Fühle mich so leer

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Julia
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Fühle mich so leer

Beitrag von Julia » 03:11:2018 12:21

Hallo ihr lieben!

Ich weiß nicht wo ich sonst schreiben oder meine Gedanken wiedergegeben soll, deshalb jetzt einfach hier im Forum.

Ich fühle mich gerade so unendlich leer. Kann mich kaum zu etwas aufraffen, schlafe nachts zwar aber wache trotzdem sooo müde auf. Das Gefühl hat sicherlich auch was mit dem Tod meiner Oma zu tun denn es ist schon auch Trauer dabei, aber nicht nur. Am liebsten würde ich den ganzen Tag nur dasitzen und „dumm“ schauen, aber das macht mich unzufrieden. Es ist ein Teufelskreis. Am Montag ist die Beerdigung meiner Großmutter, vielleicht gehts danach auch wieder besser aber im Moment fühl ich mich einfach verloren. Ich möchte diesen ganzen Mist hinter mir lassen und einfach wieder ein geregeltes, „normales“ leben führen in dem ich auch glücklich sein kann oder zumindest einfach zufrieden.... :( Was ist nur schief gelaufen?

Zudem mache ich mir selbst noch Druck, da ich eigentlich vor hatte im Februar wieder arbeiten zu gehen. Ich weiß nur nicht ob ich das packe. Außerdem weiß ich nicht wie offen ich mit meinem Chef sein kann, eigentlich haben wir ein gutes Verhältnis aber ich bin mir nicht sicher ob er mit meiner Situation was anfangen kann. Das beschäftigt mich schon die ganze Zeit und ich komme auf keinen grünen Zweig. Vermutlich muss ich es einfach versuchen, nur dann weiß ich es schaffe... hat von euch jemand Erfahrungen bzw. würde mich eure Meinung auch interessieren ob ich meinem Chef direkt von der PPD erzählen soll?

Tut mir leid wenn ich euch hier jetzt die Ohren vollheule... wusste eben nur nicht wohin mit diesen Gedanken...
Viele Grüße Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Norma
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Re: Fühle mich so leer

Beitrag von Norma » 06:11:2018 22:10

Hallo Julia,
Ich kenne deinen Zustand und kann dich nur zu gut verstehen. Ich frage mich auch oft wie mein leben so aus den Fugen geraten konnte und warum man nicht einfach schnipsen kann und alles ist wieder gut . Ich glaube der Tot deiner Oma verschlimmert deine Depression gerade gewaltig . Manche würden dir wahrscheinlich raten du solltest mit offenen Karten mit deinem Chef spielen , ich jedoch würde ihm nichts davon erzählen . Vielleicht tut dir die Arbeit ja sogar gut . Zumindest bringt sie dich auf andere Gedanken und zwinkt dich deinen Tag zu regeln.

Löwenmutter
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Re: Fühle mich so leer

Beitrag von Löwenmutter » 23:11:2018 20:52

Hallo Julia,
ich verstehe dich gut und hier ist doch genau der richtige Ort zum jammern. Bis Februar ist ja noch eine ganze Weile hin und es kann sich noch viel verbessern. Ich hatte gerade heute meinen ersten Arbeitstag und es war ganz toll. Ich halte es auch für möglich dass es dir gut tut. Was deinen chef betrifft so hat ja beides irgendwie einen Vorteil. Wenn du es nicht sagst, ist es auch nicht Thema und du wirst vielleicht mehr abgelenkt. Wenn du es sagst hast du den Vorteil dass du um Rücksicht bitten kannst wenn du einen schlechten Tag hast. Ich habe bei der Arbeit gesagt dass ich eine PPD habe\ hatte. Es war mir wichtig aber es geht mir ja auch schon wieder ziemlich konstant gut.
Ich wünsch dir alles gute!
1. Kind 2013 gesund und glücklich
2. Kind 2015 gesund und glücklich
3. Kind 2018 PPD
07/2018 3Wochen Mutter Kind Klinik
10/2018 VT + 15 mg escitalopram
04/2019 VT + 10 mg escitalopram
08/2019 VT abgeschlossen
08/2019 ohne Medikament
4. Kind

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Marika
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Re: Fühle mich so leer

Beitrag von Marika » 24:11:2018 10:31

Hallo du

Wollte dir auch noch antworten. Ich habe damals nichts gesagt, weil ich bei einer komplett neuen Stelle angefangen habe. Mir hat das sehr gut getan, ich wurde "normal" behandelt und diese Normalität hat mich super abgelenkt und war seeeeehr heilsam. Hätte ich meine Chefin schon lange gekannt, hätte ich es wahrscheinlich gesagt. Es hat beides vor und Nachteile... Mir hat das nichts sagen geholfen in die Normalität zurück zu finden.
Liebe Grüße von
Marika

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schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Julia
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Re: Fühle mich so leer

Beitrag von Julia » 13:12:2018 22:39

Hallo ihr lieben!

