Meine Geschichte

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Frelipa
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Meine Geschichte

Beitrag von Frelipa » 18:11:2017 18:54

Hallo Ihr Lieben,

ich bin neu hier und auf der Suche nach Gleichgesinnten, die evtl. ähnliche Erfahrungen wie ich im Wochenbett machen mussten und sich gern austauschen möchten.

Nun zu meiner Geschichte. Der Text ist lang, da sie ziemlich umfangreich ist, dennoch habe ich versucht, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Ich bin 35 Jahre alt und Mutter von drei Kindern. Meine große Tochter ist 9 Jahre alt, meine kleine Tochter fast 5 Jahre und mein Sohn bald 10 Wochen.

Seitdem meine große Tochter ca. 1 Jahr ist, bin ich in Psychotherapeutischer Behandlung - mit einigen Pausen, aber dennoch habe ich nie aufgehört. Die Ursache meiner PPD rührt vermutlich aus meinem Kindheitstrauma. Für mich war jede Schwangerschaft anstrengend. Ich litt immer unter großer Übelkeit mit Erbrechen und Gewichtsverlust bis weit in den 4 bzw. 5 Schwangerschaftsmonat hinein. Die Geburten der Kinder waren alle schwierig, dennoch hatte ich das große Glück sie spontan zu gebären. Die Kinder haben dies immer gut überstanden, ich aber hatte immer (körperliche) Probleme im Wochenbett. Das hat vielleicht auch immer zum Ausbruch der PPD gehört. Bei meiner großen Tochter waren es „nur“ Stillprobleme und die wahnsinnige Angst, sie allein zu lassen. Ich habe im ersten Jahr niemand an sie heran gelassen. Nicht mal mein Mann durfte sie wickeln. Das endete dann kurz nach ihrem ersten Geburtstag mit einem Zusammenbruch durch die Erschöpfung. Dies hat sich vor allem in Panikattacken und Zwangshandlungen gezeigt. Ich habe dann eine ambulante Therapie begonnen und den sexuellen Missbrauch aus meiner Kindheit aufgearbeitet. Dann ging es mir soweit gut. Ich habe aber nie den Kontrollzwang über mein Kind verloren – nicht sie habe ich kontrolliert, sondern die Menschen, die mein Kind betreut haben (Vater, Oma und später dann die Tagesmutter). Dies äußerte sich u.a. durch mehrmaliges Nachfragen und die Erwartung der genauen Schilderungen von Situationen etc. .

Als meine zweite Tochter geboren wurde, hat es mich schlimmer erwischt. Ich habe während der Geburt viel Blut verloren und litt zudem mindestens einmal im Monat an einer Brustentzündung. Sie hat jegliche andere Nahrung im ersten Lebensjahr verweigert und wurde voll gestillt (aller 2 Stunden, auch nachts) und war zudem noch ein Schreikind. Als sie ca. 9 Monate war, unsere erste Nacht im eigenen Haus (wir hatten eine 2 jährige Bauphase hinter uns), bin ich zusammengebrochen und musste vom Notarzt abgeholt werden. Zudem hatte ich während der ersten 2 Wochen nach ihrer Geburt eine Sepsis, welche ich über Keime in der Brust bekommen habe und musste mit ihr stationär aufgenommen werden. Ich war das erste Jahr praktisch dauerkrank, erschöpft, freudlos und habe nur funktioniert. Ich habe mir dann wieder Hilfe bei der Therapeutin gesucht und es ging bergauf. Leider erkrankte meine Tochter mit 2,3 Jahren schwer an eine Lungenentzündung und war praktisch 2 Jahre krank. Ich verlor meine Arbeitsstelle und betreute das Kind. Es folgten Krankenhausaufenthalte und eine mehrmonatige Cortisontherapie. Sie entwickelte dennoch ein Asthma und wir schliefen alle kaum. Ich war regelrecht krank vor Sorge um sie. Das Ganze wurde dann endlich nach einer Reha im letzten Jahr besser und seitdem geht es ihr gut. Es war für mich eine Zeit voller Angst und permanenter Überwindung. Ich hatte Angst vor den Medikamenten, welche sie täglich nehmen musste, denn durch das Cortison hatte sich anfangs ihr Wesen verändert. Während dieser Zeit verlor ich immer mehr meiner Beziehung zu meiner großen Tochter. Sie musste immer funktionieren und stand wegen ihrer Schwester hinten an. Irgendwann wurde sie auffällig, was sich in Form von schlimmer verbaler Aggressivität mir und ihrer Schwester gegenüber zeigte. Mich haben große Vorwürfe geplagt und ich hatte ausgeprägte Suizidgedanken, da ich mich als Schuldige gesehen habe. Zum Glück haben wir schnell einen Familientherapeuten gefunden und gemeinsam an der Situation gearbeitet. Heute ist unsere Beziehung wieder enger und intensiver, wobei immer noch „irgendetwas“ zwischen uns steht und das macht mich nach wie vor sehr traurig. Auch haben mein Mann und ich eine Paartherapie gemacht, da wir uns in dieser Zeit total verloren haben.

