Schon wieder ein Tief

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mel
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Schon wieder ein Tief

Beitrag von Mel » 16:12:2019 13:08

Leute, es tut mir so leid, aber ich muss mich nochmal auskotzen.
Es geht mir schon wieder blöd, seid ca. zwei Tagen (bin wieder irgendwo zwischen Eisprung und Periode)
Mein kleiner ist Zweieinhalb und bald ist schon wieder Weihnachten und es ist jetzt das dritte Weihnachten mit dieser beschissenen Krankheit. Ich hab die Nase so voll davon! Wenn mein kleiner Schatz drei Jahre alt ist, sitze ich bestimmt immer noch hier und heule, weil ich diese Mist- Gedanken einfach nicht gelassen hinnehmen kann.
Ich schaffe es auch bestimmt nicht wieder, einfach normal im Leben zu stehen, zu arbeiten. Ich habe eine Wut darauf, dass mein Leben so anstrengend und schwierig ist. Das musste einfach raus, sorry! Und danke dass ihr da seid!
Mel
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Celeste
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Celeste » 16:12:2019 14:03

Hallo Mel,

bei mir ist es ebenfalls zwischen Eisprung und Periode so schlimm. Habe vor 2 Wochen eine Hormonanalyse machen lassen und heute müssten die Ergebnisse kommen. Ich sag es immer wieder, diesen Aspekt der Hormone wird von den Ärzten leider nicht ernst genug genommen. Und so lange die Hormone nicht im Einklang sind, wird das auch mit AD‘s nicht besser.
Sie helfen zwar, nicht wieder komplett ins tiefe Loch zu fallen ( obwohl mir das trotz AD‘s passiert ist ), aber diese Hormongeschichte können sie nicht beseitigen. Ich war bei meinem Frauenarzt und meinem Hausarzt bezgl. der Hormone. Die konnten mir da nicht helfen.
Der Frauenarzt meinte es würde nichts bringen und mein Hausarzt hat zu wenig Ahnung von. Mein Frauenarzt sagte, ich solle dann eine Blutuntersuchung machen. Das hat mir wieder gezeigt, wie unerfahren er bzgl. Hormontests ist. Denn den korrekten Hormonspiegel bekommt man nur über den Speichel.

Vielleicht wendest du sich, falls dein Frauenarzt ebenfalls keine Ahnung hat, an einen Heilpraktiker/Heilpraktikerin. Das habe ich nämlich dann auch gemacht und hat mir so vieles über die Hormone erklärt. Hat mir echt geholfen.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

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Kikke
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Kikke » 16:12:2019 15:06

Hey,
Ich fühle mit dir. Ich glaube, das Ganze ist wie Trauerverarbeitung: Trauer, Angst, Wut. Und dazu gehört auch Akzeptanz,um Loslassen zu können.

Meine Therapeutin sagte zu mir (ich war vor ca 2 Monaten mit fast den selben Gedanken dort): seinen Sie nicht so hart zu sich selbst. Versuchen Sie mit sich mitzufühlen.
Heißt übersetzt: es ist schlimm, dass du immer diese blöden Gedanken hast, aber es ist so. So reagierst du anscheinend bei einer bestimmten Art von Stress.

Ich lege bei diesen Gedanken immer meine Hand auf die Brust und atme tief.

P.s. meine Auslöser sind, wenn ich krank werde (Erkältung etc) und ich mich "schon wieder nicht kümmern kann" und somit "meinem Sohn schade"
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

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Mel
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Mel » 16:12:2019 15:59

Danke :-) Ich glaube meine Auslöser sind hormonelle Schwankungen. Ich habe es ja über einen längeren Zeitraum beaobachtet und es ist meist am ET und bei Eintritt der Periode schlechter. Meine Frauenärztin hatte mir Mönchspfeffer empfohlen, ich hatte aber nicht dan Eindruck, dass dieser viel bewirkt. Habe ihn jetzt locker ein dreiviertel Jahr genommen. Und Weihnachten stresst mich obwohl ich kaum Stress habe. Es ist einfach die Tatsache, dass es das dritte Weihnachten mit diesem „Zustand“ ist, aber ich vergegenwärtige mir jetzt, was besser ist. Das mit den Krankheiten kenne ich auch.... Lieben Gruß
Mel
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Kikke
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Kikke » 16:12:2019 16:30

So Jahrestermine sind auch doof. Man lässt dann nochmal alles an sich vorbeiziehen. Und das war er ja bei der Krankheit kein Film über eine schöne, duftende Blumenwiese.

Ich habe es am Tag meiner Einweisung.
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Mel » 17:12:2019 10:50

Mir geht es insgesamt viel besser aber dieses zwanghafte Grübeln ist seit zwei Tagen sehr sehr stark.
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Mel » 22:12:2019 13:53

Ich weiß genau was ihr jetzt antwortet und trotzdem brauche ich Zuspruch, bitte.
Fast alle meine Symptome sind weg, aber das Grübeln und die Suizidgedanken- ich will sie nicht umsetzen aber sie sind mein treuer Begleiter. Bestimmt benötige ich ein Neuroleptikum, da ich es nicht schaffe die Grübelschleife zu durchbrechen... und habe Schiss vor Weihnachten. Werde es schon irgendwie schaffen. Manno, es nervt!
Danke!!
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Kikke » 22:12:2019 14:18

Willst du ei Gedanken man aufschreiben? Vlt hilft das. Was genau macht dir an Weihnachten Angst?
Mit Medikamenten kenne ich mich nicht aus. Sorry
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Mel » 22:12:2019 23:03

Sie sind nicht konkret, aber diese ständigen Gedankenschleifen nerven.
Gedankenstopp, Ablenkung, Meditation, Yoga.... alles schon probiert.
Ich danke dir, liebe Kikke!
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Kikke
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Kikke » 23:12:2019 7:14

Ja das ist total ätzend. Was beunruhigt dich an Weihnachten?
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Marika
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Marika » 23:12:2019 9:52

Ich denke es wäre gut, wenn du abklären lässt, ob diese Gedanken und Grübeleien zwanghaft sind. So wie du es mir schon beschrieben hast, meine ich ja.

