Sicherheit vs. Unsicherheit

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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sternschnuppe_
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Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von sternschnuppe_ » 02:06:2019 14:03

Hallo ihr Lieben :-)

Ich hatte vor einiger Zeit einen tollen Beitrag von Marika gelesen, wo sie schön beschreibt, welche Funktion der Zwang denn hat.
Sie beschrieb, dass man durch den Zwang Sicherheit erlangen will.

Nun lese ich sehr viel über Zwänge und immer wieder stoße ich darauf, dass die Zwängler Unsicherheit akzeptieren sollen, wodurch der Zwang auch zurück gehen soll.

Jetzt ist meine Frage: Soll ich nun Sicherheit durch Selbstvertrauen gewinnen oder Unsicherheit akzeptieren?
Und wie kann ich die Unsicherheit akzeptieren? :lol:

Ich glaub die letzte Frage klingt typisch für einen Zwängler oder Menschen mit Ängsten :lol:

Lg und einen sonnigen Tag :mrgreen:

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Marika
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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von Marika » 03:06:2019 8:46

Hallo,

deine Frage finde ich sehr gut... ein bisschen entspringt sie zwar aus dem Zwang, aber trotzdem finde ich sie toll. :D

Ich denke beides geht Hand in Hand: durch das Aufbauen von Selbstvertrauen gewinnt man Sicherheit, die einen dazu befähigt gewisse Unsicherheiten zu aktzeptieren.

Mein Psychiater hat mir da einen sehr wertvollen Ausdruck mitgegeben: "Kalkulierbares Risiko". Wir nehmen jeden Tag unzähliger solcher "kalkulierbaren Risiken" auf uns. Wir gehen jeden Tag auf die Strasse (mit dem "Risiko" einen Unfall zu erleiden) ohne darüber nach zu denken. Das ist im menschlichen Gehirn so verankert. Der Zwang quasi torpediert das und wir hinterfragen ständig und sehen Gefahren, wo keine sind. Sind wir selbstbewusst, glauben wir dran dass wir alles tun können, um gut durch den Verkehr zu kommen und die "Unsicherheit" tritt in den Hintergrund.

Ein aktuelles Beispiel von gestern: Mein Sohn ist ja schon 14. Gestern nun hatte er das erste Mal Gelegenheit auf einem Mofa mit zu fahren (sein Freund ist ein Jahr älter und darf schon fahren)... Ich habe durch mein Selbstvertrauen die Sichehreit entwicklen können, dass ich dieses "kalkulierbare Risiko" bzw. diese "Unsicherheit" (was ist wenn was passiert), eingehen konnte. Das gleiche ist es, wenn ein Kind auf einen Baum kraxeln möchte. Du kannst nein sagen, denn es könnte ja fallen, du kannst aber auch das "kalkulierbare Risiko" eingehen und durch dein Selbstvertrauen deinem Kind wieder um zutrauen, dass es das schafft. Eine Win-Win Situation!
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von sternschnuppe_ » 03:06:2019 9:17

Danke, liebe Marika :-)

Es ist nur so schwer, die Unsicherheit zu akzeptieren, man könnte was Schlimmes tun und anderen schaden.

Es ist einfacher das Unfallrisiko zu akzeptieren :lol:

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Marika
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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von Marika » 03:06:2019 12:30

Genau, es ist auch ganz typisch für Zwängler, dass sie Risiken falsch einschätzen. Ist aber erlernbar...
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von sternschnuppe_ » 03:06:2019 18:55

Ich hoffe ich und mein Hirn werden das auch noch erlernen :D

Bei mir kommt jetzt nur noch ein weiterer Zweifel dazu, der es mir noch schwerer macht. Mir ist etwas Schlimmes passiert, was nur wenigen passiert. Also die Wahrscheinlichkeit liegt unter 5% und trotzdem ist es bei uns geschehen. Wobei wir darauf keinen Einfluss hatten.

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von November17 » 03:06:2019 19:38

Hallo ihr beiden,

ich kann vollkommen verstehen was du meinst Sternschnuppe.

Auch ich kann Unfallrisiken recht leicht annehmen. Besser als meine Eltern, die bei recht vielen Aktionen schon mit der Überbehütung (wie bei mir damals wohl) reagieren und mich "kritisieren". Dabei ist es für mich selbstverständlich, dass der Kleine klettert, auch mal Sand isst etc.

Aber das Risiko der Ausführung der ZG ist irgendwie komplett inakzeptabel.

Beispiel heute morgen...nach einem recht guten WE mit viel Gesellschaft und Unternehmungen wurde ich heute morgen direkt unruhig alleine mit Kind.

Vorhin war auch ein Ereignis beim Wickeln wo ich im inneren Monolog dachte "ach das wickeln klappt wie eine Selbstverständlichkeit, auch das baden war gestern gut..." und zack kam der nächste Gedanken und warf mich raus.

Von daher verstehe ich deine Frage voll und ganz mit der Unsicherheit.

