Hallo, ich bin neu

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Biene76

Hallo, ich bin neu

Beitrag von Biene76 »

Hallo, ich bin Biene, gerade 42 geworden und vor 8 Wochen Mutter einer bezaubernden Tochter.
Sie ist ein echtes Wunschkind nach Fehlgeburt und 3 Jahren Kinderwunschbehandlung. Die Geburt war ok, die Schwangerschaft eigentlich auch, ab der 18. Woche war ich zu Hause mit einem Arbeitsverbot, ich habe einen lieben Mann, einen festen Arbeitsplatz und keine finanziellen Sorgen. Eigentlich müsste alles perfekt sein.
Kurz nach der Geburt hatte ich Angst, dass meine Kleine verhungert, nach 2 Tagen zu Hause hatte ich eine nachträgliche Schwangerschaftsvergiftung und wurde wieder ins Krankenhaus eingeliefert. Als ich dann zu Hause war hatte meine Schwiegermutter Einzug gehalten und nach ein paar Tagen war ich alleine in der Lage, den Haushalt zu schmeißen.
Eigentlich hatte ich ab da zwar ständig Angst um meine Tochter (Durchfall, zu wenig trinken, zu blass, zu wasweissich...) aber sonst war alles ok.

Letzte Woche fing es dann an, ich habe mich auf einmal selber nicht mehr gefühlt, wie eine Marionette. Totale Leere, Kopfschmerzen, Schwindel, stundenlang. Anschließend nur geheult. Und so geht das seit Tagen.
Glücklicherweise bin ich seit 12 Jahren mehr oder weniger regelmäßig bei meiner Psychologin, habe eine 300stündige Psychoanalyse hinter mir, weiss also, dass meine Mutter erheblichen Schaden bei mir angerichtet hat und zu dieser Psychologin kann ich auch wieder gehen, ich war bereits ein paar Stunden dort. Wenn ich dort bin, geht's mir ok, zu Hause ist dann wieder alles Mist.

Da ich auch seit 2 Wochen schlecht schlafe hat mir mein Hausarzt Mirtazapin 150 mg verordnet. Schlafen kann ich jetzt besser, aber ich habe das Gefühl, das Medikament nimmt mir noch die letzte Emotion gegenüber meiner Tochter.

Mein Mann ist eingeweiht und hat mir versprochen, nicht die Koffer zu packen...

Kennt das jemand?
Alle sagen mir, das hört wieder auf und ich werde wieder die alte, aber ich kann das irgendwie nicht glauben!

Ich bin für jeden Zuspruch dankbar.
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Claudia
Beiträge: 60
Registriert: 06:07:2017 19:34

Re: Hallo, ich bin neu

Beitrag von Claudia »

Hallo Biene und herzlich willkommen hier bei uns.

Es tut mir leid, dass es Dir im Moment so schlecht geht. Aber Du hast schon einen wichtigen Schritt getan und Dir Hilfe geholt. Es ist super, dass Du wieder zu Deiner Psychologin gehen kannst. Und es ist sicher von Vorteil, dass Du bereis eine Psychoanalyse gemacht hast und weisst wo Deine Baustellen liegen.

Bei mir ist die Krankheit auch ganz plötzlich ausgebrochen und ich hatte die gleichen Gefühle, die Du beschreibst. Dank Medikamente und Psychotherapie geht es mir schon lange wieder gut.
Bei mir kam mit der Geburt vieles aus meiner Kindheit hoch. Vielleicht ist das bei Dir auch gerad der Fall.

Ich wünsche Dir viel Kraft und Geduld für diese schwierige Zeit! Aber ich bin sicher auch Du wirst wieder gesund so wie sooo viele von uns hier!

Liebe Grüsse
Claudia
Geburt meiner Tochter 12/2009
PPD mit ZG und Angstzustände seit 02/2010
Citalopram und Opipramol
Verhaltenstherapie
Rückfall 2011 nach Absetzen der Medikamente
Erneut Citalopram und Opipramol
Rückfall 2013 nach Antibiotika
Rückfall 06/2017 nach Nikotinentzug und Stress
Aktuell 20mg Escitalopram und 200mg Quetiapin
Biene76

Re: Hallo, ich bin neu

Beitrag von Biene76 »

Hallo Claudia,

danke für deine liebe Aufmunterung.

