Tiefpunkt und Alltag

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Kikke
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Kikke » 16:02:2020 18:56

Du musst den richtigen Weg der Behandlung finden.
November 2017: Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Aktuell: Der normale Mutterwahnsinn

Celeste
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 20:02:2020 12:58

Hallo ihr lieben,
muss mal wieder jammern, weil wirklich gar nichts so funktioniert wie ich es gerne hätte.
Dieses Dauertief nervt mich tierisch.
Außerdem hat mich gestern die Sekretärin meines Psychologen angerufen und mir kurzfristig einen Termin für Montagvormittag angeboten. Ich habe zugesagt, weil ich mich gefreut habe, eher einen Termin bekommen zu können ( eigentlich wäre der nächste Termin im April ), aber weiß eigentlich gar nicht, wie ich das mit der Kleinen machen soll. Er bietet ja nur vormittags Termine an ( außer die Gruppentherapie ). Wie machen das denn all die berufstätigen Leute?? Das geht mir jetzt wirklich auf den Zeiger. ☹️ Habe vorhin noch 2 anderen Psychologen auf den AB gesprochen. Mal schauen, ob es vielleicht dort klappt. Eigentlich schade, da der Therapeut echt super ist.

Geht es euch eigentlich auch so, dass ihr euch im akuten Zustand von Aufgaben überfordert fühlt, die im ,ganz OK-Zustand‘ problemlos laufen?
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt

Mimimi
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Mimimi » 20:02:2020 20:56

Celeste hat geschrieben:
16:02:2020 11:02
Ich danke euch von Herzen für eure Antworten.
Noch weiß ich nicht, ob ich die Gruppentherapie ausprobieren werde. Mir fällt es unheimlich schwer Menschen zu vertrauen. Der Gedanke daran, meine Geschichte vor mehreren Leuten zu erzählen und mich ein stückweit verletzlich zu machen, macht mir noch etwas Angst. Ich werde aber die Einzelgespräch im Vorfeld wahrnehmen und es mit dem Therapeuten besprechen.

Leider bin ich immer noch im Modus ,ich will die Krankheit verstehen und deshalb lese ich viel‘.
Ich bin traumatisiert von dieser Krankheit. Als die PPD ausbrach, ging es mir so schlecht, dass ich der Meinung bin, dass dies doch keine ,normale‘ Depression sein kann. Es war ein so derartiger Zusammenbruch - pausenlos geweint, kaum reden können, unerträglicher Seelenschmerz, zittern, nichts essen, kaum trinken, nicht aufstehen können ( nicht vor Müdigkeit, sondern vor Seelenschmerz ), jeder Schritt den ich ging war eine Überforderung, ich hatte Angstzustände, Panikattacken im 5-Minuten-Takt, den Tag nicht meistern können, die Nacht auch nicht. Nichtmal telefonieren konnte ich.

Hat man vielleicht etwas übersehen? Eine andere Krankheit vielleicht? Diesen Zusammenbruch hatte ich nach dem ,Hauptausbruch‘ noch 2x so richtig heftig. Trotz Höchstdosis Citalopram. Was ist, wenn ich nicht richtig behandelt werde? Was ist, wenn es dann dadurch schlimmer wird und doch in einer Psychose endet?
Ich habe einen Artikel gelesen, dass eine Psychose auch durch eine Depression heraus entstehen kann. Es stand auch, dass es vorwiegend sehr ,dünnhäutige‘ Menschen trifft. Super ☹️ 1. Bin ich total dünnhäutig. 2. Haben wir in der Familie jemanden mit Schizophrenie. Bin ja voll dabei in der Auswahl. Das macht mir total Angst.

Was mir auch Sorgen macht, ist dieses Grundgefühl. Auch wenn es mir ,ok‘ geht, ist immer dieses blöde depressive, ängstliche Grundgefühl in mir.
Geht das irgendwann wieder weg? Das wäre ja furchtbar, für immer damit leben zu müssen! Ich kann mir nicht vorstellen, dass so eine langwierige Sache einfach wieder geht ohne dauerhaften ,Schaden‘ zu hinterlassen.

Wenn ich mich so durch‘s Forum lese, klingt das alles so anders als bei mir. Viele gehen trotzdem in Babykurse oder in die Stadt. Das kann ich in einem Tief z.b überhaupt nicht.