Ich teste mich in letzter Zeit auch und merke, dass ich mich um den kleinen Sorge und schon in manchen Situationen ängstlich bin oder lege Wert drauf, dass es ihm gut geht. Vorhin ist er fast gefallen und beim auffangen habe ich ihn in der Eile versehentlich gekratzt. Tat mir dann auch leid.
Und dennoch ist das für mich kein Beweis oder Sicherheit, dass man die ZG nie ausführen würde.

Inwiefern meinst du, dass etwas passiert ist, dass du Zweifel bekommen hast bzw einen neuen Zweifel?

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von sternschnuppe_ » 03:06:2019 21:50

Damit wollte ich sagen, dass ich mein Baby Anfang April in der 18.SSW verloren habe. Es war die zweite Fehlgeburt aber diesmal war ich mir sicher, dass alles gut geht. Laut Statistik sinkt ja auch nach der 12. SSW stetig das Risiko und liegt dann angeblich bei unter 5%, dass dann noch eine Fehlgeburt passiert. Also ist das Risiko objektiv gesehen, auch so gering aber das tröstet wenig, wenn es einen passiert. Gut, hierauf hatte ich leider keinen Einfluss.

Aber das bringt als Zwängler wieder neue Zweifel selbst bei geringen Risiken :oops: Der Zwang ist halt sehr hartnäckig und freut sich über neues Futter :roll:

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von November17 » 03:06:2019 22:28

Ach Sternschnuppe,

das tut mir so leid für euch.

Sorry, dass ich so nachgefragt habe. :cry: fühl dich ganz lieb gedrückt!

Aber ich kenne durchaus Fälle, bei denen es mehrfach Fehlgeburten gab und irgendwann klappte es dann doch.
Gib die Hoffnung nicht auf.

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von sternschnuppe_ » 03:06:2019 22:29

Ist doch kein Problem :-)

Danke, liebe November :-) Ich hoffe, es klappt nochmal.

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von November17 » 04:06:2019 6:44

Setzt euch bitte nur nicht unter Druck sondern lasst es auf euch zukommen.

Wichtig ist, dass es dir erst einmal schnell wieder gut geht!

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von sternschnuppe_ » 04:06:2019 8:04

Da hast du recht :-) Ist jetzt eh erst genau 2 Monate her.

Auf jeden Fall hab ich wieder feststellen können, dass es mir in der Schwangerschaft, was ZG anbelangt, viel besser ging.
Jetzt ist es wieder schlechter. Ca. 1 Monat danach fing es wieder leicht an. Diesmal hab ich ebenso wie Marika schon öfter geschrieben hat, bemerkt, dass es um den Eisprung rum am schlimmsten war.

Hormone machen da schon echt viel aus :roll:

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von Elisabeth » 04:06:2019 9:27

Hallo, ich wünsch dir ganz viel Kraft für die aktuelle Situation. Gib dir Zeit!

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von November17 » 04:06:2019 9:32

Glaube auch, dass Hormone vieles begünstigen können.

Von daher lass dem Körper und der Seele Zeit sich zu erholen.

Ich nehme ja die Pille schon seit kurz nach der Geburt (ob es seitens der Gyn die richtige Methode war, ist fraglich).

Trotz Pille ist mir in den letzten Monaten aufgefallen, dass ich immer ein Stimmungstief bei den letzten 3 Pillen der Blisterpackung habe. Ob Zufall, kann ich nicht sagen. Ich soll die Pille ja durchnehmen ohne Pause, was mich dann ja wundert immer bei den letzten 3 eher verstimmter zu sein.

Habe aber Angst, sie abzusetzen. Ich fürchte mich davor, ob meine Hormone dann wieder zusammencrashen und ich dann in ein richtiges Loch falle. :?

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von Kikke » 04:06:2019 11:57

Ich habe nach der Geburt die Pille abgesetzt. Ich nehme sie seit fast 20 Jahren und hatte irgendwie das Gefühl, ich möchte meinen Körper "fremdhormonfrei" bekommen.
Ich fühle mich damit sehr gut.
November 2017: Schwere depressive Episode nach Geburt meines Sohnes.
Januar 2018: Zweimonatiger Aufenthalt in Psychiatrie ohne meinen Sohn (Medikament: zu Beginn Tavor, AD 60 mg Cymbalta).
Im Anschluss Beginn einer Verhaltens- und Schematherapie.
August 2018: 30 mg Cymbalta
September 2018: Cymbalta abgesetzt
Februar 2019: Letzte Sitzung bei meiner Therapeutin.
Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn.

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Re: Sicherheit vs. Unsicherheit

Beitrag von sternschnuppe_ » 04:06:2019 19:30

Danke Elisabeth :D

Leider bringt das Thema wieder ganz neue Herausforderungen mit sich, die ich nicht so erwartet hätte. Man ist schon sehr allein damit, die meisten können es nicht so gut verstehen aber das ist wieder eine andere Sache. Hab mir jetzt zumindest online ein paar Gleichgesinnte gesucht.

Zur Pille kann ich hormonell nicht viel sagen. Ich hab sie noch nie genommen, weil ich schon immer ohne künstliche Hormone verhüten wollte. Jede Frau sollte das Passende für sich finden.
Wenn du dich mit Pille wieder wohler fühlst, November, ist doch alles gut :-)

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