Nun habe ich gerade einen ganzen Aufsatz geschrieben und dann ist alles gelöscht....

Also nochmal Kurzfassung:
Ich hatte den Eindruck, dass mit dem Mirtazapin alles noch schlimmer wurde, da waren dann ja gar keine Regungen mehr! Ich habe dann mit meinem Frauenarzt und meinem Hausarzt telefoniert, beide haben von Antidepressiva wohl keine Ahnung und haben mich zum Psychiater geschickt. Dort habe ich tatsächlich sofort einen Termin bekommen und nehme nun Opipramol. Keine Ahnung, ob das besser ist, ich fühle mich einfach wie ein Stück Holz, ohne Emotionen.
Ich schaue meine Tochter an und fühle so gut wie nichts. Sie ist so süß, wir haben 4 Jahre auf sie gewartet, ich habe mit Hormonbehandlungen, künstlichen Befruchtungen, Fehlgeburt so viel auf mich genommen, und nun ist sie da und ich bin fix und fertig. Da dachte ich, ich bin so glücklich wenn sie endlich da ist, und nun?

Ich habe im Laufe der Jahre und meiner Psychotherapie-Karriere gelernt, drüber zu reden. Nun tue ich das auch, mit 2 Freundinnen, meinem Mann, meiner Schwester, den Ärzten und frage mich, ist das richtig? Muss ich da einfach durch? Wird das jemals besser? Oder ist es so wie in dem Sprichwort, das Gras wächst auch nicht schneller wenn man dran zieht?

Du schreibst, die Geburt hat Dinge aus deiner Kindheit wieder hochgebracht, das geht mir ähnlich. Meine Mutter war mir nie eine Hilfe und ist es auch nun nicht, als ich erzählt habe, dass ich bei meiner Psychologin war sagte sie nur "oh wie schön", als hätte ich eine Freundin besucht!
Ich möchte nur nicht, dass meine Tochter irgendwann sagt, ich hab mich nicht für sie interessiert!!!!!

Ich hoffe, sie bekommt es mit ihren 9 Wochen noch nicht mit, auch wenn ich sie ansehe und anfange zu weinen.

Ich will einfach wieder ich sein!
Wie hat das denn bei dir geklappt?
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Marika
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Re: Hallo, ich bin neu

Beitrag von Marika »

Hallo Biene,

auch von mir ein herzliches Willkommen. Ich finde es toll, dass du dir bereits Hilfe geholt hast und auch offen darüber redest. Gerade das Reden hat mir enorm geholfen. Denn wir sind keine seltsamen Aliens, wir sind Menschen, Frauen deren Seele nach Hilfe brüllt. Es ist eine Erkrankung des Stoffwechsels der Botenstoffe im Gehirn, der durch verschiedenste Auslöser entstehen kann. Traumata (aus der Kindheit) Hormone während der Schwangerschaft und nach der Geburt der Hormonsturz (Hormone haben eine imensen Einfluss auf die Botenstoffe im Gehirn), die Schilddrüse kann beteiligt sein und natürlich aus psychosozialer Stress - also Stress von außen. Vergiss bitte nicht, was deine Seele und dein Körper schon alles auf sich nehmen mussten, nur um schwanger zu werden!!!! Das ist kein Pappenstiel - das sind enormste Belastungen. Unser Körper ist keine Maschine, im Prinizp reagieren deine Seele und dein Körper jetzt einfach nur auf das Erlebte. Und das war sehr viel - zu viel!

Dass dir Mirtazapin nicht geholfen hat heißt nicht, dass es für dich kein passendes Hilfmittel gibt. Sehr gut, dass du jetzt bei richtigen Fachleuten bist. Schau jetzt einfach mal wie das neue Medi sich bewährt.

Ich bin mir sicher, dass dein Kind eine wunderbare Mama hat und sich toll entwicklen wird, auch wenn es dir jetzt nicht gut geht. Der Knackpunkt ist, dass du dir HELFEN lässt und das tust du.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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