Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

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Denkerin

Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Hallöchen in die Runde,

ich bin neu hier und möchte mich gerne vorstellen.

Ich bin 35,5 Jahre alt und habe mein ganzes Leben mit diversen psychische Problemen zu kämpfen. Schon sehr lange leide ich unter chronisch rezidivierender Depression und einer Angststörung, ich habe einen Traumahintergrund und als Jugendliche waren Zwangsgedanken ebenfalls Thema. Weil mein Päckchen recht groß ist, ich starke Selbstzweifel habe, Angst zu Versagen, ich auch durch meine Eltern gesehen habe, dass alle ihr bestes geben und dennoch Dinge weitergegeben werden und meine Sorgen und Ängste in Bezug aufs Muttersein so groß waren, habe ich das Schwangerwerden immer weiter aufgeschoben, obwohl ich schon sehr lang den Wunsch hatte.
Seit 4,5 Jahren habe ich einen ganz tollen stabilen gesunden Partner an meiner Seite. Nun haben wir es drauf angelegt und beim ersten Mal bin ich direkt schwanger geworden (knapp 8. Ssw jetzt).
Ich habe mich Anfangs mega doll gefreut, mein sehnlichster Wunsch tief in mir war es immer Kinder zu haben. Nach den ersten Tagen der Freude kam dann aber schon die heftigsten Sorgen und Zweifel, Gedanken wie was, wenn ich das alles nicht schaffe, ich mir was antue, dem Kind was antue, dass ich das Kinderkriegen vielleicht bereuen werde, das Kind zur Adoption abgeben werden muss, die schlechteste Mutter auf Erden sein werde, vielleicht keine Bindung aufbauen kann und und und. Es fällt mir sehr schwer positive Gedanken zu fassen und ich empfinde über die Schwangerschaft so gut wie keine Freude derzeit. Nachdem ich jahrelang nichts anderes wollte und mich nun so fühle und denke, kommen natürlich noch immense Scham- und Schuldgefühle hinzu, die mich quälen. Und ich denke auch manchmal, dass es einfach ziemlich egoistisch ist, bei meiner Vorgeschichte überhaupt schwanger zu werden.

Ich bin in ambulanter Psychotherapie ein mal wöchentlich, die Therapeutin weiß Bescheid über alles. Und ich bin in psychiatrischer Behandlung und nun in der Schwangerschaft dabei, Sertralin einzudosieren (derzeit 50 mg).

Ich hoffe hier in dem Forum auf Menschen zu stoßen, mit denen ich mich austauschen kann, die mich und die Gedanken/Gefühle verstehen und die vielleicht auch sogar schon in der Schwangerschaft (und nicht erst nach der Geburt) in eine Depression gerutscht sind oder diese sogar vorher schon hatten. Ich freue mich auf einen guten Austausch mit euch :)
Bei Fragen gerne fragen... Liebe Grüße
Madre85
Beiträge: 82
Registriert: 24:12:2019 9:56

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Madre85 »

Liebe Denkerin,

jemand der sich so viele Sorgen und Gedanken macht, wird sicher eine gute Mutter. Diese Gedanken sind ziemlich normal. Jede werdende Mutter hat Angst zu versagen oder es nicht zu schaffen. So ein kleines Wesen wird dein ganzes Leben auf den Kopf stellen. Das ist sicher. Aber du wirst in dieses Leben hinein wachsen. Es ist gut dass du in Therapie bist und das Sertralin ist auch das richtige Medikament. Es kann allerdings Wochen dauern bis es richtig wirkt. Bei mir 9 Wochen. Was ich eigentlich kurz und knapp sagen will... du wirst es schaffen und du wirst weder dir noch deinem Kind etwas tun. Ich hatte die gleichen Zwangsgedanken. Zum Teil immer noch. Aber es wird von Tag zu Tag besser. Und auch die Liebe zu meinem Kind ist riesig. Die ersten 4 Monate nach der Geburt waren nicht schön. Aber jetzt geht es steil bergauf.
Denkerin

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Hallo Madre,

vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Ich habe die Hoffnung, dass das Sertralin auch noch einen Teil zur Besserung beitragen wird, wenn ich es denn dann etwas länger genommen habe. Es waren bisher nur 10 Tage 25 mg und 10 Tage 50 mg. Übermorgen habe ich einen Termin bei der Psychiaterin und denke, wir erhöhen nochmal. Heute hatte ich einen Gyntermin, den ersten, wo man richtig was gesehen hat auf dem Ultraschall. Es gab den Mutterpass und ich habe schon ein erstes Pochen auf dem Monitor gesehen, welches mich (anders als erwartet oder befürchtet) nicht kaltgelassen hat, sondern gefreut und positiv berührt hat. Im Vorfeld hatte ich noch so Gedanken, es sei das beste, wenn der Fötus sich einfach von selbst verabschieden würde :? Und dann war ich total froh zu sehen, dass alles in Ordnung ist und da gerade Leben in mir entsteht.