Tut mir leid, dass ich eine Weile nicht geschrieben habe. Es war einfach ständig was los, Kinder krank, ich krank und so haben wir uns die letzten Wochen schön abgewechselt. Jetzt geht es aber wieder bergauf!

Ich habe nun beschlossen ab Februar tatsächlich zu arbeiten und habe meinem Chef zumindest ansatzweise gesagt das ich nach der Geburt des 2. Kindes mit starker Erschöpfung zu tun hatte und dies einfach auch spät erkannt habe. Werde erstmal mit 6-8 Stunden pro Woche beginnen.

War heute wieder bei meiner Ärztin und ich werde nun auf 20mg Escitalopram erhöhen. Bisher war ich seit Mitte Oktober bei 15mg. Es geht mir aktuell zwar einigermaßen ok aber einfach noch nicht gut. Könnte zwar vermutlich jetzt eine Zeit lang so dahin leben aber das ich richtig Freude am Leben habe und auch mal zufrieden bin, das ist noch nicht der Fall. Außerdem traue ich oft dem “Frieden“ nicht. Habe schon öfter gedacht das es jetzt bergauf geht und letztlich kam wieder ein Tief...

Liebe Grüße Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
07/2019 Opipram 50mg abends
10/2019 stationärer Aufenthalt 7 Wochen > Escitalopram 10mg

Löwenmutter
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Re: Fühle mich so leer

Beitrag von Löwenmutter » 15:12:2018 20:10

Hallo Julia,
Ihr armen... aber in den Wintermonaten bleibt ja kaum einer verschont. Gut, dass ihr es jetzt erstmal überstanden habt.
Deine Entscheidung wieder zu arbeiten finde ich gut. Toll dass du mit deinem Chef gesprochen hast. Es ist bestimmt ein guter Mittelweg den du gewählt hast. Er weiß das du etwas belastet bist, ohne dass du gleich deine ganze Geschichte offenbart hast.
Und in deinem Gesundwerden erkenne ich mich sehr wieder. Bei mir war es auch nach der schlimmen Phase ersteinmal nur " erträglich " aber ohne Freude. Aber die Tiefs wurden kürzer und die Hochs länger und besser. Mittlerweile ist es so, dass es mir zuletzt über einen Monat richtig gut ging und ich aus allen Wolken gefallen bin als es nochmal schlechter wurde. Nach wenigen Tagen war das kleine tief vorbei. Trotzdem macht man sich bei jeder kleinen schlechten Stimmung gleich wieder Gedanken dass es nochmal richtig schlimm werden könnte. Ich glaube bis das Vertrauen zur eigenen Stabilität wieder da ist dauert es eine Weile. Davon können hier höchstens die Frauen berichten bei denen die ppd schon länger zurück liegt.

Ganz liebe Grüße
1. Kind 2013 gesund und glücklich
2. Kind 2015 gesund und glücklich
3. Kind 2018 PPD
07/2018 3Wochen Mutter Kind Klinik
10/2018 VT + 15 mg escitalopram
04/2019 VT + 10 mg escitalopram
08/2019 VT abgeschlossen
08/2019 ohne Medikament
4. Kind

Julia
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Re: Fühle mich so leer

Beitrag von Julia » 05:01:2019 10:54

Hallo Löwenmutter,

Danke für die Aufmunterung! Sorry das ich wieder etwas gebraucht habe um zu schreiben, habe so oft einfach nicht die nötige Ruhe dazu und die letzten Wochen ging es wieder mal etwas bergab. Fühlte mich oft erschöpft, war etwas gereizt und lustlos. Obwohl ich auf 20 mg gesteigert habe ging’s mir schlechter. Vielleicht ist es einfach doch nicht das richtige Medikament... Naja, Geduld ist wohl das Zauberwort!
Jetzt bin ich erstmal gespannt wie es mit dem arbeiten klappt. Einfach raus kommen, auf das freue ich mich! Wie viele Stunden arbeitest du denn wenn ich fragen darf?

Ganz liebe Grüße
Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018 seitdem Escitalopram 15mg
03/2019 Reduktion von Escitalopram 10mg
05/2019 wieder bei 15mg Escitalopram
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