Viel Schatten und wenig Licht

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Dian
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Viel Schatten und wenig Licht

Beitrag von Dian » 19:04:2018 9:01

Hallo, ich bin neu hier und wollte mich gerne vorstellen.

2014 wurde ich nach ICSI zum 1. Mal Mama. Damals war alles gut.
Nach erfolglosen Versuchen wurde ich Anfang 2017 wieder schwanger.

Am 03.11.2017 bekam ich Augenflimmern und wurde nach einem von mir gemessenen Blutdruck von 200/123 mit dem RTW ins nächstgelegene KKH eingeliefert. Dort fuhr man mich von der Notaufnahme in den OP. Meine Tochter wurde durch Not Sectio an 36+4 geholt. Ich konnte nicht mal mehr den Schmuck abnehmen.

Nach 5 Tagen wurde ich entlassen. Am selben Abend riss die Kaiserschnittnaht. Also wieder Notaufnahme. Dort wurde die Blutung gestillt und am nächsten Tag neu vernäht.

Eineinhalb Wochen später bin ich wieder in die Notaufnahme und wurde sofort stationär aufgenommen. Dieses Mal wegen Thromboseverdacht.

Es bestätigte sich eine Thrombophlebitis.

Bei der Nachbehandlung durch einen niedergelassenen Phlebologen wurde dann erkannt, dass in dem anderen Bein die Stammvene kaputt und dringend zu operieren sei. Dies ließ ich im März 2018 machen.

Während der ganzen Zeit (genau genommen seit 1 Woche vor der Sectio) begleitet mich eine Zahnwurzelentzündung. Der Zahn wird in 1,5 Wochen gezogen.

Als dann noch im März nach einwöchigem Krankenhausaufenthalt meine Oma starb, brach ich zusammen.

Angstattacken, Panik, dauerhafte Anspannung, Schlaflosigkeit...meine Hausärztin arrangierte einen Notfalltermin bei einer Neurologin (letzte Woche war ich dort).
Diagnose: Belastungsstörung und PPD. Nehme nun seit 1,5 Wochen Mirtazapin 15mg.

Es geht mir deutlich besser, obwohl die antidepressive Wirkung wohl frühestens nach 2 Wochen (morgen sind 14 Tage um) einsetzt. Alleine, dass ich wieder schlafen kann, hilft aber viel.

Ich führe, auch auf Rat der Neurologin, einmal pro Woche Gespräche mit einer Seelsorgerin, lasse nächste Woche nochmal meine Schilddrüse untersuchen und habe Ende Mai nochmal einen Termin bei einem Psychiater.
Die Neurologin meint, ich müsse das Mirtazapin wahrscheinlich für 3-6 Monate einnehmen. Dann sollte es mir wieder gut gehen.

Ich habe mich angemeldet, weil ich den Austausch gut finde und weil es mir gut tut immer wieder zu hören, dass man gesund werden kann.
06/2014 Geburt der 1. Tochter - keine PPD
11/2017 Geburt der 2. Tochter
04/2018 Diagnose Belastungsstörung und PPD

aktuell 30 mg Mirtazapin und Gesprächstherapie

Astrid
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Re: Viel Schatten und wenig Licht

Beitrag von Astrid » 24:04:2018 14:39

Hallo Du,

herzlich willkommen hier. Du hast wirklich einiges durchmachen müssen. Ich glaube, dass du da nicht mehr kannst, ist nur zu verständlich. Es ist toll, dass du Hilfe bekommen hast. Mirtazapin habe ich auch eine Zeit lang genommen, und die Nebenwirkung des schlafen könnens war für mich auch toll. Bei mir war es im Endeffekt nicht das richtige AD, aber ich konnte davon prima schlafen. Hast Du Unterstützung mit den Kindern? Da du zwei so kleine Kids hast, ist es wahrscheinlich sehr anstrengend funktionieren zu müssen. Du kannst eine Haushaltshilfe über die Krankenkasse bekommen, und eine Familienhebamme könnte dich auch regelmäßig besuchen. Nimm jede Hilfe an, die du bekommen kannst. Du hast es echt verdient, dass jemand lieb zu dir ist und dich entlastet. Die vielen beängstigenden und traurigen Dinge, die du erleben musstest, reichen für mehrere Leben... .

Sei umarmt von Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
2011 zweites Kind ohne PPD
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Dian
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Re: Viel Schatten und wenig Licht

Beitrag von Dian » 29:04:2018 20:21

Liebe Astrid,

Es ist noch komplizierter. Ich bin selbständig. Leite 35 Angestellte (momentan geht das nicht - Ich habe glücklicherweise gute langjährige Mitarbeiter und wegen des Babys auch jm. als Vertetung für mich (was Tagesgeschäft betrifft) eingestellt). Ganz "draussen" ist man da aber leider nie.

