Warum wieder so schlecht?

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mel
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Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Mel » 25:10:2019 8:43

Liebe Leute,
so langsam bin ich mit meinem Latein am Ende. Ich habe meine Tage bekommen und bin seit zwei Tagen auf einmal wieder im Grübelzwang gefangen. Ich weiß, die PPD verläuft in Wellen und auch mit Medis können Tiefs kommen, aber ich kann bei mir überhaupt keine Wellen erkennen. Es geht immer mal nur kurz aufwärts und dann stehe ich wieder am Anfang. Das kann doch nicht sein, dass es seit zwei Jahren so besch. ist. Manchmal denke ich, mir bleibt die Kraft aus. Ich weiß, es hat viel zu lange gedauert, bis ich die richtige Hilfe gefunden habe. Immer wieder stehe ich auf, mache weiter, strukturiere mir den Tag, schöpfe Hoffnung, um dann wieder und wieder unten zu landen. Das ist so ...! Entschuldigung, aber das musste mal raus!
Ich überlege tatsächlich jetzt eine halbe Diazepam zu nehmen- das hab ich in den zwei Jahren nur zweimal in einer absoluten Krise getan...
Hoffnungslose Grüße
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
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Mel
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Mel » 25:10:2019 13:25

Ich muss mich korrigieren. Bitte seht die Überschrift als nichtig an- die Frage nach dem Warum ist Quatsch! Ich finde es einfach Mist, dass es so ist wie es ist.
Mel
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Kikke
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Kikke » 25:10:2019 15:45

Hey,

Vlt liegt es an der Hormonschwankung während deines Zyklus.
Wenn dir danach ist, eine halbe Tablette zu nehmen, dann tue es. Du gehst ja sehr gewissenhaft damit um.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Anteilen

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Marika
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Marika » 26:10:2019 9:30

Hallo,

diese Schwankung jetzt kann hormonell sein. Ich hatte das sehr lange, allerdings immer ganz stark am Eisprung. Da hatte ich wieder massive Symptome und dachte immer, ich stehe wieder am Anfang. An den Tagen ging es mir meist auch etwas schlechter, aber der ES war bei mir echt Horror.

Das AD kann aber auch hier regulieren, aber das dauert länger. Ich hatte ja gleich das passende AD, dennoch habe ich mehr als ein Jahr lang damit zu tun gehabt. Dann würde es besser. Dazu kamen dann auch Tiefs die mit dem Zyklus nichts zu tun hatten. Phasenweise kam es mir vor, als wäre ich den Tiefs hilflos ausgeliefert. Ist man aber nicht, denn jedes Tief hat seinen Grund und man ist eigentlich bei einem Tief aufgefordert, HINZUSCHAUEN. Gönne dir dann viel Ruhe, mach langsamer, hör in dich rein, was DU JETZT brauchst, damit es dir etwas besser geht. Versuch so durch das Tief quasi durch zu tauchen. Das ist oft schwer, ich weiß. Und man darf echt auch Mal sauer, wütend, gefrustet und genervt sein. Wie oft habe ich vor Verzweiflung geheult und in mein Kissen geschrieen, wenn ich in einem Tief steckte. Unzählige Male war ich überzeugt, das wird nie was, mir hilft nichts. Aber das war nicht so. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich durch jedes Tief das ich durchgestanden hatte, STÄRKER geworden war und meist auch ein ungesundes Verhaltensmuster erkannt hatte. Genau das gelingt, wenn man das passende AD hat. Und diese große Chance hast du jetzt mit Sertralin.

Nimm ruhig eine Diazepam, ich habe das an solchen Tagen auch getan, dafür gibt es diese Hilfestellung. Und schau Mal genau hin: was war jetzt in den vergangenen Wochen besser? Magst es für dich Mal aufschreiben? Vielleicht sogar hier?
Liebe Grüße von
Marika

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Mel
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Mel » 26:10:2019 12:43

