Die Angst wird mehr und stärker

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Celeste
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Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Celeste »

Hallo und guten Morgen,

leider ist meine Angst viel viel stärker geworden. Fast schon so schlimm, wie zu Beginn der PPD.

Die Angst beschränkt sich auf nichts bestimmtes. Ich habe vor allen möglichen Dingen Angst: Angst vor bestimmten Gedanken, Angst vor der Zukunft, Angst davor, in den Urlaub zu fahren, Angst vor dem Alltag. Dieses Gefühl von Angst ist dauerhaft in mir. Wie kann das sein, dass es plötzlich wieder so schlimm ist?

Kennt diese Ängste jemand von euch? Ängste die so stark sind, dass man dann auch noch die Angst davor entwickelt, verrückt zu werden?
Es sind keine Panikattacken. Sondern eher ein dauerhafter Angstzustand.

Ich bin sehr ratlos. Im August fahren wir in den Urlaub und ich habe solche Angst davor.

Wann hören diese Ängste auf? Das ist so furchtbar. Ich sehne mich so sehr nach einem normalen Leben ☹️☹️

Es wäre so lieb, wenn sich jemand zu Wort meldet, der diese Angstzustände auch lange nach Ausbruch der PPD noch erleben musste. Bei mir sind es jetzt 9 Monate PPD.

Danke ihr lieben Menschen ❤️
1. Kind ( 2008 ) ohne PPD
2. Kind ( 2011 ) ohne PPD
3. Kind ( 2019 ) schwere PPD mit Angsterkrankung

Momentan Citalopram 40mg, bei Bedarf Promethazin, Agnuscaston

März 20: Olanzapin abgesetzt
Hallo123
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Hallo123 »

Hallo Celeste,

ich bin derzeit auch total frustriert. Ich hatte ein paar Wochen fast sowas wie Normalität erleben dürfen und habe jetzt wieder mit Ängsten zu kämpfen.
Bei mir sind es jetzt 11 Monate.
Ich dachte, es wird endlich besser und jetzt beginnt für mich auch irgendwie alles wieder von vorne.

Ich verstehe dich nur zu gut.

Ich wünschte,ich könnte dem Alltag entfliehen und in den Urlaub fahren. Dass es dir Angst macht, kann ich aber auch verstehen. Die hatte ich auch als ich mir ein Wochenende am Meer vornahm und dann die Corona- Krise kam, fiel es ins Wasser. Wieso das so ist? Ich weiß es selbst nicht. Früher habe ich mich immer auf den Urlaub gefreut.
Vielleicht ist es die Angst vor der Angst im Urlaub?

Fahrt ihr ans Meer? Die Luft dort wird dir bestimmt gut tun.
Es wird bestimmt besser als du jetzt glaubst.

Mir geht es zur Zeit auch schlecht.

Liebe Grüße
1. Kind: keine PPD, glücklich
2. Kind: PPD seit Geburt

Medikamente:
Schilddrüsenmedikament
Escitalopram 15 mg
Progesteroncreme
Celeste
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Celeste »

Liebe Hallo ☀️
Danke für deine Antwort.

Entwickelst du durch die Angst auch die Angst, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden?
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Hallo123
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Hallo123 »

Ja, leider.
Das dachte ich am Anfang der PPD non stop, dass ich irgendwann durchdrehe und verrückt werden bzw. ich habe mich verrückt gefühlt.
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Julie
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Julie »

Hallo liebe Celeste

Dasselbe bei mir... auch 9 Monate seit der Geburt und nachdem es mir besser ging waren die letzten 2 Wochen die Hölle. Eine stets vorhandene Angst, die nicht weggeht, egal was ich mache (Sport, genug schlafen, Atemübung, kalt duschen usw). Ich hab auch Angst, dass diese Angst nicht mehr weggeht und mir das Leben verdirbt...

Drück dich lieb💛

Julie
08/2019 Geburt meiner Tochter, Beginn schwerer PPD 3 Tage nach der Geburt
Aktuelle Medikation: 25 mg Quetiapin, 50 mg Sequase (Quetiapin) retard, 150 mg Trittico retard
Elisabeth77
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Elisabeth77 »

Hallo, ich hatte in der Schwangerschaft und auch nach der Geburt massive Ängste, sodass ich körperliche Schmerzen empfand, nicht mehr Schlafen und nicht mehr Essen konnte. Ich hatte ein Hauptthema, aber die Angst wechselt auch gerne mal das Thema...bis hin zu globalen Themen (Inflation, Kapitalismus etc.) Die stärke der Ängste war zum Teil unerträglich. Ich hatte immer wieder Phasen, in denen es kurz besser war und Phasen, in denen ich es kaum ausgehalten habe. Kleinste Auslöser haben mich gefühlt Wochen zurück geworfen. Bei einer psych. Erkrankung darf man die Genesung jedoch nicht als linearen Prozess sehen, ein Auf und Ab ist (leider) normal. Die guten Phasen werden mit der Zeit immer länger und die schlechten immer kürzer. Auch jetzt über ein Jahr nach der Geburt fühle ich mich nicht sicher vor Tiefs und ich merke manchmal, wie sich eine Angstwelle anschleicht, jedoch nicht mehr so massiv und ich glaube es hilft mir, dass ich sie inzwischen besser kenne meine Angst. Was mir sehr geholfen hat, war meine Tabletten, durch sie konnte ich aufhören mich zu stark in die Angst hineinzudenken. Der andere wichtige Faktor war einfach die Zeit, die für einen arbeitet. Leider kommt einem das Ganze oft so endlos vor, aber glaubt mir, es wird besser.
Celeste
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Celeste »

