Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

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sapsap

Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von sapsap »

Hi! Ich bin Katharina und 23 Jahre alt.
Vor knapp 6 Monaten brachte ich meinen Sohn Oskar zur Welt. Schon in der Schwangerschaft merkte ich, dass irgendwas mit mir los war. Ich hatte viel viel Angst um mein Baby, davor, dass ich krank sein könnte und sterben könnte etc. Aus diesen Gedanken- und Angstspiralen kam ich auch nur sehr schwer raus. 

Nach Oskars Geburt sorgte ich mich weiterhin viel um das Wohlergehen meines Kindes.

Vor ein paar Wochen dann drängten sich immer seltsame Gedanken auf, ohne dass ich es verstand oder wollte. Ich hatte plötzlich Bilder im Kopf, wie ich meinem Oskar etwas antue. Ich war total schockiert und dachte, ich werde verrückt. Habe dem aber doch versucht, keine allzu große Bedeutung beizumessen.

Nun, vor etwa 4 Wochen wurde es unerträglich. Ich kann nicht mehr mit meinem Kind allein daheim sein. Mein Lebensgefährte ist bis August in Berlin, arbeitet beim Zoll. Ich bin also vor ein paar Wochen bei meinen Schwiegereltern "eingezogen". Es ist egal was ich mache, wo ich bin - jeder Alltagsgegenstand ist in meinem Kopf potenziell bedrohlich. Ich räume Handtücher, Kissen, Decken beiseite, wenn auch nur ein paar cm, aus Angst, die Gedanken könnten wahr werden und ich könnte mein Baby ersticken oder erwürgen. Ich kann ihn nicht mehr allein baden, mit ihm allein sein ist unheimlich belastend für mich. Allein seine Nähe lässt mich anspannen, verspannen. Ich will ihn abgeben, gleichzeitig bei ihm sei . Ihm gegenüber empfinde ich gemischte Gefühle. Sonst war ich immer so stolz. Ich habe solche Angst vor diesen Gedanken. Und es ist nicht nur das, ich habe den Drang, einen solchen Gedanken auszuführen ohne es zu wollen. Ich hab nie was gemacht! Aber was ist, wenn es doch passiert? Ich die Kontrolle verliere, irgendwas aussetzt, es mir egal wird, ich es einfach tu? Mittlerweile denke ich sogar "Wenn er runterfällt, seinen Koöf irgendwo stößt. Ist doch egal." Und bin dann wieder total entsetzt von mir. Dann grüble ich, ob ich ihn denn nicht mehr liebe, ihn mir weg wünsche. Ihm etwas ins Gesicht zu drücken, obwohl ich weiss dass es falsch ist, aber nicht aufhören kann, weil.mich irgendwas zwingt und ich es tun muss. Ich kann so nicht leben, es ist schrecklich. Ich will die Kontrolle nicht verlieren. Ich habe Panikattacken und Angstzustände, bin zittrig, habe Herzrasen, kann nicht essen und nehme nur noch ab. Ich bin innerlich so angespannt, heule nur noch.

