Frage - PPD in Wellen?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

Moderator: Moderatoren

Antworten
Mimimi
power user
Beiträge: 132
Registriert: 14:12:2019 17:10

Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Mimimi » 25:01:2020 20:58

Hallo ihr Lieben

Bin zum Glück wieder raus aus dem schrecklich Tief. Meine Ängste sind um einiges weniger und meine Stimmung insgesamt viel besser. Das Tief war genau während meiner Periode.

Naja ich habe jetzt aber etwas was mich beschäftigt.
Ich hatte ja letzte Woche ein Gespräch mit einer psychiatrischen Krankenschwester. Sie hat mich (unter Anderem) gefragt ob die negativen Gefühle und Ängste in Wellen auftreten. Oder ob es sogar am Tag schwankt wie ich mich fühle.
Ich sagte ja. Ich fühle mich abends meistens besser als morgens / mittags. Fühle mich schlimmer wenn ich alleine bin. Und die Tiefs kommen definitiv in "Wellen" bei Hormonschwankungen.

Daraufhin kam die Antwort "that sounds a bit concerning to me" also übersetzt : es mache ihr etwas "Sorgen" dass es wellenartig auf und ab geht.
Jetzt habe ich aber von fast allen hier gehört dass es bei euch auch so ist / war.
Sie hat mir dann einen Termin beim Psychater gemacht. Nãchsten Donnerstag. Je nãher der Termin rückt desto nervöser werde ich. Was wenn er irgendwas diagnostiziert. Also etwas "schlimmeres".

Diese Frau hat mir Angst genacht mit diesem blöden Kommentar.

Was meint ihr?
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 459
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Kikke » 25:01:2020 22:44

Also bei mir war es auch so: extreme Schwankungen innerhalb eines Tages und auch in gesamten Verlauf.

Klingt für mich nicht ungewöhnlich.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Mel
power user
Beiträge: 247
Registriert: 25:11:2018 13:07

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Mel » 26:01:2020 0:53

Mach dir bitte keine Sorgen! Eine PPD verläuft immer in Wellen, das ist gar nicht besonders Besorgniserregendes. Manchmal sind die Fachleute einfach ungeschickt. Auch, dass es im Laufe des Tages starke Schwankungen geben kann, ist normal.
Ich drück dir ganz fest die Daumen für das Psychiater-Gespräch.
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen

Mimimi
power user
Beiträge: 132
Registriert: 14:12:2019 17:10

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Mimimi » 26:01:2020 1:07

Danke euch

Noch etwas
Mir ist gerade aufgefallen ich habe heite morgen blöderweise vergessen mein AD tu nehmen.
Meint ihr ich soll es jetzt noch nehmen? Oder einfach morgen normal weitermachen
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 459
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Kikke » 26:01:2020 3:13

Da kenne ich mich nicht so aus. Würde aber sagen, dass ja ein gewisser Spiegel da ist und es einfach morgen früh zur gewohnten Zeit nehmen.
Ich hoffe, das hilft dir akut
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 8260
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Marika » 26:01:2020 11:56

So, es macht ihr Sorgen, dass die PPD in Wellen verläuft? Wie kann man nur so eine unqualifizierte Aussage machen... Es tut mir leid, aber … kennen sich die Damen schon aus? Ist es so eine Art Selbsthilfegruppe für PPD? Wenn ja - bin ich sprachlos dass man das als "Besorgnis erregend" einstuft.

Es ist typisch für eine PPD dass sie in Wellen verläuft. Sogar am Tag schwankt es meist extrem. Am Morgen ist es meist am schlechtesten, wegen dem über Nacht verstoffwechselten Serotonin - dieser Wert ist Morgens am niedrigsten und das ist für uns fatal. Wurde mir alles von meinem Psychiater erklärt und kann man überall nachlesen. Bin ziemlich entsetz, dass du da so einen Schmarren gesagt bekommst. :roll: :roll: :roll:
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Mimimi
power user
Beiträge: 132
Registriert: 14:12:2019 17:10

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Mimimi » 26:01:2020 12:16

Es war eine "Krankenschwester" auf einer Mutter-Kind-Station.

