Melde mich nochmal

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Mimimi
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Melde mich nochmal

Beitrag von Mimimi » 24:12:2019 15:52

Hallo ihr Lieben

Ich befinde mich gerade in einem "komischen" Zustand.
Mir geht es weder gut noch extrem schlecht. Ich kann schlafen (abgesehen von den gefühlten 1000 Füttereinheiten nachts), kann essen, kann den Haushalt mehr oder weniger machen und mich auch um die Kinder kümmern. ABER ich bin nicht glücklich. Ich denke immernoch die ganze Zeit nach. Bin traurig. Hane keine Lebensfreude. Ich kann sogar lachen, aber nicht von Herzen. Ich hane Angst vor der Krankheit, fühle mich traumatisiert durch fen ersten Schock mit Sertralin. Ich stelle den Sinn vom Leben oft in Frage. Irgendwie ist alles einfach komisch. Das macht mich traurig. Als wär mein Leben das ich bisher hatte nicht mehr genug.

Vertseht ihr was ich meine?
Irgendwelche Tips? Hoffnung? Erfahrungen?

Sanna? Wenn du hier noch aktiv bist würde ich mich um deine Erfahrungen freuen.

Danke!!

Celeste
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Re: Melde mich nochmal

Beitrag von Celeste » 25:12:2019 12:16

Hallo Mimi,

ähnlich geht es mir auch gerade. Habe Angst, dass es niemals mehr wird, Angst .. verrückt zu werden, weil der akute Zustand sich so angefühlt hatte. Das hat mich ebenfalls traumatisiert. Meine Gedanken kreisen darum, nie wieder gesund zu werden, für immer in eine Klinik zu müssen und meine Kinder nicht mehr zu sehen. Schrecklich.
Also, ich bin ebenfalls um Ratschläge dankbar, wie man mit solchen Ängsten und Gedanken am besten umgeht.

Bleib stark liebe Mimi, du bist nicht allein
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

Mimimi
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Re: Melde mich nochmal

Beitrag von Mimimi » 25:12:2019 12:58

Hallo Celeste
Verstehe dich total. Rational weiß ich ja irgendwie dass ich nicht "verrückt" bin, aber unsere Gedanken können manchmal echt real wirken und das macht mir so Angst. Auch unsere Gefühlswelt ist so einflussreich das hätte ich nie gedacht, gerade wenn ws außer Kontrolle gerät und genau das macht mir so Angst.
Vor dieser Krankheit wusste ich ja nicht mal dass solche schlechten Gefühle überhaupt exestieren und deshlab konnte ich sie auch nicht fürchten. Aber jetzt weiß ich was unser Gehirn / Verstand mit uns anrichten kann (von heute auf morgen) und das beängstigt mich.
ABER wenn es eins gibt was ich bis jetzt gelernt habe, dann ist das- DON'T BELIEVE EVERYTHING YOUR BRAIN TELLS YOU - Glaube nicht alles was dein Gehirn dir sagt. Was deine Gefühle dir sagen. Tief in dir weißt du was richtig und was falsch ist. Halte daran fest.

Im Großen und Ganzen geht es mir auch schon besser, ich bin glaube ich gerade glaube ich in einer Phase, wo ich lernen muss, das erlebte "Trauma" (die Krankheit) zu akzeptieren, verarbeiten und hoffentlich irgendwie hinter mir zu lassen. Und das ist verdammt schwer .
Deshalb wäre ich für Tips von den "wieder Gesunden" sehr dankbar.
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

Mimimi
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Re: Melde mich nochmal

