Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Nessi90
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Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Beitrag von Nessi90 » 04:05:2018 20:56

Hallo zusammen!
Ich muss nochmal was loswerden bzw würde ich gerne wissen wie ihr darüber denkt.
Theoretisch weiß ich dass man seine Zwangsgedanken nicht ausführt. Vl kennen einige von euch schon mein Problem mit der Angst schlimme Gedanken auszusprechen. Ist das denn das gleiche wie wenn man jetzt zum beispiel denkt dass man jemanden umbringt? Ich denke mir halt immer dass es ja viel leichter passieren kann was zu sagen auch wenn ich es auf keinen Fall. Die angst ist so groß dass der gedanke einfach schon so oft in meinem Kopf war dass mir das einfach rausrutscht und das wäre schrecklich für mich. Gibt es noch jemanden der so ein problem hat. Es fühlt sich mit jedem mal das ich darüber nachdenke immer realer und das macht mich so fertig.
Würde mich über antworten freuen

sapsap

Re: Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Beitrag von sapsap » 05:05:2018 13:07

hallo du liebe,

ja, es ist das gleiche. wenn du drüber nachdenkst, welche "gedankenstruktur" hatten zB deine aggressiven gedanken? du wirst merken, dass es quasi die gleiche war. jetzt hast du angst, du könntest für dich schlimme gedanken aussprechen und damit einem ungewollten inneren impuls folgen. bei aggressiven gedanken ist es das gleiche: du hast angst, jemanden zu verletzen / töten, was auch immer, und damit einem ungewollten inneren impuls zu folgen. das denkmuster ist also dasselbe, nur die jeweiligen zwangsgedanken unterscheiden sich. du hast ja auch bereits am eigenen leib feststellen müssen, dass der zwang sich nicht immer die gleiche schwachstelle sucht, sondern von zeit zu zeit wechseln kann. schau bei mir zB. am anfang hatte ich "nur" aggressive gedanken. dann kamen sexuelle dazu und mittlerweile auch das, was du beschreibst. die angst, dinge auszusprechen, die man nicht aussprechen will.
es gibt enorm viele arten von zwang. manche menschen sind zB zwanghaft von dem gedanken besessen, entstellt im gesicht zu sein, obwohl dem nicht so ist. ein blick in den spiegel reicht doch eigentlich, um zu sehen, dass das nicht der fall ist, stimmts? für diese leute nicht. sie überlegen und überlegen, sehen sich immer wieder an. sind sie kurz beruhigt, weil "es ja nicht sein kann", fängt das denken kurz darauf wieder an und man ist sich nicht mehr sicher, ob man wirklich nicht entstellt ist. dieser gedanke wird also permanent durchgekaut. so ähnlich könnte man es auf deine situation beziehen.
es wird wieder. ♡

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Marika
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Re: Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Beitrag von Marika » 06:05:2018 9:57

Hallo ihr Beiden,

ja, es ist das selbe - nur eine andere Form sich zu äußern. Dahinter steckt das Schema des Zwangs. Ich hatte das in ganz leichter Form auch, aber bei mir konzentrierte es sich dann klar darauf, dass ich Angst hatte meinem Kind etwas an zu tun.

Also - keine Sorge - du sprichst diese Dinge NICHT aus.
Liebe Grüße von
Marika

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Nessi90
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Re: Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Beitrag von Nessi90 » 09:05:2018 17:50

Hallo!
Danke für eure Antworten! Irgendwie hab ich das Gefühl dass das alles nach dem Tief nicht wirklich besser wird. Die Unsicherheit und die Zweifel sind schon wieder so groß wie schon lange nicht mehr. Dabei war alles schon wieder so viel besser. Jetzt mach ich mir Gedanken ob die Medis vl nicht mehr so wirken wie sie sollten :(
Hört der ganze Schwachsinn denn nie auf??

Graureiherin
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Re: Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Beitrag von Graureiherin » 11:05:2018 13:53

Hallo Du,

ich vermute, dass Du die ZGs immer noch "auf Teufel komm raus" loswerden willst. Was man loswerden will bleibt allerdings lieber. Du solltest lernen mit den Gedanken umzugehen. Klar, kann man über die Medis nachdenken... aber mit den ZGs richtig zu arbeiten ist einfach sehr wichtig.

Nicht, dass Du mich falsch verstehst, ich weiß wie sehr Du leidest und man sieht kein Licht mehr, spürt keine Hoffnung. Aber man kann ZGs therapieren, die Gedanken können immer wieder auftauchen, aber die Bewertung und der gelernte Umgang damit sind entscheidend.

Mit herzlichen Grüßen und bleib dran, es wird besser werden! es war ja schon besser, gerade dann sind erneute Tiefs noch schwerer zu verkraften.

die Graureiherin
postpartale Zwangserkrankung 10/2012
Cipralex bis 2014
Rückschlag 2015, wieder Escitalopram bis 15mg
langsame Reduzierung auf 5 mg Escitalopram seit Juli 2017
Verhaltenstherapie beendet seit September 2017

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Marika
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Re: Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Beitrag von Marika » 11:05:2018 18:11

Hallo - ich nochmal!

Wie Graureiherin schreibt: Zwänge und ZG bedürfen extrem viel Arbeit an und mit sich selber in der Therapie. Die Erfolge kommen langsam - dazwischen immer wieder Tiefs. Das darfst du nicht vergessen.

Natürlich kannst du wenn du das Gefühl hast, das AD wirke evlt. zu schwacht, mit deinem Arzt sprechen, ob eine Erhöhung möglich ist bzw. Sinn macht. Wichtig ist aber, dass du dein Gesund werden nicht alleine dem AD umhängst - das ist "nur" die halbe Miete!
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Führt man seine ZG wirklich nicht aus?

Beitrag von Nessi90 » 13:05:2018 18:48

Hallo ich danke euch allen für die Antworten!
Ich versuche wirklich sehr viel an mir zu arbeiten. Auch meine Therapeutin sagt dass sie sehr stolz auf mich ist dass ich so viel raus gehe und übe. Was mich einfach nur so fertig macht ist, dass sich das alles so real anfühlt dass ich immer glaube sowas gesagt zu haben. Und irgendwie komm ich da jetzt schon seit 2 wochen nicht mehr so wirklich raus. Vl liegt es auch daran dass meine Mama gerade im Urlaub ist und sie mir immer sehr viel halt gibt und ich mit ihr super darüber reden kann. Ich habe einfach wieder so schreckliche angst dass mein leben nie mehr normal sein wird. Und fühle mich jedes mal so schuldig wenn ich wieder glaube was gesagt zu haben was ich doch auf keinen Fall möchte. Mein kopf findet 1000 gründe wie es passiert sein könnte.
Lg

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