Kind trotz Vorbelastung (Depression mit psychotischen Symptomen)

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Schildkröte
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Kind trotz Vorbelastung (Depression mit psychotischen Symptomen)

Beitrag von Schildkröte » 21:11:2018 14:12

Noch bevor ich schwanger wurde hatte ich mehrere Episoden mit Depression inklusiver psychotischer Symptome. Meistens passierte es sehr schnell und innerhalb weniger Tage ging es rasant bergab. Auslöser waren oft wichtige Veränderungen vor allem im Tagesablauf und auch wenn es mir sehr schlecht ging war es doch immer so, dass es mir mit den richtigen Tabletten (Sertralin, Lyrica und Risperdal) schnell wieder besser ging und ich ein ganz normales Leben führen konnte. Dann war es passiert und ich wurde ungeplant schwanger worüber ich mich sehr gefreut habe! Natürlich hatte ich auch Bedenken wie ich das alles mit meiner Krankheit schaffen würde aber ich war optimistisch und hatte tolle Unterstützung von meinem Partner und der Familie. Während der Schwangerschaft ging es mir sehr gut und so konnten wir (wie ohnehin geplant) die Tabletten weiter reduzieren auch um das ungebohrene Kind zu schützen. Gegen Ende der Schwangerschaft war ich dann nur noch bei einer geringen Dosis Sertralin (Antidepressivum) angelangt. Die Geburt war zwar lang aber es gab keine großen Probleme und unsere Tochter kam gesund zur Welt. Nach etwa zwei Tagen kamen dann die ersten Schwierigkeiten. Es fing an damit, dass ich entzündete Brustwarzen durch das Stillen bekam, als diese auch noch anfingen zu bluten hab ich beschlossen auf die Flasche umzusteigen, das hat mich allerdings sehr mitgenommen, weil ich gerne gestillt hätte und auch meine Hebamme war hier nicht wirklich hilfreich. Dann kam auch noch der Hormonumschwung, die ersten Tränen und Schwierigkeiten zu schlafen (mit einen Baby sowieso schon schwierig). Ich fing an das Antidepressivum zu erhöhen. Leider ging es mir nicht besser, tagsüber habe ich noch gut funktioniert aber nachts war es meistens schwierig. Es folgte ein Besuch bei meiner Psychaterin und ich nahm wieder mehr Tabletten was durch das nicht stillen erleichtert wurde. Meine Eltern kamen zu mir nach Hause um mich zu unterstützen doch es wurde nicht besser und schnell schlichen sich bei mir die psychotischen Symptome wieder ein. Ich habe keine genauen Erinnerungen mehr daran - was ich noch weiß ist, dass ich starke Ängste hatte und wie in einem Alptraum gelebt habe. Mein Baby habe ich gefühlsmäßig stark ausgeklammert. Im Endeffekt führte das Ganze dazu, dass ich wieder in die Psychatrie musste. Langsam verbesserte sich meine Situation. Ich konnte wieder schlafen und normal denken und fing an meine kleine Maus wahnsinnig zu vermissen, die von meinen Eltern liebevoll betreut wurde. Nach 5 Wochen durfte ich wieder nach Hause und war anschließend noch in einer Mutter-Kind-Tagesklinik was mir sehr den Umgang mit meiner kleinen Tochter erleichtert hat. Ich bekam wieder Sicherheit im Umgang mit meiner Tochter, die Ängste verschwanden und mittlerweile sind wir eine tolle Familie. Nach einem Jahr konnten wir wieder langsam die Tabletten redzieren und ich fühle mit von meiner Ärztin und Therapeuting gut betreut. Mittlerweile ist meine Tochter 1,5 Jahre alt und meine größte Freude und die schwierigen Tage und Wochen nach der Geburt sind zwar nicht vergessen aber ich bereue es nicht.

Anki
Beiträge: 8
Registriert: 05:11:2018 17:55

Re: Kind trotz Vorbelastung (Depression mit psychotischen Symptomen)

Beitrag von Anki » 21:11:2018 22:51

Wow du hast eine schlimme Geschichte mitgemacht ! Aber du hast es gut durchgestanden!!Sei stolz auf dich! Du machst das toll!!

Nelli
power user
Beiträge: 138
Registriert: 20:06:2018 1:55

Re: Kind trotz Vorbelastung (Depression mit psychotischen Symptomen)

Beitrag von Nelli » 22:11:2018 0:03

Danke für Deinen Bericht! Es ist ganz wunderbar, dass es Dir und Deiner Familie nun gut geht.
Und ich freue mich, dass Du Dich "trotzdem" (trotz der Vorerkrankung) auf Dein Baby eingelassen hast,
Du hast alles richtig gemacht! Das mit dem Stillen kann ich gut nachvollziehen, es ist zunächst ein großer
Schmerz, abzustillen, es hat auch so starke Symbolkraft für einen, dass man diese innige Verbindung
nicht aufbauen kann. Aber: Für mich und meine Tochter hat dann eben das Fläschchen diese
Bedeutung bekommen, ich halte sie ebenso im Arm und blicke ihr in die Augen, und der Papa
kann es auch!
Alles Liebe Dir!
Nelli

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