An alle Zwängler

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von sternschnuppe_ » 20:06:2019 19:28

Ach Mensch, das tut mir leid.

Diese blöden und dummen ZG sind auch lästig. Dazu kommt noch das Gefühl alles unter Kontrolle haben zu müssen.
Dadurch prüft man immer wieder und das schnürt dann auch das Gefühl ab.
Deswegen fühlst du nur die Anspannung aus Angst.
Kenn ich von mir auch.

November17
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Re: An alle Zwängler

Beitrag von November17 » 21:06:2019 11:19

Hast du auch das Gefühl, dein Urteilsvermögen verloren zu haben?

Sprich einige Taten nicht verurteilen zu können, zu hinterfragen was richtig und was falsch ist?

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von sternschnuppe_ » 21:06:2019 11:25

Was meinst du damit genau?

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von November17 » 21:06:2019 14:46

Bspw. bin ich bei YouTube auf der Suche nach Videos zu OCD auf ein Video gestoßen was in der Art "Jung und pädophil. Sei kein Täter" hieß.

Dieser Titel beschäftigt mich nun und als ich das Video bei den Empfehlung sah, zog es sich mir im Magen wieder zusammen, aber ich hatte nicht dieses Gefühl "wie abscheulich. Das ist total abartig" sondern Urteilslos.

Ich fing eher wieder an zu grübeln...vor allem über dieses werde kein Täter. Sprich, haben die dann doch ein moralisches Empfinden, dass ihnen bewusst gemacht werden kann.

Dann geht mir so viel durch den Kopf aktuell...damals in der Tagesklinik wurde mir gesagt, dass es keine weiblichen Fälle gibt von Pädophilie. Aber dennoch hört man doch viel von Übergriffen seitens Müttern/Frauen.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von November17 » 21:06:2019 14:48

Bspw. bin ich bei YouTube auf der Suche nach Videos zu OCD auf ein Video gestoßen was in der Art "Jung und pädophil. Sei kein Täter" hieß.

Dieser Titel beschäftigt mich nun und als ich das Video bei den Empfehlung sah, zog es sich mir im Magen wieder zusammen, aber ich hatte nicht dieses Gefühl "wie abscheulich. Das ist total abartig" sondern Urteilslos.

Ich fing eher wieder an zu grübeln...vor allem über dieses werde kein Täter. Sprich, haben die dann doch ein moralisches Empfinden, dass ihnen bewusst gemacht werden kann.

Dann geht mir so viel durch den Kopf aktuell...damals in der Tagesklinik wurde mir gesagt, dass es keine weiblichen Fälle gibt von Pädophilie. Aber dennoch hört man doch viel von Übergriffen seitens Müttern/Frauen.

Im Moment kommen mir so seltsame Gedanken, dass es sich im ersten Moment wie gefallen anfühlt und in Sekunden ist es ein schlechtes Gefühl in der Art "wie kannst du so etwas denken".

Ich dachte im Urlaub wäre es positiver für mich, aber irgendwie habe ich das Gefühl nicht abschalten zu können. Viel Trubel und volles Haus.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von sternschnuppe_ » 21:06:2019 15:47

Das gemeine am Zwang ist ja, dass er sich so real anfühlt, dass man Angst hat, man könnte so etwas tun.

Ich glaube, dir geht es genau wie mir: Wir verfallen dann in diese Grübelei, sobald ein Gedanke auftaucht oder auftauchen könnte. Genau das hält den Zwang am Leben. Das ist eine mentale Zwangshandlung. Gerade die stärken den Zwang noch mehr und der Kreislauf beginnt von Neuen.

Die Angst wegen dem Video kann ich verstehen, die ist aber absolut unbegründet, weil du genau das Gegenteil von pädophil ist. Blöd, dass es in deiner Übersicht auftauchte. Sonst würde ich sagen, schau dir sowas gar nicht erst an, weil das zu noch mehr Unsicherheit führt. Ging mir letztens mal so mit einem Beitrag aus einem anderen Forum, der mich auch massiv verunsichert hat. Sowas sollten wir uns besser nicht antun. Deswegen finde ich auch dieses Forum hier am besten. Da findet man so "Pseudo-Wissen" oder komische Beiträge zum Glück nicht.

Was mich trotzdem noch verwirrt: Die Sache mit der Unsicherheit. Gerade die englischsprachigen Therapeuten weisen immer daraufhin, dass man Unsicherheit akzeptieren soll und sich sagen soll "Vielleicht, vielleicht auch nicht." Aber das finde ich so hart...Ich weiß auch nicht, das fühlt sich so an wie "Vielleicht tue ich sowas ja doch" und da läuten alle Alarmglocken, eben weil ich sowas NIE tun will. Es ist ein verflixter Teufelskreislauf.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von November17 » 21:06:2019 16:44

Ich habe auch nicht darauf geklickt sondern nur den Titel des Videos gesehen und das reichte mir schon.

Das selbe passiert mir auch mit der Werbung im Tv, die manchmal ausgestrahlt wird..."Liebe kennt keine Grenzen. Doch. Sei kein Täter". Als könne man an das Gewissen appelieren und dann steckt man sich in den selben Topf.