Hallo Elisabeth,
danke für deine Antwort 🙏🏻🧡

Ich habe nur leider gerade nicht das Gefühl, dass die Tiefpunkte kürzer werden. Im Gegenteil, .. sie kommen jetzt öfter und länger und ich verstehe nicht warum. 🙁
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Elisabeth77
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Elisabeth77 »

Schade, dass du aktuell das Gefühl hast, dass es nicht aufwärts geht. Ich kenne das Gefühl sehr gut und ich hatte wirklich Phasen, in denen ich 100prozentig sicher war NIE mehr ein normales Leben führen zu können. Ich weiß noch, wie ich meinem Mann tränenüberströmt erklärt habe, dass ich mich berenten lassen werde. Das die Phasen kürzer und leichter wurden, kann ich auch nur rückblickend so beurteilen, in der Krise selbst, hat es sich immer schrecklich angefühlt. Skills (Sport etc.) hat oft gar nicht geholfen. Oft musste ich es einfach aushalten und mein größte Herausforderung war, nicht vollkommen in die Angst "einzutauchen". Ich hab versucht nur von Tag zu Tag zu denken (ein bisschen wie die AAs). Leider hatte ich Pech mit meinem Therapeuten. Hast Du jmd., der Dir dabei hilft, deine Gefühle und dein Erleben zu verarbeiten und zu reflektieren? Hast du das Gefühl, dass dir dein Medikament hiflt? Es wird ganz sicher auch bei dir besser!
Madre85
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Madre85 »

Liebe Celeste!

Es tut mir Leid dass es dir so schlecht geht. Auch ich kenne die Angst verrückt zu werden. Momentan ist es ganz okay bei mir.
Hast du denn schon mal Entspannung nach Jacobsen versucht. Such mal auf YouTube danach und probiere es mal. Am besten am Abend wenn du Ruhe hast. Mir tut das immer richtig gut. Ich wünsche dir dass es bald besser geht. Liebe Grüße Madre85
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Marika
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Marika »

Hallo Celeste,

hast du das Gefühl, dass das Absetzen von Olanzapin damit zu tun hat? Könnte hier ein Zusammenhang bestehen?

Ich würde an deiner Stelle auf jeden Fall den behandelnden Arzt informieren, um evtl. die Medikation genauer unter die Lupe zu nehmen.

Hast du immer noch das Problem mit den Blutungen?
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
heute völlig beschwerdefrei mit 10 mg Cipralex
Celeste
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Celeste »

Hallo liebe Marika,

danke für deine Nachricht.
Nein, mit dem Olanzapin hat das nichts zu tun. Da bin ich mir sicher. Die Blutungen bestehen weiter.
Morgen wird nochmal ein Hormontest gemacht.

Bin wirklich sehr gespannt. Die Pille will ich nämlich immer noch nicht nehmen.
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Celeste
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Celeste »

Hallo Elisabeth,

ich habe einen Therapeuten der tiefenpsychologisch arbeitet. Er sagt, dass alle Ängste von der Kindheit kommen. Ich kann zwar mit einigen Erkenntnissen aus der der Therapiestunde gehen, aber es hilft mir nicht wirklich.

Werde schauen, ob ich einen Therapieplatz bei einem Verhaltenstherapeuten bekomme.
Denke, das hilft mehr.
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Tina-Fr
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Tina-Fr »

Liebe Celeste
Ich kann Elisabeth s Antwort nur bekräftigen.
Bei mir hat,wie du ja weisst, Auch ein stationärer Aufenthalt nichts gegen die Ängste gebracht.
Die waren z.T. so massiv,dass ich nicht mehr leben wollte, weil ich es einfach nicht ausgehalten habe.
Nach einem Jahr wegen immer noch deutliche Angstzustände da- wie bei dir keine Panikattackdn, sondern einfach Tagelange tiefe Angst.
Nach etwa 1,5 Jahren nach Geburt ging es mir deutlich besser.
Heute habe ich auch noch manchmal Angst, aber wirklich sehr selten.
Wenn ich es dann merke,dann hilft mir zu sagen: da sind sie wieder, die Ängste. Das macht sie für mich harmloser, weil ich ja erkannt habe,dass sie kommen. Ich kann selten direkt einen Auslöser finden,versuche mir dann aber.schon konsequent die Gedanken zu verbieten bzw. Mich abzulenken.
Am wichtigsten für dich:es wird.wirklich irgendwann besser. Aber vielleicht ist es wirklich nochmal eine Überlegung zu gucken,ob es das richtige Medikament ist oder ob etwas anderes gegen diese.permanente Angst besser bei dir wirkt.

Ich drück dich!
3/2017 Geburt unserer Tochter :-)
Danach massive Schlafstörungen und Entwicklung einer Angststörung
7-10 /2017 stationärer Aufenthalt mit meiner Tochter
8 /2017 Beginn Sertralin 100mg. 3/2018 Umstellung auf Venlafaxin 112,5 mg.
2/2019 Venlafaxin angesetzt wg. 2. Kinderwunsch
7/2019 Beginn Sertralin 75mg
04/2020 Geburt unserer 2. Tochter :-) und keine PPD!
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Marika
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Marika »

Vielleicht wäre es wirklich auch überlegenswert, eine VT ins Auge zu fassen. Da könntest du Strategien erlernen, um mit Angst besser um zu gehen. Und du würdest lernen die Trigger und Muster zu erkennen bzw. durchbrechen.
Liebe Grüße von
Marika

Diagnose:
schwere PPD 2005
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Celeste
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Re: Die Angst wird mehr und stärker

Beitrag von Celeste »

Hallo Marika,

genau das glaube ich auch. Eine Verhaltenstherapie ist da wirklich sinnvoller. Müsste aber über 9 Monate auf einen Platz warten ☹️ Zahlt die Krankenkasse eine zweite Therapie überhaupt? Weisst du das?
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