Ein runterziehendes Gespräch

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Celeste
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Ein runterziehendes Gespräch

Beitrag von Celeste »

Hallo ihr lieben Menschen 💚

Wie geht es euch?
Ich freue mich, euch zu berichten, dass ich ein paar gute Tage erleben durfte. Es motiviert mich weiterzumachen.

Heute rief jedoch meine Tante an. Ich hatte euch schonmal von ihr erzählt. Sie leidet unter Schizophrenie.

Das erste Mal erzählte sie mir offen über ihre Krankheit. Ich fühlte mich eigentlich nicht stark genug dafür, mir das anzuhören. Traute mich aber nicht das zu sagen. Auch weil sie von meiner PPD nichts weiß.

Sie erzählte mir, dass alles mit starker innerer Unruhe anfing. Dann gesellten sich Angstzustände hinzu. Irgendwann setzten dann auch die Paranoia ein ( Ameisen auf den Armen krabbeln sehen usw. ).

Mich hat dieses Gespräch sehr fertig gemacht. Eben weil meine Symptomatik auch die ist, womit es bei ihr anfing.
Ihr könnt euch sicher denken, was das mit mir gemacht hat.
Sie fragte mich auch, wann ich sie endlich besuchen komme. Wir haben uns schon 8 Jahre nicht gesehen. Ich möchte eigentlich keinen engen Kontakt und mir ist nicht danach sie zu besuchen. Ich wollte ihr nicht vor den Kopf stoßen, also haben wir für nächsten Samstag etwas ausgemacht. Ich habe echt Angst davor und ich bin, nach diesem Gespräch, wieder depressiv.

Mir kommen dann wieder diese heftigen Symptome, die ich anfangs hatte, in Erinnerung: Das ticken der Uhr hat Angstzustände in mir ausgelöst. So wie jedes monotone oder lauteres Geräusch. Die Geräusche habe ich so intensiv wahrgenommen. Es war die Hölle.
Jetzt schwirrt mir wieder der Gedanke im Kopf herum, ob es der Beginn einer Psychose war, die dann eingedämmt wurde, aber doch irgendwann ausbricht.

Würdet ihr euch trotzdem treffen? Und mit der Angst auf Konfrontation gehen?

Herzliche Grüße
Celeste
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt
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Marika
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Re: Ein runterziehendes Gespräch

Beitrag von Marika »

Hallo liebe Celeste!

Ich würde mich nicht mit ihr treffen, einfach weil du dich unwohl dabei fühlst und noch zu wenig stabil bist. Meiner Meinung nach, solltest du dich im Moment noch vor solchen Situationen schützen damit du dich in Ruhe auf dein Gesund werden konzentrieren kannst. Vielleicht hätte sie auch anders reagiert, wenn sie wüsste wie es dir geht.

Deine Angst vor einer Schizophrenie kann natürlich auch verstehen, aber das ist ihre Geschichte, nicht deine.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Hallo123
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Re: Ein runterziehendes Gespräch

Beitrag von Hallo123 »

Hallo Celeste,

wenn du dich dafür nicht bereit fühlst, würde ich auch nicht hingehen.
Wie du weißt, leidet meine Tante auch an Schizophrenie.
Als ich gesund war und mal zu Besuch war, habe ich mich danach nicht gut gefühlt.
Aber danach war ich froh, selbst nicht betroffen zu sein.

Jetzt in dieser Situation würde mich das glaube ich nochmal runterziehen, wenn ich sie sehen würde.
Meine Tante spricht aber auch kaum. Hört meistens nur zu.
Es ist immer traurig bei ihr zu sein. Leider.

Du kannst es natürlich versuchen, man weiß ja nie, wie man sich danach fühlt.
Aber wie Marika sagt, ich glaube auch, du solltest dich vor solchen Situationen schützen.

Tief in deinem Inneren, weißt du glaube ich, ob du dich dazu bereit fühlst?
Du hast auch geschrieben, dass dich allein das Gespräch fertig gemacht hat.