Wenn man das also klar als Zwang einstufen kann, könnte bzw. müsste man aktiv daran arbeiten. Da wäre deine aktuelle Therapieform allerdings nicht ausreichend.

Nur zum Vergleich: ich habe trotz AD und Therapie bei meinen Tiefs jedesmal wieder mit den ZG und der Grübelei leben müssen. In diesen Momenten war dann fast nix hilfreich, aber dadurch dass ich die Übungen aus der Therapie trotzdem gemacht habe, wurden die Tiefs langfristig gesehen immer weniger.
Du weißt ja auch von mir, dass ich sogar 2,5 Jahre nach Ausbruch und Behandlung ein Mega Tief hatte.

Das ganz ist ein Weg, vieles ist bei dir schon viel besser geworden und das in kurzer Zeit!!! Ich würde meinen, dass deine Gedanken und Grübeleien gezielt in einer Therapie angegangen werden sollten.

Schau Mal hier: www.zwaenge.de
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Mel
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Mel » 23:12:2019 10:19

Danke, liebe Marika!
Habe das in meiner VT beschrieben und trotzdem keine Anregungen dazu bekommen.
Vielleicht suche ich mir jetzt zusätzlich eine VT die auf Zwänge spezialisiert ist und zahle diese dann privat.
Tausend Dank! Ich weiß gar nicht was ich hier ohne dich machen würde...
Wenn wir uns nicht mehr hören, wünsche ich euch schöne Weihnachten!
Mel
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Sanna
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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Sanna » 28:12:2019 12:00

Hallo Mel,

mich hat deine Aussage stutzig gemacht, dass die ewigen Grübelschleifen und Suizidgedanken nicht wirklich besser werden. Das gleiche Problem hatte ich auch. Gedankenstopp, progressive Muskelentspannung, alternative Gedanken, Übungen...nichts half.

Ich war dreimal in der Klinik und man sagte mir immer, ich würde nicht genug üben. Was nicht stimmte, denn mein ganzes Leben war ein Üben von Gedankenstopp, etc.

Nach einem Dreivierteljahr bin ich auf die Muki-Station einer anderen Klinik gekommen. Und nach ca. 2 Wochen sagte man mir, dass meine Grübeleien und Suizidgedanken so unkorrigierbar seien, obwohl ich mir so viel Mühe geben würde, dass sie ein Neuroleptikum ausprobieren würden.

Es hat ca. 10 Tage gedauert, bis das NL angeschlagen hat und dann habe ich gemerkt, dass sich das gedankliche Chaos in meinem Kopf lichtete. Ich konnte wieder klarer Denken. Die Gedanken waren nicht weg, aber endlich griffen die ganzen Übungen und ich konnte damit arbeiten.

Ich will jetzt nicht sagen, dass du ein NL brauchst, das muss immer noch dein Arzt entscheiden! Aber mir hat es unendlich geholfen, wieder gesund zu werden.

Alles Liebe, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

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Re: Schon wieder ein Tief

Beitrag von Mel » 29:12:2019 14:45

Liebe Sanna,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ich hoffe, deine Familie und du hattet schöne Weihnachten.
Ich habe die Feiertage deutlich besser überstanden als letztes Jahr- das ist ein Riesenfortschritt.
Ich hatte ja mal ein NL ausprobiert- Sulpirid, und das hatte ganz schlimme Nebenwirkungen: Ich hatte durchgängig Herzrasen und konnte kaum schlafen. Als ich meine damalige Ärtin anrief, sagte sie ich solle es nicht weiter nehmen. Es waren nur zwei Einnahmen, und danach brauchte mein Organismus eine knappe Woche, um wieder runter zu fahren. Seitdem hab ich etwas Angst im Hinblick auf NL.
Meine neue Ärztin meint, wir schaffen es ohne NL, daher auch die Erhöhung vom Sertralin auf 200mg vor den Feiertagen.
Setralin hilft mir wirklich gut und ich habe Tage zwischendurch fast ohne Symptome- z.B. gestern (keine Suizidgedanken, keine Derealisation, kaum Angst und Grübeln), aber es kommt immer wieder, einfach weil mein Gehirn anderthalb Jahre daran gewöhnt ist.
Ich war ja noch nie stationär, aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen wollten meine Ärzte mich nicht stationär schicken, zum anderen sind sämtliche Familienmitglieder inkl. meines Mannes dagegen und mein Sohn ist schon Zweieinhalb, und es gibt in NRW keine Klinik, die mein Kind stationär mit aufnimmt (Herten z.B. nur bis zu einem Jahr). Und im Moment geht es mir einfach zu gut, um mich stationär aufnehmen zu lassen. Es ist eine Zwickmühle...
Ach ja- das gehört zwar in die Medi-Ecke, aber ich habe nun zu wenige weiße Blutkörperchen- Leukopenie . Kann eine Nebenwirkung sein. Das EKG war ok. Nun habe ich Angst, dass ich Sertralin austauschen muss gegen ein anderes Medi. Gerade jetzt, da ich merke, es geht etwas aufwärts. Klären kann ich das erst nach Neujahr, weil meine Ambulanz jetzt nicht geöffnet hat. Richtig blöd!
Mel
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