Wiedermal zuviel gelesen ..

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Celeste
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Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Celeste » 02:01:2020 18:42

Ihr wisst ja wie das ist, man liest sich hier durch d. Forum um ein wenig Hoffnung zu bekommen ... und ZACK, stößt man auf Beiträge, die Angst machen.

Ich bin eben auf einen Beitrag gestoßen ( schon älter ), indem eine Mutter berichtet, aufgrund ihrer PPD von der Nachbarin beim Jugendamt gemeldet worden zu sein, die dann tatsächlich vor der Tür standen und einen Klinikaufenthalt erzwingen wollten. Darauf antwortete eine andere Betroffene, dass ihr aufgrund ihrer PPD die Tagespflege-Lizenz entzogen wurde. Das hat mich nun wieder meilenweit nach hinten geworfen 🙁 Es ist die teuflischste Krankheit die ich kenne und dann noch dafür bestraft zu werden, ist ja wohl das ALLERLETZTE! Leider wurde nicht berichtet, wie diese Story dann letztendlich endete.
Grausam. Wirklich grausam! Da traut man sich nicht mal mehr irgendwem zu erzählen, dass man an einer PPD erkrankt ist.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
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Kikke
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Kikke » 03:01:2020 21:32

Wie du schreibst: nicht so viel lesen ...
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

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Monyob 123
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Monyob 123 » 03:01:2020 23:10

Das kenne ich, ging mir auch so, wenn es dich triggert würde ich es meiden zu viel zu lesen...

Jetzt da es mir besser geht kann ich gut damit umgehen, aber in der Akutphase waren solche Geschichten der Horror für mich!!!

Mimimi
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Mimimi » 04:01:2020 15:36

Oh man, ich kenne das nur zu gut!
Um genau zu sein, die Leserei ist der Hauptgrund dass ich so viele Ängste entwickelt habe weil ich alles was uch lese als möglich sehe - Dinge die mir sonst garnicht in den Sinn gekommen wären.

Das schlimmste für mich sind Stories über Suizidversuche oder Stories von Leuten die nach langer Zeit keine Besserung sehen. Versuche mich jetzt so gut es geht fern davon zu halten.

Durchhalten. :!:
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Celeste
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Celeste » 04:01:2020 17:42

Ich danke euch so sehr ihr Lieben.
Ich hoffe, dieser graue Schleier öffnet sich bald. Man entwickelt ja sowieso schon alle möglichen Ängste, hinzu kommt dann noch die Angst, dass man nie wieder normal leben kann und man selbst die Ausnahme ist, wo es nie nie wieder gut wird 🙁
Wie geht eigentlich eure Familie mit euren akuten Phasen um? Meine Eltern sind langsam genervt. Ich glaube, sie können keine Geduld mehr aufbringen. Als es mir das erste Mal so schlecht ging, haben sie sich total lieb um mich gekümmert. Mit jedem weiteren Tief, wurden sie zurückhaltender und ruhiger und sind sichtlich genervt. Vor allem mein Vater, der der Meinung ist, dass es eine Depression und Angsterkrankung nicht gibt. Das sei nur eine Sache des ,zusammenreißens‘. Ihr könnt euch sicher denken, wie blöd und unfähig man sich dann vorkommt.

Jetzt aktuell, als die schlechte Phase wieder anfing, hat mein Vater kein Wort mehr mit mir gesprochen und meine Mutter reagierte etwas unbeholfen. Ich zitiere: Nicht schon wieder! Bei dir weiß man auch nicht was man noch machen soll.“
Ja, was soll man denn da machen? Was antwortet man da? Mir ist da nicht mehr zum antworten und bin dann einfach nur sehr sehr traurig und fühle mich als Versager.

Wie geht ihr damit um? Wie reagiert eure Familie auf eure schlechten Phasen? Verständnisvoll oder auch eher gereizt und genervt? Ich fühle mich dann immer noch viel mehr unter Druck gesetzt und habe auch noch viel mehr das Gefühl, funktionieren zu müssen.
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Mimimi
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Mimimi » 04:01:2020 19:14

Meine Familie versteht es auch nicht richtig, auch mein Mann nicht. Allerdings ist mein Papa Arzt und kennt diese Krankheit sonit von seinen Patienten, aber eigene Erfahrung hat er natürlich trotzdem nicht und richtig verstehen tut man es eben wirklich nur wenn man es selber erlebt hat. Ich selber dachte ja vor meiner Erkrankung auch dass Depressionen eine Sache der Einstellung sind. Bzw ich hätte nie und nimmer gedacht dass man sich überhaupt so schlimm fühlen kann. Und ich bin ein seeeeeehr emphatischer Mensch. Ich fühle sehr gut nach und habe immer Mitgefühl bin emotional und trotzdem habe ich es vorher nie richtig verstanden.
Meine große Schwester hatte aber auch schonmal Depressionen (nur nicht so krass) und hatte auch schon mit Panikattacken zutun (sie hat keine Kinder). Deshalb versteht sie mich sehr gut.

