krankheit zu haben. (Muss dazu sagen, dass ich solche Attacken vor der SS auch schonmal hatte)
Ich konnte damit immer ganz gut umgehen.. bis auf letzte Woche.. da hat sich mein ganzer Körper plötzlich so fremd angefühlt & meine Arme waren wie Beton. Ich dachte, gleich drehe ich komplett durch. Da hat nur noch eine Tavor geholfen...
Dann habe ich viel gegoogelt über Psychosen und Diszotiation... das hat mir nur noch mehr Angst gemacht..
Seitdem kann ich an nichts anderes mehr denken. 24h habe ich Angst und Panik im Kopf, dass ich durchdrehen könnte.. vergesse wer ich bin... vergesse wer mein Kind ist .. das mein Leben und meine Gedanken nie wieder wie vorher werden .. :-( ich versuche andauernd meinen Körper zu steuern.. dabei fühlen sich meine Arme so fremd an..
Gestern war ich bei einem Psychologen. Der meinte das sei eine "normale" Panikstörung.
Aber ist es das wirklich?? Diese Gedanken verschwinden nicht .. kann nicht mal das Haus verlassen.. nichts kann mich ablenken :'( was ist nur los mit mir??
Kann mir jemand helfen? Können da wirklich Medikamente helfen??
Ich bin doch erst 23... wie soll das Leben so weitergehen ? :-(

Entschuldigt den langen Text ...

Viele Grüße!

lotte
power user
Beiträge: 1779
Registriert: 05:09:2008 7:58

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von lotte » 30:03:2017 15:41

Hallo Du,

erst einmal herzlich Willkommen bei uns und Gratulation zu Deinem noch recht frischen Baby ;)

Ich bin kein Therapeut, aber ich kenne diese Diagnose von früher über meinen eigenen Zustand noch sehr genau. Meine jüngste war übrigens auch circa 8 Wochen alt und dann ging es los. Und wie Du auch hatte ich schon vor SS und Geburt Panikattacken und soziale Phobien.

Mit einer Geburt kann das alles, was wir verdrängt und nicht verarbeitet haben, wieder auftauchen. Noch dazu hast Du jetzt die Verantwortung für ein Kind. Das macht Angst. Und Dein Körper reagiert "erstmal" mit diffusen Ängsten, wie Du sie jetzt auch hast. Die Angst vorm Durchdrehen war auch eine meiner schlimmsten.

Jetzt gilt es also, sich den Ängsten zu stellen. Woher kommen sie, was war in Kindheit und Jugend los uws. Am Anfang ist eine Kombi aus Medikament und Therapie das beste. Ein AD stabilisiert Dich (besonders, wenn Du es so arg hast wie momentan) und dann lernst Du in einer Therapie, was dir die Ängste eigentlich sagen wollen (nein, Du drehst nicht durch und kriegst auch keine Psychose - Finger weg vom Google ;) und wie Du mit ihnen umgehen kannst in Zukunft.

Das geht alles nicht von heute auf morgen und ist auch nicht per Willen (der Körper lässt sich nicht steuern, wenn Dein Gehirn was anderes denkt, also Panik schiebt, der reagiert einfach darauf) zu beeinflussen. Du brauchst ein wenig Geduld, auch bis ein AD voll wirkt. Hierzu würde ich Dir einen Psychiater empfehlen, denn Therapeuten verschreiben keine Medikamente.

Wundere Dich also nicht, wenn Du die Gedanken nicht abstellen kannst. Das baut nur Druck auf, und Du wirst verzweifelt, weil es nicht klappt.
Versuche Dich trotz allem etwas abzulenken. Das alles bleibt nicht so, wie es momentan ist. Kannst Du bei dem Psychologen eine Therapie machen? Und wie gesagt, suche Dir einen Psychiater dazu, der Dich berät in Sachen AD.

LGL
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

(Robert Pfützner)

Februarmama17

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 30:03:2017 16:17

Hallo lotte,

erstmal vielen Dank für deine Antwort.