Wenn ich bedenke, dass es mich gerade im Urlaub "stört" besser gesagt nervt, wenn ich die Nichten meines Mannes in so HotPants laufen sehe...wohlgemerkt, dass die Mädels mittlerweile auch schon teilweise volljährig sind.

Dieses Vielleicht, vielleicht auch nicht kenne ich. Es entwickelt sich dann aber in den Gedanken "was wäre schon dabei wenn,..." und danach geht es mir wieder schlecht. Aber zu dieser Unsicherheit annehmen habe ich auch schon viel gelesen.

Es ist auch so zwiespältig: einerseits schaue ich meinen Sohn an und denke mir jetzt würde ich ihn umarmen oder knuddeln und im selben Moment schwabbt es über was mich so gesehen auf Distanz hält.
Ich kann es auch nicht ertragen wenn er weint, also wirklich jammernd weint. Ich könnte direkt mit weinen. Oder als er letztens bei meiner Tante einschlief im Haus und wir draußen saßen, habe ich immer gehorcht ob er sich meldet und ja nicht erschreckt im ungewohnten Zimmer.

Aber diese Fürsorge ist für mich kein Beweis. Manchmal empfinde ich es auch nicht als Fürsorge. Ich erkenne es nicht als solche sondern als selbstverständlich, als Aufgabe, Funktion.

Und wie du sagtest, ich erwarte in Situationen schon die Gedanken, die Gefahr. Ich bin vom Kopf her schon teilweise zu Hause, wenn der Urlaub vorbei ist und nicht permanent jemand um mich ist.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von sternschnuppe_ » 21:06:2019 18:05

Mhh ich glaube solche Werbung fällt einen dann wirklich vermehrt auf. Man ist ja schon sehr hellhörig in dieser Richtung.

Aber anhand des Themas mit den Hotpants merkst du vielleicht, dass du da wirklich sehr hohe moralische Ansprüche hast. Deswegen packt dich der Zwang auch genau dort :lol:
Es ist ja eigentlich nichts Schlimmes und du musst ja selbst trotzdem keine Hotpants tragen. Erinnert mich bisschen an die These von Ecker mit den sexuellen ZG, dass die eher gehemmte Zeitgenossen bekommen.

Na ja und wegen deinem Sohn, das wird wieder ein Problem mit dem Selbstwertgefühl sein. Du machst das doch echt super, das musst du schätzen lernen! Der Zwang trifft uns auch so hart, weil wir nicht viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein haben. Sonst würde man nicht jeden dummen, unwichtigen Gedanken hinterfragen. Wenns nur so einfach wäre.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von Marika » 22:06:2019 9:09

November, du solltest aufhören zu googeln... Du machst das was der Zwang dir diktiert: du versuchst ständig Gewissheit zu erlangen, mit dem "Erfolg" dass der Zwang nur mächtiger wird. Du musst bei der Angst ansetzen und lernen diese auszuhalten.

Meiner Meinung fällt dir das alles schwerer, weil du es ohne AD versuchst. Deine Therapie finde ich auch irgendwie nicht so ganz am Punkt... Das ist jetzt kein Vorwurf, bitte nicht falsch verstehen... Aber da wäre halt mehr drinnen...

Für gute Therapeuten bzgl. Zwänge: www.zwaenge.de
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von sternschnuppe_ » 22:06:2019 9:25

Ja, genauso wie Marika sehe ich das auch. Das ist auch wirklich gar kein Vorwurf, liebe November.

Mir scheint es, als wäre deine Therapeutin einfach nicht auf Zwänge spezialisiert und dadurch kommst du leider nicht weiter.
Man braucht eben mehr als eine Gesprächstherapie und gerade was die Angst angeht Expositionsübungen.
Es ist halt schade aber mit dem falschen Therapeuten verschwendet man Zeit, in der man schon wirklich was hätte lernen können und es einen auf längere Hinsicht schon besser gehen könnte.
Vielleicht überlegst du dir das wirklich nochmal bei der Website zu schauen, wo es spezialisierte Therapeuten gibt.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von November17 » 22:06:2019 21:24

Ihr Lieben,

Bzgl. der Therapie habe ich erst letztens meine Ziele definiert und Ende August die nächste Sitzung...sprich fast 2 Monate Pause.

Ich weiß nicht, wie der reguläre Ablauf bei euch in den Sitzungen war? Ich habe bisher 24 Sitzungen gehabt und hatte auch erwartet weiter zu sein als bisher.

Googeln tue ich aktuell eher nach Videos oder Artikeln zu ocd/Zwängen und erhoffe mir dadurch etwas Klarheit.

Ich merke aber, dass ich in vergangenen Vorfällen und Erinnerungen aus Medien und TV hängen bleibe.

Trotz Urlaub merke ich diese enorme Anspannung. Wir sind bei der Familie und u.a. mit meinen Eltern. Wirklich abschalten konnte ich keinen Tag und indirekt wird meine Erziehung immer untergraben. Man weiß alles besser, antwortet für mich zum Kind, gibt dem Kind süßes obwohl ich es ausdrücklich "verboten" habe. Und wenn ich dann nach dem x Mal auffordern lauter werde, kommt der Spruch ich sei aggressiv und übertreibe.