Schön, dass du so eine große Liebe zu deinem Kind benennen kannst und das es steil bergauf geht!
Kikke

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Kikke »

Herzlich Willkommen auch von mir!

Schön, dass Du den Weg in unser Forum gefunden hast. und ich finde es ganz toll, wie du die Situation angehst. Das erfordert viel Mut und Kraft, dass du direkt handelst. Das ist genau der richtige Weg.
Viele Schwangere sind mit Ängsten behaftet, weil es ja auch ein Enormer Schritt ist, ein Kind zu bekommen. Der Anfang ist ziemlich unreal und merkwürdig. Man spürt vielleicht nicht wirklich was Punkt manchen ist übel manche haben gar nichts. Und dann soll man realisieren, dass man schwanger ist. Das ist nicht einfach. Aber du hast ja schon die tolle Erfahrung gemacht, dass du siehst, das Leben in dir heranwächst. Und es werden noch viele tolle Schritte folgen. Der Bauch wächst, die ersten Bewegungen, später wirst du dein Kind jeden Tag spüren.
Mel
power user
Beiträge: 512
Registriert: 25:11:2018 13:07

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Mel »

Liebe Denkerin,
schön, dass du hier bist und dir so schnell Unterstützung geholt hast.
Ich nehme auch Sertralin und es hat mir enorm geholfen. Bin jetzt seit drei Monaten bei der Höchstdosis.
Wenn du Fragen oder Sorgen hast, melde dich gerne.
Alles Liebe
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Sertralin,
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen
Denkerin

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Hallo Kikke und Mel,

lieben Dank auch an euch für eure Willkommensnachricht und die netten Worte.
Ich bin gespannt, wie sich alles entwickeln wird... Gut auf jeden Fall, dass ich nicht so lange gezögert habe und mich direkt angemeldet hab im Forum. Ich glaube neben Therapie, Medis und Arbeit an mir selbst kann das eine große Unterstützung sein.
Zum Sertralin habe ich direkt ein paar Fragen, die poste ich unter ADs.

Alles Liebe euch.
Kikke

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Kikke »

Das ist genau die richtige Einstellung! Ich wünsche dir trotz aller Unsicherheit eine schöne Kugelzeit!
Denkerin

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Lieben Dank dafür :-)
Denkerin

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Huhu in die Runde,

heute war ich wieder zum Gyntermin mit Ultraschall (fast 12. Woche). War gut der Termin. Meine Stimmung ist insgesamt ein bisschen besser, Symptome lassen auch etwas nach so langsam. Auf dem Ultraschall-Bild die Veränderung zu sehen von letztem Mal zu diesem Mal war irgendwie abgespaced. Vor 4 Wochen war es mit viel Phantasie ein kaulquappenähnlicher Flatschen und heute hat man schon richtig alles erkannt. Außerdem hat sich das Würmchen total krass bewegt.
So langsam kann ich mich glaube ich mit meinem neuen Schicksal anfreunden und komme so langsam klar...
Kikke

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Kikke »

Das freut mich sehr zu hören! Diese Termine sind einfach total verrückt. Ich glaube jeder kennt, was du beschreibst. es ist einfach merkwürdig, was da in einem heranwächst. Man kann es kaum begreifen. Ich habe oft den Gedanken: Wahnsinn, dass genau dieser Mensch entstanden ist.

Ich wünsche dir weiter, dass es bergauf geht.
Denkerin

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Danke :D
Ja es ist total abgefahren! Krass, wie die Natur sich da ausdrückt. Kann man schwer in Worte packen, vor allem wenn man es nicht kennt. Manchmal ist es echt noch so, dass ich es vergesse oder mich richtig erschrecke, wenn jmd gratuliert. Aber im Großen und Ganzen habe ich das Gefühl, dass es schon ein bisschen ein Prozess ist, in dem ich mich vielleicht immer ein Stück mehr freuen kann. Ängste sind natürlich immernoch immens da und ich mach mir mehr Sorgen als viele andere Schwangere, aber es ist nicht mehr diese Dramatik von "Oh Gott, mein Leben wird zuende sein" oder "Such dir schonmal eine Pflegefamilie, weil die so überfordert sein wirst...". Zumindest die Option, dass es auch ganz schön werden kann, besteht immer wieder mal gedanklich und gefühlsmäßig.
Wer weiß, vielleicht schlägt das Sertralin an, oder die hormonellen Schwankungen lassen nach. Wie auch immer, so kann es ruhig erstmal bleiben...
Denkerin

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Huhu in die Runde...

