ZG wieder sehr schlimm

Austausch persönlicher Erfahrung mit der Depression/Psychose vor und nach der Geburt

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Madre85
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ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Madre85 »

Hallo ihr lieben!

Viele kennen meine Geschichte ja schon. Mir ging es die letzte Zeit richtig gut. Jetzt,seit 3Tagen sind die ZG und Impulse dermaßen stark wie noch nie. Manchmal denke ich ich bin kurz davor meinen Sohn etwas anzutun. Ich kämpfe richtig dagegen an. Ich habe Angst mit ihn alleine zu sein. Ständig Angst die Kontrolle zu verlieren. Ich weiß auch oft nicht wie ich ihn beschäftigen könnte. Hab oft keine Lust ihn zu beschäftigen. Mach es aber trotzdem weil er mir dann leid tut und ich mir geschworen habe immer für ihn da zu sein. Ich kümmere mich wirklich gut um ihn. Trotz diesen Gedanken und diese Lustlosigkeit. Ich nehme 150 Sertralin und bin gerade auf Grund gesundheitlicher Probleme dabei Aripiprazol abzusetzen. Das ist mit meiner Hausärztin besprochen. Ich brauch eben nur eine Bestätigung dass ich meinen kleinen nichts tun werde.
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Claudia
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Claudia »

Hey Du Liebe,

Zwangsgedanken werden niemals nie ausgeführt! Du wirst Deinem Sohn also niemals etwas antun! Das haben mir mehrere Psychiater bestätigt. Die Gedanken machen uns einfach Angst, völlig verständlich.
Könnte es evtl mit dem Ansetzen zu tun haben, dass die Zwangsgedanken wieder vermehrt auftreten?
Ich wünsche Dir sehr, dass es vorübergehe Absetzsymptome sind. Ansonsten halte doch noch mal Rücksprache mit dem Arzt.
LG
Claudia
Geburt meiner Tochter 12/2009
PPD mit ZG und Angstzustände seit 02/2010
Citalopram und Opipramol
Verhaltenstherapie
Rückfall 2011 nach Absetzen der Medikamente
Erneut Citalopram und Opipramol
Rückfall 2013 nach Antibiotika
Rückfall 06/2017 nach Nikotinentzug und Stress
Aktuell 20mg Escitalopram und 200mg Quetiapin
Mat1977
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Mat1977 »

Liebe Madre,

ich möchte dir hier ein Auszug aus dem Blog von einem Psychiater posten, der mir persönlich sehr zuspricht. Und das schreibt er über das Absetzen, vielleicht trifft das ja auch auf dich zu?

Ich muss mir den Artikel immer wieder laut vorlesen, wenn ich das Gefühl habe, das Ausschleichen vom Mirtazapin macht es mir zu schaffen.

Das Absetzen von Antidepressiva ist für einige Patient:innen mit deutlichen und unangenehmen Absetzsymptomen verbunden: Grippeartiges Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, BrainZaps, Stimmungsinstabilität, Nervosität und anderes kann auftreten und typischerweise zwei bis drei Wochen deutlich vernehmbar sein. Die Mehrzahl der Patient:innen, die Antidepressiva absetzen, berichten gar keine oder nur milde Absetzsymptome, so dass die Strategie ist, einfach zwei Wochen durchzuhalten und nicht fälschlich zu denken, die Depression käme zurück. Die kommt nämlich kaum je so schnell zurück, in den ersten drei Wochen nach Dosisreduktion der Antidepressiva sind Verschlechterungen nach der guten alten Daumenregel auf die Dosisreduzierung zurückzuführen, erst danach muss man frühestens an eine Verschlechterung der Depression denken, aber auch nach mehr als drei Wochen kann sich eine Verschlechterung des Zustandes um ein Absetzphänomen handeln. Quelle https://psychiatrietogo.de/2020/06/20/taperingstrip/

Vielleicht
03.16 - 2. Geburt - Panikattacken, Schlaflosigkeit - 150mg Sertralin
06.18 - ausgeschlichen
11.18 Rückfall 150 mg Sertralin,TP
12.19 ausgeschlichen
02.20 Absturz nach Jobverlust,30mg Mirtazapin
06. bis 09.20 Escitalopram 25 mg, 7,5 Mirta - nicht genug Besserung
10.20 Escitalopram, Mirta ausgeschlichen, 100 mg Sertralin, 25mg Quetiapin
Nelli
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Nelli »

