Nicht ganz richtig hier?

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Elke2018
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Nicht ganz richtig hier?

Beitrag von Elke2018 » 24:06:2019 23:28

Hallo Zusammen,

ich habe den Betreff gewählt, weil ich keine Depressionen habe, sondern was, was ich nicht benennen kann.
Ich stelle mich/meine Situation erst mal vor.

Nach einer einfachen Schwangerschaft habe ich vor einigen Monaten mein absolutes Wunschkind bekommen.
Die Geburt lief gut. .. bis die Herztöne der kleinen schlecht waren. Ohne Grund und ganz plötzlich. Dann ging alles ganz schnell. Sie haben das leblose Kind kurz abgelegt auf mir weil sie ihre Hände brauchten. Dann wurde sie in einer Traube Ärzte weggebracht. Erst Stunden später habe ich sie kurz gesehen. Mit Kabeln überall.
Sie hat das Ganze knapp überlebt.
Sie war dann eine Woche in einem anderen Krankenhaus als ich.

Es war ganz schlimm für mich, dass ich sie nicht erkannt hätte alleine. Irgendwann wurde ich zu ihr gebracht und mir wurde gesagt 'das ist ihr Kind'... ... aha ok... das ist also jetzt mein Kind. .. sieht irgendwie anders aus. ...

Naja, die einzelnen Details sind ja wahrscheinlich nicht so spannend für euch. ..

Der Grund weswegen ich schreibe ist, dass ich noch sehr darunter leide. Leider gibt es keine richtige Hilfe und nirgends passe ich damit so richtig hin. Darauf spezialisierte Therapeuten die ich kontaktiert habe waren spirituell (passt nicht zu mir) und ziemlich teuer.
Die Krankenhauspsychologin passte nicht zu mir. .
Ich habe eine Psychologin... aber mit diesem Thema fühle ich mich auch da nicht richtig verstanden.

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass meine Gefühle so ungewöhnlich sind. .. aber irgendwie finde ich wenig Menschen in ähnlicher Situation. ..

Es bleibt am Ende dieses Gefühl, dass ich völlig allein bin und die Tragweite von diesem Erlebnis irgendwie nicht rüber kommt. Immer mit dem Unterton 'jetzt ist doch alles gut'. So sieht es auch mein Partner.

Es ist aber nicht gut. ..

Ich erhoffe mir von diesem Beitrag endlich irgendwo hin zu gehören mit diesem Problem. .. versteht ihr was ich meine?

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Marika
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Re: Nicht ganz richtig hier?

Beitrag von Marika » 25:06:2019 6:04

Ein liebes Hallo von mir!

Vielen Dank für deine Geschichte und ich finde sie tastsächlich nicht ungewöhnlich ... Ich finde es sogar logisch, dass du heute noch Probleme mit dem Erlebten hast. Man stelle sich bitte vor: DEIN KIND wird einfach auf dir abgelegt und es ist leblos... Um Gottes Willen... Das MUSS doch ein Schockerlebnis sondergleichen sein. Dann hast du sie nicht bekommen, weil sie ärztlich versorgt werden musste, stand am Rande des Todes... Also wer das so einfach wegsteckt, der hat wohl wenig Herz und null Empathie!!! Mich wundert es auch sehr, dass sich deine Therapeutensuche so schwierig gestaltet. Es scheint dass du ein Trauma erlitten hast - das sollte ein Therapeut doch behandeln können!

Dein Empfinden "das soll also mein Kind sein" kann ich sehr gut nachempfinden. Denn mir ging es haargenau so. Ich hatte einen Notkaiserschnitt und als ich meinen Sohn dann vors Gesicht gehalten bekam dachte ich mir genau das gleiche. Und auch eine Freundin von mir kann das gleiche berichten - sie hatte aber nicht im Ansatz nach der Geburt psych. Probleme. Man hört das sehr oft und ich finde man sollte viel mehr über diese Gefühle die nach der Geburt genau so da sind und ihre Berechtigung haben, reden. Dieses "Glücksgefühl" nach der Geburt erleben gar nicht so viele, wie man immer meint. Schon gar nicht, wenn man so einen Horror erleben muss wie du. Ich finde in der Geburtshilfe wird teilweise mit den Frauen immer noch wie bei einem Schlächter umgegangen... Sorry für die drastische Wortwahl, aber ist doch wahr... :cry:

Ich habe mein ideales Therapeuten Team in 2 Personen gefunden: Mein Psychiater und eine Nachsorgehebamme in der Hebammenpraxis. Da wurde ich bestens verstanden - gerade das Geburtstrauma konnte ich in der Hebammenpraxis sehr gut aufarbeiten. Vielleicht wäre das eine Anlaufstelle?
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Elke2018
Beiträge: 7
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Re: Nicht ganz richtig hier?