Ich befinde mich in ambulanter Psychotherapie, habe auch Escitalopram verordnet bekommen. Das nehme ich seit 3,5 Wochen in 15mg Dosierung. Zusätzlich Tavor 0,5mg b.B. Nichts hilft. Oskar war ein absolutes Wunschkind und jetzt denke ich und denke, zweifle die Diagnose der Ärzte an, was wäre wenn sie sich irren, ich gefährlich bin, es nie wieder weggeht, meinem Kind etwas geschieht.
Bin ich ein Kindsmörder? Warum habe ich so einen entsetzlichen Drang das zu tun? Es fühlt sich so real an,so als würde es bald passieren. Ich weiss doch dass ich ihn liebe. Ich fühle mich so schuldig, was bin ich für eine Mutter. Er ist so toll, wie er lächelt, er hat was besseres verdient. In meinem.Kopf erscheint es mir so erschreckend leicht, ein so kleines wehrloses Leben auszulöschen. Es erschreckt mich so. Ahnt er doch nichts, ist so auf mich fixiert. Ich sehe ihn an und sehe keine Freude und Liebe an solchen Tagen, sondern Angst und Tötungsgedanken und Panik.
Es fällt mir schwer, mit ihm zum Wickeltisch zu gehen allein. Es fällt mir schwer an solchen Tagen, mich überhaupt zusammen zu reissen und mich zu kümmern. Und da geht das Gegrübele wieder los, warum das so ist, ob ich ihn nicht wollen würde, ich will dass er weg ist. Will ich das? Ich wollte ihn doch so sehr. Ich verstehe nichts mehr. Ich zweifle sogar an, ob ich den Ärzten, euch, meine Gedanken richtig mitteile oder es nicht gut genug in Worte fassen kann, mich zu sehr von anderen Erfahrungsberichten über ZG beirren lasse und es deswegen so wiedergebe und eigentlich doch ein gefährlicher Mensch in mir steckt, es nur jeder übersieht aufgrund von dem, wie ich es rüber bringe. Ich war nie aggressiv. Ich töte nichtmal Spinnen. Ständig lese ich immer die gleichen Google Berichte über ZG um mich zu beruhigen, google warum Mütter ihre Babys töten, in der Hoffnung, Frieden zu finden weil da nichts steht was mich beschreibt. Und dann die Grübelei. Irren sich die Beitragsverfasser? Jeder Mensch ist doch anders. Was, wenn gerade ich anders bin? Garantien gibts doch nie?!
An guten Tagen empfinde ich Freude über ihn, Liebe, Stolz.
Dazu kam gestern, dass ich den Drang verspürte, etwas obszönes zu meiner Schwiegermutter zu sagen. Der Drang war so stark. Ich tat es aber nicht. Auch das macht mir Angst. Das ist neu.
Ein stationärer Platz ist erst in drei Wochen frei, nächste Woche bin ich allein mit Kind und Hund. Ich habe solche Panik. Was soll ich nur tun, was in Gottes Namen ist das? Es ist so unfassbar quälend... Ich wilm so doch gar nicht leben.

Verzweifelte Grüße
Katharina
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Claudia
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Claudia »

Herzlich willkommen liebe Katharina.
Es tut mir leid dass es Dir so schlecht geht.
Ich kann Dir nur von mir sagen, dass ich mich in Deinem Bericht wiedererkannt habe und es mir wieder gut geht. Die Zwangsgedanken sind weg.
Und auch ich habe in der schlimmen Zeit immer gedacht, dass es mir besser wird, dass ich vielleicht ein hoffnungsloser Fall bin, dass ich die Gedanken vielleicht doch in die Tat umsetzen könnte und und und. Also genau das, was Du beschreibst.
Du hast schon genau das richtige getan und Dir Hilfe geholt. Sehr gut!
Dass die Zwangsgedanken sich in alle möglichen Richtungen entwickeln gehört leider zu der Krankheit auch dazu.
Du nimmst ja seit 3,5 Wochen Escitalopram. Das ist für mich ein sehr gutes Medikament, dauert aber wie bei allen Antidepressiva leider immer bis es wirkt. Es kann leider bis zu 12 Wochen dauern, bis die volle Wirkung da ist. Oftmals spürt man aber vorher schon ein wenig Besserung.
Super ist auch, dass Du bereits mit Psychotherapie angefangen hast - der zweite wichtige Baustein.
Ich weiss genau wie quälend diese Gedanken sind und welche Gefahr man selbst dauernd im Kopf zurechtspinnt. Aber glaube mir, das wird besser! Und Die Krankheit ist gut behandelbar und heilbar.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!
Liebe Grüße von Claudia
Geburt meiner Tochter 12/2009
PPD mit ZG und Angstzustände seit 02/2010
Citalopram und Opipramol
Verhaltenstherapie
Rückfall 2011 nach Absetzen der Medikamente
Erneut Citalopram und Opipramol
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Aktuell 20mg Escitalopram und 200mg Quetiapin
sapsap

Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von sapsap »

Danke für deine liebe Worte, Claudia.
Wie war es bei dir - hattest du "nur" die Zwangsgedanken oder auch diesen Impulsdrang, sowas gleich auszuführen? Baden ist für mich unerträglich, genauso wie Gesicht und Hals waschen meines Kindes. Oder Eimcremen. Alles, wo es passieren könnte und ich diesen Drang habe "Mach doch" aber ja gar nicht will. Als wären ich, meine Hände, ferngesteuert oder magnetisch. Ich habe solche Angst.

Liebe Grüsse
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Claudia
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Claudia »

Schau mal, hier hat unsere liebe Marika mal genau erklärt, wieso man Zwangsgedanken niemals in die Tat umsetzt.

viewtopic.php?f=9&t=13638&p=94773&hilit ... ca0#p94773

Ich finde es ganz toll erklärt.
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Uli W.
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Uli W. »

Liebe Katharina,

schön, dass du hierher ins Forum gefunden hast ! Der Zustand, der dich momentan so quält, kommt leider sehr häufig bei jungen Müttern vor. Zwangsgedanken gerade dem Baby gegenüber sind so unfassbar, dass sich viele Mütter nicht trauen, jemandem davon zu erzählen. Umso bewundernswerter ist es, dass du den Mut hast, dich hier zu öffnen.

Ich möchte dir einfach ein paar Dinge sagen, die dich vielleicht etwas beruhigen und dir Hoffnung geben: Zwangsgedanken spielen sich wirklich nur im Kopf ab, du wirst deinem Baby nie etwas antun! Allein die Tatsache, dass du so entsetzt und erschrocken darüber bist zeigt, dass es sich um ZG handelt. Mütter, die ihren Babys wirklich etwas antun denken ganz anders. Es ist aber unbedingt wichtig, damit zum Facharzt und auch zum Therapeuten zu gehen, was du ja schon tust. Therapie und Medikamente zusammen sind der beste Weg, den ZG den Garaus zu machen.

Ich berate Frauen mit PPD und leite auch eine PPD-Selbsthilfegruppe, ich habe schon sehr viele Frauen mit ZG kennengelernt und kann ausnahmslos sagen, dass das alle sehr liebe empathische und hochsensible Frauen waren, die im Leben keiner Fliege etwas zuleide tun könnten. ZG entstehen, wenn der Teil des Gehirns, der dafür verantwortlich ist, dass wir wachsam und aufmerksam sind, damit unserem Baby nichts passiert, einer Störung unterliegt. Das ist dann wie eine kaputte Alarmanlage, die Dauerwarnungen signalisiert, obwohl es keine Gefahr gibt. Die tiefere Ursache dafür sind die großen Ängste, die wir haben, sobald wir für so ein kleines hilfloses Wesen verantwortlich sind. Bei dir hat es sich ja schon in der Schwangerschaft und dann auch nach Oskars Geburt gezeigt, dass die Ängste groß sind. Es ist besonders infam, dass es gerade die Mamas erwischt, die besonders sorgsam sind und sich sowieso viele Gedanken machen, dass ihrem Baby etwas zustoßen könnte. Mit bildgebenden Verfahren hat man übrigens nachgewiesen, dass Schwerverbrecher, die solche Dinge tun, in dem fraglichen Gehirnbereich so gut wie keine Aktivität haben. Bei ihnen ist die Alarmanlage sozusagen "stillgelegt". Bei Menschen mit ZG ist sie überaktiv, was sich auch an der Farbgebung im MRT deutlich zeigt.

