Angst- und Panikattacken beim Abstillen

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Betty2105
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Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Betty2105 » 05:04:2019 23:49

Hallo zusammen!
Ich bin neu hier im Forum und möchte euch gerne meine Situation schildern um zu erfahren, ob der ein oder andere hier dieses Problem ebenfalls kennt.

Zu meiner Person und zu meiner momentanen Situation:

Ich bin 31 Jahre alt und habe vor knapp 9 Monaten mein erstes Kind, eine kleine süße Tochter, spontan entbunden. Ich lebe mit meinem Mann in einer guten Beziehung. Allerdings ist es so, dass ich seit der Geburt der Kleinen, hauptsächlich alleine mit ihr bin. Mein Mann ist beruflich sehr eingespannt und muss auch häufig über Nacht weg sein da er viele Nachtdienste macht. Von unseren Familien bekommen wir leider nur wenig Unterstützung. Meine Mutter lebt knapp 200 Km von uns entfernt und seine Eltern sind beruflich noch sehr eingespannt.
Die Schwangerschaft verlief bis auf ein paar Kreislaufprobleme und massive Wassereinlagerungen problemlos.
Auch die Geburt verlief komplikationslos.
Nach der Geburt ging es mir so richtig gut. Ich habe mich so befreit gefühlt endlich dieses hohe Gewicht wieder loswerden zu können und vor allem das ganze Wasser. Auch der Baby Blues hielt sich in Grenzen und war kaum spürbar. Ich habe von Geburt an voll gestillt. Auch das war kein Problem.
Im Dezember ca. traten dann aber die ersten Probleme auf. Ich fing an, unsere Tochter so langsam an Brei zu gewöhnen und stillte dementsprechend tagsüber immer weniger. Mittlerweile ist es so, dass ich nur noch nachts stille. Ich habe den Eindruck, seitdem ich nach und nach abstille, werden meine Probleme immer größer. Wahrscheinlich ausgelöst durch die hormonelle Umstellung die durch das wenige Stillen eintrat.
Diese gestalten sich so, dass ich immer häufiger regelrechte Angstzustände bekomme. Hauptsächlich finden diese statt, wenn ich mit der Kleinen alleine unterwegs bin- häufig aber auch wenn wir Begleitung haben. Ich bekomme Herzrasen, mich überkommt Übelkeit, mir wird schwindelig und ich habe das Gefühl, jeden Moment zusammenzuklappen. Grade wenn ich beispielsweise im Supermarkt an der Kasse anstehe, merke ich wie all diese Symptome über mich kommen und ich zu schwitzen anfange und eigentlich nur raus will. Das kannte ich so bis lang überhaupt nicht von mir. Ich bin früher immer gerne und entspannt einkaufen gegangen aber jetzt ist es nur noch ein Rennen durch den Supermarkt weil die ganze Situation so sehr von Panik geprägt ist, plötzlich umzufallen oder dergl.
In anderen alltäglichen Situationen ist dieses Problem natürlich auch präsent. Auch beim Autofahren spiegelt sich das Problem mittlerweile massiv wieder. Ich bin immer total gerne Auto gefahren. Auch noch als die Kleine schon auf der Welt war und auch noch hochschwanger. Jetzt ist es allerdings so, dass auch hierbei die Panikattacken zum Vorschein kommen. Ich habe stärkste Ängste, während der Autofahrt zu kollabieren und meine Tochter somit in Gefahr zu bringen. Diese Angst ist sogar schon so stark, dass ich mich nicht mehr traue, auf die Autobahn zu fahren weil ich Angst habe, nicht anhalten zu können. Dies schränkt mich sehr in meinem alltäglichen Leben ein weil ich sonst immer sehr gerne beispielsweise zu meiner Familie gefahren bin, die 180Km von uns entfernt wohnt.
Mein Leben ist eigentlich ständig von diesen Ängste geprägt so dass ich sehr eingeschränkt bin mittlerweile. Ich fühle mich eigentlich nur noch zu Hause mit meiner Kleinen sicher.
Neben diesen Ängsten fühle ich mich häufig sehr alleine. Ich würde mir so manches mal mehr Unterstützung wünschen. Da die Betreuung der Kleinen eigentlich zu 100% bei mir liegt, finde ich überhaupt keine Zeit mehr für mich. Dies ist nur möglich, wenn ich zu meiner Mutter fahre und diese dann auf die Kleine aufpasst.
Mir graut es mittlerweile schon vor diversen Anlässen die dieses Jahr noch anstehen, weil ich befürchte dann wieder von diesen Ängsten übermannt zu werden.
Außerdem frage ich mich, ob sich die ganze Problematik noch verstärkt, wenn ich endgültig richtig abstille und das komplette Hormonchaos herrscht. Im Moment stille ich unsere Kleine nämlich nachts noch.
Entschuldigt bitte den langen Text aber ich musste mal alles rauslassen. Bis jetzt habe ich es nämlich noch nicht übers Herz gebracht, mit irgendjemanden darüber zu reden.

