Wieder Angst

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Nic
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Wieder Angst

Beitrag von Nic »

Hallo ,
Ich bin seit Wochen wieder tief in der Angst drin. Meine Kinder sind erwachsen, aber gerade hat mich die Angst wieder voll im Griff.
Nehme seit einem Jahr Venlafaxin 110 mg und als Notfallmedikament Tavor.

Eine Freundin von mir , die auch lange unter Ängsten litt sagt immer wieder „Du musst das Kommando übernehmen“, sei stärker als die Angst, lass Dich nicht unterkriegen und und und. Das fühlt sich für mich soooooo angstrengend an.

Dann lese ich wieder von „der Angst annehmen“ sie ist ein Teil von mir und ich muss sie durchleben und annehmen nur dann kann sie gehen (Robert Betz)

Aber wie um Himmels Willen kann man denn die Angst annehmen lernen? Sie macht mich fix und alle und kostet mich eine Höllenenergie.

Sind es wirklich die Gedanken, die eine PA entstehen lassen? Außerdem hab ich gerade keine PA mehr, sondern den ganzen Tag so ein diffuses komisches ungutes Gefühl. So ätzend.

Freue mich auf Antwort.
Nicole
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Marika
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Re: Wieder Angst

Beitrag von Marika »

Hallo Nicole!

Ich sehe gerade, dass noch keine Antworten eingegangen sind. Und ich weiß auch nicht so recht, was ich schreiben soll, da ich weiß dass ein Hochdosieren deines ADs für dich nicht in Frage kommt wegen Nebenwirkungen... wenn ich mich recht erinnere.

Ich schreibe einfach von mir: mein Hauptsymptom könnte ich wohl noch 100 Jahre versuchen anzunehmen und zu durchleben, ich würde sie - die ZG in meinem Fall - nie ganz und dauerhaft weg bekommen. Ohne mein AD wäre ich nie da wo ich jetzt bin, die lange Therapie hat ebenfalls sehe geholfen dass ich heute null Symptome und nur eine Mini Erhaltungsdosis brauche. Davor brauchte es aber eine lange Zeit eine sehr hohe Dosis. Eine Reduzierung hat bei mir zur Folge, dass ich instabiler werde und die ZG durchkommen. Nicht mehr so wie am Anfang, aber sie schränken meine Lebensqualität ein. Was ich damit sagen will ist, dass ich der Meinung bin, dass ganz oft ein ewig an sich arbeiten zwar hilft, aber nicht so dass man "normal leben" kann. Das Annehmen, durchleben usw. ist alles richtig und gut, aber für viele Menschen mit psych. Erkrankungen zu wenig.

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass 110 mg wahrscheinlich zu wenig sind. Aber ich weiß auch, dass du da nichts ändern willst aus besagten Gründen. Daher kann ich dir mit meinem Post wohl nicht wirklich helfen, wollte dir aber trotzdem schreiben.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
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Marika
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Re: Wieder Angst

Beitrag von Marika »

PS. Was Panikattacken auslöst, ist sehr vielschichtig. Man kann sicher nicht sagen, dass es nur die eigenen Gedanken sind, das wäre zu einfach. Da muss schon mehr sein. Z.b. ein chronisch erhöhtes Level an Stresshormonen im Blut, ein chemisches Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Wenn es so einfach wäre, dass es "nur" an den Gedanken liegt, dann müsste es ja ein leichtes sein, das zu therapieren. Da aber eben unsere Gedanken sehr stark vom chemischen Gefüge in unserem ganzen Körper abhängig sind, ist es meiner Meinung nach logisch dass therapeutische Maßnahmen auch an ihre Grenzen stoßen.

Der Mensch glaubt, er sei für alle seine Gedanken alleine verantwortlich... das ist ein Irrtum, zu einem sehr großen Teil sind unsere Gedanken, Empfindungen uns sogar Entscheidungen ein Ergebnis unseres chemischen Gefüges. So ist der Stand aktueller Forschungen.

Man weiß ja z.b. auch dass Gehirnverlerzungen zu einer drastischen Persönlichkeitsänderung führen kann. Man sieht also dass chemische und auch mechanische Einwirkungen auf das Gehirn so ziemlich alles umkrempeln kann.
Liebe Grüße von
Marika

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Nic
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Re: Wieder Angst

Beitrag von Nic »

Liebe Marika,

Vielen Dank für Deine Antwort, ich fühle mich genau bestätigt, in dem was Du schreibst.
Man kann einfach nicht „richtig“ denken wenn der Gehirnstoffwechsel nicht in Ordnung ist. Das merke ich ja selbst.

ABER: irgendwie habe ich mit dem Venlafaxin nicht so ein gutes Gefühl. Mein Hausarzt hat es mir verschrieben. Von damals Cipralex auf Venlafaxin.

Anfang September habe ich nun einen Termin bei einem Facharzt. Einem Neurologen, da fühle ich mich einfach besser aufgehoben und er wird auch mehr Erfahrung haben als ein Hausarzt.

Wobei ich auch sagen muss, dass mich weder Cipralex in 10 mg oder auch 20 mg NiE angstfrei gemacht haben. Ein SSRI erhöht ja auch nicht wirklich den Serotoningehalt im Gehirn, sondern hält ihn nur auf dem Level auf dem er zur Zeit ist.
Ich habe mein Serotonin ja messen lassen, der Wert liegt bei 50. Normal ist 120-400. Ich versuche alles, um diesen Wert auf natürliche Art und Weise zu erhöhen. Aber das ist schwierig.

LG Nicole
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Marika
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Re: Wieder Angst

Beitrag von Marika »

Hallo Nicole,

Also mir wurde es so erklärt, dass ein AD die Botenstoffe tatsächlich festhält damit sie nicht so schnell verstoffwechselt werden. Bei Cipralex ist das nur das Serotonin, bei Venlafaxin das Serotonin und das Noradrenlin. Somit erhöht sich die Konzentration der jeweiligen Botenstoffe im Synaptischen Spalt und darauf kommt es an. Es findet also definiert eine Erhöhung an Ort und Stelle wo es gebraucht wird, statt.

Sehr gut, dass du bald einen Termin bei einem Facharzt hast....👍👍👍
Liebe Grüße von
Marika

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Nici
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Re: Wieder Angst

Beitrag von Nici »

Hallo Nicole,

gut, dass du bald einen Termin bei einem Facharzt hast.
Ich denke es wird Zeit nach so langer Zeit.

Bei mir ist es so, dass ich mindestens ein Jahr eine Dosis von mind. 15 mg Escitalopram nehmen musste um langsam angstfrei zu werden.
Eine Erhöhung oder Reduzierung endet bei mir wieder in der Angst. Hab gesehen, dass du auch vor kurzem erhöht hast.
Nici

15mg Escitalopram
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