Liebe Marika,
du bist ein Engel. Ich bin echt auf aufbauende Worte angewiesen, obwohl ich diese von meiner Familie auch bekomme. Wenn ich dann aber so hysterisch werde und alle Kathastrophengedanken mich in ihren Strudel reißen, ist es schwer, für meinen Mann ruhig zu bleiben. Weil er sich so hilflos fühlt und auch frustriert ist, dass diese schlechten Tage immer wieder kommen ist er auch echt am Limit und ich merke seinen Frust. Das wiederum erhöht meinen inneren Druck.
Heute ist mir aufgefallen, dass mir ein wichtiger Schlüssel abhanden gekommen ist und das hat mich völlig aus der Bahn geworfen, da es mir eh schon nicht so gut ging. Dann kam ich aus meiner Heul- Panik- Schleife erst nach einer Stunde wieder heraus, nachdem wir wie wild das Auto und die Wohnung abgesucht haben. Ich habe zwischendurch einfach heulend auf dem Boden gelegen und gesagt „ich will sterben“. Zum Glück ist mein Sohn oben bei den Schwiegereltern gewesen und hat das Drama nicht mitbekommen. Hinterher ist mir immer ganz elend zumute, weil ich mich so aufgeführt habe.
Aber jetzt schreibe ich mal auf, was in den letzten Wochen besser geworden ist:
Ich habe (bis auf die letzten Zwei Tage) fast gar nicht geweint, hatte Energie, hatte kurze Sonnenfenster, in denen ich tatsächlich auch mal an die Zukunft gedacht habe und in so ganz kleinen Ansätzen Pläne geschmiedet habe. Ich konnte frühstücken (sonst hab ich morgens fast einen Wiederwillen gegen Essen gehabt). Insgesamt habe ich auch sehr gut essen können. Die starken Angstgefühle waren deutlich abgeschwächt. Diese Agitiertheit/ innere Unruhe war weniger und gleichzeitig hatte ich mehr Antrieb (dieses Gefühl, dass vieles große Mühe macht und man sich eigentlich total müde und kaputt fühlt war meist weg). Mein Mann meinte ich sei viel besser drauf, so wie meine Schwiegereltern und meine Eltern. Teilweise hatte ich gehört, dass mein Gesichtsausdruck wieder mehr wie früher wäre, der Ausdruck in den Augen..., Auch eine Freundin meinte gestern, ich hätte eine andere Körpersprache und wirke wieder „aufrechter“. Ich habe ganz viel in mein Positivtagebuch geschrieben, auch an den schlechteren Tagen. Was leider wirklich seit gestern wieder stark war, war dieser Grübelzwang über die Krankheit, und den bin ich natürlich auch in den letzten Wochen noch nicht wirklich losgeworden, aber er wurde immer mal wieder durch normale Gedanken unterbrochen. Und dann habe ich Angst, dass ich dafür doch ein Neuroleptikum brauche, da dieser sich über mindestens anderthalb Jahre sehr verfestigt hat.
Meine Ärztin war aber diese Woche super zufrieden mit der Entwicklung (da hatte das Tief sich noch nicht angekündigt) und wir bleiben jetzt bei der Dosis von 150mg, die ih ja erst seit einer Woche nehme.
Ich habe jetzt eine halbe Diazepam genommen und bin jetzt total ruhig und müde. Wir machen heute Nachmittag noch einen kleinen Ausflug mit der Familie, den ich nicht absagen möchte, und hoffe, das ich das ohne Zwischenfälle schaffe.
Mel
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Kikke
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Kikke » 26:10:2019 13:53

Liebe Mel,
Ich kann deinen Mann gut verstehen. Hat er eine Anlaufstelle, wo er über eure Situation sprechen kann? Vlt entlastet es euch beide, wenn er seinem Frust los werden kann. Dann hast du nicht mehr diesen extremen Druck, "endlich wieder normal zu funktionieren."
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Mel
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Mel » 26:10:2019 21:04

Liebe Kikke,
danke für deinen Rat. Mein Mann ist eher so einer, der die Dinge mit sich selbst ausmacht. Ich finde auch, dass er da eigentlich Unterstützung bräuchte. Oft ist ihm am ehesten geholfen, wenn er einfach mal seine Ruhe hat, aber das ist halt schwierig mit einem verantwortungsvollen Vollzeitjob, einem kleinen Kind und einer kranken Frau...
Mel
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Celeste
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Celeste » 27:10:2019 8:08

Guten Morgen liebe Mel,

ich kann dich so gut verstehen! Mir geht es ganz genauso und habe die Vermutung, dass es bei mir auch zyklusabhängig ist.

Beobachte das mal weiter. Schreibe dir auf, wann es bei dir schlechter und wann besser geht.
Diese PPD ist so so fies und manchmal frage ich mich, was die Natur sich dabei gedacht hat. Aber dann versuche ich irgendwie positive Aspekte daraus zu ziehen. Egal welche. Auch jede Kleinigkeit. Ich bin mittlerweile für jeden Tag dankbar, der einigermaßen ok war. Wie andere schon sagten, schreib es dir auf.

Und denk‘ immer daran: Du bist nicht allein ♥️

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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Mel » 27:10:2019 11:53

Danke ihr Lieben!
Mel
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Marika
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Marika » 28:10:2019 13:18

Hallo Mel,

wunderbar was du schon alles aufschreiben kannst, was sich verbessert hat. Und bemerkenswert ist auch, dass deine Umgebung ebenfalls eine positive Veränderung feststellen kann.