Betty2105
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Re: Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Betty2105 » 12:04:2019 22:17

Schade das hier gar keiner mal antwortet... :o hatte mir hier eigentlich Hilfe erhofft... :|

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Kikke
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Re: Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Kikke » 13:04:2019 7:49

Hallo Betty,

Ich kann dir leider keinen Tipp geben, wie es mit dem Abstillen steht, da ich meinen Sohn nach einem Monat abgestillt habe. Damals war ich so tief drin in der Depression,dass ich nicht sagen kann, ob es noch zu einer Verschlimmerung beigetragen hat.
Grundsätzlich denke ich schon,dass die Hormone ihren Teil dazu beitragen, es aber nicht nur daran liegt. Daher wäre meine Frage, ob sein Umfeld Bescheid weiß und du dir Unterstützung geholt hast?
Die Symptome klingen alle danach, dass sie gut Behandler werden können.
Ich würde dir raten, mit deinem Gynäkologen zu sprechen. Er kann bestimmt auch was zum Abstillen sagen!

Alles Liebe
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Kikke
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Re: Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Kikke » 13:04:2019 7:49

Behandelt werden können. Vertippt
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Re: Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Marika » 13:04:2019 16:34

Hallo du,

eine schwierige Frage - daher hat wohl auch noch niemand geantwortet. Auch ich kann dir nicht wirklich helfen, da es bei mir umgekehrt war: das Abstillen hat bei mir positives bewirkt. Da du aber jetzt beim immer weniger stillen eine Verschlechterung merkst, hängen da ganz sicher die Hormone mit drinn. Nur: abstillen musst du ja irgendwann - die Chance ist hoch, dass sich das mit der Zeit einpendelt. Da wäre sich eine Hebamme die richtige Ansprechperson. Gibts bei euch sowas wie eine "Hebammen Praxis"?

Ganz sicher ist aber auch deine Situation dass du nie Zeit für dich hast, ein großer Faktor. Ich glaube, da spielen mehrere Dinge mit. In den meisten Fällen kommen Psych. Auffälligkeiten durch ein Zusammenwirken verschiedener ungünstiger Faktoren zustande. Zeit für dich ist imens wichtig, da solltest du auf jeden Fall auch ansetzen.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Sanna » 13:04:2019 18:01

Hallo!

Es kann schon sein, dass die Hormone da eine wichtige Rolle spielen. Ich bin auch der Typ, der sehr sensibel auf Hormonveränderungen aller Art reagiert, deshalb kann ich es mir gut vorstellen. Allerdings ist das nur meine persönliche Erfahrung und keine Diagnose.

Du solltest mit einem Fachmann darüber sprechen, dein Gynäkologe oder Hausarzt können erste Ansprechpartner sein. Oder deine Hebamme, falls sie dich noch betreut. Ich würde dir auch raten mit deinem Mann darüber zu sprechen, damit er so viel wie möglich helfen kann. So wie es eben geht.

Ängste und Panikattacken sind in der Regel gut behandelbar, so dass ich versuchen würde schnellstmöglich etwas zu unternehmen. Du musst das nicht aushalten, sondern kannst daran arbeiten, damit es dir wieder besser geht.

Liebste Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Betty2105
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Re: Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Betty2105 » 14:04:2019 7:52

Vielen lieben Dank für eure Antworten!
Das hilft wirklich enorm wenn man sich gehört fühlt.
Bislang ist es mir nicht gelungen mit jemandem darüber zu sprechen. Ich versuche mich jetzt täglich selbst der Herausforderung der Angstüberwindung zu stellen. Allerdings gerät man bei solchen Angst- und Panikattacken in einen absoluten Teufelskreis. Ich habe mittlerweile richtig Angst vor der Angst und das ist ganz schön zermürbend. Dennoch stecke ich den Kopf nicht in den Sand und versuche es immer wieder mich beängstigenden Situationen zu stellen. Ob ich damit irgendwann diesen Teufelskreis durchbrechen kann, weiß ich allerdings nicht.

Mit der Unterstützung sieht es leider echt schlecht aus. Mein Mann ist beruflich so sehr eingespannt das er kaum Zeit für uns hat. Ich fühle mich so alleine und das macht auch ziemlich fertig.

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Kikke
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Re: Angst- und Panikattacken beim Abstillen

Beitrag von Kikke » 14:04:2019 8:08

Hast du schonmal über Hilfe von außen nachgedacht? Hier wäre der Hausarzt eine gute Anlaufstelle. Oder sich dein Gynäkologe.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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