Liebe Madre,
ich fühle mit dir!
Ich kenne das nur allzugut, gerade bei plötzlichen Tiefs ist es entsetzlich. Ich glaube, ich habe es schonmal geschrieben: der von dir beschriebene "Impuls" ist keiner. Es ist der Moment, in dem dein Körper von Angst überrannt wird, und gemäß der ZG-Logik interpretiert man das als Impuls. Es ist aber keiner! Eher ein Schock-Moment, in das sich deine Psyche flüchtet, vor lauter Angst, deinem Kind was anzutun, was NIE passieren wird, NIE!
Dass du das in diesen Phasen nicht glauben kannst, gehört zur Symptomatik. Unsere ratio steigtr da irgendwie aus. Aber diese Kranheit ist mittlerweile gut erforscht. Gedankliche Zwänge sind anders als Handlungszwänge, die sich um eigentlich triviale Dinge drehen.
Das heißt: bei Zwangs-GEDANKEN stellt man sich als Täter vor, der Furchtbares tun wird. Bei Zwangs-HANDLUNGEN wiederholt man ständig Dinge, die nicht schlimm, sondern normal und notwendig sind, deren Wiederholung aber quält. Ich schreibe dir das deshalb, damit dir klar wird, dass ZG nichts mit Handlungen zu tun haben und umgekehrt Zwangs.Handlungen, die du ja nicht hast, nichts mit schlimmem zu tun haben. Es ist eine Fehlschaltung im Gehirn. Typisch ist z.B., dass der Inhalt der ZG nach einem schockierenden Medienkonsum (wie bei mir), Trauma oder eben im Rahmen einer PPD auftreten. Bei mir hat er leichteres Spiel als bei jemand anderem, weil ich sehr genau, sensibel und eine Vieldenkerin bin, gepaart mit in Teilen niedrigem Selbstbewusstsein und der Neigung zu Schuldgefühlen infolge von übersteigertem Verantwortungsgefühl.
Es ist wichtig zu sehen, dass die jetzige Symptomatik mit dem Absetzen in ZUsammenhang stehen kann, aber eben nicht bleiben wird. Und sollte dir das Medi doch fehlen, wird sich eine Alternative finden. Hast du einen Therapeuten, bin gerade nicht im Bilde?
Und zum Kind: es gibt nichts Lähmenderes als ein Kind zu bespaßen, ehrlich. Ein Tag allein mit Baby/Kleinkind kann der Horror sein, erst recht, wenn man noch nicht ganz gesund ist. Und natürlich kümmerst du dich gut um ihn, daran zweifele ich keine Sekunde! Aber es IST anstrengend und das Glück, ein Kind zu haben, ist mehr als dieser Alltag. Der Alltag ist aufreibend, man ist traurig, wütend, überfordert, gelangweilt. Weil es Arbeit ist. Mein Mann hat es mal so gesagt: Hätten Babys Bärte, würde man sie echt links liegen lassen ;) Das hat die Natur gut gemacht, mit den Hormonen und dem Kindchenschema, sonst würde das nicht funktionieren. Aber immer liebt man das KInd, auch ohne, dass man das spürt. Auch, wenn man genervt ist... das hat nichts mit mangelnder Liebe zu tun.
WAs du beschreibst, kenne ich und viele andere, von A bis Z. Du bist niemals allein und Du wirst es schaffen. Und nirgendwo auf der Welt ist dein Kind sicherer als bei DIR.
Nelli
Mel
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Mel »

Wow, Nelli, das hast du echt toll geschrieben!
Und, liebe Madre, mir tut es echt leid, dass es dir gerade so schlecht geht.
Könnte man nicht gleichzeitig das Sertralin erhöhen oder das Aripiprazol durch ein anderes Medikament ersetzen. Mich macht auch stutzig, dass dein Hausarzt dich da begleitet. Was ist denn mit deinem Psychiater/ deiner Psychiaterin?
Mel
PPD seit Juli 2017, seitdem Mirtazapin 15mg
(Mit Unterbrechung), dann 30mg Mirtazapin und Opipramol 75mg,
Seit Sept. 2019 Sertralin,
mittlerweile 200mg und 15mg Mirtazapin.
Opipramol ausgeschlichen
Madre85
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Madre85 »

Ich danke euch allen für eure Antworten. Ich melde mich wenn der kleine Mittagsschlaf macht.
Madre85
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Madre85 »

Mittag bin ich leider nicht dazu gekommen. Bin mit meinen kleinen eingeschlafen :lol:
Heute geht es mir etwas besser. Die ZG sind noch da,aber nicht mehr ganz so krass. Ich kann plötzlich auch wieder besser mit diesen Gedanken umgehen.
Nelli
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Nelli »

Das hört sich sehr gut an! Das hört sich nach Genesung an, wirklich. Sei tapfer.
Madre85
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Re: ZG wieder sehr schlimm

Beitrag von Madre85 »

Gut ist es noch nicht. Es ist besser. Aber ich denke der Urlaub in 10 Tagen wird mich auf andere Gedanken bringen. 2 Wochen Andalusien. Ich freu mich.
Heute bin ich sehr müde. Mein kleiner war heute Nacht sehr unruhig. Wir haben kaum geschlafen.
Wird heute ein anstrengender Tag.
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