Ich habe ein paar Fragebögen ausgefüllt, war aber zu dem Zeitpunkt in einem schlimmen Tief, dementsprechend waren die Antworten alle eher negativ. Das mit den Wellen hat sie auch nicht begründet.
Naja, der Psychiater wird hoffentlich mehr Ahnung haben.

Danke euch
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

Sanna
power user
Beiträge: 922
Registriert: 17:03:2013 14:36
Wohnort: Ruhrgebiet, NRW

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Sanna » 02:02:2020 21:37

Boah, das regt mich so auf, dass eine "Fachfrau" so eine ... redet. (Tschuldigung)

Ja, eine PPD verläuft in Wellen. So gut wie immer. Es ist normal, dass es zwei Schritte vor und dann wieder einen zurück geht. Das ging uns allen so und das ist ein völlig normaler Verlauf.

Lass dir nix erzählen. Leider ist es immer noch so, dass sg. Fachleute nicht immer Bescheid wissen. Mir hat man mal gesagt, dass es mir besser gehen würde, wenn ich mein Kind mal öfter wickeln würde. Eine andere Ärztin hat mir geraten Wermuthtee zu trinken, das würde die Seele zusammen halten. Alles Schwachsinn. Und beides waren Therapeuten in einer psychiatrischen Klinik.

Allerdings hatte ich IMMER das Gefühl, dass ich mich auf die Aussagen hier im Forum verlassen kann. Viele von uns sind Experten ihrer eigenen Erkrankung geworden. Und wem soll ich glauben, wenn nicht denen, die es durchgemacht haben.

Und wir sind uns alle hier einig, dass eine PPD in Wellen verläuft. :wink:

Liebste Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Benutzeravatar
Kikke
power user
Beiträge: 459
Registriert: 03:04:2019 19:02

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Kikke » 03:02:2020 10:29

Dem kann man nur zustimmen. Bei mir war es ganz genau so. Ich hoffe, es hilft dir, den Gedanken daran loszuwerden.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Celeste
power user
Beiträge: 172
Registriert: 11:10:2019 10:14

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Celeste » 03:02:2020 11:04

Hallo Mimi, wie du weisst, musste ich ja leider auch die Erfahrung machen, dass sooo viel Unwissenheit bzgl. unserer Krankheit herrscht. Die eine Ärztin, die eigentlich mal die Mutter-Kind-Sation mitbetreut hat, konnte sich gar nicht erklären, warum es mir mal schlecht und mal gut geht.

Ich glaube, wir müssen da irgendwie mehr in sie Offensive gehen. Ich habe auch schon überlegt, dieser Ärztin eine Email zu schreiben, weil die Sitzung bei ihr mich derart traumatisiert hat, dass ich ständig daran denken muss. Ich, als Ärztin, hätte schon lange hier im Forum „durchgeblättert“ um einfach mehr von dieser Krankheit zu verstehen. Vielen Ärzten ist Schatten und Licht nämlich sehr wohl ein Begriff.
Mich macht diese Unwissenheit der Ärzte so so wütend.
Meine jetzige Ärztin ist zwar wirklich ein Goldstück, aber die erste Aussage von ihr war:,, Nehmen sie Citalopram und in 3-4 Wochen sind Sie wieder hergestellt!“ Ich habe das natürlich geglaubt und der Schock saß tief, als es eben nicht so war. Sie arbeitet noch nicht so lange auf der Mu-Ki Station. Aber da frage ich mich:,, Wollen die Ärzte sich diesbezüglich nicht weiter,bilder‘ oder was ist da los? Ich meine, hier liest man zu 95%, dass die Genesung sehr lange dauern kann. Das es mal gute und mal schlechtere Zeiten gibt. Ich versteh das nicht. Ganz ehrlich.
Und wenn es einem dann sowieso schon sch..... geht, muss man sich zusätzlich noch mit so viel Unwissenheit rumschlagen.

