Geteiltes Leid ist halbes Leid

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mimimi
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Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Mimimi » 17:12:2019 13:35

Hallo zusammen! (Habe eben schon einen Beitrag geschrieben aber der wurde irgendwie gelöscht, naja)

Ich bin neu hier und habe mich auch schon vorgestellt und meine ganze Geschichte geteilt (könnt ihr euch gerne durchlesen).
Kurz gefasst: ich habe leider eine postnatale Angststörung nach der Geburt meiner 2. Tochter bekommen, welche sich zudem leider in eine schwere Depression entwickelt hat. Das schlimmste Tief habe ich (vorerst) hinter mir aber ich bin immernoch sehr sehr depressiv.
Mein Leben ist einfach nicht mehr schön. Ich habe keine Motivation, sehe alles nurnoch grau und schwarz, keine Ziele, ich empfinde kein Glück, jedes Essen schmeckt gleich und alles fühlt sich einfach langweilig und sinnlos an :'(.
Bis vor Kurzem war ich noch ein sehr glücklicher positiver ruhiger lebensfroher Mensch (bin 24) und habe noch mein ganzes Leben vor mir. Jetzt weiß ich nix mehr mit mir anzufangen, ich sehe keinen Sinn in alltäglichen Dingen mehr. Zb. habe ich immer Gedanken wie "warum arbeitet man, Geld?" "Wozu? Wir sterben doch eh" "warum soll ich mich anziehen und hübsch machen, wo ist der Sinn" (normal liebe ich Mode und Co.) "Warum soll ich raus gehen, ist doch eh immer das selbe" usw. ...ihr seht schon, sehr pessimistisch und depressiv. Und so kenne ich mich garnicht.

Kennt ihr das? Ich könnte noch so viel mehr schreiben, auch zu meinen Ängsten, aber das mache ich später mal, wollte euch ertmal etwas kennenlernen.
Ich hoffe ich kann hier ein paar Liebe Freundinnen finden, mit denen ich meine guten und vorallem auch schlechten Gedanken und Gefühle teilen kann und von denen ich verstanden werde und ich höre natürlich auch sehr gerne zu.

Und noch etwas, ihr seid alle unglaublich stark, und aufgeben ist absolut keine Option... wir schaffen das, ALLE.

Vielen Dank, Miriam

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Kikke
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Kikke » 17:12:2019 14:02

Ich bin großartig in Schuldzuweisungen: ich bin aktuell krank und liege im Bett. Mein Mann kümmert sich und hat zwei Tage Urlaub: ich lieg nur hier, weil ich keine Lust habe. Jetzt kümmere ich mich schon wieder nicht. Mein Mann kann wegen mir nicht arbeiten.
Ich versuche es dann umzudenken: ich bin so krank, dass ich beim Tippen hier gerade Sterne sehe. Dann kann ich mich einfach nicht kümmern. Ich habe mich in der Akutphase in zwei Monaten aus der Klinik gekämpft und habe mich ab Montag 4 wieder alleine um alles gekümmert. Wir haben uns zusammen für ein Kind entschieden, jetzt muss eben mein Mann ran. Als er zwei Wochen eine Magendarm Grippe hatte, musste ich ran.

Darf ich fragen, woher du kommst?

Liebe Grüße
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

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Mimimi
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Mimimi » 17:12:2019 14:43

Klar ich lebe momentan in England, habe vorher erst in Köln / Düsseldorf gelebt. Meine Familie wohnt momentan in Niedersachsen, ich gehe sie dort auch oft für längere Zeit (4-5 Wochen) besuchen.

Ich wollte die die das schon hinter sich haben einfach mal fragen wie ihr eure Lebensfreude wieder erhalten habt? Das macht mich verrückt! Diese nervige Krankheit ist so unfair!

Sorry fürs jammern, aber ihr wisst ja wie es ist!

Danke, L.G. Miriam
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

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Kikke
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Kikke » 17:12:2019 19:49

Du darfst "jammern". Weil es wirklich unfair ist. Wichtig ist, auch dem "Jammern" wieder damit aufzuhören. Selbstmitleid hilft nicht weiter.

Es gab keinen Auslöser, durch den ich dachte: jetzt bin ich wieder froh. Das kam einfach.
Ich muss sagen, dass die Krankheit mich verändert hat. Nicht negativ. Man darf nicht auf sie "Alte" warten, glaube ich
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Marika
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Marika » 18:12:2019 15:00

Hallo!

