Dissoziative Zustände

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Jo**
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Dissoziative Zustände

Beitrag von Jo** » 08:04:2019 13:42

Hallo zusammen, liebe Marika,

Jetzt habe ich mal eine dringende Frage! Ich muss schon sagen dass meine Zwangsgedanken in den letzten Wochen deutlich zurückgegangen sind, ich möchte schon fast sagen zum Teil verschwunden. Allerdings hatte ich heute in der Früh wirklich Depressionen, und hatte dann auch zwischenzeitlich mal eine Situation in der ich mich so fremdgesteuert gefühlt habe und außerhalb von meinem Körper wie es nur geht. Ich habe dann eine Therapeutin, die gleichzeitig auch eine Bekannte von mir ist angerufen, diese meinte das ist keine Psychose sondern das nennt man dissoziative Zustände. Ich habe ihr erklärt dass die kleine mich heute richtig diabolisch angesehen hat, daraufhin ist eine tierische Angst in mir aufgestiegen, weil ich gemeint habe ich bilde mir jetzt bestimmt auch bald ein dass die Kleine der Teufel ist. Sie meinte allerdings, wenn ich das wirklich gesehen hätte bzw eine Psychose hätte könnte ich das gar nicht mehr realistisch wahrnehmen. Jetzt ist meine Frage, ob ihr auch so verwirrte Zustände in eurem Kopf kennt bzw ihr euch zum Teil total fremdgesteuert und ängstlich fühlt. Ich denke es liegt an einer absoluten Überforderung in meiner Situation. Ich habe ständig Angst als Mutter zu versagen, es vielleicht nicht zu wollen, und denke die oft, dass die Kleine bei einer tollen Mutter besser aufgehoben wäre.....
1. Entbindung: 9/18, Diagnose PPD mit ZG,
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Kikke
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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Kikke » 08:04:2019 14:00

Hi,

Ich kann dich hoffentlich beruhigen. In einer Phase, nachdem ich aus der Psychiatrie zu Hause war und eigentlich dachte, dass es mir gut geht, habe ich im so Dämmerzuständen (morgens früh) mir von außen dabei zugesehen, wie ich andere Gesichter angenommen habe. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben.aber es war sehr unheimlich. meine Therapeutin sagte auch, es sei keine Psychose. Es ging sich wieder weg.
Du kannst ja sehr reflektiert berichten, was du dir vorstellst. Also bist du Herr deiner Sinne.

Dein Kind ist super bei dir aufgehoben, weil du dir Gedanken machst und dich um es sorgst!!!

Hast du Hilfe? Bist du in Betreuung bzw weiß jemand Bescheid, wie es dir geht?

Alles Liebe.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

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Jo**
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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Jo** » 08:04:2019 17:37

Hallo zurück,

Ich danke dir für deine schnelle Antwort. Das Schlimme ist dass es mir jetzt wirklich in den letzten Tagen sehr gut gegangen ist, voller Tatendrang und Freude meinen Alltag bewältigen kann und auch meine Kleine, zumindest meine ich das immer wieder, wirklich aus vollem Herzen liebe. Es gibt Tage da stelle ich einfach alles in Frage, meine Beziehung, die Liebe zu meinem Partner, die Liebe zu meinem Kind, ob ich eventuell besser alleine dran gewesen wäre, einfach alles! Dann schraubt sich das natürlich so hoch, dass ich irgendwie, zumindest kommt es mir so vor, den Bezug zur Realität verliere. Ich muss es echt so beschreiben. Ich habe dann heute voll panisch, weil ich gemeint habe die kleine wäre vom Teufel besessen, meine Bekannte angerufen, diese meinte das wäre nie und nimmer der Fall, denn wirkliche Psychosen äußern sich darin, dass der Betroffene diese Zustände nicht mehr als diese erkennt. Vor lauter Angst habe ich dann das Zittern begonnen, und wusste nicht mehr wo oben und unten ist. Ich habe als Kind und auch später nie wirkliche Stabilität in der Familie erlebt, ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mit dieser Aufgabe absolut überfordert bin, da ich ja nicht einmal selbst weiß was Stabilität ist. Ich bin in Verhaltenstherapie, aber ich finde tatsächlich dass das das ganze Problem nicht an der Wurzel packt, das ist halt um den heißen Brei geredet und wie man am besten jetzt mit der Situation umgeht, aber ich habe das Gefühl, dass das ganze viel tiefer verwurzelt ist und auch eventuell von meinen Eltern auf mich übertragen wurde.
Habt ihr da zu Erfahrung, ähnliche Verknüpfungen in der Familie eventuell oder hatte jemand schon einmal eine Ablösung oder Familienaufstellung!?