Da hast du vollkommen recht. Je mehr man versucht dagegen anzukämpfen, desto schlimmer wird die ganze Situation. Und dann immer diese Angst vor der Angst..
Habe in 2 Wochen wieder einen Termin bei meinem Psychologen. Bis dahin muss ich einen 20 Seiten Fragebogen ausgefüllt mitbringen, über meine Kindheit, Familie und co. Ich hoffe, dass ich daraufhin einen Therapieplatz bekomme.
Ein Medikament hat er mir schon empfohlen, da er weiß, dass mein Schwiegervater Arzt ist & mir eins verschreiben könnte.
Er empfiehlt Paroxetin. Soll gut gegen Angststörung helfen, aber kann wohl in der ersten Woche die innere Unruhe verstärken.
Naja Nebenwirkungen wird man immer haben.. ich möchte es natürlich erstmal ohne versuchen, aber im Moment sind meine Gedanken ganz "irre".

Ich war ja erst der Hoffnung, dass nur die Hormone daran schuld sind, aber da steckt wohl viel mehr dahinter!

Was hast du für ein Medikament genommen?
Und Danke für die Glückwünsche :-)

lotte
power user
Beiträge: 1779
Registriert: 05:09:2008 7:58

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von lotte » 31:03:2017 7:37

Hey Du,

na, das klingt doch schon mal sehr gut, also dass Du bald wieder einen Termin bei dem Psychologen hast.

Zum Thema Medikament: ich habe viele Jahre Venlafaxin genommen, auch sehr gut gegen Ängste. Und es hat mir mein Leben zurückgegeben, weil ich damit stabiler und ruhiger wurde und gut mitarbeiten konnte in der Therapie. Ich finde, diesen Anspruch "es ohne versuchen zu wollen", eigentlich recht unkonstruktiv, denn er vermittelt a) dass ein Medi einzunehmen irgendwas mit "versagen" zu tun hat und b) macht man sich damit schnell vor, dass "es" ja gar nicht soooo schlimm wäre. Ich meine, wenn Du jetzt Bluthochdruck oder Diabetes hast, kannst Du Dir auch nicht aussuchen, ob Du was dagegen einnimmst. Die Einnahme eines ADs ist ausserdem langfristig besser als Tavor, denn dies entwickelt bereits nach 3 Wochen ein Suchtpotenzial.

Das ist aber nur meine persönliche Meinung, am Ende entscheidest natürlich Du selbst, was Du tun wirst.

LGL
Ängste soll man nicht verdrängen. Man muß mit ihnen gedanklich so lange Schach spielen, bis man sie mattgesetzt hat.

(Robert Pfützner)

rougepink
Beiträge: 32
Registriert: 26:03:2017 13:39

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von rougepink » 31:03:2017 13:27

Hallo und auch von mir herzlichen Glückwunsch zum Baby.

Zu aller erst möchte ich dir Mut machen. Diese Gedanken kenne ich auch von meiner Wochenbettdepression. Die Angst durch zu drehen. Die Angst mein Baby nicht mehr versorgen zu können, die Angst, dass nichts mehr wird wie früher. Ich hatte auch Angst alleine zu bleiben mit dem Baby. Ich kann dir sagen, es geht vorbei! Ich kann dir auch sagen, dass es nach und nach wieder so wird wie vorher. Heute ist meine Maus 12 Monate alt. Mir persönlich hat der Gedanke "eine Wochenbettdepression geht vorbei" am meisten Kraft gegeben. Auch ich hatte lange vor der Schwangerschaft eine "Angststörung". Diese habe ich aber nie gehabt. Bei mir lag es an der Schilddrüse. Ich habe Hashimoto.

- ist deine Schilddrüse untersucht worden mit ALLEN Werten (TSH, ft3, ft4, TPO Ak u.a)?
- wurde der Eisenspreicher überprüft?
- hast du Verdauungsstörungen? Lebensmittelunverträglichkeiten?
- wie sieht es mit Progesteron / Östrogen aus? Getestet?