Darum bin ich mit den Kids auch privat versichert. Eine Haushaltshilfe gibt es da nicht. Mein Mann und meine Mutter unterstützen mich aber wo sie können. Mein Mann hat Elternteilzeit. An den Tagen wo er arbeitet ist meine Mutter da. Dafür bin ich sehr dankbar.

Mit Mirtazapin war ich sehr zufrieden...dachte schon an Heilung, da es quasi sofort wirkte.
Seit Mitte letzter Woche spüre ich nun ein vibrieren in mir. Unsäglicherweise begann es im Bereich der linken Schamlippen. :oops:
Anfang der Woche habe ich dann von 15 auf 22,5mg aufdosiert. Die Vibrationen wurden schlimmer.

Bei meiner Gesprächstherapie riet man mir die Ärztin darauf anzusprechen. Das habe ich dann am Freitag getan. Sie sagt, es sei keine bekannte Nebenwirkung, sie ist aber auch der Meinung, dass es davon kommen muss. Gestern sollte ich also wieder nur 15mg nehmen und mich Montag nochmal melden.

Darauf hatte ich heute (gestern auch schon) wieder einen schlimmen Tag. Es fängt nicht mit Gedankenkreisen an, sondern damit, dass es mich kalt und heiß innerlich überläuft. Dann kommen die Gedanken: "Das Medikament wirkt nicht.....ich nehme es schon 3,5 Wochen....was wenn mir niemand helfen kann...warum nerven mich die Kinder so...ich will nur noch Ruhe....so ein sinnloses Leben...immer nur Ruhe...."
Ich steigere mich da total rein. Hab Angst, dass ich nie mehr gesund werde, dass ich das Medikament nicht vertrage aber schon jetzt bei einem evtl. Wechsel Entzugserscheinungen haben werde....usw.

Ich kenne mich gar nicht mehr und hoffe sich so sehr auf Hilfe.

VG Dian
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ASJ

Re: Viel Schatten und wenig Licht

Beitrag von ASJ » 01:05:2018 21:27

Hallo Dian,

ich war schon länger nicht mehr online, habe gerade aber nochmal vorbei geschaut und deinen Werdegang gelesen und muss dir einfach antworten. Wir haben so unglaublich viel gemeinsam, was die Komplikationen nach der Geburt angeht und auch was die Gesamtsituation angeht.
Ich hatte außerdem extreme Nebenwirkungen von meinem AD, habe allerdings Sertralin genommen. Ich will dir sagen: man kann es nicht glauben, aber es wird eine Lösung geben!!! Auch für dich! Vielleicht wird man nochmal die Medikamente etwas umstellen müssen, du bist noch so sehr am Anfang, gib dir Zeit! Ich finde diese Sprüche selber immer unpassend, konnte niemandem glauben, dass ich irgendwann einigermaßen normal mit dem (2.) Kind lebe, aber das kann man! Ich lag tagelang da und habe gezittert, erbrochen, 4 Tage am Stück nicht geschlafen, 20kg abgenommen. Ich konnte den Namen meines Kindes nicht hören/lesen, meinen Mann teilweise nicht mehr sehen, weil er eben der Vater dieses Monsters ist... Ich fühlte mich zu zerstört, um mich überhaupt selber erlösen (ich schreibe es mal vorsichtig...) zu können. Es war, als würde jemand an meinen Nervenbahnen reißen und sie sind kurz vorm Kaputtgehen. Ich möchte gar nicht viel auf mich lenken: was ich damit sagen will: Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass es mir mal so ging, wie oben beschrieben. Da man zu der Zeit nicht an sich selber glauben kann: glaub daran, dass andere dies für dich tun. Deine Mutter, dein Mann... sei einfach nur einverstanden -ich will nicht dankbar schreiben, denn das ist zu viel Forderung- dass andere für dich da sind und dich unterstützen! Das hat mir so viel Kraft gegeben! Es wird so vieles unwichtig! Schau nach dir und hör nicht so viel in dich hinein - vielleicht hilft dir Ablenkung ganz gut? Vielleicht helfen dir meine Worte, oh hoffe es geht dir ganz bald besser!!!!!! Es wird alles gut gehen!!!!!!!!

Dian
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Re: Viel Schatten und wenig Licht

Beitrag von Dian » 12:05:2018 11:19

Vielen Dank für deine Nachricht @ASJ.
Es tut gut, immer wieder zu hören, dass man nicht alleine ist.

Aber nun zu meinen letzten Wochen. Nachdem das erste Maiwochenende wieder 3 schlimme Tage barg (So, Mo, Di) , ich aber brav meine Mirtazapin-Dosis auf 30mg gesteigert habe, ging es mir überwiegend gut. Selbst dieses vibrieren ist wieder weg.