Aber wie gesagt - obwohl mich alle unterstützen, verstehen tun sie es nicht wirklich richtig. Ich bekommen oft Aussagen wie "du solltest dich glücklich schätzen, Anderen geht es viel schlimmer, es gibt Obdachlose und du hast ein schönes Haus, es gibt Leute die können keine Kinder bekommen und du hast schon 2" usw usw kennt ihr bestimmt alle. Sie verstehen nicht dass es nicht um Unzufriedenheit und fehlende Dankbarkeit geht, sondern dass man sich so elend und hoffnunglos fühlt, weil man so unbeschreiblich schlimme und schreckliche seelische Schnerzen hat, welche man aber einfach nicht beschreiben kann.

Nimm es deiner Familie nicht übel, es ist wirklich schwer zu verstehen- ich finde sogar fast unmöglich.

Es ist wie wenn man sich vorstellen soll wie es sich anfühlt zu sterben - man kann es einfach nicht - es ist unmöglich.

Also nimm es ihnen nicht böse.

Sag ihnen einfach - ich erwarte nicht dass ihr meine Gefühle genau versteht, ich möchte nur dass ihr mich unterstützt und zu mir hält, genau wie ihr es machen würdet wenn ich eine andere schlimme Krankheit hätte, und es sowieso auch macht wenn ich gesund bin.
Ich finde die moralische Unterstützung wirklich am wichtigsten.
Man will einfach dass jemand DA ist, mehr nicht.

Vielleicht kannst du ihnen Beiträge oder ähnliches zeigen wo deine Gefühle beschrieben werden, auch von anderen Frauen, das kann helfen. Oder bitte deinen Arzt es zb deiner Mama zu erklären, dass es eben eine Krankheit ist.

Alles Liebe
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Kikke » 04:01:2020 19:22

Das tut mir sehr leid, was eure Familien da so sagen. Das sind nämlich genau die falschen Sätze und feuern das Ganze noch mehr an.
Vlt kannst du ihnen nahelegen, sich über die Krankheit zu informieren. mein Mann hat das getan und hat zum Heimtherapeuten entwickelt. Er hat immer das Richtige oder gar nichts gesagt. Das hat mir enorm geholfen und im Nachhinein gesehen meine Genesung beschleunigt
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Mimimi » 04:01:2020 19:27

Ich weiß noch in meiner ganz schlimmen Akutphase hat meine Mama mich gefragt "wie fühlt sich das denn an was du fühlst (die Depression)?" Ich konnte es nicht beschreiben, es gibt finde ich einfach keine Worte dafür. Ich sagte nur - es fühle sich an alsob man wüsste die Welt geht in kürzester Zeit unter. Nichts macht mehr einen Sinn. Weder deine Arbeit, dein Aussehen, dein Besitz, deine Interessen, sogar deine Familie - außer dass es mit Familie noch mehr wehtut weil man der Sache nicht entkommen kann. Nichts macht mehr Sinn oder Freude, warum auch.
Mein Mann hat mir die selbe Frage gestellt als ich heulend bei ihm im Arm lag und ihn angebettelt habe mir irgendwie zu helfen weil ich es nicht mehr aushalte. Ich sagte - ich fühle mich wie tot, ich kann und will so nicht leben" ..da hat es bei ihm Klick gemacht, weil das ja mal so garnicht meine Art ist.
Ich will einfach nur damit sagen - es ist unmöglich zu verstehen.

Hab Geduld, ich weiß wie schwer es ist.
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Re: Wiedermal zuviel gelesen ..

Beitrag von Mimimi » 04:01:2020 19:34

Versteh mich nicht falsch, sie unterstützen mich wirklich alle sehr, diese blöden Aussagen kamen eher von Leuten die mir eh nicht so nahe stehen.
Aber man fühlt sich halt trotzdem oft alleine. Ich weiß noch in meine schlimmen Akutphase habe ich soooo sehr versucht eine Gruppentherapie mit Leidensgenossinen zu bekommen, weil ich einfach mit Leuten reden wollte die mich WIRKLICH verstehen. Aber konnte einfach keine finden.

Darum ist das Forum hier ein Segen !!!
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