Keine Energie mehr...

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

Moderator: Moderatoren

Antworten
Julia
Beiträge: 57
Registriert: 08:10:2018 13:18

Keine Energie mehr...

Beitrag von Julia » 08:01:2020 14:24

Hallo zusammen,

ich weiß einfach nicht mehr was ich noch machen soll, tut mir leid, wenn ihr das jetzt zu hören bekommt aber ich weiß gerade nicht wen ich mein Leid klagen soll. Im Augenblick habe ich wieder überhaupt keine Energie und Kraft mehr noch weiter irgendwas zu versuchen damit es mir endlich mal wieder besser geht. Letztlich bringts doch eh alles nichts (mein Kopf weiß, dass das nicht stimmt, aber es fühlt sich zumindest gerade so an). Ich nehme Medikamente, ich geh wöchentlich zur Psychologin, ich lauf ständig immer wieder von einem Heilpraktiker zum anderen, war in einer TCM Praxis und zu guter letzt 7 Wochen in einer psychosomatischen Fachklinik stationär... Leider habe ich zweimal den gleichen Fehler gemacht und wohl zu früh oder zum falschen Zeitpunkt versucht die Medikamente auszuschleichen. Der letzte Versuch war in der Klinik, was eigentlich logisch ist, dass das nicht funktionieren kann, denn in der Klinik ist man gut behütet und in Watte gepackt, da gings natürlich mit gerningerer Dosis bzw. ohne. Zuhause aber gings mir von Woche zu Woche schlechter. Im Dezember hatte ich dann sogar erstmals starke Gedanken über den Tod, ich weigere micht etwas diese Gedanken als Suizidgedanken zu betrachten (waren es aber wohl letztlich), zumindest haben bei meiner Psychologin alle Alarmglocken geläutet. Nachdem ich mit Escitalopram wieder auf 15 mg rauf und Opipramol wieder angefangen haben zu nehmen ging es mir nach ca. 1 Woche etwas besser. Aber jetzt nach den ganzen Feiertagen, dann kamen noch 3 Geburtstage hinzu und ein Kurzurlaub mit meinen Eltern auf engstem Raum gings wieder leicht bergab. Ganz so schlimm wie im Dezember ist es noch nicht wieder aber diese blöde Hoffnungslosigkeit schleicht sich gerade schon wieder ein und ich weiß einfach nicht was ich noch machen kann.
Werde mit meiner Ärztin jetzt zwar noch über einen evtl. Medikamentenwechsel sprechen aber ob das was bringt weiß ich auch nicht. Ich bin einfach total deprimiert! Meine Kinder nerven mich im Moment nur, dass tut mir auch so leid, aber ich kann nicht aus meiner Haut raus und mein Geduldsfaden reißt einfach nach kleinsten Kleinigkeiten. Ich will einfach das dieser ganze Mist endlich vorbei ist und ich wieder LEBEN kann!

So, jetzt habe ich mich ein bisschen ausgeheult. DAnke fürs lesen und zuhören!
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer eiliger sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018

aktuell 120mg Duloxetin und 100mg Opipramol

Celeste
power user
Beiträge: 233
Registriert: 11:10:2019 10:14

Re: Keine Energie mehr...

Beitrag von Celeste » 08:01:2020 14:59

Hallo Julia,

ich kann dich sehr gut verstehen. Ich stehe da leider noch am Anfang ( habe meine PPD seit August ), doch auch ich habe das Gefühl, dass es einfach nie nie wieder vorbeigeht.
Du warst sogar stationär. Ich lese oft, dass es manchen hilft, aber manchen eben auch nicht. Ich glaube, der wichtigste Punkt für eine Genesung ist die Zeit. Ich bin da auch nicht der geduldigste Mensch und habe dann Gedanken wie ,irgendwann lande ich für immer in der Psychiatrie‘, eben weil es immer und immer wieder diese schrecklichen Phasen gibt.

Was sagt denn deine Psychologin dazu? Was wäre ihr Vorschlag dir zu helfen?

Ganz lieben Gruß
Celeste
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

Mel
power user
Beiträge: 342
Registriert: 25:11:2018 13:07

Re: Keine Energie mehr...