Liebe Grüße
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2. Kind: PPD seit Geburt

Medikamente:
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Denkerin
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Re: Ein runterziehendes Gespräch

Beitrag von Denkerin »

Hallo Celeste,

wenn ich ich wäre, würde ich nicht hingehen, und wenn ich du wäre, würde ich mich auch nicht mit ihr treffen :lol:
Die Gedanken die du dir jetzt machst und so wie du dich nach dem Telefonat gefühlt hast, sind meiner Meinung nach ein eindeutiges Zeichen dafür, dass du an dieser Stelle selbstfürsorglich mit dir umgehen solltest und dich schützen musst.
Grundsätzlich kann man schon sagen, dass es sinnvoll ist, sich seinen Ängsten zu stellen im Gegensatz zu ständig im Vermeidungsverhalten zu sein. Aber dafür muss die angstauslösende Situation halt auch passen und die Rahmenbedingungen sowie dein mentaler Zustand usw. sollten stimmen.

Ich kann es total gut nachvollziehen, dass du Mitleid hast. Kenne es von mir, dass ich oft ein schlechtes Gewissen bei sowas habe, Schuldgefühle, Mitleid oder meine eigenen Befürchtungen runterspiele und versuche mir einzureden "Wird schon nicht sooo schlimm". Und am Ende war es dann doch immer so, wenn ich bereits zu Beginn solche Emotionen hatte, hat sich im Endeffekt bestätigt, dass ich auf mein Bauchgefühl hätte hören sollen. Man tut sich in der Regel keinen Gefallen dmait, dass man die Befürfnisse des anderen über seine eigenen stellt.

Du kannst ja schauen, ob du ihr ganz grob von deinen Problemen berichtest, sofern sie das versteht, oder ihr dazu auch eine Mail/Brief schreiben, wenn dir das am Telefon zu schwer fällt. Damit sie vielleicht versteht, warum du nicht kannst. So oder so bist du aber keine Rechenschaft schuldig und wenn es sich nicht gut anfühlt mit ihr zu treffen, dann lieber zu sich selbst stehen, denke ich.

Liebe Grüße
Chronisch rezidivierende Depression und Angst- und Panikstörung,
derzeit Schwangerschaftsdepression
ET: Mitte Nov. 2020 1. Kind
50 mg Sertralin
Celeste
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Re: Ein runterziehendes Gespräch

Beitrag von Celeste »

Guten Morgen ihr Lieben,

vielen Dank für eure Antworten. Ihr habt so recht! Ich habe mich auch getraut und die Verabredung abgesagt. Ich kann nicht immer nach den Wünschen anderer Menschen leben.

Mir ist nicht danach sie zu besuchen, also mach ich das auch nicht.

Am Montag ist meine nächste Therapiesitzung. Dort werde ich das Thema mal ansprechen.

Wie geht es euch denn so?
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Denkerin
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Re: Ein runterziehendes Gespräch

Beitrag von Denkerin »

Super! Kannst du stolz sein, dass du zu dir gestanden hast und in der Situation auf dich achtest. Check :D
Für mich war es auch hilfreich immer wieder in den Einzeltherapiesitzungen nach solchen Situationen zu schauen. Das war ein Mechanismus, den ich fast 2 Jahrzehnte so betrieben habe, immer die anderen wichtig nehmen und bloß nicht nein sagen. Wenn man versteht warum es einem selbst so schwerfällt, tappt man beim nächsten mal nicht so schnell in die "Falle".

Ich bin ganz okay drauf gerade. 14. SSW jetzt, kritische Phase rum. Merkt man auch an Stimmung und Symptomen, so langsam gewöhnt sich das System dran. Gibt immer mehr Momente wo ich mich freue und glücklich bin, mache mir insgesamt relativ wenig Sorgen wie diese, die ich zu Beginn hatte, dass alles ganz schrecklich und schlimm wird und ich versage oder das arme Kind usw. Dafür werden leider schon jetzt die Ängste vor der Geburt immer mehr. Versuche mich immer wieder zurückzupfeiffen, bis dahin ist ja noch fast ein halbes Jahr.
Ansonsten freue ich mich auf den Sommer und bin froh, dass der ganze Corona-Kram so langsam gelockert wird.

Liebe Grüße
Chronisch rezidivierende Depression und Angst- und Panikstörung,
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