Vorstellung einer ehemals Betroffenen - biete Hilfe an

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HeleneS
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Vorstellung einer ehemals Betroffenen - biete Hilfe an

Beitrag von HeleneS »

Hallo ihr Lieben,

ich habe bereits ein bisschen im Forum quer gelesen und merke dass ich hier genau richtig bin. Denn- ich kann euch alle SO gut verstehen!
Ich habe von Oktober 2019- ca. März 2021 die schlimmste Krise meines Lebens durchgemacht, begonnen im 4. Schwangerschaftsmonat mit meiner Tochter die am 28.02.2020 geboren ist, hingezogen hat es sich dann bis Anfang diesen Jahres. Und jetzt kann ich voller Überzeugung sagen: ich bin durch. Ich habe es überlebt und heute geht es mir gut, sehr gut sogar und ich genieße das Leben mit meiner süßen Tochter.

Bevor ich mehr ins Detail gehe möchte ich euch sagen, dass ich mich hier angemeldet habe um etwas zurück zu geben. Etwas von all der Hilfe von allen Ebenen, die ich in dieser Zeit erfahren habe und über die ich unendlich dankbar bin. Von Ärzten, Therapeuten, Familie, Freunden, auch von Fremden - auch wenn ich es dachte zu sein, so war ich doch nie allein. Und im Gefühl dieser Dankbarkeit ist bei mir der Wunsch entstanden Menschen zu helfen, denen es genauso geht und die sich noch mitten in der Krise befinden und vielleicht nicht wissen, wie es je wieder besser werden kann. So wisst - auch ihr seid nicht allein, seid es nie gewesen. Um euch davon zu überzeugen freue ich mich wenn ich helfen kann - schreibt mir und wir können uns austauschen darüber was mir geholfen hat, das gebe ich gerne weiter. Oder wenn ihr einfach jemanden braucht der zuhört und euch versteht. Dann können wir auch sehr gerne telefonieren! Lasst uns über PN Nummern austauschen und ich rufe dich an. Das ist mein Angebot.

Jetzt zu dem wie die Krise verlaufen ist. Glücklich verheiratet mit meinem Mann haben wir 2019 bewusst entschieden Eltern werden zu wollen. Ich wurde sofort schwanger und mir ging es die ersten 3 Monate der Schwangerschaft auch gut, bis mir dann plötzlich klar wurde, dass ich tatsächlich ein Kind erwartete und was das alles mit sich bringen wird. Dann fingen die Ängste an. Ängste davor das nicht hinzukriegen, selbst noch zu klein und unerfahren zu sein, dem nicht gewachsen zu sein. Ab dann schlief ich keine Nacht mehr durch. Mich quälten Angst und Panik, nächtelang lag ich wach. Mein Mann und ich waren zu der Zeit sogar in einem Paarcoaching und durchliefen auch eine Coachingausbildung. Doch auch meine Trainer konnten mir nicht helfen. Ich hielt an meinen Ängsten fest und zog mich immer mehr in mich zurück. Kontakt zu Freunden und Familie wurde immer weniger, zumindest erzählte ich nicht wie es wirklich in mir aussah. Mein Mann bekam all das noch am meisten mit, doch auch bei ihm verstummte ich mehr und mehr.

Aufgrund dieser Ängste und Panik begann dann auch meine Überzeugung, dass meine Tochter schwere Folgen davontragen würde. Dass es nicht sein könne, dass sie sich normal und gesund entwickelt. Es begann die Angst, dass sie krank sein könnte und ich machte mir dafür Schuldgefühle. Als der Geburtstermin näher rückte war ich sogar überzeugt, dass es kein Leben würde geben können für meine Tochter UND mich, entweder sie oder ich würden im Laufe der Geburt sterben. Mein Mann versuchte in der Zeit auch immer mich zu erreichen, mir die Ängste zu nehmen, zu sagen dass alles gut werden würde, doch das kam nicht bei mir an, ich glaubte nur meiner eigenen Geschichte.

Medikamente für den Schlafmangel wollte ich keine nehmen, um meine Tochter nicht noch mehr zu gefährden. Pflanzliche oder homöopatische Mittel brachten rein gar nichts.
So kam es dann am 28.02.2020 tatsächlich dazu, dass meine Fruchtblase platzte und meine Tochter sich ankündigte. Auch unter der Geburt litt ich an Panik und hatte keine Vorstellung wie es sein sollte, wenn sie tatsächlich auf die Welt kommen sollte. Die Geburt war lange, ein Kaiserschnitt stand schon im Raum als sie dann abends nach 17h Wehen tatsächlich auf natürlichem Weg geboren wurde. Sie wurde gleich von mir weggenommen, da sie nicht gleich atmete, letztendlich hatte sie einen Infekt und wurde direkt auf Intensivstation behandelt. Mir war es Recht, ich hatte über die Schwangerschaft keinerlei Verbindung zu ihr aufbauen können und WOLLTE sie gar nicht bei mir haben.