Irre ich mich, wenn ich meine, dass du jetzt in dieser kurzen Zeit mit Sertralin schon mehr Fortschritte gemacht hast, als in den vergangen 2 Jahren mit Mirtazapin? Wie siehst du das? Und wie geht es dir mittlerweile?
Liebe Grüße von
Marika

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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Mel » 28:10:2019 23:21

Liebe Marika,
wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich in den letzten zwei Jahren schon Fortschritte gemacht, aber durch die Absetzversuche bin ich natürlich immer wieder ziemlich weit unten gelandet. Ich habe irgendwie von Anfang an gemerkt, dass mir Mirtazapin bei der Grundproblematik nicht geholfen hat. Klar, es hat die schlimmsten Symptome abgefedert, nämlich Schlaflosigkeit und Unruhe, sowie die totale Appetitlosigkeit. Daher war es schon eine Hilfe. Trotzdem habe ich mich permanent erschöpft und immer wie im Nebel gefühlt, auch hatte ich sehr realistische Träume, was mich echt gestresst hat, und bin morgens erst nach 10Stunden Schlaf wach geworden- wegen dieser Begleiterscheinungen wollte ich es halt gerne loswerden. Irgendwann konnte ich es als Medi für mich gut akzeptieren, da der Nutzen die Nebenwirkungen aufwiegt. Das in die Gänge kommen am Morgen und dieser Depressionsnebel ist jetzt mit Sertralin spürbar besser. Auch die große Angst vor Unternehmungen ist besser. Ich bin aber ja erst seit anderthalb Wochen bei der Zieldosis, also ist da bestimmt noch Luft nach oben. Was aber wirklich positiv ist: Ich kann richtig gut essen, mit Appetit, so wie früher. Ich kann sogar frühstücken und freue mich zum Teil ein wenig auf Unternehmungen (Verabredungen, Bummeln gehen etc.). In den Situationen spüre ich oft noch mein Unwohlsein, aber es ist gut zu ertragen. Ich merke häufig am frühen Nachmittag einen Tiefpunkt, aber wahrscheinlich bin ich da einfach müde. also, ich glaube schon, dass es einen Aufwärtstrend gibt. Jetzt hab ich halt momentan zwei Medikamente, aber das stört mich nicht so sehr. An das Mirta trau ich mich noch nicht ran- wir haben es ja mit dem Sertralin- Einschleichen auf die Hälfte reduziert und ich darf es weiter reduzieren, aber ich bin noch nicht so weit, weil ich weiß, wie schwer das herunterdosieren ist. Und ich muss schlafen, um mich halbwegs fit zu fühlen.
Also, lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube schon, dass Setralin ganz gut funktioniert, aber ich kann es auch nicht hundertprozentig belegen.
Wünsche euch allen eine wunderschöne Woche!
Mel
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Stella
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Stella » 06:11:2019 11:51

Hallo Mel,

ich war zwar schon lange nicht mehr im Forum..aber es hört sich schon nach Besserung an bei dir. Du wirst merken wenn das Sertalin in deinem Kreislauf richtig angekommen ist, wird es dir sprungartig besser gehen..manchmal geht das von einem Tag auf den Nächsten und dann macht es klick..im Gehirn. Du denkst dann auch nur verschwommen an die schwere Zeit zurück. Die Hoch- und Tiefs auf dem Weg dahin sind extrem schwierig und machen einen selbst kaputt.. aber immer versuchen daran zu denken es wird auf jeden Fall wieder gut ( ich weiss in deiner Situation kannst du das nicht, aber wird es..)
Das Unwohlsein in den Situationen mit Menschen kenne ich gut..so wackelig und nicht wirklich an Gesprächen interessiert.. sie es als Nebenwirkung bring dem Ganzen nich so viel Beachtung.

Ich hatte 2 PPDs und dazwischen einen Rückfall ohne Medis..zur Zeit hatte ich eine Umstellung vom Generika aufs Originalprodukt und 14 Tage war ich mit Symptomen der Depression belastet...

Ich würde keine Angst vor den Medis haben ich musste in meiner schweren zeit sehr viele Testen und wechseln hoch und runterfahren..fahre nicht so schnell alles runter...konstant nehmen eine längere Zeit...erst dann wenn alle Symptome und Nebenwirkungen verschwunden sind und du ein jähr nix merkst kannst du langsam runterfahren..

Ich sage mir immer es ist wie eine andere Tablette , die ein Mensch nehmen muss für andere Krankheiten...nimm die Krankheit an und es ist nicht peinlich so etwas zu haben..du wirst nach der Krankheit als Mensch herausgehen, der das Leben viel mehr geniesst..weil er weiss das es sehr schnell ganz anders ausgehen kann..

Nimm die Medis an und die Zeit..und es wird besser..schreibe ein Buch über deine Symptome, Fortschritte, Gedanken...das hilft einem , wenn man mal einen schlechten Tag hat.. da schaut man rein und liest ach an dem tag ging es mir ja ganz gut ...hilft wirklich bei der Motivation.