Ich weiß nicht, ob dies wieder zum Tief bzw zur Grübelei führte. Nach außen merkt es mir niemand an, aber innerlich sind die Gedanken, der Druck präsent.

Vorhin habe ich dem Kleinen Schokolade weggenommen, die man ihm wieder mal gab. Er fing natürlich elend an zu weinen und mir sammelten sich die Tränen in den Augen, dass ich den kleinen nahm und aufstehen musste, damit es keiner merkt.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von Kikke » 22:06:2019 21:32

Ich finde es frech, einem Kind in dem Alter gegen den Willen der Mutter Schokolade zu geben. Das möchte ich Mal kurz loswerden. Sowas macht man nicht. Das bringt sich in eine blöde Lage und ist ja auch nicht gerade gesund. Unmöglich.

Versuche selbstbewusster zu sein und nicht hinzuhören, wenn blöde Kommentare komme. Du entscheidest für dein Kind, was es isst. Und ich finde, du entscheidest völlig richtig!
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von November17 » 22:06:2019 21:47

Liebe Kikke,

danke für den Zuspruch.

Das schlimme ist, wenn es von den Eltern kommt.
Letztens hat mein Vater mich wieder mit seiner Ignoranz auf die Palme gebracht und von meiner Mutter kam nur der Spruch in der Art: jetzt würde sie ihm am liebsten eine scheuern, wenn sie könnte und nicht angewiesen auf ihn wäre.

Sprich meine Eltern passen auf ihn auf, wenn ich arbeiten gehe oder Therapie habe etc. Und das schlimme ist...ja ich bin angewiesen auf sie und verkneife mir oft Sachen oder bekomme Schuldgefühle wenn ich was sage.

Das zeigt irgendwo auch, dass es anscheinend undankbar sei von mir etwas gegen meine Eltern zu sagen, obwohl sie sich so viel kümmern.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von sternschnuppe_ » 22:06:2019 22:23

Mhh... also deine Eltern scheinen auch nicht gerade einfach zu sein. Das mit der Schokolade finde ich auch doof, du legst das doch fest und darauf sollten sie eingehen können.

Vielleicht würde dir ein wenig Distanz zu ihnen gut tun?
Aber sicherlich schwierig umzusetzen... Du brauchst sie ja doch für den Kleinen aber wie sieht es denn z.B. mit den Schwiegereltern aus?

Macht ihr nochmal alleine Urlaub als Familie zu dritt?
So wie du die Eltern beschreibst, hab ich das Gefühl, es täte dir besser, dich ein wenig "abzunabeln".

Ich kenne es übrigens auch gut, wenn man mal lauter wird, gleich als aggressiv hingestellt zu werden. Dabei kann man die Situationen an einer Hand abzählen. Wahrscheinlich rechnen die Leute nicht damit, dass man auch mal seinen Willen durchsetzen will, weil man sonst immer zu viel Rücksicht nimmt.

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Re: An alle Zwängler

Beitrag von November17 » 23:06:2019 1:38

Das Thema Abnabeln wurde auch schon einmal in einer Sitzung besprochen.

Es ist schwierig, da es einerseits im Alltag oft die Personen sind, die Zeit haben und Heim sind und zu denen ich dann ausweiche, um nicht alleine zu sein.

Schwiegereltern sind auch nicht gerade die beste Option. Sie wissen nicht einmal wie es mir wirklich geht. Das sind Typen, die einem auch nie wirklich zuhören und die Meinung vertreten, sobald das Kind meckert hat es bestimmt Hunger und muss etwas essen, egal ob es vor 5 Minuten zu Mittag gegessen hat. :roll: Schwiegermutter schenkt dem Kleinen bei jedem Treffen eine Tafel Schokolade, obwohl wir zig mal gesagt haben er soll keine essen.
Ich arbeite schon seit Oktober 2 fixe Tage die Woche und jedes Mal kommt die Frage, ob ich "heute" gearbeitet hätte egal an welchem Tag wir uns sehen.

Im Juli haben wir noch einmal Urlaub, wo es auch mal für 10 Tage ans Meer geht.

Vor allem muss ich zugeben, dass ich auch nicht den besten Draht zu meiner Mutter habe. Um genauer zu sein: wir hatten nie ein wirklich inniges Verhältnis. Oft kennt man ja, dass Mutter und Tochter oft reden und sich Sachen durchaus anvertrauen etc. Ich habe mich ihr eigentlich nie geöffnet, weil man nie das Gefühl hatte ernst genommen zu werden. Sie hat auch nie wirklich Interesse gezeigt, selbst heute ist sie sofort abgelenkt wenn ich auch was anfange zu erzählen von der Arbeit oder Freunden. Sie fährt mir in Gesellschaft über den Mund und antwortet für oder ergänzt mich.

Und Rücksichtnahme ist bei mir immer weit vorne gewesen. Nur niemanden kränken oder verletzen und die eigene Meinung oft für sich behalten.

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