So war sie also auf Intensivstation und auch ich konnte mit dort übernachten. Ich schlief jedoch nach wie vor nicht. Es folgten Tage des "funktionierens". Irgendwie machte mein Körper was er musste, aber innerlich war ich nicht dabei sondern nur in Panik. Weiterhin war ich überzeugt, dass mit ihr irgend etwas nicht stimmt. Die Ärzte fragte ich immer wieder, doch sie bestätigten mir eine gesunde Entwicklung. Als nach 4 Tagen dann der Infekt meiner Tochter geheilt war und die Ärzte sagten ich könne heim hatte ich einen Zusammenbruch. Ich war nicht vorbereitet, wusste nicht wie ich sie selbst alleine stillen sollte, wie ich sie alleine wickeln und versorgen sollte, all das stürzte über mir zusammen. Die Ärzte reagierten gleich und versicherten mir ich könne mit meinem Mann in der Klinik bleiben, eine Therapeutin wurde eingeschaltet, ich bekam Medikamente für den Schlaf. Es folgte also eine Zeit in der nicht mehr meine Tochter sondern ich die Patientin war. Ich hörte das Abpumpen auf und sie wurde per Flasche versorgt - meist von meinem Mann der sehr viel übernahm.

Nach ein paar Tagen hatte ich eines Nachts eine Psychose - mein Bewusstsein malte sich seine eigene Welt aus, ich wurde mit einer Spritze ruhig gestell. Am nächsten Tag, weil ich auch geäußert hatte an Selbstmordgedanken zu leiden wurde ich ohne Kind in die Psychiatrie verlegt. Sie blieb bei meinen Eltern bzw. ihrem Vater. Dort blieb ich 3 Nächte, bekam Medikamente die endlich wirkten, ich konnte wieder durchschlafen. Und wollte dann aber doch nach Hause, auch wenn ich immer noch nicht wusste wie ich das hinbekommen sollte. Ich konnte auch nicht alleine mit ihr sein, weil ich dachte das würde ihr zu sehr schaden. So verlangte ich dass immer meine Schwester, meine Eltern oder mein Mann dabei waren.

So vegetierten wir irgendwie nebeneinander her, ich war auch stark depressiv, unterhielten uns kaum noch. Anfang Mai teilte mir mein Mann dann mit, dass er es nicht mehr aushalte mit mir, dass er zudem eine andere Frau kennengelernt hatte, mit ihr eine Wohnung gefunden habe und zu ihr ziehen werde. Ich war innerlich so abgestellt, meine einzige Reaktion war die Frage : "Kannst du unsere Tochter nehmen?" Ich fühlte keine Liebe in mir zu ihr, alles war überlagert von Angst.

Meine Eltern halfen mir viel und beantragten schließlich die Betreuung in einer Mutter-Kind-Klinik. Auch wenn ich nicht glaubte dass irgendwer mir würde helfen können, ging ich dort dann Anfang Juni doch hin, ins psychiatrische Zentrum nach Wiesloch. Hier fand ich nach und nach langsam wieder Kraft, merkte dass ich die Versorgung doch hinbekam und fand sogar in der Zeit eine eigene Wohnung und kaufte ein Auto. Nach 8 Wochen war ich zwar noch nicht gesund, aber mein Mann wollte nicht mehr dass unsere Tochter ihr bislang ganzes Leben in Krankenhäusern und Kliniken verbrachte und stimmte einer Weiterbehandlung nicht zu. Ich brach daher ab und zog in meine Wohnung.

Von da an wurde es in kleinen Schritten immer besser. Wir teilten die Betreuung hälftig auf, eine halbe Woche ist sie bei mir, die andere Hälfte bei ihm. Ich kam auf die Beine, ging weiterhin zur Therapie, nahm meine Medikamente und die prächtige Entwicklung von meiner Tochter überzeugte mich nach und nach, dass sie trotz der schlimmen Schwangerschaft keine Folgen davongetragen hatte.

Inzwischen hatte ich auch wieder angefangen in Teilzeit zu arbeiten, auch das ging gut. Ja...außerdem half mir auch meine eigene spirituelle Entwicklung sehr viel im Prozess, das Wissen dass wir alle angebunden sind und wir immer nach Hilfe fragen können.

Im Rückblick war diese Krise eine große Chance der Heilung. Mich sehr tief selbst zu erkennen, welche tiefen Glaubenssätze in mir leben, welche Ängste ich habe und dass es aber auch noch ein Leben jenseits der Angst gibt. Dass Heilung tatsächlich möglich ist und Hilfe genau dann da ist, wenn wir denken jetzt ist alles aus. Mir selbst zu vergeben, auch dass es sogar aufgrund meiner Krankheit zur Trennung kam, das war und ist auch noch ein wichtiger Baustein.
Letzendlich geht der Prozess immer weiter, ich lerne immer noch Neues über mich. Lerne es gerne mit mir alleine zu sein. Habe den Kontakt zu allen Freunden wieder aufgenommen und genieße neue Begegnungen. Ich kann mich selbst liebevoller betrachten.

Das war jetzt doch sehr ausführlich, aber ich denke es gibt sicher Parallelen zu euren Erlebnissen, oder? Wenn ihr noch mehr erfahren wollt oder sonst Hilfe braucht, dann meldet euch sehr gerne!

Alles Liebe,
Helene
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