Ich danke euch
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Kikke
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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Kikke » 08:04:2019 20:03

Es ist super,dass du diesen Zustand als Realitätsverlust erkennst. Ich finde es auch super,dass du sofort jemanden angerufen hast.

Als ich diese Zustände hatte, hat mir meine Therapeutin Atmentechniken gezeigt und wir haben Notfallplan aufgestellt. Ich sollte mir immer im Kopf sagen, dass sie Gefühle nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben. Das hat mir für daraus geholfen.

Hast du bei deinem Therapeuten diese Gedanken geäußert? Dass du das Gefühl hast, es bekämpft nicht die Wurzel? Vlt kann man nochmal anders ansetzten?
Hast du über eine andere Behandlungsform nachgedacht, wenn diese für dich nicht effektiv erscheint?


Eine Freundin hat nach langer Therapie eine Familienaufstellung gemacht. Sie hatte zwar eine andere Form vorn Depression, es hat ihr aber sehr gebracht und vorallem auch allen anderen Beteiligten.
Also warum nicht?

Alles Liebe.
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Jo**
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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Jo** » 08:04:2019 20:23

Hallo,

Danke dir, das bestätigt mich, dass es deiner Freundin geholfen hat, vermutlich muss jeder das passende für sich finden. Ich habe eine Empfehlung bekommen u sehe mal was mich am SA erwartet...
Meine Bekannte hat mir empfohlen mich in diesen Situationen entweder zu zwicken, mit den Füßen aufzustampfen o eine Peperoni zu essen, einfach um sich wieder bewusst zu spüren....

Ich hasse es, da ist ein Haufen geschafft dann wartet schon der nächste Mist.... ich wäre auch gerne einfach “NUR“ Mutter u Hausfrau mit kl. Problemchen.

Lg Euch
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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Marika » 09:04:2019 7:57

Hallo Jo,

ich kann mich allem was hier schon geschrieben wurde 100 % anschließen. Das ist nicht psychotisch, denn du hast es ja erkannt - wärst du psychotisch, wäre das nicht der Fall gewesen. Du hast ja schon viel über div. Krankheitsbilder gelesen und bist da sicher auch über die Beschreibung gestolpert, wo die Mütter ihre Kinder als "vom Bösen besessen" gesehen haben. Jetzt hat deine Kleine tatächlich böse geschaut - da kam einfach die Angst in dir hoch, du könntest das nicht als normale kindliche Reaktion sehen, sondern als wirklich "böse". Du hattest also Angst, eine Psychose zu erleiden, weil du von außen quasi durch dein Kind getriggert wurdest. Da du aber keine Psychose hast, du das auch erkannt. Nur die Angst ist geblieben, dass du das überhaupt gedacht hast. Aber du darfst das doch denken, du hast einfach Erfahrungswerte mit deinem Kind verknüpft - nicht mehr - nicht weniger. Das ist völlig NORMAL!!!!! Dass du mit Angst darauf reagierst, daran darfst du noch arbeiten! :wink:

Ich kann dich aber trösten, ich hatte das genau so. Das ist auch so typisch Zwang: Angst zu haben, doch was schlimmeres zu haben und "die Kontrolle zu verlieren". Was bietet sich da dem Zwang schöneres, als dir ein zu reden, du hättest eine Psychose. :wink:

Den Tipp mit der Peperoni finde ich klasse! :D

Verhaltenstherapie ist sehr wichtig bei ZG, keine Frage. Für mich war es aber auch wichtig zu erkennen, woher diese denn rühren. Dazu hat mein Therapeut vor der VT einige Sitzungen Tiefenpsychologische Stunden mit mir gemacht. So habe ich erkannt und verstanden, warum es so ist, wie es eben ist und konnte in der VT dann sehr gut arbeiten. Ich kann dich also gut verstehen, wenn dir da was abgeht. Vielleicht sprichst du deine Therapeutin mal drauf an!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Mimimi » 18:01:2020 17:02