Beitrag von Elke2018 » 25:06:2019 23:04

Hallo,

ja ich finde es auch erstaunlich. Meine Therapeutin hat so ein Trauma Diagnostik Ding mit mir gemacht. Da kam raus, dass es kein Trauma sei.
Die Kliniktherapeutin wollte mir Medikamente geben. Aber das passte nicht für mich. Ich hätte jemand gebraucht der mir sagt: es ist ganz normal und jetzt geh mit diesem Baby, dass sich so fremd anfühlt, ins Bett und heult euch zusammen die Augen aus.
Statt dessen kam da eben rüber ' dein Gefühl ist krank deswegen machen wir das jetzt mit Medikamenten weg.
Und ich wollte einfach nur, dass jemand beim traurig sein bei mir ist.

Naja... mittlerweile ist mein Gefühl zu meiner Tochter sehr stark. Was aber bleibt ist die fehlende Verbindung zwischen dem was da in mir gewachsen ist, und dem was hier neben mir liegt. Meine Tochter hat gefühlt nichts mit meiner Schwangerschaft zu tun.
Zu meiner Hebamme habe ich mal gesagt, ich habe nie 'entbunden' ... ich habe die Schwangerschaft nie beendet emotional. Ich war ewig eifersüchtig auf schwangere und hätte so gerne die Zeit zurück gedreht, um alles noch mal 'richtig' zu machen.
Ich fühle mich immer noch betrogen vom Leben ...

Was für ein Unsinn. .. so rein logisch betrachtet.

Ich hatte auch eine nette Hebamme, die dann aber irgendwann auch am Ende ihres Angebotes war.

Im Moment ist es so, das ich immer wieder träume, dass sie stirbt. Meistens bin ich schuld und gucke dabei zu. Und je weiter ich von ihr weg bin, desto schlimmer ist es.

Naja ... kommt Zeit kommt Rat. .. bisher bekommen wir es ganz gut hin und zum Glück müssen wir sie auch noch nicht zur kita schicken.

Danke für die erste Antwort auf meinen ersten Beitrag. Irgendwie schon etwas besonderes :)

Julia
Beiträge: 47
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Nicht ganz richtig hier?

Beitrag von Julia » 27:06:2019 12:49

Hallo und herzlich Willkommen hier!

Deine Geschichte über die Geburt deiner Tochter hat mich sehr berührt!
Was du beschreibst, dass du die Schwangerschaft nie wirklich beendet hast kenne ich nur zu gut! Du bist damit definitiv nicht allein und ich bin mir sicher es gibt in deiner Nähe jemanden oder etwas das dir bei der Bewältigung dieses Traumas hilft, du hast es vielleicht nur noch nicht gefunden!

Mir wurde erst 2,5 Jahre nach der Geburt meines Sohnes gesagt das es ein Geburtstrauma war! Vorher hatte ich natürlich mal darüber gelesen aber so richtig gepasst hat es für mich nicht (so wie ein Trauma normal beschrieben wird), daher hab ich auch gedacht das ich halt einfach damit leben müsste. Ich kann leider nach wie vor nicht sagen, dass ich meinen Sohn entbunden habe und auch mir fehlt diese „Abschluss“ der Schwangerschaft mit ihm. Aber ich bin bei meiner Therapeutin in ganz guten Händen denke ich und hab zusätzlich noch eine Heilpraktikerin die mich dahingehend unterstützt.

Versuch bitte dran zu bleiben und die Geburt deiner Tochter aufzuarbeiten. Mich hat es letztlich eingeholt weil ich es irgendwann offenbar erfolgreich ignoriert habe und anderen und mir selbst vorgemacht habe es sei in Ordnung und ich komme damit klar. Ich denke auch das dieses nicht aufgearbeitete Geburtstrauma der Hauptauslöser meiner PPD nach der Geburt meines zweiten Sohnes war. Klar kann man es nicht 100%ig sagen aber zumindest meine ich das.

Ich wünsche dir alles Gute!
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018

aktuell 15mg Escitalopram und 50 mg Opipramol

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