Beitrag von Mimimi » 25:12:2019 14:48

Celeste, ich kann dir ein Buch und ein paar Internet / Instagramseiten empfehlen. Ich selber habe viel mit Frauen Kontakt aufgenommen die tatsächlich eine Psychose oder ähnliches hatten. Das hat mir sehr geholfen, weil selbst sie wieder komplett gesund sind. Das hat mir einfach gezeigt (zumal ich ja zum Glück keine habe), dass selbst wenn es so wäre, man auch das überstehen kann.
Es gibt ein Buch von Oivia Siegl das heißt "BONKERS" (auf englisch). Sehr witziges, ehrliches und mutiges Buch. Kann ich nur jedem empfehlen, auch den ganz gesunden Mamas. Ich habe sie persönlich kontaktiert. Sie hat auch eine Instagramseite
@Oliviasiegl und @everymummovement !
Dann gibt es @lauraleedockrill ..auch sie hat ihre Geschichte geteilt. Ich glaube sie bringt auch bald eim Buch raus.
Und @butterflymum83 sie hat auch einen YouTube channel über PPD und Angststörung bis hin zut Derealisation und einen Blog https://linktr.ee/butterflymum83
..kann ich nur jedem empfehlen.
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

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Viktoria
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Re: Melde mich nochmal

Beitrag von Viktoria » 26:12:2019 2:07

Hallo zusammen,

Mir ging es ganz genau so. Den Sinn von allem und des Lebens in Frage stellen, unglücklich sein, Unzufriedenheit, Angst verrückt zu werden, Ganz schreckliche Zwangsgedanken, Panikattacken usw. was mir geholfen hat war Citalopram. Die erste Zeit wurde alles noch schlimmer aber nach und nach Immer besser. jetzt nachdem ich 30mg seit einem Jahr nehme geht es mir seit 5-6 Monaten wieder so gut wie früher. In einer Gesprächstherapie habe ich gelernt mit meinen negativen Gedanken umzugehen und ihnen weniger Beachtung zu schenken.
Ich hätte niemals gedacht dass es mir irgendwann mal wieder so gut gehen wird. Aber es hat geklappt. Und du schaffst das auch😊 alles Gute

Sanna
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Re: Melde mich nochmal

Beitrag von Sanna » 28:12:2019 11:50

Hallo mimimi,

du hast eine PN, aber nochmal kurz hier:

Dass es dir besser geht, ist ein Zeichen, dass du auf dem richtigen Weg bist. Bei mir hat es 1,5 Jahre gedauert, bis ich soweit war. Und dann nochmal 1,5 Jahre bis zum letzten Symptom. Wobei es mir das letzte Jahr aber schon relativ gut ging.

Bis heute (meine akute PPD war 2012/13) stelle ich immer noch fest, dass noch Luft nach oben ist. Ich bin seit Jahren offiziell gesund, aber ich habe so viel gelernt, dass es mir immer noch gelingt, meine Lebensqualität stetig zu verbessern. Und das ist ein wahnsinniges Geschenk, das mir die Erkrankung gemacht hat. Heute sehe ich die PPD eher als Segen und nicht mehr als Fluch. Aber der Weg dahin dauert. Monate, manchmal Jahre. Jede Erkrankung hat ihr eigenes Tempo und ihren eigenen Weg. Darüber kann ich keine Prognosen anstellen.

Ich war übrigens auch durch die PPD traumatisiert und habe eine EMDR Therapie gemacht, um das Ganze zu verarbeiten. Das würde ich aber erst empfehlen, wenn man das Gröbste überstanden hat, denn es wühlt nochmal einiges auf.

Liebste Grüße, Sanna
schwere PPD 2012, heute komplett symptomfrei

Mimimi
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Re: Melde mich nochmal

Beitrag von Mimimi » 28:12:2019 22:03

Danke Sanna.
Habe dir auch eine PN geschickt.

EMDR habe ih tatsächlich schonmal gemacht, ganz ganz am Anfang meiner Erkrankung, weil davon ausgegangen wurde, dass ich keine "klassische" PPD habe (was auch immer das heißen soll), sondern eine allgemeine Angst- Und Panikstörung und eine "Stau" vieler Erlebnisse in meinem Leben, welche ich nicht genug verarbeitet habe. Es war interessant , hatte auch nur eine Sitzung, aber das war zu dem Zeitpunkt nicht das richtige für mich, zumal meine Diagnose damals nicht stimmte. Würde es aber trotzdem jedem empfehlen der Trauma erlebt hat.

Danke nochmal.. ich hoffe ich bin wirklich auf dem Weg der Besserung.
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

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