Ich hoffe, dass dir diese Forschungsergebnisse etwas Mut machen konnten. Ich habe sie aus dem Buch "Der Kobold im Kopf" von Lee Baer, leider ist dieses Buch inzwischen, glaube ich , nicht mehr lieferbar. Er schreibt viel über die ZG junger Mütter, aber auch über viele andere Formen von ZG, dazu gehören z.B. auch die Impulse, etwas Obszönes zu sagen.

Eine verhaltenstherapeutische Methode mit den ZG umzugehen ist, sie nicht zu verdrängen ( denn das geht gar nicht), sondern ihnen gedanklich zu signalisieren, dass man sie schon kennt, dass sie gar nichts Besonderes sind. Stell dir deine ZG wie einen ungebetenen Gast vor ( z.B. eine nervige alte Tante), den man wohl oder übel hereinbittet, weil er sich nicht abweisen lässt. Du kannst dir das richtig ausführlich vorstellen, vom lächerlichen Hut, den die Tante auf hat bis zu dem Kaffee, den du ihr servierst. Das hat einerseits den Vorteil, dass dein Gehirn mehr mit dieser Szene als mit den Inhalten der ZG beschäftigt ist, andererseits, dass du so, wie oben beschrieben, die ZG als "schon bekannt" und "lästig" identifizierst und ihnen so einen Teil ihres Schreckens nimmst. Dadurch hat die Panik, die dich wahrscheinlich immer ergreift, wenn ZG auftauchen, nicht mehr so viel Angriffsfläche. Es ist auch wichtig, dass du bei jedem neuen Inhalt, den deine ZG produzieren, so wenig wie möglich erschrickst, sondern ihn sofort als ZG identifierst, also einfach nur eine weitere Variante dessen, was du schon kennst.

Das klingt jetzt in der Theorie natürlich viel einfacher, als es ist, das ist mir schon klar. Trotzdem lohnt es sich, das immer wieder zu praktizieren, dann wird alles mit der Zeit leichter. Auch das Medikament hilft deinem Gehirn immer mehr, wieder zur Normalität überzugehen. Komische Impulse oder Ideen hat ja jeder mal, im Normalzustand fällt es aber viel leichter, diese wegzuschieben. Vielleicht muß die Dosis des Escitaloprams nochmal erhöht werden, höhere Dosierungen sind bei ZG angebracht.

Ich kann dir nur ganz ganz viel Mut machen, du schaffst das!

Noch eine Frage: Du schreibst, dass du nächste Woche allein bist. Sind deine Schwiegereltern dann verreist? Wie sieht es mit deinen Eltern aus? Könntest du zu ihnen fahren? Du solltest momentan nicht allein sein, das ist mit solch akuten ZG kaum aushaltbar. Es ist so hilfreich, wenn man jemanden an der Seite hat! Das sage ich ausdrücklich nicht, weil ich mir um dein Baby Sorgen mache, sondern wegen dir selbst. Die "Hölle im Kopf", wie du sie sehr treffend bezeichnest, ist am besten aushaltbar, wenn man liebe Menschen um sich hat, die sich kümmern und die Betroffene stützen. Vielleicht kann dein Psychiater ein Attest schreiben, dass dein Freund Urlaub nehmen und sich um dich kümmern kann. Lass nichts unversucht, denn momentan nimmst du dein Medikament erst relativ kurz und brauchst einfach noch Unterstützung.