Würdet ihr diese Email an sie schreiben? Oder einfach sein lassen? @kikke du hattest mal in die Runde gefragt, wie man sowas in die Öffentlichkeit bringen könnte. Ja, das ist zwar ein guter Ansatz, das erreicht aber nicht die Ärzte oder Pflegepersonal die mit PPD‘s zu tun haben. Man müsste direkt auf sie zugehen. Weiß nur nicht wie.
Mensch, ich die PPD so verbreitet, wie kann das sein, dass viele, aufgrund dieser Unwissenheit, auch falsch behandelt werden.
Habe auch schon gelesen, dass man zu hören bekommen hat, man solle sich zusammenreißen, oder ,das geht schon von alleine weg‘! Das darf doch nicht sein.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg und 2,5mg Olanzapin, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

Mel
power user
Beiträge: 247
Registriert: 25:11:2018 13:07

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Mel » 03:02:2020 12:16

Liebe Celeste,
ich möchte dich bestärken, ihr eine Mail zu schreiben.Zum Einen, um ihr zu spiegeln, wie ihre Aussagen auf dich gewirkt haben (da müsste sie ggf. einfach mal an ihrer Professionalität/Sensibilität arbeiten), zum Anderen, um Aufklärungsarbeit über die PPD zu leisten, denn tatsächlich ist es häufig so, dass nur die Betroffenen genau nachvollziehen können, wie sich so etwas anfühlt.
Auch ich habe drei Anläufe gebraucht, um eine kompetente Ärztin zu finden, die genau weiß, worum es geht, und dass nicht nach drei Wochen alles supi ist.
Mein Plan ist auch, mich für diese Thematik mehr zu engagieren und könnte mir gut vorstellen auch beruflich irgendwann in diese Richtung zu gehen, da ich ja auch aus dem pädagogisch-Therapeutischen Bereich komme.
Alles Liebe von mir
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen

Mimimi
power user
Beiträge: 132
Registriert: 14:12:2019 17:10

Re: Frage - PPD in Wellen?

Beitrag von Mimimi » 04:02:2020 23:43

Hallo ihr Lieben

Danke für eure Antworten!

Ja die Unwissenheit buw rücksichtslosen Aussagen schockieren mich auch jedes mal! Ich war noch nie jemand der allen Ärzten blind vertraut. Ich hole mir fast immer eine zweite Meinung oder "bilde" mich selber über das jeweilige Problem weiter.
Die Aussage war echt blöd.
Ich habe wärend meiner schlimmen Depression Sachen gehört wie "ziehen sie sich bunter an, das hebt die Stimmung" usw. .
Das mag ja alles helfen im Alltag wenn man GESUND ist, aber on einer schweren Depri + Angst wohl kaum.

Aber wie ihr schon gesagt habt... die einzigen Experten sind Betroffene bzw ehemalige Betroffene und deshalb war ich auch von Anfang an überzeugt dass ich mich mit anderen Mamas austauschen muss um echte Hilfe zu bekommen.

Also Danke an euch!

Kleines Update von mir :
Mir geht es seit etwa 2,5 Wochen ganz gut. Ich habe manchmal depri Gedanken die dann einfach aufblitzen (eher Erinnerungen an das schlimme Tief) und manchmal so kleine Schauder, also so Anflüge von Angstgefühlen die aber schnell wieder verschwinden, ganz komisch. Habe aber auch Momente wo ich garnicht an die Krankheit denke und mich wirklich "normal" fühle. Meine Psychaterin sagte ich könnte trotzdem mein Citalopram auf 3ümg erhöhen um eventuelle Tiefs besser zu überstehen und halt noch "den letzten Rest" zur Gesundheit in den guten Phasen zu haben.

Ich warte noch etwas ab. Wenn das nächste Tief (was hoffentlich nicht mehr vorkommt lol) wieder so schlimm wird erhöhe ich vielleicht doch. Ansonsten warte ich mal ab.
Sie hat mir auch zu einer Therapie geraten (wegen der schweren Zeit und den gesundheitlichen Problemen meiner Kleinen).

Also es geht voran. Habe auch ein Platz in einer Baby-Massage- Gruppe speziell für PPD Mamis. Schaue mir das mal an. Weiß nicht ob es was für mich ist, aber werde es aif jeden Fall probieren.

Ansonsten... ich wünsche euch allen eine schnelle Genesung!!!

Alles Liebe

Miriam
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

Antworten