Enttäuschung, Wut und Trauer von der Seele schreiben

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Celeste
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Enttäuschung, Wut und Trauer von der Seele schreiben

Beitrag von Celeste » 21:05:2020 9:53

Guten Morgen an alle Mamis,

ich muss mir mal mein Befinden von der Seele schreiben.
Ich bin enttäuscht. Enttäuscht, wütend und sehr traurig.

Meine guten Tage halten nie länger als 1 Woche an. Dann geht es, immer und immer wieder, bergab.
Warum? Wellen hin oder her, .. sollten die guten Tage nicht langsam häufiger werden?
Immer 1 Woche vor der Menstruation geht es ins Tief und dauert 7-10 Tage nach der Periode an. Sodass ich immer in Erwartung eines weiteren Einsturzes bin.

Mönchspfeffer ist also nicht meine Lösung. Wobei ich dazu sagen muss, dass es keine richtig heftigen Abstürze mehr gab ( nicht aufstehen können ), seit ich es nehme. Aber es ist immer ein ,kurz davor‘.

Mittlerweile, auch wenn ich es eigentlich weiss, fällt es mir schwer zu glauben, dass es die Hormone sind. Immer mehr und immer häufiger kommt mir der Gedanke, im Kopf einfach ,kaputt‘ zu sein - nicht heilbar. Es fühlt sich schrecklich an. Und wenn man sich schrecklich fühlt und den Alltag meistern muss, kommt dann die Überforderung.

,,Ich schaff‘s nicht mehr‘‘, .. das denke ich dann oft. Ich überlege mir, wie ich die Tage überstehen soll, ohne verrückt zu werden.
Ich bin so wütend, dass nichts und keiner mir helfen kann.

Ich weiss, dass viele von euch schon viel länger ,drinhängen‘. Aber es klingt bei euch trotzdem immer nach einem ,ich grüble zwar, habe aber alles im Griff‘ an.

Ich habe nichts im Griff. Meine Ängste sind groß und beziehen sich auf alles: Wie kann ich jemals wieder in den Urlaub fahren, wie kann ich jemals wieder ,normal‘ fühlen, wie schaffe ich den nächsten Arzttermin. Einfach banale Dinge, die für alle selbstverständlich sind.

Mein Mann erinnert mich immer daran, dass es Parallelen gibt und mein Befinden immer die gleichen Zeitmuster/Zeitfenster hat. Aber diese Erkenntnis bringt mir nichts mehr, denn es kann trotzdem irgendwie niemand helfen. Ich bin, verdammt nochmal, sehr wütend!

So .. es musste einfach mal raus! Sorry 🙁

Eure Celeste
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

Mel
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Re: Enttäuschung, Wut und Trauer von der Seele schreiben

Beitrag von Mel » 21:05:2020 13:34

Meine liebe Celeste,
erstmal möchte ich dir sagen, dass du ein ganz lieber und warmherziger Mensch bist und du nicht verdient hast, dass es dir schlecht geht!!
Wir haben schon oft darüber gesprochen, dass die Hormone ein ganz wichtiger Faktor sind, aber eben nicht nur die Hormone, so ist meine feste Überzeugung...Auch ich kenne diese zyklusbedingten starken Schwankungen nur zu gut, wie du weißt, aber ich denke dass der entscheidende Faktor die Zeit und die richtigen Medis sind, sowie unterstützend eine passende Form von Therapie, um unseren Hirnstoffwechsel wieder „in Ordnung“ zu bringen. An allem bist du dran, du bist ja in Behandlung, und das ist das entscheidende- da hast du gut für dich gesorgt und schon ganz viel richtig gemacht!
Und dein Gehirn ist nicht kaputt, du hast einfach eine schwere Erkrankung, die heilbar ist. Auch nach einer längeren Zeit!!
Die Corona-Krise trägt sicherlich einen Teil dazu bei, dass wir alle wieder ein bisschen heftiger mit unseren Symptomen zu kämpfen haben. Du hast aber die Kraft, weiterzumachen, auch wenn es sich nicht so anfühlt!

Sei lieb gedrückt.
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen

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