Frustration/Wut und aggressive ZG

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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November17
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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von November17 » 10:10:2019 11:37

Ja diese Sätze kommen wirklich noch immer von ihnen vor allem der Oma.

Ich versuche, ihn die Wut raus zu lassen. Wenn er um sich schlägt dann natürlich nicht bzw. sage ihm dann, er dürfe nicht andere schlagen oder nach dem Motto ich bin nicht Schuld, dass das Stapeln der Klötze mislingt. Dann darf er sich auf dem Boden abreagieren.

Wir sind wirklich sehr stark nach Perfektionismus erzogen worden. Brave Mädchen, die keinen Blödsinn machen. Und die eigene Meining wurde oft abgeschmettert. Es ist nicht so gewesen "das ist deine und meine Meinung" sondern direkt mit abwertendem Unterton.

Und dennoch haben die Eltern sich "aufgeopfert" und alles für einen getan (wobei das "alles" mittlerweile infrage gestellt wird, denn warmes Essen, saubere Wäsche, Führerschein und Studium ermöglichen sind definitiv Dinge, die man getan hat. Aber Hobbies ermöglichen, mit mir zu kindlichen Aktivitäten gehen, Kindergeburtstage feiern oder Freiräume einbauen etc. gab es kaum) und man fühlt sich irgendwie immer in deren Schuld, auch weil sie derzeit auf meinen Sohn aufpassen, damit ich arbeiten kann.

Glaubt ihr mir, dass meine Freunde mich oft gefragt haben, ob meine Mutter mich anschreit am Telefon und ich dann peinlich berührt immer gesagt habe, ne das klingt nur auf unserer Sprache immer so hart. Aber de facto hat sie mich öfters mal angerufen, um zu fragen wo ich denn sei oder bleibe (meine Freunde wurden nie angerufen) und die Frage war immer vorwurfsvoll und laut und ja eigentlich hat sie mich angemault.

Kikke was mich derzeit sehr irritiert ist diese Dauerwut / -anspannung.
Wenn ich zurück blicke, dann war ich beim erstmaligen Vorkommen der Gedanken auch mega genervt und wütend. Und als es nach der Geburt kam, war ich auch verärgert glaube ich, denn ich habe mich um die ganze Taufe gekümmert und mein Mann ließ mich immer nur machen. Und zudem habe ich zu nichts nein sagen können und habe immer weiter gemacht. In den zwei Monaten nach der Geburt waren wir alleine bei 4 Geburtstagen, Weihnachten, Taufe organisiert, Kuchen backen, selber Besuche empfangen und parallel gesundheitliche Nachkomplikationen des KS.
Nur dieser Dauerzustand der Anspannung nimmt enorm mit und ich weiß nicht, wie ich so recht aus dem Strudel herauskommen kann.

@Sternschnuppe: hast du denn das Gefühl, dass dich etwas arg belastet oder ärgert? Bist du gefrustet und wüsstest wovon? Siehst du Parallelen dazu?

Lg

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von sternschnuppe_ » 14:10:2019 14:22

Ich wüsste nicht, dass ich derzeit gefrustet bin. Also ich sehe jetzt keine so offensichtlichen Parallelen.

Aber es wird so sein, wie Marika geschrieben hat: Die ZG fühlen sich bei uns besonders wohl, weil wir am liebsten nie wütend wären.
Bei mir hab ich halt auch gesehen, dass mein Papa ständig auf 180 ist, sehr schnell wütend, aufbrausend und ungeduldig. Schätze das spielt auch in meine Geschichte sehr mit rein.
Ich bin eh ein Harmoniemensch.

Wir Menschen tun uns allgemein schwer mit "negativen" Emotionen. Ich habe das dieses Jahr sehr oft mit dem Gefühl Trauer erlebt. Für viele auch ein unangenehmes Gefühl über das zu gern hinweg geschwiegen wird.
Dabei ist es auch ein so wertvolles Gefühl, das ebenfalls gelebt werden will und einen viel lehrt.

Genau das gilt es jetzt auch mit der Wut zu entdecken.

November17
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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von November17 » 16:10:2019 8:00

Guten Morgen Sternschnuppe,

Marikas Erklärung muss man erst einmal verinnerlichen.