Dein Beitrag ist nicht gelöscht, nur verschoben in die Vorstellungsrunde 🥳🥳🥳
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

Krümmelchensmama
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Krümmelchensmama » 21:12:2019 19:41

Ich kann dir nicht sagen wann und wie ich meine Lebensfreude wieder erhalten habe...
Durch die Medikamente und die Therapie hatte ich immer weniger Angst, und ganz schleichend änderte sich auch meine Stimmung zum Positiven...
Ich bin heute nicht mehr ganz die gleiche Person wie früher sondern Selbstbewusster, stärker und dadurch sogar ein Stück zufriedener als vor der Erkrankung.

Ich hoffe diese Info hilft dir ein bisschen
Lg
Jänner 2016 Geburt meiner Tochter
Immer öfter Angst..
Juni 2016 erste Panikattaken
Ab September 2016 Citalopram 20mg bis Juli 2018
Therapie ab Oktober 2016

Mimimi
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Mimimi » 21:12:2019 19:57

Vielen Dank für deine Antwort.

Mir geht es seit etwa 3 Tagen etwas besser. Ich habe immernoch NW vom AD wie verschwommene unklare Sicht (sehr unangenehm) und so ein merkwürdiges Gefühl dass ich die ganze Zeit weinen muss - kennt ihr das wenn ihr das Gefühl habt ihr müsst niesen aber tut es doch nicht? So fühlt es sich an nur mit weinen, ganz komisch.
Aber davon abgesehen sind meine Ängste deutlich weniger (weiß nicht obs das AD ist oder meine Übung damit umzugehen). Habe auch immernoch Hilfe von meiner Mama und mein Mann ist auch wieder da.
Die depressive Stimmung ist leider nachwievor da, aber nicht mehr so schlimm. Ich war zB heute mit meiner Großen einkaufen und meine Stimmung war sogar gut genug unseren Nachbarn ein paar schöne Karten für die Festtage auszusuchen. Ich habe mir heute mittag auch Gedanken gemacht die Wohnung etwas umzudekorieren. Das war vor wenigen Tagen / Wochen absolut undenkbar. Leider hatte ich noch keinen ganzen Tag der gut war bis jetzt, die Angstgefühle und negative Gedanken blitzen immer wieder durch, aber immerhin kann ich wieder einigermaßen funktionieren.
Kleiner Fortschritt.
Drückt mir die Daumen bitte.

Aber hier ist auch schon mein nächstes Problem :
Ich habe zwar momentan wieder etwas Hoffnung, aber ich habe das Gefühl so eine gewisse negative Stimmung bleibt einfach immer. Ich weiß viele sind heute komplett symptomfrei, aber ich kann mir das irgendwie bei mir nicht mehr vorstellen.
Und zwar weil ich nie und nimmer gedacht hätte jemals so extrem depressiv zu werden und trotzdem ist es passiert. Ich jabe Gefühle empfunden die ich vorher nie fpr möglich gehalten hätte und konnte somit auch keine Angst davor haben. Und jetzt kenne ich diese Gefühle und somit verfolgt mich auch die Angsr davor. Bzw die Erinnerungen daran.

Versteht ihr was ich meine?
Muss dazu auch sagen ich hatte bis jetzt keine Therapie. Die Wartelisten sind so lang. Überlege schon mir privat jemanden zu suchen, aber da muss es schon jemand sein der sich auch wirklich auskennt.

Danke dass ihr immer ein offenes Ohr habt.

LG Miriam

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Kikke
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Kikke » 21:12:2019 20:07

Ich verstehe deine Angst vor den Gefühlen und der Erinnerung. Es wird aber verblassen. Irgendwann erinnerst du dich, dass du mal krank warst, aber nicht mehr, wie es sich angefühlt hat. Versprochen
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Mimimi » 21:12:2019 20:18

Danke du machst mir Hoffnung.

Ich wünsche euch Allen eine schöne ANGSTFREIE und positive festliche Zeit mit euren Familien und euren kleinen Mäusen!
Genießt die Wãrme und Nähe eurer Familien! Nicht nur jetzt sondern immer! Meine Familie gibt mir die meiste Kraft!

Und an diejenigen die im Moment NOCH leiden - ihr schafft das! Ich fühle mit euch - wir beißen uns da schon durch. Nichts ist für immer.