Beitrag von Mel » 08:01:2020 15:32

Liebe Julia,
das ist völlig ok, dafür ist das Forum ja ein Stück weit da. Ich habe mich hier auch schon sehr oft ausgeheult. Hast du denn den Eindruck, das Opipramol hilft dir? Ich selber habe es auch ein paar Monate genommen, und hatte das Gefühl, es bewirkt gar nichts.
Den Fehler zu früh auszuschleichen habe ich auch gemacht. Ich glaube, wichtig ist, dass man erstmal richtig lange stabil (und auf die richtigen Medis eingestellt) ist, bevor man den Schritt geht.
Die suizidalen Gedanken kenne ich auch...Sie machen ganz schön Angst, finde ich.
Fühl dich gedrückt!
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Setralin
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen

Julia
Beiträge: 57
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Keine Energie mehr...

Beitrag von Julia » 08:01:2020 21:27

Vielen Dank für eure Antworten!

Meine Psychologin ist der Meinung, dass ich zum einen meine Medikation ändern sollte um zu kucken ob was anderes für mich besser passt und zum anderen die gängigen Sachen, viel raus gehen, Sport und für mich ist ein strukturierter Tagesablauf noch wichtig. Mit Sport hapert es etwas aber mit den Kindern bin ich täglich draußen. Allerdings gehe ich ab Montag in Yoga, da hoffe ich das ich etwas Energie schöpfen kann. Das ist nämlich das nächste, dass ich schon am Morgen völlig erschöpft bin, gefühlt unausgeschlafen und dann aber zeitgleich aufgewühlt und innerlich hibbelig, eigentlich völlig widersprüchlich.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau ob mir Opipramol wirklich was bringt. Ein bisschen vielleicht, aber den großen Unterschied habe ich eher nicht bemerkt, bin aber auch bei nur 50 mg aktuell. Nehme es am Abend.

Ja diese Gedanken machen wirklich angst, vor allem weil ich das bis Dezember noch nicht hatte. Ich finde es einfach auch komisch, dass es wieder sooo schlecht geworden ist. Was so 5 mg und vermutlich doch auch das Opipramol alles ausmacht... in der Hinsicht war die Klinik tatsächlich kontraproduktiv. Andererseits habe ich mich schon auch sehr gut kennen gelernt und weiß zumindest wo manche Sachen herkommen.

Tja, jetzt heißt es wohl geduldig sein und hoffen, dass diese Phase auch bald vorbei geht!

Danke fürs „zuhören“!

Liebe Grüße
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer eiliger sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018

aktuell 120mg Duloxetin und 100mg Opipramol

Benutzeravatar
Marika
power user
Beiträge: 8319
Registriert: 04:06:2005 16:05

Re: Keine Energie mehr...

Beitrag von Marika » 09:01:2020 8:55

Hallo meine Liebe,

ich bin schon 14 Jahre hier im Forum und daher schon sehr viel gelesen und erfahren dürfen. Was sich wie ein roter Faden durch all die Jahre zieht: wenn man das AD zu früh absetzt, sind die Rückfälle meist stark. Du hast 2 x abgesetzt bzw. reduziert - vermutlich zu früh. Dann lese ich auch klar heraus, dass du großem Stress ausgesetzt bist. Hast du genügend Auszeit für dich ALLEINE??? Hast du UNTERSTÜTZUNG??? Du hast auch geschrieben, es gab Geburtstage, ein Urlaub der wohl eher Stress war... das alles sind mehr als genug Gründe, warum es jetzt wieder bergab geht.

Ich nehme auch Escitalopram - bereits seit 14 Jahren. Anfangs hatte ich es in sehr hoher Dosis, auch bei dir sind noch 5 mg Luft nach oben die man versuchen könnte. 20 mg sind die Höchstdosis, ich hatte sogar 30 mg weil ich Zwangsgedanken hatte. Dieses hohe Dosis musste ich aber mehr als ein Jahr nehmen, um halbwegs Stabil zu sehen. Trotzdem hatte ich nach 2,5 Jahren dann nochmal ein starkes Tief - dann wurde es besser und besser. Ich habe dann wirklich auch erst nach 2,5 Jahren erstmal gaaaaaaaaaaanz langsam runter dosiert und bin heute bei 10 mg. Die brauche ich aber um stabil zu bleiben, 2x habe ich versucht ganz abzusetzen - es geht bei mir nicht. Das musste ich akzeptieren.