Und ja du hast in letzter Zeit mit vielen "negativen" Emotionen zu kämpfen gehabt. Es ist wohl ein Mix.

Das kann ich auch bestätigen. Wenn ich bedenke was in mir vorging als mein Mann gespielt hat...Wut, Enttäuschung, Trauer, Angst und dennoch "Liebe?" alles gepaart und alles in mir verstaut. Mit niemanden darüber geredet.

Bei der Geburt Schmerzen, Angst, Wut, Sorgen, Ratlosigkeit und kraftlos...danach alleine gelassen mit all den Gefühlen und einem Kind.

Und alleine heute...ich habe seit gestern Migräne, mir ist so übel als müsste ich brechen. Ich habe gearbeitet gestern unter Kopfweh. Hatte danach keinen Nerv und Kraft mit dem Kleinen intensiv zu beschäftigen. Habe heute Schmerzen. Und auch das erlaube ich mir nicht und bin genervt und gereizt und zack die Gedanken nehmen zu.

Es ist der Strudel der Gefühle, und negative Emotionen hat man nie nach außen gezeigt sondern immer mit sich selber ausgemacht.

Und dann gibt es Tage wie heute wo man zu nichts Lust hat und funktionieren muss entgegen der Bedürfnisse. Und wie geht man damit dann um?

Lg

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von sternschnuppe_ » 17:10:2019 9:34

Die Frage ist, wie meinst du das mit entgegen der Bedürfnisse?
Klar mit Kind kann man sich nicht so einfach raus nehmen aber vielleicht findest du eine Entlastung?

Ansonsten ist das Beste die Situation, Gefühle und Gedanken zu akzeptieren. Sie sind da, das heißt aber nicht, dass du ihnen zustimmen musst.

Ist es normal, dass gerade wieder nach extrem guten Tagen und Zeiten neue Tiefs kommen?

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von Kikke » 17:10:2019 10:12

Hey,

Ja das ist ganz normal. Ich hatte mein letztes tief im Februar. Davor lange nichts. Aktuell merke ich auch ein paar Anzeichen. Es liegt eine große Zeit dazwischen.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von Kikke » 17:10:2019 10:17

Eine Freundin hat mir gestern eine schöne Geschichte dazu erzählt. Sinngemäß:

Ein Mann geht über eine Straße. Da ist ein tiefes schwarzes Loch. Er kann nichts dagegen tun und fällt rein. Er kommt ohne Hilfe nicht mehr raus.
Ein Mann geht wieder über diese Straße. Er sieht das Loch. Er kann nichts dagegen tun und fällt rein. Er kommt mit Hilfe wieder raus.
Ein Mann geht wieder über diese Straße. Er sieht das Loch Er fällt rein und klettert ohne Hilfe wieder raus.
Ein Mann geht wieder über diese Straße. Er sieht das Loch und geht dran vorbei.
Ein Mann geht einen anderen Weg.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von sternschnuppe_ » 17:10:2019 15:22

Das ist ein richtig tolles Sinnbild :-) Es braucht eben alles seine Zeit :D

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von November17 » 17:10:2019 21:30

Liebe Sternschnuppe,

entgegen der Bedürfnisse war in diesem Fall, dass ich so sehr Migräne hatte, dass ich mich am liebsten einfach nur in ein dunkles Zimmer gesperrt hätte. Keine Tablette half mir, ich war dann natürlich gereizt bei jedem "MAMAAA" oder Bauklotz, der auf den Laminatboden fiel. Als hämmerte mir jemand gegen den Kopf!

Und dennoch musste ich irgendwie funktionieren, obwohl es mir echt schlecht ging.

Bei mir kommen Tiefs auch oft nach guten Tagen leider. Nach richtig guten Tagen fühlen sich die kleineren Tiefs dann trotzdem riesig an.

@kikke eine tolle Geschichte!

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von sternschnuppe_ » 19:10:2019 12:13

Da ist es als Mama sicher sehr schwer zu funktionieren.
Gut ist, wenn man auf eine andere Person als Entlastung zurück greifen kann.