Ach herjee .. in 1 Woche sind es 6 Monate PPD. Gefühlt 100 Jahre.

Ich hoffe auf ein baldiges Sonnenfenster ... das sind immer so schöne Momente.

Genug gejammert für einen Sonntag.
Heute kocht mal meine Mutter für uns. Ich versuche mich darauf zu freuen. ❤️

Euch noch einen wunderschönen Tag
Liebe Celeste
Wie gehts dir?
Ich war wie jetzt länger nicht mehr online und das ist für mich immer ein gutes Zeichen, denn das heißt es geht mir gut genig mich anderweitig beschäftigen zu können als mit der Krankheit.

Soll heißen, mir geht es in letzter Zeit (etwa seit der OP meiner Maus) wirklich ganz gut. Ich bezeichne mich noch nicht als gesund. Ich habe Schwankungen und ich werde in manchen Situationen sehr ängstlicj ind denke vermehrt nach. ABER garkein Vergleich zu der schlimmen Zeit davor. An guten Tagen fühle ich mich wirklich (fast) wie früher. Nur "fast" weil ich mich nachwievor ezwas traumatisiert fühle von dieser teuflischen Krankheit. ABER wiegesagt mir geht es viel besser. Und wie di weißt, mir ging es absolut schrecklich. Ich hatte haargenau die selben Symptome wie du. Wirklich schlimm. Ich fand auch immet dass sich die Geschichten und Symotome der Anderen nicht so woe meine anhören. Ich war wirklich zu NICHTS in der Lage. Schon alleine das Wort "Psychose" "Depression" "Krank" oder egal was ähnliches hat mir die schlimnsten Katastrophengedanken in den Kopf gesetzt. Ich war davon überzeugt dass ich niemals mehr normal werden kann.
Und jetzt gehts mir besser. Trau mich kaum dass zu schreiben lol bevor es wieder schlimmer wird lol. Aber ehrlich... wenn es mir besser bzw gut gehen kann, dann kannst du das auch!!!!

Ich habe jetzt nicht alle Beiträge gelesen aber eins wollte ich dir und allen anderen ans Herz legen...
NICHT DIE HOFFNUNG VERLIEREN.
ES WIRD WIRKLICH BESSER und wieder GUT.

Ich war heute mit meiner Tochter schwimmen. Habe ihr Zimmer gestrichen und dekoriert. Gehe regelmäßig shoppen. Ins Fitnessstudio. War bei ner Massage. Mache mir die Nägel. Trage wieder Make Up und interessiere mich wieder für Mode. Usw. Ich sage das nur weil ; das ging alled GARNICHT in meinen Tiefs. Das war alles absolut sinnlos in meinen Augen damals. Das ganze Leben erschien sinnlos.

Wollte nur noch sagen.. wenn ich länger nix von mir hören lasse ist das ein gutes Zeichen. Bitte schreibe mir jederzeit wenn du reden möchtest, egak worum es geht. Ich kann dich 100% verstehen.

Alles Liebe
1. Kind 11/2017 überglücklich
2. Kind 08/2019 schwere PPD mit Angststörung :cry:

Med.: 25mg Sertralin - sofort wieder abgesetzt
10mg dann 20mg Citalopram

Julie
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Julie » 21:02:2020 8:43

Wow, liebe Mimimi, das ist so schön zu lesen und es macht Mut und Hoffnung!

Aias
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Aias » 25:02:2020 23:01

Danke Dir, Mimimi, für Deinen Bericht.
Das 'es geht vorbei' tut so gut zu hören.

Mimimi
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Mimimi » 29:02:2020 0:25

Hallo ihr Lieben
Ich hoffe euch geht es gut/besser.

Nichts zu danken.
Ich weiß dass so ziemlich das einzige was einem Mut macht sind die Worte von denen die es hinter sich haben.
Ich weiß wie schlimm es ist. Und jetzt weiß ich aber auch endlich dass es nicht für immer so bleibt.
Dieses Gefühl dass es niewieder besser werden kann ist tatsächlich ein Symptom. Denn was ist denn eine Depression? Letztendlich ist eine Depression Hoffnungslosigkeit, das Gefühl von Sinnlosigkeit und Leere. Es ist aber eben "nur" die Depression und nicht eure Persönlichkeit.
Bei mir ist alles noch ganz frisch. Es kann auch sein dass ich nochmal ein Tief erlebe, vor Allem wenn ich wieder alleine mit den Kids bin. Aber soweit denke ich jetzt noch nicht. Icj denke ich bin etwa 75-80% da und das fühlt sich gut an.