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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Krümmelchensmama » 25:12:2019 18:21

Ich kenne diese Gefühle und die Angst davor sehr sehr gut.
Ich habe mir auch sehr lange darüber Gedanken gemacht, ob ich je wieder normal Leben werde können nach dem was ich in dieser Zeit durchgemacht habe.
Besonders belastend fand ich damals, dass ich immer ein 2 kind wollte aber dachte, dass würde nie gehen da ich nach dieser Erkrankung nie wieder den Mut dazu haben werde. Denn all diese negativen Gefühle waren so präsent noch so greifbar und es fühlte sich so Hoffnungslos an.
Heute bin ich in 3 Monat schwanger und wirklich glücklich. Ich kann mich zwar an die Zeit und die Gefühle erinnern, aber der Unterschied ist ich weiß jetzt und vor allem ich spüre jetzt das man trotzdem wieder richtig glücklich werden kann.
Die Hoffnungslosigkeit ist mit der Depression verschwunden und so wirkt alles wieder leichter und bunter.
Ich hoffe dies gibt dir auch etwas Hoffnung
Ich wünsche dir Frohe Festtage und viele schöne Momente
Jänner 2016 Geburt meiner Tochter
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Celeste » 25:12:2019 20:41

Ach Kikke ... dein Satz, dass man irgendwann zwar noch weiß, dass man krank war, aber nicht mehr weiß wie es sich angefühlt hat, kann ich so schwer glauben. Ich wünsche es mir so sehr, dass bald alles wieder gut ist. Soo sooo sehr. Besserung ist da, aber es ist noch lange nicht gut. Nun ist die kleine Wichtelmaus fast 5 Monate alt. Ich weiß, viele würden jetzt sagen, dass es noch nicht lange ist, aber es zieht sich ohne Ende. An ein , irgendwann nicht mehr wissen wie es sich angefühlt hat‘, ist gerade nicht zu denken.

Man denkt immer wieder, man hat etwas noch schlimmeres als die PPD und es vielleicht nicht heilbar ist. Das man genau die EINE ist, der nicht geholfen werden kann und irgendwann in einer Zelle lande und dahinvegetiere.

Ich habe euch ja auch schon von der Vertretungsärztin erzählt, die meinte, dass ich es ohne Klinik nicht schaffe. Das nur, weil ich vor ihr geweint habe. Jetzt habe ich sogar Panik davor, weinen zu müssen. Weil sie mir das Gefühl gegeben hat, dass weinen was sehr schlimmes ist. Bin wütend auf diese Ärztin. Richtig wütend. Kann man das nachvollziehen? Habt ihr in der Akutphase auch geweint?
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

Mimimi
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Mimimi » 25:12:2019 21:30

Oh du liebe, ich drück dich mal virtuell!
Ich verstehe dich so gut. Meine kleine Maus ist auch fast 5 Monate :)

Ich habe viel geweint. Und bei mir ist es fast umgekehrt - die Ärzte und Co. denken bei mir ist es nicht schlimm genug um in die Klinik zu müssen, geschweige denn einen qualifizierten Psychiater und Therapeuten zu sehen, nur weil ich nach außen hin "gut" aussehe. Sprich gut angezogen, gute Lebensumstände usw. und weil ich mich "gut" artikulieren kann anstatt bei mir zu Hause in der Ecke zu versauern. Meine Gefühls - und Gedankenwelt nimmt keiner so richtig ernst.. und das ist auch nicht gerade hilfreich, so fühle ich mich nicht ernstgenommen.

Naja...

Wiegesagt ich habe viel geweint.. ich habe auch an guten Tagen bzw in schönen Momenten immer das Gefühl ich muss weinen, auch wenn es mir soweit gut geht (das habe ich seit der AD- Einnahme hmm)

Ich hoffe auch ich kann bald sagen ich fühle mich komplett geheilt.

Wir schaffen das
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

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Kikke
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Re: Geteiltes Leid ist halbes Leid

Beitrag von Kikke » 25:12:2019 22:26

Das kann ich total gut verstehen. Vor allem mein Mann hatte die Angst, dass gerade mir nicht geholfen werden kann. So schlimm war es auch nach außen.

Ich kann auch verstehen, dass es sich zieht wie Kaugummi. Jeder Tag in dieser Hölle ist ein Tag zu viel.

Es ist ein gutes Recht, sauer auf die Ärztin zu sein. Mag sollte gerade als Arzt wissen, was einzelne Sätze und Impulse anrichten können.
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