Mal ne ganz andere Frage: Stressen euch auch viele Menschen an einem Ort? Also ich meine z.B. typisch Samstag in der Stadt: Viele Leute pressen sich in die kleinsten Läden, bleiben mitten im Gang stehen, viele kleine Kinder rennen planlos durch den Laden.
Mich nervt das immer tierisch an, ich fühl mich da schnell innerlich gestresst und angespannt.
Kennt das jemand von euch auch?
Ich bin auch sehr lärm- und geräuschempfindlich.
Meistens vermeide ich dann Samstag in die Stadt zu gehen - und da wohnen wir in einer Kleinstadt. Ich schätze aber gerade samstags kommen noch die Leute aus den umliegenden Dörfern vorbei. Auch der Autoverkehr ist da ganz schön rasant...

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von November17 » 19:10:2019 20:47

KENNE ICH!!!!

Ich mag es auch nicht.
Letzte Woche als meine Familie zum Essen bei uns war fiel es mir wieder stark auf.

Ich kann den Lärmpegel, parallel die spielenden Kinder und das übertönen der Erwachsenen untereinander nicht mehr ertragen.

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von sternschnuppe_ » 21:10:2019 17:43

Danke liebe November :-)
Es tut gut zu lesen, dass es dir auch so geht :lol:

Mein Therapeut meinte auch, dass es wohl den Großteil der Menschen so geht. Ihm auch :lol:

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von November17 » 22:10:2019 20:03

Ja es geht mir auch so.

Aber auch das zu akzeptieren fiel/fällt mir schwer, denn es kam mit der Zeit, dass es mich störte.

Okay, ich muss zugeben dass die Familie auch mit der Zeit größer wurde.

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Melli79
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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von Melli79 » 23:10:2019 10:08

Ich kenne das auch!

Da langt es auch schon wenn das Telefon klingelt oder irgandwas runterfällt was lärm macht.

Das wird bei mir immer wieder besser, wenn der Streßlevel sich langsam wieder im normalen Bereich einpendelt.

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von sternschnuppe_ » 23:10:2019 10:35

Das mit dem Telefon kenne ich auch :lol:
Du hast aber recht, wenn man gestresst ist, stört einen alles noch viel schneller.

Ich muss aber zugeben, dass mich zu viele fremde Menschen an einem Ort schon von vornherein stressen :lol: Deswegen versuche ich meistens Zeiten zu finden, wo es ruhiger zugeht.

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Re: Frustration/Wut und aggressive ZG

Beitrag von November17 » 24:10:2019 9:31

Ja der kleinste Ton reizt dann die Nerven!

Aber Menschenmassen mag ich auch nicht.
Wenn die Stadt voll ist und die Leute im Gewusel um mich herum laufen, finde ich es unangenehm. Als hätte man den klaren Blick verloren und man verliere sich in der Menge.

Im Moment finde ich es mit Kind noch anstrengender. Denn er rennt ja durchaus auch mal weg oder vor und so leicht wie der Zwerg komme ich nicht an den Menschen vorbei. Da steigt auch schon die Unruhe auf, denn grob durchgehen und dabei evtl jemanden zu rammen ist auch nicht meine Art.

Und in Einkaufszentren bin ich nicht so gerne...in der Stadt an der Luft ist es anders. Im Zentrum ist es voller, enger, stickigen und die Lautstärke dann auch unangenehmer. Der Schall sammelt sich ja in dem Gebäude.

Gestern war eine Freundin bei mir, die selber für einige Tage auf dem Land im Urlaub war.
Als wir dann in den Zoo gefahren sind, sagte sie selber "ich muss erst einmal wieder auf diese vielen Menschen klar kommen. Ich hasse ja so etwas, ist gar nicht meins".

Das zeigt wieder, dass auch "gesunde" Menschen diese Massen nicht mögen.

Oder mein Mann, der sich immer zurückgezogen hat, wenn wir Familientreffen hatten. Ich empfand es damals immer als unverschämt, dass er sich immer rauszieht und dann ins Zimmer zu den Kindern geht oder kaum redet. Aber ihn hat diese extreme Lautstärke schon immer gestört und angestrengt.
Sprich was mich jetzt stört, war bei ihm immer schon der Fall.

Lg

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