Ich habe damals das Medikament Escitalopram bekommen. Habe es aber nach kurzer Zeit wieder abgesetzt. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Aufmunternde und liebe Grüße
Julia
1. Kind 2006 keine PPD
2. Kind 2008 keine PPD
3. Kind 2016 PPD

Februarmama17

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 02:04:2017 17:13

Guten Abend,

Danke für deine Antwort! Deine Worte machen mir Mut! Die größte Angst ist wirklich, dass ich mein Leben nicht mehr wie vorher genießen kann.. ich habe nur Paroxetin zuhause, aber schreckliche Angst vor den NW. Vorallem als Angstpatientin! Ich bilde mir ja sowieso schon alles mögliche ein :-(

Also bis jetzt wurde nur mein TSH kontrolliert. Die anderen Werte noch nicht.
Eisen war etwas niedrig. Aber nicht dramatisch. Nehme trotzdem seit 2 Wochen schon wieder Eisentabletten.
An die Hormone habe ich auch schon gedacht.
Kam bei diesen Werten bei dir etwas raus?

Viele liebe Grüße

Februarmama17

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 02:04:2017 17:15

Achja, und fast täglich Durchfall bzw. dünnen Stuhlgang. Aber ich denke, weil ich andauernd diese Angstgefühle habe!

rougepink
Beiträge: 32
Registriert: 26:03:2017 13:39

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von rougepink » 02:04:2017 18:25

Hallo,
das wird alles wieder. Falls es dir hilft, lese meinen Beitrag "Mut-mach-Posting ". Da hab ich einige Sachen rein geschrieben, welche mir geholfen haben.

Wenn der Durchfall anhält, sollte man Magnesium und Kalium zuführen. TSH allein ist absolut nicht aussagekräftig über die Funktion der Schilddrüse.

Du wirst es schaffen und du wirst dein Leben wieder genießen können wie vorher. Hole dir so viel Hilfe wie möglich. Ich weiß, es ist schwer zu glauben ist aber es wird. Wie sieht es aus mit einer Haushaltshilfe? Das kann auch dein Mann machen, wenn seine Firma zustimmt. So haben wir es gemacht. Mein Mann hat unbezahlten Urlaub bekommen und die Krankenkasse hat ihm den Verdienstausfall gezahlt.

LG Julia
1. Kind 2006 keine PPD
2. Kind 2008 keine PPD
3. Kind 2016 PPD

Februarmama17

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 02:04:2017 19:19

Habe deinen Beitrag gelesen.
Aufjedenfall werde ich nochmal sämtliche Schilddrüsenwerte abnehmen lassen und auch Vit B-12. Daran habe ich auch schon gedacht.

Möchte es auch nochmal mit einem Osteopathen versuchen. Ich bin zusätzlich noch von Kopf bis Fuß verspannt. Dadurch auch eine extreme Kraftlosigkeit in meinen Armen.. wahrscheinlich durch die ständigen Angst und Panikattacken.

Leider ist mein Freund selbstständig und kann weder Elternzeit noch länger Urlaub nehmen.
Aber ich habe viel Unterstützung von meiner Mama und Schwiegermama.

Ich hoffe wirklich, dass es bald Berg auf geht & man wieder unbeschwert leben kann.

Hast du eigentlich eine Therapie gemacht?

rougepink
Beiträge: 32
Registriert: 26:03:2017 13:39

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von rougepink » 02:04:2017 20:28

Also diese Anspannung hatte ich auch. Ich habe ebenfalls keine Kraft in den Armen gehabt. Ich hatte ständig heftige Nackenverspannungen, Kopfschmerzen und Kopfdruck und Augenschmerzen. Habe dann auch Magnesium genommen. Ist ja als das "Salz der inneren Ruhe " bekannt. Ich hatte Physiotherapie und Massagen bekommen. Nein eine Psychotherapie habe ich nicht gemacht. Als ich endlich einen Termin bekam, ging es eigentlich schon ohne. Das ist toll, wenn du Hilfe hast.