Diese Woche hatte ich dann einen Termin zum MRT. Die Neurologin meinte es könne zum 100%igen Ausschluss körperlicher Krankheit nicht schaden. Doch leider hat es auch im offenen MRT nicht geklappt. Meine Angst, mit dem Kopf in diesem Käfig und unter der engen Decke, das geht noch gar nicht.
Meine Therapeutin ist stolz darauf, dass ich zu mir stand und es nicht unter Tavor habe "über mich ergehen lassen". Da es keinen konkreten Verdacht gibt, werde ich auch erst mal keinen weiteren Versuch unternehmen.

Die weiteren Tage waren gut. Es hat sogar ab und an geklappt ohne "Morgentief" aufzustehen.

Nun war aber am Donnerstag Himmelfahrt und gestern Brückentag. Das heißt, heute hocken wir den dritten Tag zu viert aufeinander und es geht mir nicht gut.Gedanken der Sinnlosigkeit, Schwermut und Hoffnungslosigkeit, nehmen zu und ich bin total fertig und müde. Obwohl ich Dank Mirtazapin sehr gut schlafe.
Nun habe ich meinem Mann beide Kinder aufgehalst und mich mal eine Stunde zurück gezogen.

Es fällt mir schwer immer wieder zu spüren, dass ich noch nicht gesund und belastbar bin.

Dian
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Astrid
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Re: Viel Schatten und wenig Licht

Beitrag von Astrid » 12:05:2018 18:06

Hallo Du,

schön zu lesen, dass die höhere Dosis zu wirken scheint. Die Nebenwirkungen können sehr krass sein. Ich hatte das Vibrieren nicht, dafür habe ich unglaublich unter Mirtazapin gegessen. Mein Sättigungsgefühl war völlig ausgeschaltet. Und ich war wie sediert, musste noch der Einnahme der Tablette innerhalb einer halben Stunde ins Bett gehen, sonst bin ich zusammengebrochen. So wirkt es bei jedem unterschiedlich.
Die Tiefs werden immer wieder kommen. Habe Geduld und versuche dich an den kleinen Fortschritten zu freuen. Auszeiten zu nehmen ist extrem wichtig. Du machst das richtig. Ich hatte meine Tochter jetzt eine Woche lang krank zu hause, und habe auch wieder einen Flashback bekommen, zwar stürze ich nicht mehr ab, aber dieses dauerhaft zur Verfügung stehen und jemanden umsorgen müssen, ist einfach nicht meins. Fühle mich dann wie gefesselt und fremdbestimmt. Leider ist das nach zwölf Jahren immer noch. Hat aber wohl nichts mehr mit meiner Krankheit zu tun. Aber wenn man in der Krankheit drin steckt, ist dieses zusammen sein mit anderen und auf andere Rücksicht zu nehmen einfach sehr anstrengend. Egal wie lieb man die Menschen hat. Lass dir die Zeit. Ich ziehe meinen Hut vor dir. Du hast noch die Verantwortung für den Betrieb und deine Angestellten, mich hätte das damals komplett überfordert. Wäre ein Kindermädchen für Spaziergänge etc. vielleicht eine Alternative? Das könnte deinen Mann und deine Mama entlasten. Alles Gute von Astrid
schwere PPD nach der Geburt des ersten Kindes 2006
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Dian
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Re: Viel Schatten und wenig Licht

Beitrag von Dian » 14:05:2018 18:21

Liebe Astrid,

das ausgeschaltete Sättigungsgefühl unter Mirtazapin kenne ich auch :wink: - ich nehme es hin und versuche selbst etwas gegenzusteuern.
Nach der Einnahme kann ich gut noch eine Stunde oder länger wach bleiben, sobald ich aber das Licht ausmache und mich auf die Seite drehe, bin ich auch schon eingeschlafen. Ich höre nicht mal die Kleine, wenn sie -glücklicherweise meist nur einmal pro Nacht - eine Flasche Milch möchte. Das macht zur Zeit alles mein Mann.

Ende Mai habe ich einen Termin beim Psychiater zur Abklärung der Medikation. Neurologin und Therapeutin sind der Meinung, dass ich keine "schlimme" Depression habe. Ich sei stark verunsichert, weil mein Leben aufgrund der traumatischen Ereignisse aus dem Takt geraten sei. Gemeinsam mit der Therapie gehen sie davon aus, dass ich das Mirtazapin nur 3-6 Monate brauche. 6,5 Wochen sind bereits rum und ich kann mir noch nicht vorstellen, dass es ohne gehen könnte 🙈. Ich hoffe so sehr bald auch von "Heilung" sprechen zu können. :(

Ich bin übrigens auch sehr dankbar für dieses Forum und dass du und die anderen auch nach überstandener Krankheit noch hier seid und aktuell Betroffene wie mich aufbaut. Danke :!:
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