Alles Liebe,

Uli
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Uli W.
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Uli W. »

Ich habe gerade gesehen, dass Claudia, während ich geschrieben habe, einen Link zu Marikas Beitrag geschickt hat: Sie erklärt ähnlich wie ich den Unterschied zwischen Leuten mit ZG und Leuten, die wirkliche Verbrechen begehen und beschreibt darüber hinaus auch, warum Menschen mit ZG eine gute Impulskontrolle haben, so dass sie die ZG nicht in die Tat umsetzen!
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Claudia
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Claudia »

Uli, Du hast es aber auch ganz toll und ausführlich erklärt 😊👍
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sapsap

Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von sapsap »

Liebe Uli,

danke für deinen Text. Es hilft zu lesen, dass dieser Zustand wohl gar nicht so unnormal ist. Auch wenn ich das KEINEM wünsche. Ich hoffe du hast Recht. Das schlimmste sind einfach diese Impulse.
Ich zittere vor Angst, stehe dann völlig neben mir und bin in solchen Momenten sicher, dass etwas schlimmes passieren wird.
Meine Schwiegereltern sind leider nicht da. Die berufliche Situation meines Mannes gibt genau zwei Urlaubstage und 6 Fehltage her, ansonsten muss der gesamte Lehrgang (1 Jahr) wiederholt werden. und da er jetzt erst 5 Tage mit dicker Grippe lag... Ist alles so verzwickt und erscheint mir so aussichtslos.
Gerade eben ging ich ins bett, schaute nochmal zu Oskar und prüfte, wie immer, ob er noch atmet. Gleichzeitig wieder der Gedanke und Impuls, ihn jetzt im Schlaf zu erwürgen. Wie einfach es ginge. Es frisst mich auf. Warum. Warum nur. Es ist unerträglich.
Ich werde vermutlich eine liebe Freundin für nächste Woche aktivieren...
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Marika
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Marika »

Hallo,

eigentlich habe ich meinen Vorscheiberinnen nichts mehr hinzu zu fügen, denn alles kann ich zu 100 % unterschreiben.

Auch diese Impulse die du beschreibst sind ganz typisch. Sie bedeuten aber eben NICHT, dass du "es" gleich tust, sondern ist eigentlich "nur" die Angst die sich in imense Höhen schaukelt. Alle die mit solchen ZG zu haben, spüren auch diese "Impulse" die aber keine sind - hier unterliegen wir einer klaren Fehlinterpretation. Wie gesagt: es handelt sich um eine enom große Angst.

Die Frage "Warum" ist klar zu beantworten: ZG hat man eigentlich aus Sorge um das liebste was man hat - das eigene Kind, Partner usw.... So wie Uli schon geschrieben hat, ist es eine Art Warnsystem das völlig normal ist bei gesunden Menschen. Es befähigt uns, auf unser Kind gut auf zu passen. Bei uns aber feuert diese System die ganze Zeit - es ist überaktiv. Konkret passiert das im frontalen Kortex im Gehirn. Dieser ist für die Impulskontrolle zuständigt. Je besser der arbeitet, ums weniger neigt ein Mensch zu überschiessenden Reationen. Bei uns arbeitet dieser Gehirnteil aber viel zu viel... unser Gehirn ist also ständig am kontrollieren. Jeder Gedanke wird zerpflückt und bewertet ... so entstehen ZG, kurz erklärt. Das gute daran: du bist gar nicht fähig etwas zu tun, weil dieser Kortex eben überaktiv arbeitet. Das blöde: du hast ZG. Es geht nun darum dieses Gehirnareal wieder in eine normale Arbeitsweise zu lenken - es quasi zu trainieren. Das gelingt sehr gut einer Verhatlenstherapie.

Es gibt sehr gute Bücher zu diesem Thema - schau mal bei Amazon - da wirst du fünding. Das wird wieder, es kann ein bissl dauern, aber es wird, ich weiß es ganz genau!!!! :D
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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Uli W.
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Uli W. »

Liebe Katharina,

mit Marika ist jetzt unsere absolute Fachfrau für ZG mit "an Bord". Sie war die erste, die hier ganz mutig die Tür für das Thema geöffnet hat und setzt sich nach wie vor hier im Forum ( mit inzwischen Tausenden von Beiträgen) für betroffene Frauen ein. An dieser Stelle: DANKE, Marika ( mal wieder)!