Alles liebe
Julia
1. Kind 2006 keine PPD
2. Kind 2008 keine PPD
3. Kind 2016 PPD

Februarmama17

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 02:04:2017 22:21

Vielen Dank für deine Hilfe und Worte.
Dir auch weiterhin alles Liebe!

Liebe Grüße
Anna

Benutzeravatar
kadisha
power user
Beiträge: 1255
Registriert: 28:05:2009 8:55
Wohnort: Schleswig- Holstein

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von kadisha » 10:04:2017 21:01

hallo liebe februarmama.
ich kenne das leider zu gut. habe nach der ersten Schwangerschaft auch eine panikstörung bekommen.. 24 std dauerpanik, war nur noch haut und knochen.. nehme bis heute cipralex.. ohne geht es nicht. habe auch heute noch immer wieder schlechte Phase. wie jetzt grade.
habe dann so komische Symptome. Ein Kribbeln im Kopf, Unwirklichkeit, Dauermüde, und immer wieder diese hypochondrische Angst, dass ich doch was organisches habe. Kann dich also zugut verstehen. Wie geht es dir denn jetzt? Hattest du schon den Termin ?
lg
Liebe Grüße!!!!

PPD seit März 2009
Hashimoto -> 150 Mikrogramm L-Thyroxin
15mg Cipralex

Februarmama17

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 11:04:2017 17:37

Huhu kadisha,

meine Blutwerte sind alle wie sie sein sollten.. daher kann es also nicht kommen.
Morgen habe ich meinen 2. Termin beim Psychologen.
Genau so geht es mir auch. Immer diese Angst es könnte doch etwas "schlimmes" sein. Ich traue mich alleine nicht mehr aus dem Haus. Alleine der Gedanke daran löst Panik bei mir aus.
Gestern gings mir richtig gut. Als ich dann mit dem Auto los zu einer Freundin bin, fing alles wieder an. PANIK! Es hat wirklich nur eine viertel Tavor geholfen.
Mein Kopf weiß, dass das alles "blödsinn" ist, aber ich kann ihn nicht austricksen. Ich hoffe eine Therapie kann mich aus diesem Teufelskreis holen :-(!
Ich bin jeden Tag drauf und dran die Paroxetin zu nehmen. Habe aber tierisch Angst vor den Nebenwirkungen ..
Wann hat dir das Medikament geholfen?

Liebe Grüße

Benutzeravatar
kadisha
power user
Beiträge: 1255
Registriert: 28:05:2009 8:55
Wohnort: Schleswig- Holstein

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von kadisha » 11:04:2017 19:58

Mir hat Cipralex relativ schnell geholfen. Habe damals in der Klinik damit angefangen. Anfangs habe ich auch bis zur Wirkung Tavor genommen, ca 1-2 Wochen.
Ich denke bei mit hat diese Angststörung, bzw Hypochondrie viel mit der Angst vor dem Tod zu tun. Habe mir schon immer Gedanken über die Endlichkeit, den Sinn des Lebens, etc gemacht. Wie sieht es da bei dir aus?
Liebe Grüße!!!!

PPD seit März 2009
Hashimoto -> 150 Mikrogramm L-Thyroxin
15mg Cipralex

Februarmama17

Re: Wirklich nur eine Panikstörung? Bitte helft mir

Beitrag von Februarmama17 » 12:04:2017 11:40

Ja ist bei mir ähnlich. Bin ein Mensch der generell viel nachdenkt und grübelt.. die Angst vor dem Tod und das man sich nicht mehr verabschieden kann und seine Lieben nie wieder sieht. Deshalb geht es mir auch immer relativ gut wenn mein Freund bei mir ist.. sobald ich alleine unterwegs sein muss ist es einfach nur die Hölle!
Bin auf meinen Termin später gespannt ..

Antworten