Ihr schafft das auch, früher oder später. Wirklich. Niemals den Glauben verlieren. Die Krankheit lügt euch an.

Haltet durch, das geht vorbei.

Wenn ihr euch in der Lage fühlt was zu unternehmen und euch abzulenken MACHT DAS, auch wenn ihr euch erstmal aufraffen müsst. Wenn ihr euchmal zu garnichts im Stande fühlt (kenne ich auch) dann lasst es. Tut an diesen Tagen nur das aller nötigste. Kümmert euch so gut wie möglich um euch und eure Mäuse und lasst alles andere einfachmal liegen. Bleibt im Bett. Egal. Nur sobald ihr euch auch nur ein wenig besser fühlt, macht was! Belohnt euch. Egal mit was.

Ich versuche regelmäßig hier vorbeizuschauen.
Hab auch ein bisschen Angst vor der Zeit ohne die Unterstützung meiner Mama, aber irgendwann muss der Tag ja kommen und auch das wird schon irgendwie klappen.

Alles Liebe

Jasmin
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Stella
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Stella » 01:03:2020 15:54

Hallo Minimi...

das hört sich sehr gut an. Ich kenne das zu gut...

Wenn du sagst 75-80 Prozent sind wieder hergestellt, dann ist das ein gutes Zeichen.

Ich warte im Moment auch noch auf mein Selbstbewusstsein...dem eigenen Körper muss man erst wieder trauen können.

Liebe Grüße

Stella
2009 - 1. PPD , Krankenhaus 3 Monate. 150mg Trevilor, Trimipramin 100mg
2012 -Rückfall ohne Medis 14 Tage Krankenhaus 150mg Trevilor Trimipramin 100mg
2014 - 2. PPD, ambulant zu Hause 262mg Trevilor, 300mg Seroquel ( Quetiapin)
2019 ( Oktober) - Wiedererkrankung ( Rückfall) mit 37,5mg Trevilor- hochdosiert 225mg Trevilor, 250mg Quetiapin zur Zeit

Celeste
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 02:03:2020 11:11

Danke für all die Antworten.

Ich bin so traurig. Traurig, weil dieses Tief schon so lange anhält und irgendwie nicht besser wird ☹️
Ich denke an die Zeit zurück, als ich von PPD‘s keinerlei Ahnung hatte und mich überkommt unendliche Traurigkeit. Wie schön es doch war - so unbeschwert, so wunderbar. Ein normales Leben. Mit Höhen und Tiefen. Aber eben nicht krank. Ich zweifle an meinem AD, an der Diagnose .. ich zweifle an allem.
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
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Kikke
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Kikke » 02:03:2020 13:59

Was sind das genau für Zweifel? Zweifelst du die Diagnose an sich an oder die Wirkung der Medikamente?
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Celeste » 02:03:2020 15:04

Hallo Kikke,
beides! Das AD hilft scheinbar nicht wie es soll :(
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Kikke » 02:03:2020 19:26

Was mancht denn deine Therapie? Hast du einen Weg gefunden?
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Löwenmutter
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Re: Tiefpunkt und Alltag

Beitrag von Löwenmutter » 02:03:2020 23:02

Liebe Celeste,

ich möchte dir ein bisschen Mut schicken. Alles was du beschreibst kenne ich. Alle Symptome und alle Ängst. Und ich hatte auch das Gefühl, dass erste Anzeichen schon in der Schwangerschaft da waren. Bei mir hat es auch länger gedauert aber es wurde besser und es ist wieder gut geworden. Ich hatte auch erst nach mehreren Monaten erste etwas bessere Tage. Vielleicht solltest du nochmal mit der Psychiaterin über die Medikamente sprechen? Ich glaube wenn man selber so absolut nicht das Gefühl hat dass das Medikament wirkt sollte man das ansprechen.

Alles liebe und kämpfe weiter, du wirst schneller als du denkst gewinnen.
1. Kind 2013 gesund und glücklich
2. Kind 2015 gesund und glücklich
3. Kind 2018 PPD ( MuKi- Klinik verhaltenstherapie escitalopram)
4. Kind 2020 Mini-PPD bislang ohne Medikamente aber wieder Psychotherapie

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