Mal wieder im Tief.....

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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6packannie
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Mal wieder im Tief.....

Beitrag von 6packannie »

Hey!

Vielleicht könnt ihr mal wieder etwas Aufbauarbeit leisten...
Nachdem ich nun wieder angefangen habe zu arbeiten und wieder mal ein paar gute Tage/ Wochen hatte, bin ich nun wieder im Tief und fühle mich so verzweifelt.
Habe den Eindruck, dass es auch oft Zyklusabhängig ist. Hatte ja auch leider bis Juni ein Jahr lang die Hormonspirale drin - war glaub ich nicht gerade zuträglich.. bzw. kann es sein, dass der Hormonhaushalt 1 1/2 Jahre nach Geburt und ein halbes Jahr nach ziehen der Spirale immer noch verrückt spielt?
Habe zudem Hashimoto.
Kennt das jmd?
Habe Angstzustände, Angst vor der Angst, Übelkeit, Schlafprobleme... etc.

Die Ärzte nehmen einen da teilweise auch nicht richtig ernst, finde ich, wenn sie in den Blutwerten nichts relevantes entdecken können. Vitamin-D und Eisen war bei mir auch schon wieder niedrig - versuche das jetzt tgl zu substituieren.

Gehe nach wie vor zur tiefenpsychologischen Therapie und nehme Citalopram 30mg.

Habt ihr noch Tipps, Ratschläge und/oder beruhigende Worte für mich???!

Liebe Grüße,
Annie aus Hamburg
2014 Geburt des 1. Kindes (2016 dann 6 Monate schlechte Phase mit Therapie und AD)

2019 Geburt des 2. Kindes seitdem PPD bzw Postpartale Angsstörung

Aktuell: Citalopram 20 mg und L-Thyroxin 75 morgens
6packannie
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Re: Mal wieder im Tief.....

Beitrag von 6packannie »

Hey! Würde mich über Antworten freuen!
2014 Geburt des 1. Kindes (2016 dann 6 Monate schlechte Phase mit Therapie und AD)

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Mel
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Re: Mal wieder im Tief.....

Beitrag von Mel »

Hallo liebe Annie,
ich kenne alle deine Symptome nur zu gut. Ja klar kann die Symptomatik nach 1,5 Jahren noch bestehen. Hashimoto ist ja oft ein zusätzlicher Auslöser für das hormonelle und somit seelische Ungleichgewicht. Ist denn deine Medikation gut und ausreichend, also bist du im guten Kontakt mit deinem/r Psychiater/in?
Ich kann dir nur sagen, das es bei mir zwei Jahre lang ganz schrecklich war, und es erst dann mit dem richtigen Medikament langsam aufwärts ging. Gesund bin ich nicht und ich habe auch noch viele Baustellen, ich taste mich auch gerade erst erneut an die Arbeit heran, aber im Großen und ganzen sind viele Symptome weg, wie zB. die starke Angst mit Übelkeit und Durchfall, die quälenden Grübelschleifen etc. Leider braucht man extrem viel Geduld und Durchhaltevermögen. Das hört sich ganz ganz schwierig an, wenn man gerade im Tief ist, das wissen wir nahezu alle. Auch die Hormonschwankungen während des Zyklus spürt man häufig noch eine sehr lange Zeit.
Aber es bleibt nicht für immer so.
Wie ist es denn so für dich, zu arbeiten? Ist das eher förderlich für die Genesung oder kontraproduktiv?
Ich wünsche dir weiterhin gute Fortschritte- auch wenn es sich nicht so anfühlt, sie werden kommen.
Alles Liebe
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Sertralin,
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen
6packannie
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Re: Mal wieder im Tief.....

Beitrag von 6packannie »

Hallo liebe Mel,

dank Dir für Deine ausführliche Antwort.
Eigentlich denke ich, dass ich rundherum gut „betreut“ bin.
Habe eine Psychiaterin, einen Endokrinologen und meine Psychotherapeutin... ich nehme im Moment Citalopram 30mg und L-Thyroxin 75 - laut den Ärzten, bin ich gut eingestellt.

Die Arbeit tut mir eigentlich ganz gut - ich komme mal raus und auf andere Gedanken!

Ja, man muss wahrscheinlich einfach Geduldig und etwas nachsichtig mit sich selbst sein.

Meinst Du, am Ende macht auch einfach die Zeit die Besserung?!


Liebe Grüße 💕
2014 Geburt des 1. Kindes (2016 dann 6 Monate schlechte Phase mit Therapie und AD)

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Mel
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Re: Mal wieder im Tief.....

Beitrag von Mel »

Guten Abend :-)
das klingt eigentlich alles sehr gut, was du da beschreibst.
Ja, ich denke, die Zeit ist ein sehr wichtiger Faktor.
Meist fällt uns ja nur im Nachhinein auf, was in letzter Zeit besser geworden ist.
Wenn dann wieder schwierigere Tage kommen, fallt mir auf, dass ich diese noch vor einem Jahr andauernd hatte.
Das wird sicherlich bei dir auch so.
Liebe Grüße
Mel
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Marika
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Re: Mal wieder im Tief.....

Beitrag von Marika »

Hallo ihr Lieben!

Meine Erfahrung - und die vieler Frauen hier - ist, dass die Hormone bzw. der ganz normale weibliche Zyklus gravierenden Einfluss auf die Erkrankung haben. Die Hormonveränderungen während des Zyklus reichen völlig aus, um ein Tief zu begünstigen oder es zu verstärken, auch wenn die Geburt usw. .. schon ganz lange zurück liegen. Bei mir ist die PPD 15 Jahre her und ich bin völlig stabil, aber immer Mitte Zyklus merke ich Veränderungen der Stimmung. Heute ist das in ganz normalen Bahnen und endet nicht mehr in Tiefs, aber in den ersten 2-3 Jahren nach der Geburt habe ich Mitte Monat immer extrem gelitten. Die Symptome der PPD kamen da sehr stark oft wieder zum Vorschein, oder lösten sogar ein wochenlanges Tief aus. Der Zeitpunkt Mitte Zyklus - also um den Eisprung herum - oder Ende Zyklus kurz vor der Periode sind Zeiten mit starken Hormonschwankungen und diese können sich sehr negativ bemerkbar machen.

PMS ist ja auch ein Begriff, den man kennt: prämenstruelles Syndrom. Also Stimmungstiefs in diesen 2 Zyklusphasen. In oder nach einer PPD kann dieses sehr stark ausgeprägt sein. Viele Betroffen berichten auch, dass dieses sie nach überstandener PPD noch länger begleitet hat. So wie auch mich. Aber wie gesagt - es ist heute fast nicht mehr spürbar.

Wir Frauen sind ein Leben lang starken hormonellen Veränderungen unterworfen. Pubertät, Schwangerschaft und Geburt, Wechseljahre... Ich würde sogar sagen, dass unser Leben extrem durch div. Hormonveränderungen geprägt wird. Was ich aber auch sagen kann: es wird immer besser, das Pendel schlägt immer weniger stark aus. Und da spielt der Zeitfaktor uns tatsächlich in die Hände.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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