Deine Idee, deine liebe Freundin für die nächste Woche zu aktivieren, ist super!

Halt durch, du schaffst das, es geht vorbei!

Liebe Grüße

Uli
sapsap

Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von sapsap »

Hi Uli,

das muss es. Es muss besser werden. Ich analysiere jede kleine Interaktion mit meinem Kind, warum mache ich das, hab ich ihn nicht mehr lieb, wünsche ich ihn mir weg, mache ich mir weniger Sorgen? Er stiess sich zB gestern den Kopf leicht weil ich unachtsam war. Ich nahm ich sofort hoch aber fand es auch nicht schlimm. Schwupp kreisten die Gedanken. Und alles sehe ich dann als Bestätigung und Beweis, dass ich Oskar etwas tun werde. Dazu kommen diese Gefühle dann. Mal stolz, mal nichts. Ich kann mich nichtmal mehr wirklich aufraffen zu wickeln etc. Ich machs natürlich. Vielleicht alles Vermeidungsverhalten. Ich weiss nicht. Auch das wird tot analysiert. Zu einem Ergebnis komme ich nie.
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Marika
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Marika »

Du hast recht - du wirst auch nie zu einem Ergebniss kommen, das ist nicht möglich - der Zwang wird dir immer neue Verunsicherungen schicken.

Aber wie gesagt, das wird besser. Zum einen mit der AD Einnahme, zum anderen mit der Therapie. Am Anfang ist es natürlich sehr schwer, dass zu glauben, aber halte durch, es lohnt sich.

Sehr gut, dass du deine Freundin kontaktiert hast. Mir hat es sehr geholfen, in der ersten schweren Zeit nicht alleine zu sein.

@Uli: Danke du Liebe! :D
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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sapsap

Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von sapsap »

Marika - bei dir wurde eine PPD diagnostiziert, oder? Hattest du noch andere "Symptome", also konntest du dein Kind nicht annehnen oder hattest du ambivalente Gefühle? Wie war es bei dir, wie äusserte sich das ganze?
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Marika
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von Marika »

Hallo,

du wirst lachen: nein, bei mir konnte der Arzt gar keine PPD diagnostizieren, weil dieses Krankheitsbild (also psych. Erkrankungen rund um die Geburt) namentlich gar nicht im Österreichischen Katalog für Krankheiten (das sind i-Nr. mit einer Zahl) vorhanden war. Also: die PPD existierte 2005 offiziell in Österreich nicht... ohne Worte... :wink: Daher musster er was anders nehmen: "Anpassungsstörung" hieß meine offizielle Diagnose, obwohl mein Arzt sagte, es sei eine PPD. :roll: Ich glaube mittlerweile hat auch Österreich erkannt, dass es eine PPD/PPP gibt... :roll:

Aber du, es ist gar nicht wichtig, was da auf einem Zettel steht, denn die Behandlungesarten sind recht identisch. Ich wäre nicht anders behandelt worden damals, wenn meine Diagnose PPD gelautet hätte.

Meine Symptome waren: Schlafstörungen, Albträume, Apetittverlust, Angst mit dem Kind alleine zu sein, Zwangsgedanken dem Kind schreckliche Dinge zu tun, Panikattacken. Mein Kind kam mir fremd vor, ich fühlte diese Mutterliebe von der alle sprachen nicht ... Ich empfand mein Kind als Aufgabe, die ich perfekt zu erledigen hatte - also auch klassische ambivalente Gefühle.

Psych. Erkrankung rund um Schwangerschaft und Geburt sind deshalb besonders, weil die veränderten Hormone in der Schwangeschaft und Geburt ein großer Mitauslöser sein können. Diesen Umstand gibt es bei keiner anderen psych. Auffällikgeit.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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Re: Die Hölle im Kopf - Zwangserkrankung? Werde ich verrückt?

Beitrag von sapsap »

@Marika

Ich schrieb dir mal eine PN
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