Kleines Update von mir: weiß nicht wo ich es sonst (außer in der Vorstellungsrunde) hinposten soll :shock:

Bin jetzt in der 16. Woche. Stimmung ist soweit relativ stabil, ein Mix aus Angst und Vorfreude, aber bin recht zufrieden so insgesamt die legtzten Wochen gewesen.

Vorgestern hatte ich den ersten Termin bei einer Hebamme (statt bei der Gyn), da sollten die Herztöne abgehört werden. Der Termin hat mich etwas verunsichert, weil die Hebamme keine Töne gehört hat. Die Gebärmutter säße noch hinten im Becken und wäre nicht weit genug vorne. Sollte mir aber keine Sorgen machen. Hab dann später noch gegoogelt, sowohl nach Herztönen als auch nach der hinten liegenden Gebärmutter. Das war ein Fehler, danach habe ich mich noch schlechter gefühlt. Ein Telefonat mit der Sprechstundenhilfe meiner Gyn konnte mich dann wieder beruhigen. Im Großen und Ganzen habe ich gemerkt, dass ich schon einen sehr starken Wunsch nach dem Kind habe, so eine Bindung irgendwie. Und diese Angst konnte ich als nährend annehmen, da sie sowas wie einer Art Mutterinstinkt war. Heute habe ich dann so gedacht: Oh Gott, hoffentlich schlägt das nicht in das andere Extrem um, also das Gegenteil von dem was ich immer dachte was vielleicht passieren könnte, nämlich dass ich keine Bindung aufbauen kann, das Kind ggf. nicht annehme und liebe, es bereue oder so. Fand diese Ängste nach dem Hebammentermin so heftig, dass es mich nicht wundern würde, wenn ich dann nach der Geburt ständig denken würde plötzlicher Kindstod, es wird entführt, angefahren oder sonst was. Mann mann mann, echt eine Achterbahn der Gefühle...
Krümmelchensmama
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Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Krümmelchensmama »

Hallo
Ich denke nicht das du dir solche Gedanken machen musst. Jede Schwangere bekommt Angst wen die Herztöne ihres Babys nicht zu hören sind (ist aber in der 16 ssw nicht ungewöhnlich).
Ich denke eher du kannst es so wie zu Beginn als Gutes Zeichen werten
Ich selbst hatte in meiner ersten Schwangerschaft und auch dannach extreme Ängste um meine Tochter...
Diese Ängste bezogen sich aber nie auf einen realen Grund... Ich hatte ohne irgendwelche Komplikationen zu haben panische Angst vor Komplikationen, auch vor extrem seltenen.
Hoffe dies hilft dir ein wenig.
Lg
Jänner 2016 Geburt meiner Tochter
Immer öfter Angst..
Juni 2016 erste Panikattaken
Ab September 2016 Citalopram 20mg bis Juli 2018
Juli 2020 Geburt meiner 2 Tochter bis jetzt ohne PPD
Denkerin

Re: Endlich schwanger - ... und nun unglücklich

Beitrag von Denkerin »

Hallo Krümmelchensmama,

danke für deinen Input.
Ich versuche es auch als gutes Zeichen zu deuten. Das ist im Vergleich zu den ersten Wochen SS, wo ich ganz düstere Gedanken hatte, in jedem Fall eine Erleichterung. Zumindest was das Bindungsthema angeht.
Dennoch merke ich, dass ich aufpassen muss, mich nicht zu dolle reinzusteigern in die Ängste. Habe ja eh eine Angst- und Panikstörung und kenne von mir Todesängste in diversen Ausprägungen. Angst dass ich sterbe, Krebs habe, einen Herzinfarkt bekomme, die Lunge aussetzt, hypochindrische Tendenzen bei den kleinsten Wehwehchen und auch in Bezug auf meine Familie, Mutter, Schwester, meinen Lebensgefährten. Oft geht es darum, dass ich eine mir sehr nahstehende Person verliere. Stelle mir das einfach sehr stressig vor, wenn ich das nun versuche zu übertragen auf die Situation mit Säugling. Aber es ist vermutlich auch nicht sonderlich hilfreich da im voraus so viel drüber zu grübeln...
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