Als ich letzten Dezember völlig unerwartet schwanger wurde, hab ich lange über Abtreibung nachgedacht und sogar schon einen Termin gehabt. Ich schäme mich noch heute dafür…Ich habe mich überfordert gefühlt, denn es stand u.a. das Thema Trennung nach 16 gemeinsamen Jahren im Raum und zudem hatte ich zwei anstrengende und angstvolle Jahre mit der Krankheit meiner zweiten Tochter hinter mir und endlich wieder Nähe zu meiner großen Tochter aufgebaut. Zudem hatte ich eine Arbeitsstelle gefunden und war zufrieden. Ich hatte Angst, dass Baby könnte wieder ein Schreikind werden oder so krank…und ich mich auch noch von von meiner zweiten Tochter entfernen. Mein Mann hat mich damals sehr unterstützt. Wir haben entschieden das Kind zu bekommen, egal was aus uns als Paar wird – Eltern bleiben wir für immer und wir würden es zusammen schaffen. Ich bin ihm sehr dankbar dafür. Unser Sohn ist ein sehr lieber und ausgeglichener Junge. Er lacht viel und ist geduldig. Er hat mein Herz noch ein Stück größer gemacht und erfüllt mich noch mehr mit Liebe in Bezug auf meine Kinder. Noch heute sehe ich ihn manchmal an und bekomme schlimme Schuldgefühle, da ich ihn anfangs nicht wollte…Die Geburt verlief schnell und sehr anstrengend für mich – ich hätte ihn fast im Auto geboren. Die ersten Tage waren trotz des hohen Blutverlustes schön und voller Freude. Am 10. Tag bekam ich eine schwere Brustentzündung und wurde mit ihm für 4 Tage stationär aufgenommen und antibiotisch behandelt. 3 Tage nach der Entlassung bekam ich schwere Blutungen und musste wieder ins Krankenhaus. Es folgte eine Ausschabung wegen Plazentaresten in der Gebärmutter. Zwei Tage nach der Ausschabung bekam ich eine schwere Sepsis und wurde 11 Tage allein stationär aufgenommen, bekam unglaublich viele Medikamente und hat unzähligen Untersuchungen und massivste körperliche Eingriffe, wie zum Beispiel ein mehrmals tägliches Legen von Flexülen, da keine richtig funktionierte. Ich wurde regelrecht zerstochen und hatte nur Schmerzen. Man kann sich nicht dagegen wehren, verliert die Kontrolle über diese Situationen – ich hatte wieder unglaubliche Albträume in Bezug auf den Missbrauch. Da lag ich nun, allein und zerstochen, mit hohem Fieber im Krankenhaus und musste auch noch Abstillen aufrgrund der unzähligen Medikamente und weinte den ganzen Tag. Mein Sohn wurde zu Hause von meiner Mutter und meinem Mann versorgt. Mein Mann musste tagsüber arbeiten (er ist Geschäftsführer) und die großen Mädchen waren tagsüber in der Schule bzw. Kindergarten. Ich wollte keinen Besuch, niemand mehr sehen. Ich habe mich weder als Mutter, noch als Mensch gefühlt. Ich wollte am liebsten sterben... Irgendwann ging es körperlich bergauf und ich bat um psychologische Betreuung. Es kam dann auch täglich ein Psychologe im Krankenhaus und setzte sich zu mir ans Bett. Die Gespräche mit ihm taten sehr gut. Dann kam der Entlassungstag und ich hatte große Angst vor der Begegnung mit meinem Sohn. Angst, er könnte mir fremd sein und mich nicht annehmen oder ich ihn nicht liebevoll genug versorgen, auch wegen dem Abstillen. Er aber war so unglaublich offen und hat mich angelacht und gekuschelt und einfach die Flasche von mir genommen. Diese Ängste waren umsonst. Ich habe mich auch recht schnell wieder in meine Mutterrolle eingefunden. Meine Hebamme war sehr oft da und hat mich bestärkt. Heute geht es mir gut mit den Kindern – zwischen mir und meinem Mann ist es nach wie vor angespannt :( Aber es geht Alles in Allem bergauf und ich bin Gott sehr dankbar für seine offensichtliche Unterstützung. Auch bin ich stolz auf mich, mir immer wieder Hilfe geholt zu haben und weiterleben zu wollen.

Medikamentös in Bezug auf die PPD musste ich zum Glück nie behandelt werden. Ich habe in ganz schweren Phasen eine Bachblütentherapie gemacht und zudem regelmäßig meditiert und einen intensiven und lehrreichen Kurs zu Thema „Achtsamkeit“ belegt, in dem ich Stück für Stück einen Zugang zu mir erlangt habe. Heute habe ich das Glück in schwierigen Momenten, auf die dort erlernten Methoden meist erfolgreich zurückgreifen zu können.

Gern möchte ich mich für das Lesen bedanken und ich würde mich über einen Erfahrungsaustausch freuen.

Herzlichst, Frelipa

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Marika
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Re: Meine Geschichte

Beitrag von Marika » 19:11:2017 12:01

Herzlich Willkommen liebe Frelipa!

Vielen Dank für dein Geschichte! Du hast schon viel mitgemacht und du kannst tatsächlich sehr stolz auf dich sein. Du setzt dich mit der Thematik auseinander, holst dir immer wieder Hilfe! Das ist das Um und Auf!!!

Bei uns hier wirst du sicher eine weitere Möglichkeit haben, dich weiter zu entwickeln und auch selber wertvolle Tipps zu geben.

Ich freue mich auf den Austausch mit dir! :D
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Frelipa
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Re: Meine Geschichte

Beitrag von Frelipa » 20:11:2017 9:41

Liebe Marika,

vielen Dank für deine Antwort und die lieben Worte.

Liebe Grüße,
Frelipa

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