Du machst alles richtig: Therapie, TCM, Yoga (habe ich auch alles gemacht) - mach da unbedingt weiter. Nur darfst du keine Wunder in kurzer Zeit erwarten, diese Dinge bewirken über lange Zeit eine Veränderung und auch nur immer ein Stück weit.

Nicht aufgeben - es gibt genug Gründe warum es dir wieder schlechter geht. Aufstehen, Krone richten und weiter gehen!!!!
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex

November17
power user
Beiträge: 347
Registriert: 11:10:2018 11:54

Re: Keine Energie mehr...

Beitrag von November17 » 09:01:2020 10:46

Guten Morgen zusammen,

Auszeit für mich alleine bekomme ich auch ganz oft von meiner Therapeutin gesagt und tue mich arg schwer mit der Umsetzung!

So wie du Julia bin auch ich sehr viel unterwegs, aber i.d.R. auch immer gemeinsam mit Kind, was bei mir aber auch Vermeidung ist vor dem alleine Heim sein.

Was ist, wenn das Alleine genau das Problem ist und man sich abhängig von Gesellschaft fühlt? Mit meinem Mann und Kind zusammen geht es mir meistens gut und andererseits merke ich, dass ich Abstand vom Kind/Alltag brauche.

Alleine bedeutet derzeit auch noch, dass das Gedankenkarussel zunimmt.

Die Abgrenzung fällt sehr schwer.

Julia
Beiträge: 57
Registriert: 08:10:2018 13:18

Re: Keine Energie mehr...

Beitrag von Julia » 09:01:2020 21:04

Hallo ihr lieben!

Danke auch an euch Marika und November17 für eure Antworten!

Tja das mit der Auszeit für mich alleine ist so eine Sache. Für mich alleine kann ich Dienstag sein wenn ich bei meiner Psychologin bin und Donnerstag in der ARbeit. Meine Eltern und Schwiegereltern nehmen mir an diesen beiden TAge die Kinder ab, darüber bin ich sehr froh. Allerdings habe ich dann immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich nochmal um einen Babysitter bitten muss und tu es tatsächlich nur wenn ich irgend einen Arzttermin habe. Wobei meine Schwiegereltern ab und an einen der beiden Jungs auch mal unter der Zeit zum spazieren gehen holt oder so. Also Unterstützung habe ich.

Das mit den 20 mg Escitalopram wär auch noch ein Versuch, vor einem Jahr habe ich es mal probiert, da kannte ich aber keinen Unterschied zu 15 mg, daher bin ich dann dabei geblieben... Aber das war eben vor einem Jahr.

Meiner Ärztin habe ich geschworen, nicht mehr an den Medikamenten zu schrauben solange es nicht mit ihr zu 100% abgesprochen ist. In der Klinik war ich einfach blöd, ich dachte es sind ja auch Ärzte und die wissen schon was sie machen und war irgendwie auch froh, dass die mir sagten wir sollten versuchen zu reduzieren. Tja, mein ursprünglicher Gedanke, nicht an den Medis zu rütteln während dem stationären Aufenthalt wär doch richtig gewesen. Aber das hilft jetzt auch nichts mehr.

Das raus gehen um nicht mit den Kindern allein Zuhause zu sein kenne ich auch. Ich versuche mich ständig abzulenken, nehme jede Gelegenheit wahr um raus zu kommen oder das auch jemand mal zu mir auf einen Kaffee kommt. Wobei das die letzten Wochen auch zunehmends anstrengender wurde und ich mich letztlich die Wochen vor Weihnachten eher verkrochen habe. Was bisher wirklich auch untypisch war für mich. Das Gedankenkarusell kenne ich auch nur zu gut, aber da geht es wohl den meisten hier so...

Viele Grüße
Julia
1. Kind 2015: Geburtstrauma nach sekundärer eiliger sectio
2. Kind 2018: VBAC
Diagnose PPD 07/2018

aktuell 120mg Duloxetin und 100mg Opipramol

Antworten