Wenn ich richtig mit den Medikamenten eingestellt war, war es bei mir in 4 Monaten vorbei und ich war wieder die Alte..habe dann immer die Medis runtergefahren nach 1 Jahr und habe dann nur 1 genommen, die niedrigste Dosis.

Neuroleptikum, Diazepam, tavor, haldol, Cipralex, Trimipramin, quetiapin, Trevilor.. das ist das was mir gerad noch einfällt ...hatte ich alles ..

Ich gehe auch jedes Mal wieder voll arbeiten.. auch wenn man das in der Phase nie glaubt das es je besser wird,,,aber wird es,,,,!!!!!!!!!!!!!!!!!

Liebe Grüße
Stella

Mel
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Mel » 06:11:2019 15:15

Liebe Stella,
herzlich willkommen zurück im Forum und vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Schön, dass du die Medi-„Umstellung“ gut überstanden hast! Ich hatte gerade eine heftige Therapiestunde und bin fix und fertig. Ich habe einige Punkte in der Beziehung mit meiner Mutter und meinem Mann zu klären. Ich habe immer das Gefühl, dass seit der Depression etwas zwischen uns steht (also zw. meinem Mann und mir). In letzter Zeit nähern wir uns wieder etwas an. Ich freue mich auch wenn er Abends nach Hause kommt und wir ein Stück weit Normalität zusammen haben (Abendessen mit unserem Sohn, sich erzählen wie der Tag war, zusammen fernsehen- diese Dinge gehen schon eine ganze Weile ziemlich gut). Aber trotzdem fühlen sich einige Tage echt blöd an. Ich habe dieses düstere Gefühl, grübele. Heute ist mir sehr zum Heulen zumute, ich finde das Wetter so furchtbar trist. Ich führe jeden Tag mein Positiv- Tagebuch und meist fallen mir sogar mehrere Dinge ein. Ich schaffe wirklich viel im Moment, habe mehr Antrieb, aber das Grübeln kommt immer wieder sehr stark und das Gefühl, dass alles traurig und Grau ist, unwirklich (Derealisation) usw. Meint ihr wirklich, dass ich nun das richtige Medi habe? Dass es immer noch jeden Tag ein bisschen auf und ab geht ganz normal und typisch für den Krankheitsverlauf ist?
Mel
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Stella » 06:11:2019 16:25

Hallo Mel,

ich denke schon.. Es hört sich so an..das es das richtige ist. 1. langsame Verbesserungen sind spürbar...dann kommt alles andere dann von ganz alleine ziemlich plötzlich irgendwann. Tiefs sind ganz normal..hatte ich vorhin auch kurz...ablenken, ablenken, ablenken...ich weiss das kann man normalerweise nicht, aber da ich es jetzt zum 4 ( ist wohl eher ein halbes Mal) erlebe...lernt man mit jedem Mal ein bisschen dazu.

Ich denke bei dir und deinem Mann ist sicherlich alles in Ordnung. Er hat bestimmt viel mitgemacht und ist auch kaputt.. es reicht manchmal schon ihn einfach zu umarmen..wenn du das wieder spürst so erste Anzeichen von Gefühlen bist du auch auf dem richtigen Weg...vorher spürt man nix..nix beim Essen, nix beim Umarmen..etc.

Die Depression steht nicht zwischen euch.. sie sollte euch eigentlich enger zusammenschweißen...du wirst wenn du gesund bist auch nicht nach Fehlern mehr suchen in den Beziehungen..Die Depression bringt viele Familien an den Rand eines Nervenzusammenbruchs auch die Angehörigen wie Omas etc..die Verarbeitung dauert lange, beim dem Kranken ein ganzes Leben..man hat es im Hinterkopf..man sucht immer nachdem Warum, aber man wird es nicht finden..also akzeptieren und danach, wenn du wieder gesund bist: das Leben genießen!!!!

Mein Mann sagt immer warum ich den Bettlern immer was geben muss...ich sage dann immer man lebt nur einmal ...vielleicht dankt mir mal einer irgendwann dafür...ich spendiere auch gern Freundinnen was oder kaufe Geschenke für andere..das muss alles an den depressiven Phasen liegen...

Als ich die Liebe zu meinen Kindern wiederentdeckt habe..war ich richtig erleichtert.

Mel, es wird alles wieder gut......!!!!!!!Deine Gefühle, deine Gedanken , dein Körperempfinden wird so sein wie vorher...

Liebe Grüße aus Berlin
Stella

Stella
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Re: Warum wieder so schlecht?

Beitrag von Stella » 06:11:2019 16:31

Derealisation ist meist von den Medis, das verschwindet dann...oder ein Symptom der Depression, was dann auch verschwindet durch die Medikamente..

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