Jo** hat geschrieben:
08:04:2019 17:37
Hallo zurück,

Ich danke dir für deine schnelle Antwort. Das Schlimme ist dass es mir jetzt wirklich in den letzten Tagen sehr gut gegangen ist, voller Tatendrang und Freude meinen Alltag bewältigen kann und auch meine Kleine, zumindest meine ich das immer wieder, wirklich aus vollem Herzen liebe. Es gibt Tage da stelle ich einfach alles in Frage, meine Beziehung, die Liebe zu meinem Partner, die Liebe zu meinem Kind, ob ich eventuell besser alleine dran gewesen wäre, einfach alles! Dann schraubt sich das natürlich so hoch, dass ich irgendwie, zumindest kommt es mir so vor, den Bezug zur Realität verliere. Ich muss es echt so beschreiben. Ich habe dann heute voll panisch, weil ich gemeint habe die kleine wäre vom Teufel besessen, meine Bekannte angerufen, diese meinte das wäre nie und nimmer der Fall, denn wirkliche Psychosen äußern sich darin, dass der Betroffene diese Zustände nicht mehr als diese erkennt. Vor lauter Angst habe ich dann das Zittern begonnen, und wusste nicht mehr wo oben und unten ist. Ich habe als Kind und auch später nie wirkliche Stabilität in der Familie erlebt, ich habe das Gefühl, dass ich jetzt mit dieser Aufgabe absolut überfordert bin, da ich ja nicht einmal selbst weiß was Stabilität ist. Ich bin in Verhaltenstherapie, aber ich finde tatsächlich dass das das ganze Problem nicht an der Wurzel packt, das ist halt um den heißen Brei geredet und wie man am besten jetzt mit der Situation umgeht, aber ich habe das Gefühl, dass das ganze viel tiefer verwurzelt ist und auch eventuell von meinen Eltern auf mich übertragen wurde.
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Ich danke euch
Hallo Jo
Wie gehts dir momentan so?

Ich muss sagen mir geht es seit 4 Tagen hundeelend.
Diese "realitätsferen" Gedanken habe ich dann auch. Icj steiger mich dann immer total rein. Und gerade habe ich meine Kleine angesehen und gedacht icj fürchte mich bestimmt bald auch vor dir :,(. Und jetzt immer wenn ich sie ansehe bekomme icj Angst (vor dem Gedanke). Ich bin total am Ende, das ist doch nicht normal!
Ich steiger mich so rein dass mir die komischsten Fanatsien in den Sinn kommen. Ich überlege dann immer was fpr Gedanken wohl "psychotische" Menschen haben und stell mir das dann vor und bekomme noch mehr Angst. Egal wo ich hinschaue finde ich was was mir Angst macht. Icj weiß garnicht wie icj das beschrieben soll.
Mir gings bis vor 4 Tagen relativ gut. Ich verstehe es einfach nicht.
Ich habe schon Kopfschnerzen von dem unsinnigen Denken. Sehe leicht verschwommen (hoffe diese sch*** Derealisation geht nicht wieder los). Ich dachte echt ich wär langsam übern Berg, aber bin wohl am Gipfel wieder abgestürzt :(
Ich habe mich seit heute morgen schon 3 mal im Bad eingesperrt und einfach geheult - will meine Familie nicht beunruhigen. Sie wissen mir geht es nicht gut, aber nicht von meinen genauen Ängsten.

Ich hoffe der Spuk hört bald auf, das ist kaum auszuhalten. Ich will einfach wieder normal sein. Ich habe mir diese blöden Ängste selber eingeredet mit meiner blöden Leserei. Ich bin wohl selber Schuld. Ich kann es aber nicht rückgängig machen und jetzt weiß icj nicht wie ich da wieder rauskommen soll.
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Sanna » 19:01:2020 13:29

Liebe Mimi,

versuch diese Gedanken zu durchbrechen. Du hast dich selbst in eine Abwärtsspirale gedacht, aber das macht nichts, denn du kannst dich da auch wieder raus denken. :wink:

Ein erster Schritt wäre der Gedankenstopp. Und dann gibt es verschiedene Übungen, die du machen kannst um deine Gedanken umzulenken. Ich habe oft die 5-4-3-2-1 Übung gemacht. Konzentriere dich auf 5 Dinge, die du sehen kanns. Dann 5 Dinge, die du hören kannst. Dann 5 Dinge, die du fühlen kannst. Dann machst du das gleiche mit 4 Dingen, usw. Das hilft, dich ins Hier und Jetzt zu holen. Gleichzeitig kannst du keinen Mist denken.

Vielleicht findest du auch was, das dir persönlich hilft. Ich habe, z.B. einfach sehr viel gestrickt. Je komplizierter das Muster, desto besser. Denn wer Maschen zählt, kann keine Katastrophen denken.

Liebe Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Mimimi
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Re: Dissoziative Zustände

Beitrag von Mimimi » 19:01:2020 13:35

Danke liebe Sanna

Mir geht es heute ein klein wenig besser, aber gut kann man das nicht nennen. Naja.
Ich weiß ja auch nicht. Es ist so schwer wenn man dadrin steckt, aber das wisst ihr ja.
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